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08.08.2018

Workshop: Shuffle Grooves auf dem Schlagzeug spielen lernen

Shuffle-Rhythmen von damals bis heute: vom Texas Shuffle bis zum Swag Beat

Schlagzeug-Workshop mit Noten und Audiofiles

Dieser Workshop dreht sich rund um das Thema „Shuffle Grooves“, jene Groove-Stilistik, die Drummern wie Bernhard Purdie oder Jeff Porcaro zum absoluten Kultstatus verhalf und bis heute als eine der Königsdisziplinen am Schlagzeug gilt. In Folgendem zeigen wir euch einige interessante Beispiele zum Thema Shuffle, angefangen von Roy Browns „Good Rockin' Tonight“ von 1947, über Steely Dans „Home At Last“, bis hin zu Katy Perrys „I Kissed A Girl“.

Um die Anfänge des Shuffles zu ergründen, muss man zurück in die 1940er Jahre gehen, als sich aus Blues und Swing ein neuer Musikstil namens „Rhythm and Blues“ formte. Entgegen der Musik der Big Bands , waren die Songs der wesentlich kleineren Rhythm and Blues-Combos besonders für ein junges Publikum bestimmt, das man mit treibenden Rhythmen zum Tanzen animieren wollte. In dem Zuge fingen Drummer an, ihre Swing-Beats um deutliche Snare-Akzente auf den Zählzeiten „2“ und „4“ zu ergänzen: der Backbeat war geboren, und damit auch die Groove-Stilistik, die wir heute gemeinhin als „Shuffle“ bezeichnen. Seit dem ist der Backbeat aus der Popmusik nicht mehr wegzudenken, aber auch Shuffle-Grooves haben in letzten Jahrzehnten schon so manch Welthit seine besondere Note gegeben. 

Was macht einen Shuffle-Groove aus?

Zunächst werfen wir einen Blick auf die musiktheoretische Seite des Shuffles. Einem Shuffle liegt immer ein triolisches Metrum zugrunde. Das klassische Shuffle-Pattern setzt sich aus der ersten und dritten Triole je Viertelnote zusammen - die zweite Triole wird dabei nicht gespielt. Damit ist die  Shuffle-Figur der „typischen“ Jazzride-Figur recht ähnlich:

Wie schreibt man Shuffle-Grooves in Noten auf?

Shuffle-Grooves können theoretisch in Zwölfachtel oder Vierviertel (als Achteltriolen) notiert werden, wobei letztere Variante die gängigere ist. Vor allem Anfänger stolpern manchmal über Shuffle-Grooves, wenn sie als solche nicht unmittelbar zu erkennen sind. Im Real Book, dem Standardwerk für Jazzer, findet man zum Beispiel alle geshuffelten Achtel als gerade Achtel notiert. Auch im Falle von Schlagzeugnotationen kann es schon mal vorkommen, dass ein ternärer (=triolischer) Groove binär (=gerade) notiert wird. Hierbei ist es üblich, dass lediglich eine kleine Notiz wie „shuffled 8th“ oder „shuffled 16th“ auf dem Notenblatt auf die triolische Interpretation hinweist.

Tipp: Noch mehr Infos zum Schreiben von Schlagzeugnoten bekommt ihr in unserem zweiteiligen Leadsheet für Drummer Workshop.

Die Notation zu diesem Workshop könnt ihr euch hier herunterladen.

Die häufigsten Shuffle Grooves: Fulltime- und Halftime-Shuffle

Shuffle-Grooves unterscheidet man in „Fulltime“ und „Halftime“. Als „Fulltime-Shuffle“ - oder einfach nur „Shuffle“ - ist in der Regel ein Groove gemeint, bei dem der Back-Beat auf „2“ und „4“ gespielt wird. Einer der ersten Grooves dieser Art ist im Song „Good Rockin' Tonight“ von Roy Brown von 1947 zu hören. In diesem Beispiel wird die Snare synchron zur Hi-Hat gespielt und die Bass Drum spielt den Viertelpuls:

