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Workshop
3
05.04.2013

Old School

Das vierte und letzte Programm dieses Workshops soll demonstrieren, wie flexibel man den internen Sampler in Verbindung mit der Klangerzeugung des Nord Stage 2 nutzen kann. Für die Samples habe ich mich bei Logic bedient und auf die Schnelle drei Loops sowie zwei Streicherphrasen rausgesucht, die uns als Platzhalter dienen sollen. Natürlich geht es ja vor allem bei dieser Anwendung darum, eigene Samples und Loops in den Nord Stage zu importieren, damit man sich auf der Bühne die MPC oder das Notebook sparen kann.

Um eigene Samples in den Stage zu importieren, benötigt man den Nord Sample Editor, der ebenfalls auf der Nord-Website kostenlos für Mac und Windows zum Download bereitsteht. Die Bedienung ist denkbar einfach. Mit Add... fügt man dem Sample-Editor Samples hinzu, die dann im Audio Files Fenster erscheinen. 

Dann klickt man die einzelnen Samples an und weist diese im linken unteren Fenster (Single Sample Per File Assign) mit Assign den jeweiligen Keyboard-Tasten zu. In unserem Fall belegen wir die Tasten folgendermaßen:

Loop_1: C2

Loop_2: C#2

Loop_3: D2

Strings_1: D#2

Strings_2: E2

Nun muss man noch im Reiter Sample Loop/Stop festlegen, welche Samples geloopt werden und welche als Oneshot erklingen sollen. Dafür wählt man oben auf der Tastatur das jeweilige Sample an (das dann gelb unterlegt ist) und legt unten links fest, ob und wie das Sample geloopt werden soll. Für die Drumloops auf den ersten drei Tönen (C2, C#2 und D2) aktivieren wir Long Loop (default). Wichtig ist nun noch, Loop Start auf 0,00ms zu stellen und den Length-Regler maximal nach rechts zu schieben. Die String-Samples sollen nicht geloopt werden, daher wird für die Tasten D#2 und E2 No Loop angeklickt.

Nun sind fast alle wichtigen Vorkehrungen zum Sample-Import in das Nord Stage getroffen. Bevor man den Prozess mit Generate (Download) abschließt, empfiehlt es sich, die Soundmanager-Settings als Projekt zu sichern. Damit ist gewährleistet, dass das Sample nach dem Generieren und Runterladen ins Instrument automatisch den Namen des Projekts trägt. In diesem Fall heißt das Projekt „Old School“ und taucht als solches auch im Sampler des Nord auf.

Für alle, die den Import, die Bearbeitung und das Mapping selber nachvollziehen und ausprobieren wollen, liegen neben den Programmen und den Files für den Sound Manager und den Sample Editor auch die Einzelsamples zum Download bereit.

Wichtig: Die Änderungen, die man an Loop-Settings, Start- und Endpunkten, Levels und dergleichen im Soundmanager vornimmt, werden im Nord Stage erst hörbar, wenn man erneut auf Generate klickt. Damit wird das alte Sample aktualisiert und überschrieben. Unter dem Reiter Manager (der eine abgespeckte Version des Sound Managers ist) kann man sehen, welche Nummer dem Sample zugeordnet wurde. Falls man das ns2p-File „Old School“ in den Nord Stage importiert, ohne per Sound-Manager das Sampler-Instrument „Old School nsmp“ (ebenfalls zum Download vorhanden) hinzuzufügen, werden die Samples nicht zugewiesen. Alternativ dazu kann man auch im Sample-Editor das File „Old School.nwiproj“ öffnen, diesem die Samples manuell zuweisen und dann per Generate (Download) in den Nord Stage importieren. Es kann übrigens immer nur entweder der Sound-Manager oder der Sample-Editor auf den Nord Stage 2 zugreifen, beide Anwendungen funktionieren nicht simultan in Verbindung mit einem Gerät.

Ich wende mich wieder dem Instrument zu und erstelle unter D:01:04 ein neues Programm mit dem Namen „Old School“. Hier ist wieder das Piano als Default eingestellt. Den Piano-Slot möchte ich diesmal wieder benutzen, allerdings nur auf der oberen Tastaturzone. Das Keyboard wird also mit KB ZONES wieder in drei Abschnitte gesplittet, die Splitpunkte verschiebe ich mit SHIFT + SET HI SPLIT / SET LO SPLIT unten auf E2/F2 und oben auf B4/C5.

