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10.03.2021

Workshop Mixtechniken für DJs

So gelingen die spannende Übergänge, Buildups und Breakdowns im DJ-Mix

Unter Beachtung der Songstruktur, Harmonie und dem Stil der zu vermischenden Tracks bedarf es nicht zwingend ausgefeilter technischer Spielereien, um einen glatten Übergang über die Bühne zu bekommen. Erst recht nicht, wenn sie als sogenannte Extended- oder Club-Version mit einem verlängerten neutralen Einspieler beziehungsweise Ausklang im Deck auf ihren Einsatz lauern. Aber mitunter müsst ihr auf Radio-Edits zugreifen, die bereits in den ersten Takten mit Melodie und sogar Vocals zur Sache kommen. Auch zu Gunsten einer vollen Tanzfläche heißt es nicht selten, über den musikalischen Schatten zu springen und stilistisch beziehungsweise dramaturgisch nicht zusammenpassende Tracks zu verquirlen und somit einen musikalischen Spagat hinzulegen. 

Dabei ist es ist nicht vordergründig eine Frage der Technik, selbst in anscheinend unmöglichen Mixkombinationen eure Überblendungen abwechslungsreich und raffiniert über die Fader zu fahren. Schließlich kommt es auch auf euer Wissen über den Songaufbau, eure Skills und die Möglichkeit, die Features eures genutzten Equipments auszureizen an.

Wer noch ganz puristisch analog ohne jeglichen Schnickschnack auflegt, ist neben dem Turntable ausschließlich auf die Ausstattung des eingesetzten Mixers angewiesen. Der auf der digitalen Datenverarbeitung reitende Jockey bedient sich zusätzlich bei Funktionen wie Hot-Cues, Loops, Effekte etc.   

Zunächst gilt: Vorausschauend mixen

Überlegt euch immer, welchen Track beziehungsweise welche Version ihr als übernächstes auflegt. Sofern in den beiden zu mixenden Tracks Vocals nicht durchgängig präsent sind, gibt es immer die Option auf einen gut klingenden Übergang. Deswegen wechselt stets zwischen Tracks mit Intro beziehungsweise Outro. Denn während der Mixphrase muss ein Intro nicht zwingend auf ein Outro gelegt werden.

Umgekehrt gilt dies natürlich auch. Bei Tracks ohne kurze Instrumentalschleife zu Beginn oder Ende des Tracks, checkt die sogenannte Bridge, den Mittelteil eines Tracks, der gegenüber der herkömmlichen Melodie ein anderes musikalisches Thema oft als Instrumental aufgreift. Dieser bietet sich ebenfalls für eine Blende an.

 

Level und EQ

Bereits das richtige Maß der Lautstärke eines Kanals und die EQ-Einstellung entscheidet über den harmonischen Erfolg im Mix. Dominieren während der Blende beide Tracks gleichermaßen, spielen sie womöglich gleichzeitig im Peak ihres Energy-Levels. Haltet den eingefadeten Track dann einfach hinsichtlich seiner Lautstärke zurück, entweder via Gain-Einstellung oder Channel-Fader und minimiert zudem den Bass-EQ. Bedient euch auch der Mitten und Höhen des Equalizers, schließlich greifen sie mit ihrem Frequenzspektrum zwischen 150 – 2.000 Hz und 2.000 – 20.000 Hz selbst auf obere Bässe, Leadsounds und Vocals, um bei nicht kompatiblen Tonarten auftretende Disharmonien zu kaschieren. Im Folge-Track per EQ gefilterte Höhen maskieren die auffällige HiHat.

Isoliere einzelne Track-Elemente

Bleiben wir doch gleich bei der HiHat: Dreht doch einfach den Spieß um, indem ihr zunächst nur diese dem Mix beisteuert. Mit sogenannten Upfader-Cuts im Double-Time-Tempo extrahiert ihr die im sogenannten Off-Beat, also zwischen den Zählzeiten eines Taktes spielende HiHat.

Cuttet sie zunächst für eine Phrase in den anderen Track. Auch hier könnt ihr einen hallenden Effekt oder Filter drüberlegen. Dasselbe Prinzip lässt sich auch auf die Snare, Claps, auffälligen Percussions oder andere Sounds anwenden, damit nicht der Track mit seinem kompletten Beat auf einmal auf den anderen einbricht. Mit der folgenden Phrase beendet ihr die Upfader-Cuts, um den gesamten Track einzumischen.

Breaks als Cut zwischen den Tracks

Wenn die musikalische Vereinbarung zweier Songs versagt, sei es durch unüberbrückbare Differenzen aufgrund zu unterschiedlichen Struktur und BPM-Zahl, hilft nur noch ein harter Cut als Break, um den Track-Wechsel zu vollziehen. Damit es nicht zu plump klingt, greift zu Spinbacks (zum Workshop) oder stoppt den Track mit der Start/Stopp-Taste eures Turntables, mit dem der Track je nach Drehmoment des Motors des Plattentellers schneller oder softer anhält. Auch Controller simulieren diesen Brems-Effekt (Brake genannt) entweder im Vinyl-Modus des Jogwheels oder als eigenständiger Effekt. Brake-FX zählen meist auch zur Effektausstattung verschiedener DJ-Mixer und DJ-Programme

Den Spinback setzt ihr auf den letzten vollen oder halben Takt einer Phrase, die Bremse schließt die Blende auf die letzte volle oder halbe Zählzeit des achten Taktes ab, damit ihr strukturtreu auf den Downbeat des Folgetitels cutten könnt. 

