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Test
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14.09.2016

Yamaha Montage Test

Synthesizer Workstation

Der Nachfolger

Es ist soweit: Der Yamaha Motif ist aus den Schaufenstern der Musikläden verschwunden und mit dem Montage steht das neue Spitzenmodell der Yamaha Synthesizer Workstations am Start. Sage und schreibe 15 Jahre nach Einführung des Motif und 5 Jahre nach dem XF wurde es Zeit für einen neuen Meilenstein. Ist der Montage ein würdiger Nachfolger? Vor allem braucht Yamaha eine schlagfertige Antwort auf den Korg Kronos, an den der Motif Marktanteile verloren hatte. Ob Yamaha mit dem Montage die Spitzenposition bei den Workstations behaupten und vielleicht sogar ausbauen kann, erfahrt ihr in unserem Test.

Yamaha hat den bewährten Motif XF nicht einfach aufgemotzt. Vielmehr hat man die bewährte Motif-Tonerzeugung entscheidend verbessert und ihr eine zweite, ebenfalls bewährte und beliebte Sound Engine zur Seite gestellt. Die aus dem guten alten DX7 (1983) bekannte FM-Synthese wurde für den Montage leistungsfähiger gemacht und wird hier als FM-X bezeichnet. Diese beiden Klangquellen werden mittels der neuen Motion Control Synthese vereint und gesteuert. Dabei kommen neue Elemente wie der auffällig bunt leuchtende und pulsierende Super Knob oder der Motion Sequencer zum Einsatz, die es erlauben, die Klänge des Montage tiefgreifend manuell oder automatisiert zu beeinflussen. Wie beim Motif gibt es den Montage in drei verschiedenen Ausführungen: den Montage 6 mit 61 Tasten, den Montage 7 mit 76 Tasten und den Montage 8 mit 88 Tasten und einer gewichteten Balanced-Hammer-Tastatur. Nach einem ersten Preview haben wir den Montage 6 inzwischen auf Herz und Nieren geprüft und geben mit diesem Test einen tieferen Einblick in die Möglichkeiten der neuen Workstation. 

Details

Aufbau

Das schwarze Metallgehäuse des Yamaha Montage macht einen sehr stabilen und robusten Eindruck, wie man es vom Nachfolger einer bei Live-Keyboardern überaus beliebten Workstation-Reihe erwarten darf. An den Seiten sind schwarze Kunstoffelemente verbaut, die durch ihre fast gummiartige Oberfläche wie Stoßfänger wirken, die das Gerät beim Transport schützen. Der obere Teil der Rückseite fällt dadurch auf, dass er nach innen gewölbt ist. Darauf ist nicht nur der Name des Herstellers und des Instruments in großen Lettern gedruckt, sondern auch die Bezeichnung der rückseitigen Anschlüsse, die man durch die konkave Wölbung auch von oben gut erkennen kann. 

Bedienfeld

Das Erscheinungsbild ist im Vergleich zum Motif wesentlich auffälliger und bunter geworden. Das Bedienfeld ist zwar grundsätzlich ähnlich strukturiert wie beim Vorgänger, es ist aber auch in wesentlichen Punkten modernisiert worden. In der Mitte freuen wir uns über ein 7 Zoll großes, grafisches Touch-LC-Display mit einer Auflösung 340 x 240 Pixeln. Damit können Parameter per Fingertipp angewählt und geändert werden – eine Technologie, um die Yamaha bisher einen Bogen gemacht hatte. Links vom Touch Screen befinden sich jede Menge Controller und Taster, die zur Klangbeeinflussung benutzt werden können. Je acht Drehregler und Fader mit LEDs sind dabei als erstes zu nennen. Die acht endlosen Drehregler sind immer in der richtigen Position, um den ausgewählten Parameter nach oben oder unten zu verändern. Man muss also nicht erst den aktuellen Wert „einfangen“, sondern kann den durch den LED-Kranz angezeigten Wert direkt verändern. Allein diese Kleinigkeit entpuppt sich im Livebetrieb nur allzu oft als sehr wichtig, wenn man beispielsweise einen Pad-Sound unter einem Piano langsam einfaden möchte, ohne dabei einen ungewollten Lautstärkesprung zu erzeugen. Bei den Fadern ist das natürlich nicht möglich – hier zeigen LED-Ketten den aktuellen Wert an, der vor einer Veränderung eingefangen werden muss. Die Drehregler können frei oder bestimmten fest vorgegebenen Parametern zugewiesen werden. Mit den Tastern ASSIGN, TONE, EQ/FX oder ARP/MS schaltet man diese Zuweisung um. Auch die Fader erfüllen je nach Modus unterschiedliche Aufgaben.