Im Gegensatz dazu, liegt der Backbeat beim Halftime-Shuffle auf der Zählzeit „3“, wodurch das Tempo bei gleicher Hi-Hat-Figur nur halb so schnell wirkt („halftime“). Berühmt geworden ist der „Halftime-Shuffle“ vor allem durch Bernard Purdies Drumming zu „Home At Last“ und „Babylon Sisters“ von Steely Dan, weshalb er auch oft „Purdie-Shuffle“ genannt wird. Der Purdie-Shuffle lebt vor allem durch die vielen Ghostnotes, mit denen Bernard den Platz zwischen den zwei Hi-Hats auf der zweiten Triole ausfüllt.

Mehr über Steely Dan und den „Purdie-Shuffle“ gibt es hier zu sehen: 

Im Folgenden geht es um einige klassische Shuffle-Grooves, die Musikgeschichte geschrieben haben. Los geht’s mit…

Booker T. & the M. G.'s - „Green Onions“ (1962)

Die Soul-Band Booker T. & the MG’s formte sich 1962 aus dem Organisten Booker T. Jones, Jr., dem Gitarristen Steve Cropper und dem Schlagzeuger Al Jackson Jr., die allesamt zuvor Teil der Sessionband „Mar-Keys“ waren. „Green Onions“ ist ein zwölftaktiger Blues, der von einem gemütlichen Ride-Groove angetrieben wird. Al Jackson Jr. verzichtete hierbei darauf, das Shuffle-Pattern auszuspielen, in dem er lediglich den Viertelpuls mit der rechten Hand spielt. Für den Shuffle-Faktor sorgt der Vorschlag auf der Bass Drum auf der dritten Triole der zweiten Zählzeit.

Deep Purple - „Black Night“ (1970)

Deep Purple gelten als eine der einflussreichsten Hardrock-Bands aller Zeiten, was sicherlich auch am wunderbar druckvollen und virtuosem Drumming von Ian Paice liegt. Ihre auf Wunsch der Plattenfirma produzierte Single „Black Night“ von 1970 wird von einem bluesigen, viertaktigen Gitarren-Riff eingeleitet, das Ian Paice mit sehr interessanten Shuffle-Variationen ausschmückt. In den ersten zwei Takten spielt er geshuffelte Achtel, die er zwischen Bass Drum und Snare (Backbeat) aufteilt. Dazu spielt er die Hi-Hat lediglich in Vierteln, was dem Groove die gewisse Schwere gibt. In den folgenden zwei Takten reagiert er auf die Stops der Gitarre und spielt die Triolen aus, in dem er sie zwischen der Hi-Hat und der Bassdrum pendeln lässt.

Stevie Wonder - „Higher Ground“ (1973)

„Higher Ground“ ist einer der bekanntesten Songs von Mastermind Stevie Wonder, erschienen im Jahre 1973 auf dem Album „Innervisions“. Stevie Wonder ist hier nicht nur für den Gesang und die Keyboards, sondern auch für alle restlichen Instrumente verantwortlich, die er der Legende nach in nur drei Stunden eingespielte. Abgesehen von den vielen Fill-ins und Variationen lebt der Basic-Groove von „Higher Ground“ von einem Shuffle-Pattern, das Stevie synchron mit der Bass Drum und Hi-Hat spielt, was einen sehr treibenden Effekt hat.

Jeff Beck - „Freeway Jam“ (1975)

Zwei Jahre später, im Jahre 1975, trat Stevie Wonder als Gast-Musiker und Co-Writer auf dem Album „Blow By Blow“ des Ausnahmegitarristen Jeff Beck in Erscheinung. Für das Drumming auf „Blow By Blow“ zeigt sich niemand geringes als Richard Bailey verantwortlich, den man beispielsweise von der Band Incognito kennt. Bailey steuert zum Song „Freeway Jam“ einen sehr interessanten Groove bei, der sich vor allem durch die treibende Hi-Hat-Figur auszeichnet.

