Gitarre Hersteller_HarleyBenton
Test
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26.07.2021

Harley Benton Aeolus Frost Flame Test

E-Gitarre

Gerösteter Budget-Leckerbissen

Die Harley Benton Aeolus setzt auf das klassische Single-Cut-Design, dem Gibson bereits 1952 mit der legendären Les Paul zu Ruhm verhalf. Die Besonderheit dieses Modells liegt aber zusätzlich in einer Semiakustik-Korpusbauweise, die quasi den Ansatz von Gibsons Single-Cut und der Electric Spanish (ES) vereint und vom amerikanischen Traditionshersteller ebenfalls schon einmal angeboten wurde.
Das vorliegende Modell gehört zur Pro Serie Harley Bentons, geht aber dennoch, wie von der Thomann-Hausmarke gewöhnt, für einen sehr erschwinglichen Preis über die Ladentheke. Zusätzliche Flexibilität sollen außerdem die Tesla VR-2 Alnico 5 Humbucker ermöglichen, die als Extra-Schmankerl eine Split-Coil-Option mitbringen. Wie die kompakte Semiakustik klingt, verrät euch der folgende Test.

Details

Lieferumfang und erster Eindruck

Geliefert wird die in Indonesien gefertigte Harley Benton Aeolus ohne Tasche mit einem Werkzeug zum Nachstellen der Halsneigung. Die Semiakustik bringt 3,46 kg auf die Waage und macht bei der ersten Begutachtung einen solide verarbeiteten Eindruck, offenbart aber im Detail auch eine kleine Unsauberkeit am Griffbrett. Zudem hinterlassen die F-Löcher in ihrer Bearbeitung bei genauem Hinsehen ein etwas rustikales Bild. Der Korpus der Gitarre ist nicht komplett hohl, sondern wie bei vielen anderen Modellen dieser Art mit einem Sustain-Block in der Mitte ausgerüstet, der verhältnismäßig viel Platz im Korpus einnimmt und das Instrument weniger Feedback-anfällig macht. Die Zargenhöhe fällt außerdem im Vergleich zu einer 335, die ich im Studio habe, fühlbar kräftiger aus. Insgesamt macht die Gitarre also für eine Semiakustik einen recht massiven Eindruck. Nicht alltäglich für ein Modell dieser Art, aber dennoch sehr praktisch ist der Zugang zur Elektronik über zwei Fächer auf der Rückseite, so wie man es auch von vielen Solidbody-Modellen kennt.

Korpus/Elektronik

Diese Single-Cut setzt ebenfalls auf den bewährten Mahagonikorpus, kommt aber bei einem Preis von knapp 400 Euro natürlich mit einer furnierten Riegelahorndecke. Zum Test liegt uns die Gitarre in der seidenmatten Lackierung Frost Frame vor, alternativ ist das Modell auch im hochglänzenden Flame Bengal Burst erhältlich. Auch wenn die Harley Benton Aeolus sich ohne Frage am berühmten Vorbild orientiert, setzt sie im Korpusdesign mit kleinen Details wie beispielsweise der Konturierung des unteren Horns durchaus eigene Akzente. Umschlossen wird die Decke von einem einlagigen Holz-Binding, der Korpus ist ansonsten mattschwarz lackiert. Die Saiten nehmen ihren Lauf über eine verchromte WSC Tune-O-Matic-Style-Bridge. Für die Klangübertragung stehen außerdem zwei Tesla VR-2 AlNiCo 5 Humbucker bereit, die Harley Benton erst seit kurzer Zeit verbaut und die auch in den neuen SC-550 II Modellen zum Einsatz kommen. Wie schon einleitend erwähnt, lassen sich die Pickups splitten, womit (statt der gewohnten drei Sounds) sechs verschiedene Klangfarben zur Verfügung stehen. In der Bedienung setzt dieses Modell auf ein möglichst simples Konzept und bietet dem Anwender lediglich ein Master-Volume- und ein Master-Tone-Poti. Das Tone-Poti beherbergt außerdem eine Push/Pull-Option und deaktiviert damit jeweils eine Spule der beiden Humbucker. Ansonsten werden die Pickups über den bewährten Dreiwegschalter angewählt oder zusammengeschaltet.

Hals

Der eingeleimte Hals weist im Profil ein etwas kräftigeres C auf, ist aus geflammtem Ahorn gefertigt und wurde anschließend geröstet - eine Prozedur, die momentan stark in Mode ist und demzufolge von diversen Herstellern angeboten wird. Das ebenfalls aus Ahorn gefertigte und geröstete Griffbrett beherbergt 22 Blacksmith Medium-Jumbo-Bünde aus Edelstahl, die an den Kanten sauber verrundet, leider aber abschließend nicht ausreichend poliert wurden. Für die nötige Griffbrettorientierung sorgen weiße Pearloid-Punkteinlagen. Einen weiteren auffälligen Unterschied zur klassischen Single-Cut stellt die etwas längere Mensur von 635 mm (25") dar, der Graphtech TUSQ-Sattel misst dagegen typische 43 mm. Erstaunlich für die Preisklasse hat Harley Benton diesem Modell Locking-Mechaniken von Grover spendiert, die ebenfalls verchromt sind.

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