Ganz links auf dem Bedienfeld befinden sich der Fader für das Master Volume und die Taster ARP ON/OFF und MOTION SEQ ON/OFF zur Aktivierung des Arpeggiators und des Motion Sequencers. Mit dem Taster A/D INPUT ON/OFF und dem GAIN-Regler mit Peak-LED regelt man den analogen Audio-Eingang des Montage.

Der bisher unbekannte und farbenfroh beleuchtete und pulsierende Super Knob ist der Hingucker schlechthin auf dem Frontpanel des Montage. Er ist sozusagen die König der Controller, mit dem man die ohnehin schon zahlreich vorhandenen Drehregler simultan beeinflussen kann. Was man damit in der Praxis alles anstellen kann, schauen wir uns später noch genauer an.

Unterhalb der Fader erkennt man acht blau leuchtende Taster für die Aktivierung der sogenannten Scenes, einer weiteren Neuerung. Die Tasten für die Steuerung des eingebauten MIDI- und Audio-Recorders sowie für OCTAVE und TRANSPOSE liegen unterhalb des Super Knobs. Dort findet man auch den CONTROL ASSIGN Taster, mit dessen Hilfe man sehr schnell einen Klangparameter einem Controller zuweisen kann.

Rechts vom Display finden wir das Datawheel mit den obligatorischen Cursortastern sowie den Tasten DEC/NO, INC/YES sowie EXIT und ENTER. Ganz rechts liegt wie beim Motif ein recht großes Tastenfeld, dessen Funktion mit den umliegenden Tasten bestimmt wird. So dient es unterschiedlichen Aufgaben, je nachdem welcher Modus eingestellt ist. Sucht man einen Sound nach Kategorien, kann man die Suche nicht nur am Touch Screen durchführen sondern auch über dieses Tastenfeld. Auch die Anwahl von Parts und Elements sowie von Arpeggios und Motion Sequences innerhalb einer Performance ist über die orange leuchtenden Tasten möglich.

Schon bei den ersten Schritten mit dem Montage fällt auf, wie üppig und farbenfroh die Beleuchtung des Bedienfelds ist und wie viele Gedanken sich die Entwickler darüber gemacht haben müssen. Die meisten Taster des Montage sind beleuchtet und haben drei Zustände: Ist die Beleuchtung aus, haben sie keine Funktion, leuchtet der Taster schwach, ist er mit einer Funktion belegt und leuchtet er hell, ist diese Funktion aktiviert. Das hat den klaren Vorteil, dass man auf einem Blick erkennt, welchen Zustand ein bestimmter Parameter gerade hat und welche Möglichkeiten der Bedienung zur Verfügung stehen. Auch die Taster ASSIGN 1 und 2, die jetzt gut erreichbar neben den Pitchbend- und Modulationsrädern und dem Ribbon Controller liegen, leuchten zunächst nur schwach rot, wenn sie einem Parameter zugewiesen sind, und stärker, wenn man sie aktiviert hat. Beim Motif konnte nur der Name des Sounds Informationen darüber geben, ob diese zuweisbaren Taster eine Funktion für die Klangbeeinflussung hatten. Das ist beim Montage nun komfortabler gelöst.

