Hersteller_Yamaha
Test
3
27.11.2010

Details

Aufbau

Das Erscheinungsbild des Tyros 4 hat sich – verglichen mit dem Tyros 3 - kaum verändert. Im Gegensatz zu bisherigen Versionen wurde das Gehäuse diesmal vollständig vom Vorgänger übernommen: Das Gerät besitzt eine 61-Tasten-Tastatur, die in dieser Qualität seit dem Tyros 2 verbaut wird. Das mächtige 640 x 480 Pixel TFT Farb-Display kann in fünf Stufen aufgerichtet oder im Instrument flach eingebettet werden.

Um den Bildschirm herum befinden sich Bedientaster, mit denen sich das angezeigte Menü auswählen oder umschalten lässt. Ein Touchscreen wie im Konkurrenzmodell von Korg hat Yamaha auch zur Freude von sehbehinderten Benutzern nicht verbaut. Unterhalb des Displays gibt es neben einem Datawheel acht Schieberegler, mit denen schnell und einfach z. B. der Gesamtmix verändert werden kann. Sie dienen auch als Zugriegel-Ersatz für die Orgel-Simulation. Dabei kommt dann auch der einzelne Assign-Regler zum Einsatz (9.Zugriegel), der sich aber auch für viele andere Zwecke verwenden lässt. Die übrigen Bedienfelder auf der Gehäuseoberseite des Tyros 4 sind den einzelnen Bereichen der Workstation zugeordnet: „Style“ zur Auswahl des Begleitpatterns, „Voice“ für den gerade gesuchten Sound, „Song“ für die Steuerung, Aufnahme und Wiedergabe von Midifiles und mit den „Mic“-Tastern wird das Mikrofon eingestellt. Die Taster „Audio Recorder/Player“ steuern den eingebauten HD-Recorder. Die großen blauen Leuchttaster, die ergonomisch in Tastaturnähe angebracht sind, wechseln bei Aktivierung ins Orange und stellen, was das äußere Erscheinungsbild betrifft, den auffälligsten Unterschied zum Vorgängermodell (grün/orange) dar. Mit diesen Tastern gelingt auch im Dunkeln die direkte Anwahl von Parts, Registrationen und die Steuerung der Styles. An der Vorderseite gibt es zwei Anschlüsse: Eine Kopfhörerbuchse und ein USB-Device-Anschluss, den man z. B. mit einem USB-Stick bestücken kann, um Daten in den Tyros zu laden.

Die Rückseite des Tyros 4 lässt einige Besonderheiten erkennen:

Ein LAN-Anschluss ermöglicht die direkte Verbindung mit dem Internet, zwei MIDI IN/OUT-Stränge gibt es seit der ersten Generation, der Mikrofonanschluss ist als XLR-Klinke-Kombibuchse ausgelegt. Dieser Anschluss war im Tyros 3 noch nicht eingebaut, besitzt allerdings keine Phantomspeisung, sodass nur dynamische Mikrofone eingesetzt werden können. Auf der Rückseite gibt es zwei weitere USB-Anschlüsse, einen für ein zusätzliches USB-Device oder für die Verbindung mit einem Computer. Dazu kommen RGB-out und VIDEO-out, mit denen man Lyrics auf einem externen Computer- oder Fernseh-Bildschirm anzeigen kann. Auch das optional erhältliche Lautsprechersystem TRS-MS04 wird hier angeschlossen. Man kann es direkt auf den Tyros aufstecken.

Voices
Bei den Sounds wurde noch einmal nachgelegt: Es stehen 993 Voices, 30 Organ Flutes, 480 XG Voices, 256 GM2 Voices und 44 Drum/SFX Kits zur Verfügung. Die Tonerzeugung ist 128-stimmig.

Es gibt vier direkt über Leuchttasten anzuwählende, split- und layerbare Keyboard-Parts: Left und Right 1-3. Yamaha hat sich mit der Einführung des Tyros die besonders naturgetreue Nachbildung von Naturinstrumenten zum Ziel gesetzt. Dabei wurden zunächst neben den normalen Sounds sogenannte „Mega-Voices“ eingesetzt, die durch Velocity-Switching verschiedene Klänge unterschiedlicher Spieltechniken in eine Voice integrierten. Aufgrund der komplexen Natur dieser Voices und den erforderlichen genauen Velocity-Werten zum Spielen dieser Sounds sind sie aber nicht dazu gedacht, per Tastatur live gespielt zu werden. Sie werden vielmehr in Styles oder Songs verwendet.

