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08.03.2019

Zu Besuch beim Drum Sampling für das neue 2Box E-Drum Modul

Oder: Wie kommen eigentlich die Samples ins E-Drum?

Als Elektro-Trommler macht man sich beim alltäglichen Umgang mit seinem Instrument kaum Gedanken darüber, woher die enthaltenen Sounds überhaupt kommen. Dass die meisten akustischen Klänge eines E-Drumsets irgendwann einmal von einem echten Drummer auf einem echten Instrument eingespielt worden sind, macht man sich oft nicht bewusst. Davon, dass solche Aufnahmen durchaus recht aufwendig sein können, haben wir uns beim Besuch einer Sampling Session für den schwedischen Hersteller 2Box überzeugt, der uns hier einen außergewöhnlich umfassenden Blick hinter die Kulissen gewährt hat.

Erklärtes Ziel der Session war das Sampling eines Anteils der neuen Library für das auf der NAMM 2019 angekündigte 2Box DrumIt Five MkII. Genauso wie alle bisherigen E-Drum-Module von 2Box, wird auch dieses neue Modell eine offene Sound-Architektur bieten und den Import von Multisamples mit bis zu 127 Velocity-Stufen erlauben – hierbei handelt es sich sozusagen um das vornehme Alleinstellungsmerkmal der schwedischen E-Drum-Hardware. Im Gegensatz zu dem seit 2018 erhältlichen 2Box DrumIt Three wird die Größe des internen Speichers aber bei stattlichen 32 Gigabyte liegen, und zusätzlich wird ein Card Slot die Verwendung von SD-Karten zur Speichererweiterung ermöglichen. Bei so viel Speicherplatz muss natürlich Content her!

Das mehrtägige Recording fand im idyllischen Städtchen Wallenfels im persönlichen Studio von Drummer und 2Box-Artist Mike Müller statt, der bereits Samples für die Library des DrumIt Three beigesteuert hat. Gesampelt wurden zwei komplette Drumsets: ein Sonor SQ1 (10“, 12“, 16“, 20“) mit der zugehörigen 14“ x 6,5“ Snare und ein Cube Acryl (ebenfalls 10“, 12“, 16“, 20“) mit einer 14“ x 5“ Cherry Snare (ebenfalls von Cube) mit Wood Hoops. Als kleines Extra kam eine 5,5er Brady Jarrah Snare dazu, und weiterhin standen ein Beckensatz aus dem Hause Samsun, eine 14er Sabian HHX Hi-Hat und zwei Becken-Stacks auf dem Programm.

Nicht nur laut und leise, sondern auch diverse Anschlagzonen

Ein wesentlicher Punkt beim Drum Sampling ist, dass Trommeln und Becken bei unterschiedlicher Anschlagstärke nicht nur lauter oder leiser, sondern grundsätzlich ganz unterschiedlich klingen. Eine kräftig angespielte Snare resoniert natürlich ganz anders als eine vorsichtig mit der Stockspitze angetippte Snare. Um der Realität in dieser Hinsicht gerecht zu werden, müssen also mehrere Samples für verschiedene Stufen der Anschlagstärke aufgenommen werden, und man kann durchaus eine Verbindung zwischen der Anzahl dieser Samples und dem letztendlichen Realismus des Klangs herstellen. Gerade der Hersteller 2Box hat auf diese Disziplin schon immer großen Wert gelegt und rangiert damit in etwa im Bereich von komplexen Software-Lösungen wie zum Beispiel dem Toontrack Superior Drummer 3. So wurden von Snares über 120 Abstufungen von Schlägen in der Mitte des Fells und zusätzlich 20 bis 30 Rimshots sowie 15 bis 20 Sidesticks aufgenommen. Ein so großer Sample-Pool ist durchaus außergewöhnlich für ein E-Drumset!

Bei den Toms fiel die Anzahl mit etwa 60 Samples für die Center-Artikulation geringer aus. Im Gegenzug wurden diese im Fall des Sonor SQ1 aber in zwei unterschiedlichen Stimmungen mit Clear- und Coated-Fellen und zusätzlich in einer Variante mit gespanntem und folglich mitschwingendem Snare-Teppich gesampelt. Letzteres galt beim SQ1 auch für die Bass Drum, die selbst wiederum einmal mit geschlossenem Frontfell und einmal mit Loch im Frontfell verewigt wurde. Hier wurden jeweils 20 bis 30 Samples als ausreichend empfunden. Bei alledem wurde sorgfältig auf das Tuning und die Mikrofonierung der einzelnen Trommeln geachtet und dafür gesorgt, dass beispielsweise die Toms untereinander so einheitlich wie möglich klingen. In Anlehnung an das Aussehen der Wellenformen auf dem Bildschirm des Rechners war im Studio von Mike Müller die Rede vom „Tannenbäume trommeln“.