Anschlüsse

Die Rückseite des Montage bietet ähnliche Anschlussmöglichkeiten wie der Vorgänger. Es gibt einen Master Output und einen Assignable Output, jeweils stereo ausgeführt als je zwei symmetrische Klinkenbuchsen (Balanced). Der A/D-Input ist auch in stereo, aber die beiden Klinkeneingänge sind nicht symmetrisch. Neben dem Kopfhöreranschluss können zwei Fußtaster (einer für Sustain) und zwei Fuß-Controller angeschlossen werden. Das MIDI-Trio IN/OUT/THRU wird unterstützt von einem USB TO HOST-Anschluss für die Verbindung zu einem Computer sowie von einem USB TO DEVICE-Port für einen Stick oder eine Festplatte für den Daten-Austausch. Neu ist der STANDBY/ON-Schalter. Dieser robuste Schalter wird zum Einschalten auf die Position ON gelegt und schaltet sich automatisch mechanisch (!) in die STANDBY Stellung zurück, wenn das Gerät eine bestimmte Zeit nicht benutzt wurde. Beim ersten Mal war ich doch sehr überrascht, dass dieser mechanische Vorgang des Umschaltens automatisch abläuft. 

Klang-Architektur

Mit dem Montage hält Yamahas neuer, erstmals im PSR-S970 eingesetzter Tongenerator SWP70 Einzug in die Workstations des Herstellers. Während im Motif XF und Tyros 5 noch zwei SWP51L werkelten, teilen sich im Montage jetzt zwei SWP70 die Arbeit, und das gibt einen ordentlichen Leistungsschub.

Beim Montage gibt es – im Vergleich zum Motif – nur noch ein Speicherformat für Klänge: die Performance. Die Zeit der Voice ist abgelaufen. Sie werden im Montage als „Single-Part-Performances“ bezeichnet und bestehen nur aus einem Part. Eine Performance kann bis zu 16 Parts beherbergen. Dabei können bis zu acht Parts als Layer- oder Split-Parts mit allen Performance-Funktionen belegt und auf der Tastatur verteilt gespielt werden. Die übrigen Parts 9-16 werden hauptsächlich für Recordings benutzt oder wenn sie von außen angesteuert werden. Alle Factory Performances bestehen aus maximal acht Parts. Das reicht auch in den allermeisten Fällen aus.

Das Seamless Sound Switching (SSS) bewirkt, dass ein nahtloses Umschalten von einer Performance zur nächsten stattfindet, ohne dass Hüllkurven oder Effekte plötzlich abbrechen. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Performances aus maximal acht Parts bestehen, was bei allen Factory Presets der Fall ist. Für den Live-Keyboarder ist das ein immenser Vorteil!

Sowohl die AWM2- als auch die FM-X Sound Engines sind jeweils 128-stimmig polyphon. Sucht man Performances über die Category Search Funktion, so erkennt man die Single-Part-Performances an ihren grünen Namen, während Performances mit mehreren Parts blau dargestellt werden. An den „Tag Flags“ sieht man, welche Engines in der Performance enthalten sind: AWM2 und/oder FM-X. Editiert man eine Performance, kann man Parts von anderen Multi-Performances kopieren und einfügen oder über die Performance Merge Funktion sogar mehrere Multi-Performances schnell zu einer großen Performance zusammenfügen.

Es gibt drei Arten von Parts: AWM2 Normal, AWM2 Drum und FM-X. AWM2 Parts sind mit herkömmlichen Motif Voices vergleichbar. Sie bestehen wiederum aus acht Elements. Dies ist die kleinste Einheit der AWM2-Synthese. Jedes Element ist mit einem Oszillator gleichzusetzen, mit eigener Wellenform, eigenen Pitch-, Filter- und Amplituden-Hüllkurven, eigenem LFO und eigenen Velocity- und Tastaturbereichen. Dadurch können innerhalb eines Parts bis zu acht verschiedene Sounds übereinandergelegt werden oder – durch entsprechende Velocity-Switches – sehr komplexe Multisamples realisiert werden. Drum-Parts sind ähnlich aufgebaut, haben aber eine etwas andere Parameter-Struktur und bestehen aus viel mehr verschiedenen Wellenformen.

