Workshop
2
04.05.2016

Workshop Drum Recording Basics: Drums aufnehmen & mischen #3

Recording-Tutorial: Schlagzeug aufnehmen für Einsteiger: Mischverhältnisse und EQ-Einsatz

Im dritten Teil unseres Basic-Kurses geht es nun endlich um die Mix-Verhältnisse eurer aufgenommenen Schlagzeugspuren und darum, wie ihr die Equalizer in euren Audioprogrammen benutzen könnt, um störende Frequenzen herauszufiltern oder wichtige Frequenzen zu betonen. So effektiv und verbreitet diese Methoden der Bearbeitung sind, behaltet bitte immer im Hinterkopf, dass euer Spiel, die Stimmung eures Drumkits und besonders der Raum, in dem ihr aufgenommen habt, eine sehr große Rolle für gute Ergebnisse spielen. Eine nachträgliche Bearbeitung kann eine gute Aufnahme nicht ersetzen.

Wenn ihr also vor der Aufnahme schon wisst, daß die Snare ziemlich gruselige Obertöne von sich gibt, weil ihr vielleicht keine Lust hattet, sie richtig zu stimmen, dann bedeutet das, dass ihr bei der Bearbeitung ein Problem haben werdet. Das gleiche gilt natürlich für das gesamte Kit, wobei die Bassdrum als gutmütigstes Instrument im Set gelten darf. Das Ziel dieses Basics-Kurses ist, einen Drumsound, der euch akustisch und auf der Aufnahme schon recht gut gefällt, im Mix abzurunden. Legen wir los!

Was bedeutet „mixen“ eigentlich?

Wenn ihr bisher noch nichts an den Lautstärkereglern („Fader“) eurer Kanalzüge verändert habt, stehen diese noch alle an der gleichen Position, nämlich bei 0 dB. Vereinfacht gesagt sind eure Spuren jetzt im Verhältnis so laut, wie ihr sie aufgenommen habt. Seid ihr den Anleitungen aus Part 1 und Part 2 dieses Basics-Kurses gefolgt, habt ihr schon ein schönes Stereopanorama und einen transparenteren Sound durch den Einsatz von Low- und High-Pass-Filter. Irritierend mag euch aber vorkommen, dass besonders Snare- und Tom-Schläge (sofern ihr Toms separat aufgenommen habt) irgendwie sehr nah und direkt klingen und sich nicht so richtig ins räumliche Gesamtbild eures Schlagzeugs einfügen. Wenn euch dieser Sound nicht so zusagt, ist es an der Zeit, die Lautstärke-Fader zu betätigen.  

Welche Spuren sind besonders wichtig?

Bevor ihr weiterlest, spielt erst einmal ein wenig mit den Fadern herum und hört darauf, was passiert, wenn ihr den Snare-Fader einfach mal ganz nach unten zieht. Verschwindet die Trommel ganz, klingt sie weiter weg oder näher dran? Betätigt auch mal die Solo-Buttons („S“) der Kanäle: Wie klingen eure Overhead-Spuren alleine? Wie hört es sich an, wenn ihr sie mutet („M“)? Vermutlich fallen euch jetzt schon einige Dinge auf. Zum Beispiel, dass wir akustisch zwei Arten von Mikrofon-Positionen haben. Einerseits die Overheads, welche das ganze Set mehr oder weniger ausgewogen abbilden und ihm gleichzeitig eine natürliche Räumlichkeit verleihen. Was ihnen möglicherweise fehlt, ist der Druck im Bass und die Definition der Anschläge von Snaredrum und Toms. Trotzdem liefern sie schon eine ganze Menge Sound, weshalb sie von vielen Toningenieuren als wichtigste Mikros am Schlagzeug betrachtet werden. Die zweite Art, Mikrofone zu platzieren, wird auch als „Close-Miking“ bezeichnet, und es ist kein Wunder, dass sie ein deutlich anderes Klangbild erzeugt als unsere Overhead-Anordnung oder gar zusätzliche Raum-Mikrofone. Die extreme Nähe zur Quelle (Snare, Toms, Bassdrum) sorgt für eine deutlich separiertere Abbildung des Klangs, welcher von uns zudem als weniger natürlich wahrgenommen wird. Es sind nämlich kaum Raumanteile vorhanden und wer hört schon eine Bassdrum aus dem Inneren des Kessels?   

