Keyboards Hersteller_Yamaha EK_Mittelkl_Keyboard
Test
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31.05.2021

Praxis

Bedienung

Das Instrument ist nach wenigen Sekunden spielbereit und das Hauptmenü des PSR-SX600 ähnelt sehr dem Erscheinungsbild des Genos. Auf dem Display werden alle wichtigen Einstellungen dargestellt, darunter die eingestellten Voices sowie die Namen des aktuellen Styles, Songs, Registers und der Multi Pad Bank. Der Bildschirm ist wesentlich schärfer und kontrastreicher als beim Vorgänger PSR-S670. Trotzdem sind 4,3“ Bildschirm-Diagonale aber nicht gerade üppig und man sollte schon gute Augen oder eine Lesebrille haben, um alle Feinheiten zu erkennen.

Die Vorgehensweise bei der Anwahl eines Sounds ist die folgende: Nehmen wir an, wir wollen den Klang des Parts „Right 2“ ändern. Zum einen kann man nun das entsprechende Feld im Hauptmenü auswählen. Dazu betätigt man das Datenrad oder die Cursor-Tasten, bis das Feld von Right 2 weiß umrandet ist und drückt ENTER. Zum anderen gibt es die Möglichkeit, die Soundanwahl direkt über die Taste PART SELECT RIGHT 2 zu öffnen. Komischerweise musste ich beim Testgerät diese Taste zweimal betätigen, bevor sich das Auswahlfenster des aktuellen Sounds öffnete. Ich denke, es handelt sich um einen Bug. Zur endgültigen Auswahl des neuen Sounds kann man über die VOICE-Kategorie-Taster eine neue Kategorie auswählen und anschließend mithilfe der Cursor-Tasten oder des Datenrads den gewünschten Klang anwählen und mit ENTER übernehmen. Dieser Vorgang ist also etwas umständlich, weil auch um das Display herum keine Tasten zu Anwahl vorhanden sind. Ohne die Enter-Taste geht nichts. Trotzdem ist die Vorgehensweise intuitiv, man kommt also auch ohne Bedienungsanleitung klar. Ähnlich verläuft die Anwahl von Styles, Songs oder Multi Pads. Das gesamte Bedienkonzept ist gut durchdacht. Drückt man den DIRECT ACCESS Button gleichzeitig mit einem Bedienelement, so wird sofort das zugehörige Untermenü geöffnet. 

Tastatur und Lautsprecher

Die 5-Oktaven-Tastatur ist nicht gewichtet, hinterlässt aber einen guten Eindruck. Dadurch, dass die schwarzen Tasten eine leicht angeraute Oberfläche haben, hat man einen guten „Grip“ und bewältigt auch schnelle Passagen ohne abzurutschen. 

Die eingebauten 12 cm-Lautsprecher mit jeweils 15 Watt Leistung erzeugen ein druckvolles, ausgewogenes Klangbild. Die Bassreflex-Öffnungen tragen ihren Teil dazu bei. Für sehr kleine Beschallungs-Situationen reicht das aus, sobald ein größerer Raum beschallt werden soll, müsste allerdings eine Verstärker-Anlage angeschlossen werden. 

Voices

Keine Frage: Hier hat Yamaha ordentlich nachgelegt und die Zahl der Voices mehr als verdoppelt. Viele neue Sounds sind hinzugekommen und ein paar alte Klänge des PSR-S670 sind in den Legacy-Ordner gewandert. Mit 850 Voices, 43 Drumkits und den 480 XG-Voices ist die Auswahl riesig! 

Die Aufteilung in Kategorien wurde etwas verändert: Die Akkordeons wurden mit in den Orgel-Ordner gelegt, dafür bekamen Gitarren und Bässe jeweils eine eigene Kategorie. Außerdem erhielt der Ordner „SYNTH“ noch den Zusatz „&PAD“. Die Pads waren aber auch beim PSR-S670 schon in diesem Ordner. Beim PSR-SX600 sind in Form neuer Features jetzt auch viele sogenannte Super Articulation (S.Art!)-Voices dazugekommen. Diese Klänge ermöglichen es, in Echtzeit subtile, sehr realistische musikalische Ausdrucksweisen zu bewirken, einfach durch die Spielweise, oder indem man einen Fußtaster verwendet. Es gibt leider keinen normalen Taster, der mit der S.Art!-Funktion belegt werden könnte. Hier eine Auswahl neuer und alter Klänge:

Piano/Orgel & Akkordeon 

Die neuen S.Art!-Orgeln - wie hier die „WhiterBars MW“ - simulieren die Umschaltung der Rotor-Geschwindigkeit durch Betätigen des Modulationsrads. Dabei wird zwischen den beiden Samples „slow“ und „fast“ umgeschaltet. Diese Umschaltung geschieht recht abrupt, was ich als störend empfinde. Viel besser war die Umschaltung bei den „alten“ Orgelsounds wie „DrawbarOrgan2“, die man jetzt im Legacy-Ordner findet: Hier wird ein echter Rotary-Effekt eingesetzt, dessen Parameter „Speed Control“ die Geschwindigkeit langsam und nicht so plötzlich ändert. 