Große Herausforderung: das Sampling der Becken

Noch aufwendiger als das Sampling von Trommeln ist das Sampling von Becken – schon alleine deshalb, weil ein Becken nun einmal viel länger abklingt. Im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern verzichtet 2Box darauf, die Decay-Phasen vorzeitig zu stutzen und damit nebenbei Speicherplatz zu sparen. Etwa 25 Samples von der Beckenfläche, 15 Samples von der Beckenkante und 10 bis 15 Samples von der Beckenglocke durften bei den Aufnahmen jedes einzelnen Beckens also komplett abklingen, bevor der nächste Schlag kam – und das Gleiche galt für die Hi-Hats, die mit ihren fünf Öffnungsgraden und jeweils 30 bis 50 Samples von Bow- und Edge-Artikulationen die größte Herausforderung darstellten. Gerade beim Abklingen der Becken und dem Übergang zur Stille war das Vermeiden von unerwünschten Nebengeräuschen ein großes Thema. Natürlich will man später beim Spiel auf dem E-Drumset nicht hören, wie ein Rettungswagen vor dem Studio vorbeifährt oder der Schlagzeughocker knarzt. Die Konsequenz ging in diesem Fall so weit, dass Mike Müller nicht nur vollkommen still sitzen musste, sondern während der Abklingphasen der Becken sogar die Luft anhielt, um Atemgeräusche zu vermeiden.

Minimierung des Grundrauschens ist ein heißes Eisen

Aus der technischen Perspektive war auch das Minimieren des Grundrauschens in der Aufnahmekette ein wesentlicher Punkt, zu dem es Richtwerte aus der schwedischen Zentrale von 2Box gab. Während man sich in der regulären Musikproduktion mit ein wenig Rauschen üblicherweise problemlos anfreunden kann (einige heiß begehrte Vintage-Mikrofone rauschen wie Bolle), ist es beim Sampling für ein E-Drumset absolut angebracht, so sauber wie möglich unterwegs zu sein. Ganz abgesehen davon, dass der Endkunde die Aufnahmen in isolierter Form zu hören bekommt, ist es ganz normal, dass bei einem E-Drumset mehrere Abklingphasen von Samples gleichzeitig abgespielt werden – und durch diese Überlagerung vervielfacht sich auch das Rauschen. Dies war bei der Auswahl des Recording Equipments ein wesentlicher Punkt.

Ansonsten unterschied sich die Sampling Session für 2Box aus der technischen Perspektive kaum vom normalen Wahnsinn einer regulären Schlagzeugaufnahme. Neben den zum Teil mehrfachen Direkt-Mikrofonen an den einzelnen Trommeln gab es Stereo-Overheads (2x Microtech Gefell M294) mit einem zusätzlichen Center-Mic (Microtech Gefell M930) und ein Front-Of-Kit-Mic (Rode K2). Der etwa 60 Quadratmeter große Raum befindet sich mit seiner Akustik auf der trockenen und kontrollierten Seite und wurde mit zwei Stereo-Raumkanälen aufgenommen (2x Rode NTR und 2x Rode NT-2A). Bei den Vorstufen kamen die internen Preamps eines Midas Venice Mischpults sowie Equipment von Universal Audio und SPL zum Einsatz.

Die so aufgenommenen Samples müssen vor dem Portieren in das Sound-Modul und der letztendlichen Veröffentlichung natürlich noch gemischt und sauber geschnitten werden. Nach dem aktuellen Plan wird es im DrumIt Five MkII mehrere Versionen mit unterschiedlich stark ausgeprägten Raumanteilen geben, was eine sehr feine Sache ist. 

Auch das Mixing hätte ich mir gerne genauer angesehen, aber leider musste ich schon vor diesem Punkt die Heimreise antreten. Und natürlich bin ich sehr gespannt darauf, die Samples aus dieser Session mit dem fertigen DrumIt Five MkII selbst anzuspielen.

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