Ein natürliche Balance zwischen Overhead- und Close-Mics sollte euer Ziel sein

Selbstverständlich dürfte eine komplett ausgeschaltete Snaredrum für einen modernen Rock-, Pop-, oder Funkmix nicht sehr gut funktionieren. Der Ansatz vielmehr besteht darin, die Fader insgesamt zunächst nicht über 0 dB hinauszubewegen und das Mischungsverhältnis eher durch das Absenken verschiedener Spuren zu erreichen. Eine Regel gibt es dafür nicht, zuviel ist hier von der Musikrichtung, dem gewünschten Gesamt-Sound der Band oder des Songs abhängig. Wenn ihr aber einen natürlichen Sound des Kits erzeugen wollt, empfiehlt es sich, die Overhead-Spuren als klangliche Referenz zunächst auf Null zu belassen und die anderen Spuren nach und nach hinzuzufahren. Checkt hierbei, ab wann die Snare genug Präsenz hat und die Bassdrum dem Mix ein schönes Gewicht untenrum verleiht. Wenn ihr ein Solostück erzeugen wollt, in dem nur euer Set zu hören sein wird, könnt ihr der Bassdrum durchaus eine gute Portion Level spendieren, achtet aber in allen Fällen darauf, daß euer Mix nicht clippt, also in den roten Bereich der Pegelanzeige gerät, was im schlimmsten Fall zu hörbaren Verzerrungen führen kann. Kontrolliert auch bei den Toms, wieviel Pegel tatsächlich nötig ist. Gerade die höher montierten Trommeln sind oft schon sehr präsent in den Overhead-Mikrofonen zu hören, während man dem Floor-Tom etwas auf die Sprünge helfen muss, um nicht unterzugehen. Hier gilt es, fleißig zu experimentieren.  

„Sound Shaping“ per Equalizer: Wie geht das?

Mittlerweile dürftet ihr schon über einen recht ausgewogenen Mix eurer Aufnahme verfügen. Trotzdem ist es nicht unwahrscheinlich, dass für euch der ultimative Aha-Effekt noch ausbleibt. Zwei wichtige Bearbeitungsschritte fehlen nämlich noch: die konkrete Klangoptimierung mithilfe eurer Equalizer-Plugins, sowie eine passende Kompression. Um den EQ kümmern wir uns jetzt. „Moment mal!“, werdet ihr vielleicht einwenden wollen, „Der EQ kam doch schon in der zweiten Folge des Basics-Kurses vor!“. Das stimmt genau, allerdings haben wir ihn dort nur zum klanglichen „Aufräumen“ verwendet, um allen Instrumenten im Mix den nötigen Platz zu verschaffen. Jetzt geht es ums gezielte Verändern der Einzelsounds.  

Welches EQ-Plug-in braucht ihr?

Generell könnt ihr euch einen EQ als Lautstärkeregler vorstellen, der eben nicht auf die gesamte Musik wirkt, sondern nur auf bestimmte Frequenzen. Es gibt eine Menge unterschiedlicher EQ-Plug-ins, im Grunde arbeiten diese aber alle ähnlich. Grundsätzlich gibt es drei Arten von EQs. Am einfachsten zu bedienen sind jene mit fest eingestellten Frequenzen („fixed EQ“). Solche Modelle dürften die meisten von euch aus Musikanlagen kennen, dort sind meistens drei vorgegebene Frequenzbereiche („Bänder“) wählbar: Bässe, Mitten und Höhen. Dann gibt es die grafischen EQs, auch die habt ihr sicherlich schon gesehen, das sind die Geräte mit einer Unmenge kleiner Schieberegler nebeneinander. Diese arbeiten auch mit festen Bändern. Uns interessiert aber der parametrische Equalizer. Der ist bei allen DAWs dabei und darf als der vielseitigste Equalizer-Typ bezeichnet werden. Hier könnt ihr die regelbaren Frequenzen selber auswählen und genau diese Option brauchen wir, um beispielweise ganz konkret störende Resonanzen und Geräusche aus eurer Aufnahme zu entfernen. Tonleute vergleichen parametrische EQs daher auch oft mit chirurgischen Instrumenten, während Versionen mit fest eingestellten Frequenzen eher als „breiter Pinsel“ bezeichnet werden.  

Es kommt auf eure Ohren an!