Tipp: Sowohl Spinback als auch Brake klingen noch besser, wenn ihr den Ausstieg aus dem laufenden Track langsam durch einen gefilterten Bass per EQ beziehungsweise ein von der Intensität zunehmendes Echo ankündigt und dieses auch beim Spinback beziehungsweise Brake beibehaltet. Beachtet allerdings, dass das Echo als Post-Fader-Effekt anliegt und somit mit geschlossenem Upfader trotzdem zu hören ist.

Apropos Echo: Einige DJ-Programme wie Serato DJ Pro listen in ihrer Effektbatterie auch das Echo-Out, das automatisch das Signal verstummen lässt, ohne den Fader herunterfahren zu müssen. Dieser Effekt lässt sich natürlich auch bestens mit dem Spinback und Brake kombinieren und eignet sich auch gänzlich ohne DJ-handwerkliches Beiwerk zum Ausklingen des Tracks.

Breakdowns als Energy-Level-Schleuse

Droht mit dem Folge-Track förmlich eine kalte Energy-Level-Dusche, kündigt den ruhigeren Track schon vor dem Breakdown des anderen Tracks durch Einfaden ein. Im Breakdown überlasst ihr dann durch „Basswechsel“ via EQ dem eingeblendeten Track das Ruder. Da in Breakdowns generell vom Energy-Level eh eher tote Hose herrscht, fällt der Stimmungsabfall nicht ganz so auffällig aus. Breakdowns eignen sich übrigens auch hervorragend für Beat-Wechsel, beispielsweise von einem Four-To-The-Flour-Beat zu einem Breakbeat.

Blenden als Energy-Level-Booster

Kurz vor dem Abschluss einer Mixphrase den auszublenden Track mit einem Hochpass-Filter modulieren und potenziell gesetzte Autoloops (zum Loop-Workshop) gleichzeitig halbieren, damit steigert ihr während der Blende gleichzeitig auch das Energy-Level.

Die Umsetzung ist recht einfach: Zu Beginn der letzten Phrase eures Übergangs aktiviert ihr einen Autoloop von vier Beats, den ihr in der zweiten Hälfte der Phrase in jedem Takt halbiert, gleichzeitig beginnt ihr am Hipass zu schrauben. Im letzten Takt verkürzt ihr mit jedem Beat die Länge des Loops 1/4 auf 1/32 und der Filter erreicht sein Maximum, sodass der Track verstummt. 

Hot-Cue-Drumming mit markanten Sounds

Jeder Track definiert sich durch signifikante Sounds, sei es die Snare, Claps, Percussions, Leadsounds oder auch Vocals. Aktiviere Hotcues an diesen Elementen, um sie während der Mixing-Phrase nach deinen gewünschten und zur Beat-Struktur des anderen Tracks passenden Pattern abzurufen.

Dies bietet sich vor allem bei von ihrer Beat-Struktur zu unterschiedlichen Tracks an, zum Beispiel Breakbeat auf Four-To-The-Floor-Beat und umgekehrt. Selbst Beat-Elemente wie Kick, Snare oder Claps können unauffälliger aus überladenen und damit nicht mixfähigen Parts eines Track „herausgeschnitten“ werden und somit der Blende dienen. Oder springt auch auf mitten im Track platzierte sehr kurze, dennoch mixfähigere Parts zurück, um sie für euren Mix zu adaptieren.

Der Wind-out-Effekt

Tempodifferenzen zweier Tracks von mehr als 15 % bekommt zwar manche DJ-Software sowohl vom BPM-Matching wie auch von der eingefrorenen Tonhöhe ohne signifikante Artefakte gemanagt, aber der ursprüngliche Charakter eines Tracks geht verloren.

Daher solltet ihr diese Option nur für kurze Transitions anwenden, indem ihr nach dem Übergang zum ursprünglichen Tempo zurückkehrt. Tracks mit mehr als 35 % BPM-Differenz könnt ihr dagegen wiederum als Half- oder Double-Time-Beat mixen, das heißt, beispielsweise Tracks mit 120 BPM und 67 BPM entsprechen dem halbierten oder doppelten Tempo von 60 BPM und 134 BPM.

Sollte der Folge-Track bis zu 35 % schneller oder langsamer sein, dann geht keine Plattennadel an einem sogenannten Wind-Out-Effekt vorbei, indem ihr zum Ende des Tracks den Power-off-Schalter eures Plattenspielers ausschaltet, damit der Plattenteller langsam ausläuft. Anschließend startet ihr den nächsten Track mit seinem Downbeat oder Intro in seiner Originalgeschwindigkeit.

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