Seit dem Tyros 2 führte man die „Super-Articulation-Voices“ (SA-Voices) ein, die man sich als spielbare Mega-Voices vorstellen kann. Das Gerät erkennt Spieltechniken wie Staccato, Legato und z. B. große Tonhöhenintervalle und setzt diese hörbar um. Je nach Sound und Spielweise werden unterschiedliche Effekte erzeugt – z. B. Bundgeräusche einer Gitarre, das Glissando einer Klarinette oder Atemeffekte einer Trompete. Als zusätzliche Spielhilfe dienen die beiden rechts vom Modulationsrad angeordneten Taster Art.1 und Art.2.

Mit ihrer Hilfe erzeugt man beispielsweise Flageoletts einer Nylon-Gitarre oder besondere Artikulationseffekte beim Drücken bzw. Loslassen einer Taste wenn man z.B. eine Mundharmonika möglichst naturgetreu wiedergeben möchte.

Die „Super-Articulation-2!-Voices“ (SA2-Voices), die mit dem Tyros 3 eingeführt wurden, sind noch komplexer. Blasinstrumente und Geigen setzen die AEM-Technologie (Articulation Element Modeling) ein, bei der ein nahtloses Verbinden verschiedener Samples z.B. die Erzeugung eines realistischen Vibratos erlaubt. Bisher modulierte einfach ein LFO die Tonhöhe eines Sounds, bei den SA2-Voices wird die gesampelte Vibrato-Waveform während des Spiels analysiert und zerlegt und die zerlegten Daten nahtlos zusammengefügt. Das Vibrato klingt so echter und kann über das Modulationsrad in der Tiefe beeinflusst werden.

Auch Chor-Voices sind erheblich aufgewertet worden: Mithilfe des neuen Ambient-Sampling-Verfahrens konnte die Akustik des Raumes besser erfasst werden. Es gibt 164 SA- Voices und 15 SA2-Voices. Die Art.1- und Art.2-Taster leuchten blau, wenn eine Super-Articulation –Voices angewählt wurde, die diese Taster verwendet. Voices lassen sich selbst erstellen, editieren und als eigene User-Voices speichern.

Styles und Co.
Auch die Zahl der Styles wurde erhöht. 500 sind es jetzt, sie profitieren von den verbesserten SA-Voices und neuen Drumkits. Jeder Style besitzt drei verschiedene Intros, vier Variationen, vier Fill-Ins, drei Endings und einen Break. Die Lautstärken der einzelnen Parts lassen sich bequem mit den Schiebereglern über die Mixingkonsole einstellen. Auch viele andere Parameter kann man in den Untermenüs verändern. Vom Tuning über Filtereinstellungen bis zu den verwendeten Sounds lässt sich so gut wie jeder Part manipulieren. Neben den Styles gibt es die vier Multipads, die mit 164 völlig unterschiedlichen Bänken belegt werden können.

Die Pads sind dann mit One-Shot-Phrasen oder Loops belegt, die synchron zum Arranger ablaufen. Das reicht von Vocal-Einzähl-Samples (One-Two-Three-Four) bis hin zu ausgefeilten Gitarrenriffs, die sich auch harmonisch dem gespielten Linke-Hand-Akkord anpassen.

Ein weiterer oft verwendeter Bereich ist OTS. Die One-Touch-Funktion ist mit einem Style verknüpft. Sie besteht auch aus vier Leuchttasten, die jeweils eine andere zum Style passende Instrumentierung einstellen, sodass man sich zunächst nicht auf die Suche nach geeigneten Instrumenten machen muss. Aktiviert man die OTS-Link-Taste, wird jede der vier Variationen des Styles automatisch mit einer One-Touch-Registrierung verknüpft. Man hat die Möglichkeit eigene One-Touch-Settings zu erstellen und abzuspeichern. Mit dem „Music Finder“, der durch eine weiß leuchtende Taste aufgerufen wird, kann in einer Art Datenbank gezielt nach einem bestimmten Genre oder sogar nach einem Song-Titel gesucht werden. Der Tyros stellt dann alles automatisch passend ein und man kann mit Sync-Start sofort loslegen. Neben Styles lassen sich hier auch Songs verknüpfen

Man kann diese Datenbank erweitern, indem man sie selbst schreibt, oder man sich von der Yamaha-Website neue Datensätze herunterlädt. Styles, Multipads und Midifile-Songs lassen sich, wie es sich für ein Arranger-Keyboard der Oberklasse gehört, ändern oder selbst erstellen und abspeichern. Eine 250-GB-Festplatte lässt beim Thema Speicherplatz keine Wünsche offen. Alle Einstellungen, auch die Styles, die Parts der Keyboardtastatur, Vocal-Einstellungen usw. werden in Registrierungen abgelegt; jeweils acht ergeben eine Bank. Auch diese Registrierungen werden mit Leuchtastern angewählt.

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