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Electro-Harmonix Nano Big Muff Pi Test

Praxis

In der linken Ecke wartet mein alter Big Muff Pi auf die Rundenglocke. Er verließ zwar schon in den Endsiebzigern die Fertigungsstätte in New York, zeigt sich aber immer noch ziemlich muskulös. Denn wenn man bei beiden Kontrahenten alle Regler in die mittlere Position stellt, muss man bei seinem kleineren Gegnereinen erheblich schwächeren Pegel feststellen. Prinzipiell ist das kein Nachteil, denn man kann mit dem Level nachregeln. Um auf gleiche Leistung zu kommen, habe ich den Volume-Regler des Nano Muffs auf 15 Uhr gestellt, während der des Originals auf 12 Uhr bleibt. 

GitarreMuffVolumeToneSustain
Les PaulVintage121212
Nano151212
Audio Samples
0:00
Vintage 1 Nano 1

Im Sound sind sie auch etwas unterschiedlich, der Vintage Muff hat eindeutig mehr Höhen und einen etwas durchsetzungsfähigeren Sound, außerdem ist der Bassbereich etwas druckvoller. Aber das sind nur die ersten Bestandsaufnahmen, die noch keine allzu große Aussagekraft haben, denn auch beim Frequenzbild sind noch Gestaltungsmöglichkeiten vorhanden. Jetzt habe ich den Tone-Regler des Nano Muffs noch etwas weiter aufgedreht und wir kommen dem Vintage Muff ganz gut auf die Spur. 

GitarreMuffVolumeToneSustain
Les PaulVintage121212
Nano151311,5
Audio Samples
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Vintage 2 Nano 2

Wie man sieht, habe ich nicht viel geschraubt, aber es tut sich trotzdem einiges – die Potis sind recht feinfühlig und haben einen guten Wirkungsgrad. Im direkten Vergleich mit dem Vintage Muff klingt der Nano Muff zwar nicht genau identisch, aber das hätte ich auch nicht erwartet, denn irgendwie haben diese Zerrer ihr Eigenleben und nicht immer die identischen Toleranzen in den Schaltungen und Bauteilen. Dadurch gleichen sie eben nicht wie ein Ei dem anderen. 

Der Nano muss ein wenig anders eingestellt werden, um einen mit dem Vintage-Muff weitestgehend identischen Sound zu generieren – aber das ist alles im Rahmen!
Der Nano muss ein wenig anders eingestellt werden, um einen mit dem Vintage-Muff weitestgehend identischen Sound zu generieren – aber das ist alles im Rahmen!

Man kann dem kleinen Kasten aber auf jeden Fall bescheinigen, dass der Grundcharakter des beliebten Muff-Sounds eindeutig getroffen ist. Er generiert eine amtliche Säge mit sattem Sustain. Und genau dieser Säge und ihrem Sägebereich widmen wir uns nun.  Mit dem komplett zurückgedrehten Sustainregler erhält man einen moderaten Distortionsound, der aber auch bei minimaler Verzerrung ein stattliches Sustain im Gepäck hat. Kurz vor neun Uhr macht die Verzerrung einen starken Sprung. Dorterhält man bereits einen körnigen Distortion-Sound, dessen Zerrgrad im Laufe des Regelweges nicht mehr extrem zunimmt. Er wird nach 12 Uhr dichter, das Kompressionsverhalten wird noch stärker und selbstverständlich auch das Sustain, der Ton steht wie eine Eins. Der Regler macht seinem Namen also alle Ehre. Der Klang wird bei hohen Verzerrgraden leicht matschig, aber das ist typisch für den Muff-Sound, es soll dreckig klingen und das tut es auch bei unserem neuen Nano-Modell. 

GitarreVolumeToneSustain
Les Paul14147-9-12-15-17
Audio Samples
0:00
Sustain 7 Sustain 9 Sustain 12 Sustain 15 Sustain 17

Aber auch bei so viel „Dreck“ bleibt der Nano Muff differenziert. Er macht den Ausgangston der Gitarre nicht platt und die Unterschiede zwischen den Pickups sind nach wie vor vorhanden. Dass das der Fall ist, stellt das nächste Beispiel klar unter Beweis. Hier habe ich zuerst mit dem Halspickup gespielt und nach zwei Runden auf den Steg-Tonabnehmer umgeschaltet. Bei niedrigeren Sustain-Einstellungen ist unser Testkandidat auf jeden Fall Hendrix-Sound-tauglich.

GitarreVolumeToneSustain
Strat141410
Audio Samples
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Lead

Auch mit dem Tone-Regler lässt sich allerhand anstellen, der zeigt sich nämlich recht zupackend. Bei zurückgenommenem Poti werden die Höhen abgesenkt und die Bässe angehoben. Der Sound ist dann sehr kräftig im unteren Bereich, für den Bandeinsatz könnten solche extremen Settings aber etwas schwierig werden. Dreht man weiter auf, wandelt sich das Klangbild, die Höhen werden angehoben und die Bässe abgesenkt. Meine favorisierten Sounds liegen in etwa zwischen 10 und 15 Uhr. Aber wie man hören kann, lässt sich hier durchaus am Sound basteln, von weichen Fuzztones bis zur kratzigen Säge ist einiges im Angebot. Ihr hört im nächsten Beispiel das wandernde Tone-Poti, beginnend bei Linksanschlag.

GitarreVolumeToneSustain
Strat147-1711
Audio Samples
0:00
Tone
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