Vocals
Test
6
03.07.2020

Praxis

Workflow

Zoom hat beim V6 etwas grundlegend richtig gemacht: Den Verzicht auf Submenüs. Während ich mich bei anderen Vocal-Geräten wie etwa dem BOSS VE-500 oder der TC Helicon Voice Live-Serie oft minutenlang im Miniaturdisplay verliere, um die Tonart oder bestimmte Effektparameter zu finden, habe ich beim Zoom schon längst meinen Wunscheffekt eingestellt. Zwar mögen die Konkurrenzprodukte etwas mehr Parameter anbieten, aber gerade im Live-Kontext bringt mir das herzlich wenig, wenn ich keinen intuitiven Zugriff darauf habe. Das ist beim Zoom V6 zum Glück anders. Auch der Looper ist angenehm unkompliziert, selbsterklärend und dadurch sehr intuitiv. What you see is what you get. But do I like, what I get?

Klang

Der Zoom V6 hat einen soliden Grundsound mit extrem geringem Eigenrauschen. Die jeweiligen Bearbeitungsmöglichkeiten der vielen Effekte halten sich etwas in Grenzen, was wohl auf die Größe des Gerätes und das minimalistische Bedienkonzept zurückzuführen ist. So lässt sich bei den Reverb-Effekten am Adjust-Poti lediglich eine Kombination aus Dry/Wet-Mix und Reverb-Länge regulieren. Dafür sind weitere Parameter wie EQ oder Pre-Delay schon von Haus aus recht gut auf Vocal-Anwendungen abgestimmt. Der Plate kommt im Gegensatz zum sanften Hall auffällig höhenlastig daher.

Das Low-End wurde etwas stiefmütterlich behandelt, die Effekt-Sounds fallen phasenweise eher mittig und etwas dünn aus. Je nach Stimmfarbe ist das aber für Gesangszwecke gar nicht so fatal und dürfte so manch einen FOH-Menschen erfreuen, da bei Vocals ohnehin meist die Tiefbässe abgesenkt werden. Bei den Octaver-Effekten wird dann wiederum doch klar, dass der V6 auch tief kann, wenn er denn will.

Speziell bei seinen Pitch-Effekten steht sich der V6 leider etwas selbst im Weg, denn bei Effekten wie Vocoder, Talkbox oder Robot hemmt eine auffällige Latenz den Workflow deutlich. Es besteht eine hörbare Verzögerung zwischen Dry- und Wet-Signal, die den Zoom gerade im Live-Kontext für jegliche rhythmische, schnelle Anwendungen zum Spielverderber werden lässt. Das ist auch bei seiner Konkurrenz keine Seltenheit, bleibt aber trotzdem eine unangenehme Nebenwirkung. Praktisch und schnell ist hingegen die Formanten-Manipulation mittels des On Board-Pedals, wie ihr im "Octave"-Hörbeispiel anhand der drei Variationen hören könnt.

Eine weitere Schwachstelle bei Pitch-Effekten ist das unsaubere Tracking der Tonhöhe. Im Bereich etwas tieferer Männerstimmen wird noch nahezu jede Tonhöhe sauber analysiert und entsprechend im Effekt-Signal ausgegeben. Je höher jedoch die Gesangsstimme, desto unsauberer das Tracking. Ab einer Tonhöhe im Bereich F1 vertut sich das Zoom-Pedal teilweise um einen Halbton, gerade bei großen Terzen stellt es sich ganz schön an und ist etwas unregelmäßig in der Reaktion. Im folgenden Hörbeispiel könnt ihr hören, wie der interne Pitch-Tracker ein und dieselbe gesungene Melodie jeweils stark unterschiedlich interpretiert und verarbeitet.

Sobald das Pitchtracking aus dem Spiel gelassen wird, hat der Zoom V6 eine sehr direkte Ansprache. Die zurecht aggressiv klingenden Distortion- und Filter-Sounds dürften sich im Live-/Studio-Mix super durchsetzen. Ein wenig ungünstig gewählt ist die Verteilung der Effekte auf die unterschiedlichen Sektionen. Denn wenn ich einen Distortion-Effekt wähle, kann dieser nicht mit einem Reverb/Delay kombiniert werden. Es gilt: Entweder ­- oder. Da aber in diversen Sounds zusätzlich ein Reverb vorkommt, wäre eine separate Reverb/Delay-Sektion wünschenswert gewesen.

Außerdem vermisse ich auch eine Art globalen Mix-Regler. Bei manchen Effekten lässt sich der Mix-Anteil mittels Adjust-Poti regeln, bei vielen ist er allerdings festgelegt und der Anteil des Originalsignals lässt sich nicht regulieren. Wenn ihr also neben allem Effekt-Spaß trotzdem noch ein Originalsignal hören wollt, müsst ihr je nach Effekt noch ein zweites "Dry"-Mikrofon neben das Mikrofon stellen, das in den Zoom wandert.

Das mitgelieferte Mikrofon macht klanglich eine erstaunlich gute Figur, wirkt trotz seiner Kondensator-Kapsel keineswegs zu sehr höhenbetont und schirmt Außengeräusche fabelhaft ab. Tatsächlich liegt es soundtechnisch gar nicht so weit weg vom Bühnen-Klassiker Shure SM58, wie ihr in folgendem A/B-Vergleich hören könnt:

Kommen wir zur Harmonizer-Sektion: Die ist an sich herrlich intuitiv aufgebaut. Durch mehrfaches Tippen auf die jeweiligen Harmony-Buttons lassen sich sogar die Level der einzelnen Harmonie-Stimmen ausbalancieren. Ein deutliches Problem ergibt sich hingegen beim Zoom V6 bei den voreingestellten Intervallen für die Modi High, Low usw. Denn je nach Stellung der gesungenen Note innerhalb der eingestellten Tonart variiert beispielsweise das Intervall im "Higher"-Modus. Praktisch gesprochen: Ich befinde mich in der Tonart C-Dur/A-Moll und singe den Ton "A". Die "High"-Harmony produziert logischerweise die kleine Terz C dazu. Die "Higher"-Harmonie hingegen vervollständigt den Moll-Dreiklang nicht, sondern addiert statt einer Quinte eine kleine Sexte, woraus statt dem logischen und gewünschten A-Moll ein F-Dur in Terz-Stellung resultiert. Beim Gesangston "D" in der Tonart A-Moll wird mir hingegen ein reiner Moll-Dreiklang ausgespuckt. Um jetzt einen A-Moll Dreiklang mit den internen Harmonys zu erzeugen, muss ich die Tonart auf G-Dur/E-Moll wechseln. Aber ich will mich ja eigentlich grundsätzlich im tonalen Bereich von C-Dur/A-Moll bewegen. Dieser Workaround ist weder intuitiv noch sonderlich musikalisch, da in der Praxis teilweise gewünschte Mollklänge nicht möglich sind und die schönen, automatischen Dreiklangsbewegungen, die wir von anderen Harmonizern gewohnt sind, verhindert werden.

Der Looper liefert eine gute Tonqualität, die sich keineswegs hinter Geräten wie dem TC Ditto oder dem BOSS RC-3 verstecken muss. Die internen Effekte sind hier Pre Loop geschaltet, d. h. sie werden mit aufgenommen, können aber nicht nachträglich auf den Gesamt-Loop gelegt werden

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