Bevor ihr anfangt, solltet ihr euch klar machen, daß die Arbeit mit einem EQ – genauso wie mit fast allen anderen Audio-Werkzeugen auch – im Grunde kein technischer Vorgang ist, sondern zuallererst mit euren Ohren und eurem Geschmack zu tun hat. Stellt ihr also fest, daß ihr eure Aufnahme schon jetzt einfach grandios findet, gibt es keinen Grund, etwas zu ändern, nur weil man das eben so macht. Trotzdem ist es natürlich hilfreich zu wissen, was man mit einem EQ bewirken kann. Nehmen wir uns also zunächst wieder die Bassdrum vor.

Bassdrum mit dem EQ bearbeiten

Öffnet zunächst im Audio-FX-Bereich eures Bassdrum-Kanals einen parametrischen EQ. Im Hauptfeld werdet ihr eine Art Koordinatensystem sehen, manchmal auch einige farbige Punkte. Das „Koordinatensystem“ fungiert sowohl als Bildschirm für die optische Darstellung eurer Schläge, die Punkte markieren die Bänder, also die Frequenzbereiche, die ihr dann anheben oder absenken und natürlich auch beliebig verschieben könnt. Euer Ziel ist eine für das weite Feld der Pop-, Rock-, und Funk-Musik verwendbare Bassdrum. Ihr wollt also einen konkreten Anschlags-Sound, sowie eine angenehme Menge „Bumms“, also Bassfundament untenrum, zuviele Mitten sind dagegen nicht unbedingt vonnöten.  

Spielt eure Bassdrum im Solo-Modus ab und aktiviert den „Analyze“-Schalter,wenn euer Plug-in so etwas bietet. Ihr werdet jetzt wild zuckende Ausschläge sehen, welche das Frequenzspektrum der gespielten Schläge in Wellenform abbilden. Wenn ihr den Vorschlägen des zweiten Basics-Kurses gefolgt seid, seht ihr außerdem die von euch vorgenommenen Absenkungen im Subbass- und Höhenbereich. Nun versuchen wir, eine „Badewanne“ (auch: „Smiley“) zu formen. Dafür schiebt ihr einen der Punkte im Bereich von 60 bis 80 Hertz zwei bis vier dB nach oben, einen Punkt im mittleren Bereich zwischen 200 und 1000 Hertz um acht dB nach unten. Im Bereich des Schlägelanschlags geht es dagegen wieder um einige dB nach oben. Wählt dafür einen Punkt im Bereich von 3500 bis etwa 5000 Hertz. Hebt auch hier wieder um ein paar Dezibel an. Seht ihr euer Werk an, werdet ihr feststellen, daß eure eingestellte EQ-Kurve einem Smiley ähnelt. Oder eben einer Badewanne.

Wichtig für die Arbeit mit dem parametrischen Equalizer: der Q-Faktor

Mit dem Q-Faktor stellt ihr ein, wie breit- oder schmalbandig der EQ Frequenzen absenken oder anheben soll. Ein niedriger Q-Faktor definiert eine sehr breite Absenkung um eure gewählte Center-Frequenz, ein hoher Q geht wesentlich chirurgischer und damit punktgenauer zu Werke. Den Q-Faktor könnt ihr für jedes Frequenzband getrennt einstellen, viele Plug-ins reagieren aber auch intelligent auf bestimmte Mausbewegungen, sodass ihr euch das Eintippen von Ziffern oft auch sparen könnt. Ein sehr gutes Beispiel für einen sehr niedrigen Q-Wert ist das Mittenband bei der Bassdrum. Hier geht es nicht darum, ein konkretes Störgeräusch oder eine Resonanz zu entfernen, sondern um ein leichtes Absenken eines sehr breiten Frequenzbereiches.  

Equalizer und Snaredrum

Schon bei der Snaredrum wird es spezieller, denn jede Trommel klingt anders, und was der eine in seiner Rockband klanglich super findet, mag dem anderen in seinem Funkprojekt gar nicht zusagen. Wie bei der Bassdrum können wir uns allerdings darauf einigen, daß es zwei bis drei wichtige Frequenzbereiche gibt, die einer aufgenommenen Snare ihren Charakter verleihen. Da wäre zunächst der „Bauch“ der Trommel. Dieser liegt meist etwa zwischen 130 und 300 Hertz. Hebt ihr hier breitbandig an, bekommt die Snare Druck, beim Absenken werdet ihr hingegen feststellen, dass der Sound luftiger und weniger schwer wird, gleichzeitig tritt der Teppich-Sound mehr in den Vordergrund und vermutlich auch die einstreuende Hi-Hat. Experimentieren ist hier angesagt, eher matt klingenden Trommeln dürfte allerdings ein breitbandiger, zwei bis sechs dB umfassender Boost (Anhebung) ganz gut tun. Geringfügiges Boosten kann auch dann sinnvoll sein, wenn eure Hi-Hat nicht zu laut auf eurer Snare-Spur zu hören ist und ihr eine etwas präsentere Teppichansprache wünscht. Zwischen 7000 und 12000 Hertz können zwei dB schon sowohl eine schöne Knusprigkeit als auch eine minimal räumlichere Abbildung der Snaredrum bewirken. Denkt aber immer daran, eure Veränderungen nicht nur im Solo-Modus zu beurteilen, sondern auch im Mix mit den anderen Spuren.  