Das Piano klingt nun noch etwas zu schön und normal, es soll stattdessen wie ein altes, staubiges Vinyl-Sample daherkommen. Diesen Effekt kann man mit folgenden Settings erreichen: Als Grundlage dient ein UPRIGHT (ich persönlich mag das Rain Piano), das ich in der AMP SIM / EQUALIZER Section im Frequenzganz bearbeite und leicht anzerre. Die Bässe werden mit -15dB maximal gecuttet, das Mittenband bei ca. 400Hz um -12dB beschnitten. Den DRIVE Regler hebe ich auf 5,0 an und wähle die Amp-Simulation SMALL. Um dem Klavier nun noch eine Portion „Vinyl“ zu geben, benutze ich den VIBE im zweiten Effektweg, dessen RATE bei 30 und AMOUNT bei 10,0 eingestellt werden. Durch den Univibe-Effekt bekommt das Klavier vor allem bei liegenden Akkorden den Charakter einer alten Schellack-Platte. Mit SHIFT + PSTICK / SUSTPED deaktiviere ich noch das Sustainpedal und ermögliche das Pitchbending für das Piano. Eigentlich eine Todsünde, in diesem Fall aber ein legitimes Mittel, um der „Platte“ bei Bedarf noch größere Gleichlaufschwankungen zu verpassen.

Mit ein wenig Aufwand können wir das Piano sogar „scratchen“: Das noch freie Control-Pedal belegen wir mit dem AMOUNT für das DELAY. Dafür setze ich den Delay-Anteil mittels AMOUNT auf 5,0. Dann bringe ich das Pedal wieder in die Nullstellung, drücke bei MORPH ASSIGN den Button CTRLPED und drehe den DELAY AMOUNT auf 0. Trete ich das Pedal nun durch, ist das Delay aus. Bringe ich es in die Nullstellung, wird der Delay-Anteil stufenlos dazugemischt. FEEDBACK setze ich auf 5,0, RATE / TEMPO beträgt 250ms, bzw. 120bpm (x2). Dem Aftertouch wiederum weise ich das TEMPO des Delays zu, und zwar indem ich bei MORPH ASSIGN den Button A TOUCH gedrückt halte und den RATE / TEMPO Regler ganz aufreiße. Jetzt habe ich den Delay-Anteil auf dem Pußpedal liegen und kann die Delay-Time mit Aftertouch kontrollieren. Durch die Analog-Delay-Simulation des Nord Stage fängt das Piano durch die plötzliche Änderung der Delay-Time bei Gebrauch des Aftertouchs ordentlich an zu quietschen, wie man gegen Ende des Audiobeispiels unten hören kann.

Jetzt kommen die eben erstellten Samples ins Spiel: Im unteren Tastaturbereich wird der Synth aktiviert. Ich wähle als Oszillator-Quelle SAMP aus und drehe am LOAD SOUND Encoder, bis im Display „Old School“ erscheint. Spielt man nun das C2, erklingt sofort die importierte Loop, die ich bei Betätigung des Sustainpedals endlos laufen lassen kann. Mit den danebenliegenden Tasten kann ich die Loop variieren und die Streicher ins Spiel bringen.

Abschließend soll noch ein Kontrabass den leeren mittleren Bereich der Tastatur füllen. Im SLOT B ist der Synth noch frei. Das Piano deaktiviere ich, den Synth weise ich der Keyboard-Zone UP zu und gehe wieder auf SAMP. Mit dem kleinen Rädchen wähle ich Sample Nummer 61 “Contra Bass Plucked“ und oktaviere es nach unten. Die Sustainpedal-Zuweisung wird (wie bei dem Piano) aufgehoben, das Pitchbending bleibt möglich. Um das Ausklingverhalten des Kontrabasses zu korrigieren, drehe ich noch DECAY auf etwa 3,0s.

Durch gleichzeitiges Drücken von SLOT A + SLOT B sind nun Loops, Strings, Kontrabass und Piano auf der ganzen Tastatur verteilt und bieten eine lustige Spielwiese für ein Old School HipHop-Instrumental:

Nun sind wir am Ende unserer kleinen Programmier-Exkursion angekommen. Mit den oben gezeigten Beispielen kann man vielleicht einen Eindruck gewinnen, welche Möglichkeiten und Bandbreite an Sounds, Tastatur-Splits, Effektkombinationen und Controller-Funktionen im Nord Stage 2 stecken. Eigenen Klangkreationen sind bei diesem Instrument jedenfalls kaum Grenzen gesetzt. Viel Spaß beim Schrauben!

Hier ist noch einmal das Paket mit den vier Setups zum Download: 

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