Fleetwood Mac - „Don't Stop“ (1977)

Mit ihrem Album „Rumours“ haben sich Fleetwood Mac für immer unsterblich gemacht und gelten bis heute als eine der größten Rockbands aller Zeiten. Der Song „Don't Stop“, getrommelt von Mick Fleetwood, zeigt die Magie, die ein schlichter Shuffle-Groove haben kann. 

Led Zeppelin - „Fool in the Rain“ (1979)

Den Song "Fool in the Rain" von Led Zeppelin's 1979 veröffentlichten Album „In Through the Out Door“ treibt ein ganz besonderer Shuffle-Groove an. Rocklegende John Bonham hat sich in diesem Fall offensichtlich vom Purdie-Shuffle (siehe oben) inspirieren lassen, den er durch seine unbändige Power zu einem beinharten Rockgroove umformt. Was diesen Groove obendrein besonders macht, ist die Öffnung der Hi-Hat auf der dritten Triole der ersten Zählzeit, durch die der Groove die gewisse Portion Funk besitzt. 

Toto - „Rosanna“ (1982)

Der „Rosanna-Shuffle“ ist sicherlich einer der bekanntesten Grooves der Rockgeschichte, von einem der legendärsten Drummern aller Zeiten: Jeff Porcaro. Es gibt wahrscheinlich kaum einen Trommler, der sich nicht schon stundenlang die Zähne an diesem wahnwitzig virtuosen Groove, der vor allem von Porcaros delikaten Ghostings lebt, ausgebissen hat. 

In folgendem Video demonstriert Jeff Porcaro seinen Trademark-Groove, zu dem er sich nach eigener Aussage vom Purdie-Shuffle und Bonhams „Fool in the Rain“-Shuffle inspirieren ließ:

Stevie Ray Vaughan „Pride And Joy“ (1983)

"Pride and Joy" von Stevie Ray Vaughan ist ein gutes Beispiel für den ureigenen Groove von Chris Layton, der unter Experten als absoluter Shuffle-Gott gehandelt wird. Der Groove lebt vom treibenden Viertelpuls der Bassdrum und des Ridebeckens, dem starken Backbeat auf den Zählzeiten „2“ und „4“, sowie Laytons geschmackvollem Einsatz von Ghostnotes und Buzz-Strokes.  

In diesem Video demonstriert Chris Layton den Groove von „Pride an Joy“:

Katy Perry – „I Kissed A Girl“ (2008)

„I Kissed a Girl“ ist ein Song der US-amerikanischen Popsängerin Katy Perry aus dem Jahr 2008 und dient als gutes Beispiel dafür, dass der Shuffle-Groove keineswegs ein Relikt aus alten Zeiten ist, sondern es auch im neuen Jahrtausend ins Radio schafft. Der Drumtrack des Songs, für den der umtriebige Studiodrummer Steven Wolf verantwortlich ist, setzt sich aus einem geloopten Tomgroove und einigen programmierten Overdubs wie Shaker und Hi-Hats zusammen, wodurch er einen sehr statischen aber höchstenergetischen Charakter besitzt.

Shuffle im Hip Hop

Würde man einen eingefleischten Hip Hop-Drummer fragen, ob er diesen oder jenen Beat einmal „geshuffelt“ spielen könnte, würde dieser sicherlich daraufhin entgegnen: „Wie viel Shuffle willst du denn haben?“. Hört man sich einmal Clyde Stubblefields Drumbreak im Song „Funky Drummer“ von James Brown, der später zu einem der meistgesampelten Grooves im Hip Hop werden sollte, so fällt einem abgesehen vom virtuosen Einsatz der Bassdrum, Snare und Hi-Hat vor allem das ganz spezielle Feel der Sechzehntelnoten auf, das weder richtig gerade, noch richtig geschwungen ist. 

Tipp: In diesem Artikel könnt ihr mehr über den „Funky Drummer“-Groove erfahren.