Die Umschaltung geschieht hier per Fußpedal, da der DSP-VARI-Taster beim PSR-SX600 leider nicht mehr vorhanden ist. Ich finde, ein Assignable Taster hätte dem PSR-SX600 z. B. für solche Zwecke spendiert werden können.

Guitar, Strings/Choir und Brass/Woodwind

Alle Naturinstrumente klingen toll und sind in großer Vielfalt vorhanden. 

Synths/Pads und Perc/Drums

Die Synth-Sounds sind an die aktuellen Genos-Klänge angepasst worden. Vor allem diese Sounds lassen sich gut mit den Live-Control-Reglern „verbiegen“. Viele 80er-Sounds sind dazugekommen und spiegeln damit den Trend der Zeit wieder. Insgesamt sind die Klänge des PSR-SX600 durch die Bank sehr gut und für ein Instrument dieser Preiskategorie sensationell. Das liegt auch daran, dass der DAC (Digital-Analog-Converter) von Yamaha nochmals verbessert wurde. Mit der umfangreichen Harmony/Arpeggio-Funktion können die Voices in interessanter Weise harmonisch und rhythmisch an den Arranger gekoppelt werden. Eine neue Mono-Legato-Funktion wurde hinzugefügt, um spezielle Spielweisen zu ermöglichen.

Styles

Auch die Anzahl der Styles wurde mit 415 nahezu verdoppelt. Damit hat das PSR-SX600 sogar mehr Styles an Bord als das größere PSR-SX700. Die Kategorien wurden wie bei den Voices leicht „umgebaut“. Viele neue Styles sind im Grunde bekannt aus dem Genos und haben nun ihren Weg ins Einstiegsmodell gefunden. Der Klang der Styles hat auch dadurch an Qualität gewonnen, dass jetzt für alle 27 Parts ein Part-EQ vorhanden ist, mit dem Höhen und Bässe getrennt eingestellt werden können.

Die Styles wurden sehr geschmackvoll programmiert und es macht einfach Spaß, in die vielen verschiedenen Genres einzutauchen. Übrigens gibt es beim PSR-SX600 auch die „Smart Chord“ Funktion, die es erlaubt, mit nur einem Finger der linken Hand die zur (vorher eingestellten) Tonart passenden diatonischen Dreiklänge zu spielen. In C-Dur erklingt z. B. beim Spielen von “F” ein F-Dur, beim Spielen vom Ton “D” aber ein D-Moll. Damit kann auch der Einsteiger in kurzer Zeit zu schönen Hörerlebnissen kommen, obwohl die linke Hand nur die Grundtöne der Harmonien spielt.

Pop, Rock und Jazz

Das PSR-SX600 bietet auch viele neue World-Styles, um den großen weltweiten Markt auch in China, Africa und Brasilien bedienen. 

World

Mit dem Style „Ethereal Movie“ ist nun auch ein Freeplay-Arrangement vertreten, dass man ganz frei, ohne Takt spielen kann.

Entertainer

Unison & Accent

Ein ganz neues Feature des PSR-SX600 ist die Unison&Accent-Funktion des Arrangers. Die ist bisher noch nicht einmal im Genos vorhanden. Wenn die Unison-Funktion aktiviert ist, wird die Melodie der rechten Hand von den Parts des Arrangers unisono mitgespielt. 

Das heißt die entsprechende Phrase wird dadurch betont, dass weitere Begleitinstrumente wie Bass und Gitarre die Melodiestimme doppeln. Dabei wird das Fußpedal für die Dauer des Unisono-Effekts gedrückt. Während dieser Zeit setzten die Begleitspuren aus bis links wieder ein Akkord erkannt wird. Die Styles, die die Unison-Funktion unterstützen, sind mit der Notiz „Unison“ im Style Select Fenster gekennzeichnet. Bei der Accent-Funktion wird die Melodie der rechten Hand mit Akzenten – meistens des Schlagzeugs – betont. Hier zwei Beispiele, bei denen ich diese Effekte eingesetzt habe. Der Accent-Effekt ist nur im ersten Beispiel aktiviert.

Mixer, Balance und Channel On/Off

Während der Performance können alle wichtigen Parameter in Echtzeit verändert werden. Mit der Taste BALANCE kann schnell das Lautstärkeverhältnis der einzelnen Parts angepasst werden, mit CHANNEL ON/OFF werden einzelne Style- oder Songparts stummgeschaltet. Diese beiden Menüs werden nur in der unteren Hälfte des Displays eingeblendet. Für tiefgreifendere Editierungen wählt man den MIXER, mit dem man auch Effekt-Routings und beispielsweise den Master-EQ und den Compressor einstellt.

