Hersteller_Yamaha
Test
3
27.11.2010

Praxis

Sound

Der neue Tyros 4 hat einen hervorragenden, druckvollen Grundsound. Man hört tatsächlich den Unterschied zum Vorgänger - Yamahas Slogan entspricht also der Realität. Der Klang ist weiterentwickelt worden, der für den Tyros typische „edle“, durchsichtige Charakter der Sounds wurde noch einmal verbessert. Dabei fallen die Verbesserungen vor allem bei den Naturinstrumenten auf. Das Konzept der SA- und SA2-Voices ist durchdacht und macht Spaß. Schließt man die Augen, ist es manchmal unmöglich, die synthetische Version eines Naturinstrumentes vom Original zu unterscheiden! Das gilt sowohl für Blasinstrumente als auch für Akustikgitarren. Hier liegt ganz klar die Stärke des Tyros! Die Piano-Sounds sind brauchbar, Concert- und PopGrand lassen sich gut einsetzen. Die E-Pianos haben sich seit dem Tyros 1 nicht grundlegend geändert, sie könnten ein Update vertragen und wirken im Vergleich zu anderen Voice-Gruppen ein wenig vernachlässigt. Schade.

Die Orgeln sind ok, die Organ-Flutes, also die Zugriegelsimulation ist aber zu brav; es ist sehr schwierig, dem Orgelsound hier etwas „Dreck“ zu verpassen. Nun ja, eine Röhre ist eben nicht drin im Tyros 4. Strings und Orchestersounds klingen sehr echt und sind in einer fast schon verwirrenden Anzahl an Variationen vorhanden. Sie verleihen den Styles viel Tiefe, das kann man z.B. im Style „Ethereal Movie“hören, der ohne Metrum gespielt wird (free play):

Die Brass-Section besticht durch gutes Durchsetzungsvermögen. Auch die Chöre sind unglaublich authentisch. Es gibt vom einfachen „Doo“ bis zum „ShooBeeDooBah“ alles was das Herz begehrt - wobei bei Voices der letzten Sorte jede Silbe bei erneutem Anschlag gesungen wird.

Vocals

Dieser Bereich wurde ebenfalls überarbeitet. Der Gesang wird durch das neue Vocal-Harmony-2- (VH2-) Verarbeitungsmodul geschickt, das jetzt auch Synth-Vocoder-Effekte erlaubt. Damit kann nicht nur ein Chor passend zur gespielten Harmonie erzeugt werden (wie es auch schon im alten Tyros möglich war) - jetzt hat man auch die Möglichkeit ein Solo mit Vocodersound einzubauen, oder seine Stimme durch den Harmonizer zu schicken um Barry White zu imitieren oder das Lied der Schlümpfe anzustimmen.

Dabei ist das Modul sehr flexibel und es sind z. B. Parameter wie Formanten und die 10 Bandpassfrequenzen des Vocoders einstellbar und im User-Bereich abspeicherbar. Ein echter Fortschritt.

Audio Recorder/Player
Mit dem HD-Recorder gelingen hochwertige Aufnahmen des Gespielten und Gesungenen in „Record“-Zeit. Die Daten liegen bei der Simple-Aufnahme im .wav-Format vor; wenn Overdub-Aufnahmen gemacht werden, wird in einem Tyros-spezifischen Format aufgezeichnet. Das Ganze lässt sich aber abschließend mittels MixDown in .wav-Daten konvertieren. Verbindet man den Tyros über die USB-Host-Schnittstelle mit einem Computer, kann von dort aus auf die interne Festplatte des Tyros zugegriffen und z. B. eine CD gebrannt werden. Auf der mitgelieferten CD-Rom befindet sich übrigens ein Voice-Editor für Windows-Rechner. Als Mac-User ist man da im Nachteil. Ich finde allerdings, Yamaha müsste die große Apple-Gemeinde unter den Musikern auch mit entsprechender Software versorgen. Lediglich MIDI-USB-Treiber sind erhältlich. Auch der oben erwähnte Zugriff auf die Festplatte des Tyros ist mit dem Mac problemlos drin. Erstmals kann man mit dem Tyros 4 auch MP3-Files abspielen, die man z. B. auf einem USB-Stick gespeichert hat.

Mit dem Audio-Player ist es auch möglich, MP3s in das Tyros-Format zu konvertieren und weitere Spuren dazu aufzunehmen.

Sonstiges
Die Bedienung des Tyros 4 ist intuitiv, das Display sehr gut ablesbar - auch aus ungünstigen Winkeln. Alle Bedienungselemente des Frontpanel sind ergonomisch angeordnet und schnell zu finden. Die Keyboard-Tastatur ist eine hochwertige Synthesizer-Tastatur und gut spielbar. Schade, dass Yamaha noch nie einen Tyros mit 76 Tasten herausgebracht hat. 61 Tasten sind gerade dann wenig, wenn man mit Styles spielt und noch für die rechte Hand einen Splitpunkt gesetzt hat.

Der Tyros 4 kann mit  einem 512MB bzw. ein 1024-MB-Flash-Speicher-Erweiterungsmodul aufgerüstet werden, wie es auch im neuen Motif XF zum Einsatz kommt. Damit lassen sich eigene Wave-Dateien importieren und dauerhaft abspeichern. Man kann dann seine eigenen Voices und Drumvoices erstellen. Der Vorteil dieses Flash-Speichers liegt darin, dass Sounds sofort zur Verfügung stehen und keine Ladezeiten benötigen. Es gibt im Internet auch fertige Packs mit z.B. SA2-Voices zu kaufen, die man hier ablegen kann. 

Was ich beim Tyros vermisse ist eine Manualbass-Taste. Will man beim Benutzen der Begleitautomatik den Bass – z. B. am Ende eines Songs – einmal nicht mehr automatisch spielen lassen, sondern selbst spielen, so muss man eine umständliche Tastenkombination drücken, um zum Ziel zu kommen oder vorher eine entsprechende Registration programmiert haben. Konkurrenzgeräte schaffen das mit nur einem Befehl.

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