Gitarre Hersteller_Mooer
Test
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17.11.2017

Mooer Red Truck Test

Multieffektgerät für E-Gitarre

Stressbrett to go

Mit dem Mooer Red Truck hat der chinesische Hersteller von Effektpedalen im XXS-Format ein Multi-Effektpedal im Programm, das in seinem Gehäuse Hall, Echo, Modulationseffekte, Distortion, Overdrive und Booster bereithält. Das Besondere an dieser Konstruktion sind die Regler, die jedes Pedal für diverse Parameter bereithält und die ein intuitives Bedienen ermöglichen, ohne in irgendwelche Programmierebenen eintauchen zu müssen.

Dazu passt, dass der Red Truck sich in einem Live- und einem Preset-Modus betreiben lässt, wobei Ersterer jeden einzelnen Effekt wie eine separate, traditionelle Stompbox schaltet, und der Preset-Modus über jeden Fußschalter eine Kombination von Effekten aktiviert. Insgesamt ein äußerst interessantes Konzept, das laut Papierform alles beinhaltet, was ein Gitarrist braucht, zumal auch eine Speakersimulation an Bord ist.

Details

Optik/Bedienung:

Das Red Truck Pedal wird in einem Softcase geliefert, zusammen mit einer Bedienungsanleitung, die auch auf der Herstellerwebsite zu finden ist. Es bringt exakt 1200 Gramm auf die Waage und fällt mit 360 x 96 x 51 mm im Vergleich zu den sonst eher kleinen Pedalen von Mooer recht groß aus. Das ist auch gut so, denn unser Kandidat zeigt sich ausgesprochen bedienerfreundlich und kommt dementsprechend mit jeder Menge Regler und Schaltmöglichkeiten auf dem Stahlblechgehäuse.

Aber bevor wir am ersten Poti drehen, schauen wir uns die Anschlussmöglichkeiten an, die allesamt an der Stirnseite versammelt sind. Hier findet sich links die Eingangsbuchse und als Ausgang stehen zwei Anschlüsse für den Stereobetrieb bereit - beim Monobetrieb kommt die linke Ausgangsbuchse zur Anwendung. Auch an einen frequenzkorrigierten Kopfhörerausgang wurde gedacht. Send- und Return-Buchsen deuten auf einen Effekt-Einschleifweg hin, der im Signalpfad zwischen den Zerrstufen und den Modulationseffekten platziert ist.

Was mit dem Effekt-Loop so alles möglich ist, lässt sich anhand der folgenden Bilder ersehen.

Beispielsweise kann man ein externes Pedal (oder auch mehrere) integrieren.

Der Red Truck lässt sich mit der "Vier-Kabel-Methode" mit einem Verstärker verwenden, wobei die Zerrstufen mit dem Eingang des Amps und die Modulationseffekte mit dem Send und Return des Verstärkers verbunden werden.

Das letzte Beispiel zeigt ein Wet/Dry-System. Dabei gibt ein Speaker das trockene Signal aus, zwei weitere den Effektsound. Die Unterseite des robusten Chassis wurde nicht nur mit breiten Gummifüßchen versehen, die ein Wegrutschen auf glatten Böden erschweren, auch das folgende Diagramm findet sich dort:

Ein Standard-9-Volt-Gleichstromnetzteil wird zum Betreiben des Red Truck benötigt, ist jedoch nicht Teil des Lieferumfangs. Sobald ein Stromspender mit dem Pedal verbunden wird, ist es betriebsbereit, einen An/Aus-Schalter gibt es nicht. Auch Batteriebetrieb ist nicht möglich. Soweit die Anschlüsse.

Die Oberseite des Red Truck beherbergt, wie bereits erwähnt, eine Vielzahl an Regelmöglichkeiten, auf die ich nun näher eingehen möchte. Los geht es ganz rechts mit der Zerrabteilung.

DRIVE: Basierend auf dem Mooer Rumble Driver soll dieser Zerrer einen warmen, analogen Overdrive liefern. Es lassen sich Gain, Tone und Volume regeln.

  • PURE BOOST: Basierend auf Mooers Micro Pedal Pure Boost liefert dieser in der Drive-Abteilung untergebrachten Booster einen maximalen Cleanboost von 20 dB und lässt sich per Kippschalter aktivieren. Hier sind zusätzlich Bass und Treble regelbar, und zwar jeweils um +/- 15dB.