Besonders im Hip Hop spricht man gerne von „Shuffle-Graden“, also den unzähligen Schattierungen zwischen „straight“ und „shuffled“. Vor allem am Computer lassen sich irrwitzige Experimente mit unterschiedlichen Shuffle-Abstufungen realisieren, weshalb Beatbastler oft Stunden damit verbringen, ihren programmierten Grooves das richtige „Feel“ zu verleihen. Aber auch so manch Drummer hat die Magie der Shuffle-Phrasierung schon früh für sich entdeckt, wie etwa der wohl bekannteste Hip Hop-Drummer Ahmir Questlove Thompson. Sein Drumming auf D'Angelos Album „Voodoo“ aus dem Jahr 2000 gilt bis heute als Pflichtlektüre für jeden ambitionierten Hip Hop-Trommler. „Voodoo“ ist in seiner Groove-Stilistik stark am Stil des Detroiter Produzenten J Dilla angelehnt, der als großer Vorreiter gilt, was das Experimentieren mit verschiedenen Shuffle Feels betrifft. 

Inspiriert von der Produktionsweise J Dillas, haben es sich Questlove und Co. damals während der Aufnahmen zu „Voodoo“ zur Aufgabe gemacht, eine gewisse „Imperfektion des Grooves“ zu kultivieren. Questlove soll den Bassisten Pino Palladino beispielsweise aufgefordert haben, so weit hinter dem Schlagzeug wie nur möglich zu spielen, um eine ganz spezielle Spannung zu kreieren.

„Feel Like Making Love“ von D'Angelos „Voodoo“ mit Questlove am Drumset:

D'Angelo - „Chicken Grease" (2000)

Der Groove vom sechsten Song („Chicken Grease“) auf „Voodoo“ ist sowas wie die Blaupause für einen standardmäßigen Hip Hop Groove und dient als guter Einstieg, für all diejenigen, die sich mit dem Thema Hip Hop beschäftigen möchten. Die rechte Hand spielt hier einen geraden Achtelpuls auf dem Becken, die linke spielt einen knackigen Backbeat auf der (gerne sehr hochgestimmten) Snare, während die Bassdrum ein funkiges Pattern aus Viertel-, Achtel- und geshuffelten Sechzehntelnoten spielt. Entscheidend für das richtige Feel ist hierbei, dass man die Bassdrum-Vorschläge etwas softer spielt, als die restlichen Schläge.

Tipp: Mehr zum Thema Ahmir "Questlove" Thompson findet ihr in diesem Video-Workshop

Swag-Drumming 

Unter „Swag Beats“ versteht man eine Groovestilistik aus dem Hip Hop-Bereich, die das Experimentieren mit verschiedenen Shuffle-Abstufungen bewusst auf die Spitze treibt. Die „Imperfektion des Grooves“, die bei der oben besprochenen D'Angelo-Produktion „Voodoo“ vor allem innerhalb der Band angestrebt wurde, versucht der geneigte Swag-Drummer zunächst unabhängig von seinen Mitmusikern bereits innerhalb seines eigenen Spiels zu erzielen. Strenggenommen sind der Kreativität hierbei keine Grenzen gesetzt, denn alles was auf Timing-Ebene etwas neben der Spur ist, kann theoretisch „den richtigen Swag“ haben, solang es diszipliniert im Loop gespielt wird. So schwierig sich Swag Beats theoretisch erklären lassen, so strukturiert nähert sich der Berliner Drummer Jan „Stix“ Pfenning dieser Thematik in seinem Buch „Swag Drumming“. Durch die Verwendung von Quintolen hat Jan eine Strategie gefunden, wie authentische Swag-Beats „mit System“ kreiert werden können - eigentlich ganz klar, denn Quintolen liegen nunmal genau zwischen geraden Sechzehnteln und Sechstolen! Was zunächst vielleicht etwas mathematisch und theoretisch anmutet, klingt im Endeffekt allerdings sehr vielversprechend:

 

Ich hoffe, ihr könnt mit diesem Workshop einen kleinen Einblick in die Welt des Shuffles gewinnen. Nun wünsche ich euch viel Spaß beim Ausprobieren der Notenbeispiele!

Jonas

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