Wichtige Aufgabe des Equalizers beim Drum Mixing: Störfrequenzen jagen und ausschalten!

Was macht ihr aber, wenn eure Snare einen nervigen Oberton entwickelt, der besonders dann besonders hervortritt, wenn ihr die Spur im Mix nach oben zieht? Ganz einfach, ihr sucht ihn, indem ihr einen hohen Q-Faktor für punktgenaues Heraushören einstellt. Per Maus-Drag zieht ihr jetzt eure Center-Frequenz ganz nach oben und wandert durch das gesamte Frequenz-Band. Durch diese Überbetonung hört ihr die Störfrequenz extrem deutlich. Wenn ihr sie gefunden habt, geht es abwärts, ihr zieht diese Frequenz also ganz nach unten und werdet feststellen, dass sie – zumindest auf eurer Snare-Spur – fast verschwunden ist.  

Tom-Toms und Floor-Toms EQen

Was für die Snare gilt, gilt auch für die Toms. Allerdings beginne ich immer mit dem „Troubleshooting“, also mit dem Eliminieren eventueller Störfrequenzen. Die treten bei Toms nämlich besonders stark zutage, weil viele Drummer weder richtig gute Aufnahmeräume besitzen noch allzu große Erfahrung beim korrekten Stimmen ihrer Toms. Kommen noch Abhörprobleme bei der Aufnahme hinzu, schleichen sich schnell Dröhnfrequenzen oder ein unangenehm modulierendes Sustain ein, wo eigentlich ein sauberer Ton entstehen sollte. Geht hier genauso vor wie oben beschrieben. Kleineren Toms tut zudem ein bißchen „Luft“ obenrum gut (leichter Boost ab 5000 Hertz), sehr große und tief gestimmte Toms bearbeite ich zuweilen ähnlich wie Bassdrums. Gerade bei Toms gilt allerdings, dass sich grobe Stimmfehler auch mit geschickter Bearbeitung praktisch nie in einen grandiosen Sound verwandeln lassen. Achtet hier also besonders auf saubere Stimmung, beziehungsweise darauf, dass schon bei Aufnahme ein Sound entsteht, den ihr mögt.  

Overhead-Spuren mit dem Equalizer verändern

Je nachdem, welche Funktion eure Overheads im Mix spielen sollen (reine Becken-Mikros oder „Gesamt-Sound-Erzeuger“), kann es sein, daß ihr beim Anhören aller Spuren feststellt, dass gar nicht mehr viel gemacht werden muß. Habt ihr jedoch schon in der Snare-Spur eine kritische Frequenz entfernen müssen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß das Problem auch auf den Overheads zu hören ist. Beim Absenken solltet ihr allerdings etwas weniger radikal vorgehen, denn es kann sein, daß ihr mit der Störfrequenz der Snare gleichzeitig beispielweise den „Körper“ eines Toms oder vielleicht wichtige Anteile der Ridebell entfernt. Habt ihr die entsprechenden Instrumente nicht separat mikrofoniert, hättet ihr dann ein Problem. Manchmal muss man abwägen, welcher Teil im Mix einem wichtiger ist. Mir persönlich wäre ein guter Snare-Sound fast immer wichtiger als alles andere, das kann aber auch songabhängig sein. Insgesamt solltet ihr bei den Overheads vorsichtig zu Werke gehen, wenn es um das Anheben von Frequenzbereichen geht. Mit niedriger Q-Einstellung wenige dB zu addieren klingt in den allermeisten Fällen transparenter und musikalischer als starke Anhebungen schmaler Frequenzbänder. Scharfe Brillanzen und dicke Bässe mögen sich im ersten Moment gut anhören, lassen den Rest allerdings alt aussehen.  

Verwandte Artikel

User Kommentare