Registrations und Playlist

In einer Registration werden Kompletteinstellungen des Keyboards abgelegt. Acht Registrations bilden eine Bank. Es kann festgelegt werden, welche Parameter in einer Registration gespeichert werden sollen. Mit der FREEZE-Funktion können bestimmte Bereiche eingefroren werden, sodass sie sich beim Wechsel zu einer anderen Registration nicht verändern. So kann man beispielsweise durch Aufruf einer anderen Registration zu einem anderen Style wechseln, ohne dass sich das Tempo und die gerade gespielten Sounds verändern.

Yamaha hat sich vom Music Finder verabschiedet und die praktische SET LIST eingeführt. Register-Bänke können hier in eine Liste gesammelt werden, um bei einem Auftritt schnell von einem Song zum nächsten umschalten zu können. Man kann sich von der Yamaha-Seite eine „Bonus Playlist for PSR-SX600” herunterladen, in welcher Registrierungen für unzählige bekannte Songs, geordnet nach Genre, zusammengestellt sind. Auch das Video in diesem Test habe ich mit Einträgen aus dieser Playlist gespielt.

USB Audio Recorder/Player und Sequenzer

Im PSR-SX600 können Audio-Aufnahmen im WAV-Format direkt auf einen USB-Stick gemacht werden. Alle Audio-Beispiele in diesem Test sind so entstanden. Der getrennte Sequenzer nimmt das Gespielte in Form von MIDI-Events auf maximal 16 Spuren auf, die später editiert werden können. Bis zu 1MB Daten kann ein MIDI-Song enthalten, beim PSR-S670 waren es nur 300 kB.

Multi-Pads

Insgesamt stehen 188 Multi-Pad-Bänke als Presets zur Verfügung. Eine Multi-Pad-Bank besteht aus vier Multi-Pads, mit denen man Phrasen abfeuern oder Loops einstarten kann. Dabei können Multi-Pad-Phrasen auch aus Arpeggios bestehen, die sich passend zum gespielten Akkord ändern. Der Multi-Pad-Creator dient dazu, eigene Multi-Pads zu erstellen. Die Audio-Link-Funktion ermöglicht es, auch WAV-Dateien auf die Pads zu legen. Leider können diese Audio-Samples nicht als Loop abgespielt werden, das funktioniert nur mit MIDI-Pattern.

USB-Audio

Ein weiteres Feature, das in den größeren SX-Modellen und auch im Genos nicht vorhanden ist, ist die USB-Audio-Funktion. Über den USB-to-Host-Port werden nicht nur MIDI-Daten übertragen, sondern gleichzeitig auch Stereo-Audio in beide Richtungen. Ich habe beispielsweise das Video für diesen Test gemacht, indem ich das PSR-SX600 über ein USB-Kabel und einen USB-to-Lightning-Adapter direkt mit meinem iPhone verbunden habe. So bleibt alles auf der digitalen Ebene in höchster Qualität. Mit Yamahas rec´n´share-App kann man so Videos mit seiner eigenen Performance aufnehmen und sofort in Social Media posten. Ich habe das im Test des Yamaha PSR-E373 bereits genauer beschrieben.

Sonstiges

Im Gegensatz zum PSR-S670 kann man beim PSR-SX600 ein Mikrofon über ein Klinkenkabel anschließen. Es gibt zwar keine Vocal Harmony Funktion, aber man kann neben Reverb, Chorus, einen 3-Band-EQ, einen Compressor und sogar einen DSP-Effekt auf die Stimme legen. Neben der Gesangseinstellung gibt es eine getrennte Talk-Einstellung für Ansagen.

Das PSR-SX600 bietet auch einen „Chord Tutor“, der dem Keyboard-Einsteiger die Grundlagen der Harmonielehre vermittelt. Damit kann man sich alle wichtigen Drei- und Vierklänge darstellen lassen. Der Interne Speicher des PSR-SX600 ist mit 20 MB zehnmal so groß wie beim Vorgänger. Für neue Wellenformen und eigene Samples steht ein Expansion-Speicher von 100 MB (vorher 32 MB) zur Verfügung. Um ihn zu verwenden muss der Yamaha Expansion Manager (YEM) auf einem Computer installiert sein. 

Neben der Style-Section-Reset-Funktion, mit der man den Beat per Knopfdruck wieder auf den ersten Taktschlag zurückspringen lassen kann, gibt es beim PSR-SX600 auch das Half-Bar-Fill-In, also ein halbtaktiges Fill, das bei der Darbietung spezieller Songs durchaus wichtig sein kann, ich sage nur: „All Night Long“.

Yamaha PSR.SX600 Sound Demo (no talking)

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