Im Gegensatz zum Motif XF wurde der Wellenformen-Speicher beim Montage ungefähr verzehnfacht und umfasst jetzt fast 5,67 GB. Eine optionale Flash-ROM-Erweiterung für eigene oder gekaufte Wellenformen wie beim Motif XF gibt es nicht mehr, der User-Flash-Speicher ist jetzt werksseitig fest eingebaut und 1,75 GB groß. Das ist etwas weniger als die 2GB, mit denen der XF maximal bestückt werden konnte.

FM-X

Die FM-X Parts wiederum unterscheiden sich grundlegend von AWM2. Hier werden keine Elemente geschichtet, sondern acht Operatoren so zusammengeschaltet, dass sie sich gegenseitig frequenzmodulieren. Dabei kann man aus 88 möglichen Algorithmen der Zusammenschaltung wählen. Editiert man einen FM-X-Part im Montage, so werden die entsprechenden Menüseiten im Display mit einem bräunlichen Farbton unterlegt, der zusammen mit den meist grünen rechteckigen Schaltflächen stark an das Bedienfeld des legendären DX7 aus dem Jahr 1983 erinnert – ein nettes Detail.

Mit FM-X verfügt der Montage über eine erheblich potentere FM-Engine als der originale DX7. Die FM-Synthese des kultigen Vorbilds umfasste nur sechs Operatoren und 32 mögliche Algorithmen. Während beim DX7 nur Sinus-Schwingungen als Grundlage möglich wahren, stehen bei FM-X sieben verschiedene „Spectral Forms“ pro Operator zur Verfügung. Damit kann die erweiterte FM-X Engine des Montage die bekannten DX7-Sounds liefern, aber auch jede Menge Klänge, die mit dem DX7 gar nicht möglich waren.

Für den Yamaha DX7 und seine Verwandten gibt es so viele kostenlose und kommerzielle Patches wie für keinen anderen Synthesizer. Dem trägt Yamaha Rechnung und hat den Montage zu diesem Schazu kompatibel gemacht. Auf der Seite yamahasynth.com steht ein FM Converter bereit, um Klänge der legendären FM-Synths DX7, DX7II, TX802 und TX216/816 für den Montage zu konvertieren.

Effekte

Die Effektsektion wurde gegenüber dem Motif wesentlich leistungsfähiger gemacht. So stehen jetzt für alle 16 Parts einer Performance je zwei Insert-Effekte zur Verfügung (!), bei denen man aus 76 verschiedenen Typen auswählen kann. Als zusätzliche System-Effekte sind Reverb (12 Typen) und Variation (76 Typen) verfügbar. „Variation“ ist der neue Name des ehemaligen Chorus-Effekt-Blocks des Motif, der nur 22 verschiedene Typen ermöglichte, und umfasst nun deutlich mehr als bloß Modulationseffekte. Schließlich gibt es den Master-Effekt, der das Gesamtsignal des Montage mit 15 verschiedenen Effekttypen beeinflussen kann.

Auch EQs stehen in großer Zahl bereit: Jedes einzelne Element hat einen 2-Band-EQ, zusätzlich bietet jeder Part einen 3-Band-EQ vor den Insert-Effekten und einen 2-Band-EQ nach den Insert-Effekten, und der Gesamtklang der Performance kann durch den 5-Band-Master-EQ geschickt werden. Damit nicht genug: Auch das von außen zugeführte A/D-Input-Signal lässt sich durch den Effektblock schicken und mit eigenen Insert-Effekten belegen.

Im Montage wurden einige völlig neue Effekte implementiert, die man bisher in Workstations selten antraf, und die eher an Groove-Effekte aus Ableton Live oder DJ-Software erinnern. Ein Beispiel ist der Effekt „Beat Repeat“, der einen Beat regelrecht zerhackt. Im folgenden Audiobeispiel wird das durch Drehen des Super Knobs gesteuert. 

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