DIST (Distortion): Klanglich basierend auf einem britischen Verstärker soll hier vom leichten Crunch bis zum High-Gain-Sound einiges möglich sein. Zum Feinjustieren stehen Treble, Mid, Bass, Level und Gain bereit.

  • Mid Boost: Ermöglicht einen Boost der Mittenfrequenzen und wird in der Distortion-Sektion mit einem Kippschalter aktiviert.

MOD: Die Modulations-Abteilung des Red Truck bietet Tremolo, Phaser und einen Chorus/ Flanger.

Als Einstellmöglichkeiten stehen folgende Regler zur Verfügung:

  • Level: Bestimmt den Effektmix zum Direktsignal
  • Rate: Bestimmt die Geschwindigkeit der Modulation
  • Depth: Bestimmt die Intensität des Modulationseffekts
  • Dreifachschalter: Hier wird der jeweilige Modulationseffekt angewählt
  • Rhythm: Bestimmt die Modulationsgeschwindigkeit in Relation zum Tap-Tempo (Tap-Schalter)

DELAY: Hierbei handelt es sich um ein Digitaldelay, mit dem drei Delay-Typen möglich sind.

1. Digital: ein kristallklares 80's Delay
2. Echo: basiert auf einem Scheibenecho wie dem berühmten Binson Echorec.
3. Analog: hier wird ein BB Style (Bucket Brigade = Eimerketten-Echo) imitiert.

Auch beim Delay gibt es eine ganze Reihe an Einstellmöglichkeiten:

  • Level: Bestimmt die Lautstärke der Echowiederholungen
  • Time: Bestimmt die Verzögerungszeit
  • Feedback: Hier wird die Anzahl der Wiederholungen eingestellt
  • Dreifachschalter: Die drei oben genannten Delay-Typen stehen zur Wahl. Sub Division: Regelt die Echozeit in Relation zum Tap-Tempo (Tap Schalter) in 1/4, 1/8, 1/16, 1/4T, 1/4D, 1/8T, 1/8D.

REVERB: Stereo Digital Reverb

  • Level: Bestimmt das Mischungsverhältnis von Effekt- zum Direktsignal
  • Decay: Bestimmt die Länge des Reverbs
  • Tone: Hier wird der EQ des Reverbs eingestellt
  • Shimmer: Addiert eine Oktave nach oben zum Reverb
  • Mod Depth: Mischt eine Modulation zum Reverb
  • Mod Rate: Bestimmt die Geschwindigkeit der Modulation

Der Tap-Schalter dient neben dem Eingeben des Tempos mit dem Fuß auch zum Aktivieren des Stimmgerätes, das sich auf der linken Seite der Bedienfläche befindet und mit einem mehrfarbigen und ausreichend dimensionierten Display aufwarten kann. Ist das Stimmgerät aktiv, wird das Ausgangssignal gekappt. Alle fünf Effekte lassen sich mithilfe stabiler Metallfußschalter an- beziehungsweise ausschalten, der aktive Zustand wird von einem grünen Lichtkranz um den jeweiligen Fußschalter angezeigt, eine sehr sinnvolle Einrichtung. Der Tap-Schalter besitzt ebenfalls einen Lichtkranz, der im Takt lila aufblinkt.

Zum besseren Ablesen der Reglerstellungen der Potis auch im Dunkeln leuchten diese rot, sobald der jeweilige Effekt aktiviert wird. Werden Tap- und Reverb-Schalter gemeinsam gedrückt, kann zwischen Live- und Preset-Modus geschaltet werden.

Fünf Presets lassen sich abspeichern und mit einem der fünf Effektschalter wieder aufrufen, während im Live-Modus quasi fünf unabhängige Effektpedale zur Verfügung stehen. Der jeweilige Modus wird mit einem "P" für Preset oder "L" für Live auf dem Display angezeigt.

Das ausgesprochen robuste Pedal wird in China hergestellt und macht einen sehr guten Eindruck, einzig die kleinen Potis oberhalb der Fußschalter wirken etwas fragil. Aber in Relation zum Preis von nicht einmal 250 Euro und der Menge an Einstellmöglichkeiten habe ich damit kein Problem.

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