Gitarre Hersteller_Wampler
Test
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07.12.2021

Wampler Dual Pantheon Deluxe Test

Overdrive-Pedal für E-Gitarre

Doppelrocker

Das neue Wampler Dual Pantheon Deluxe ist ein Dual-Overdrive-Pedal mit zwei völlig unabhängigen Schaltkreisen. Die Modellbezeichnung „Pantheon“ ist für Overdrive-Kenner allerdings kein Neuland mehr, gilt doch die einkanalige Ur-Version als sehr gelungene Interpretation des Marshall Blues Breaker Verzerrers, eines Pedals, das wiederum die Soundstruktur des Blues Breaker Combos oder des JTM45 einfangen wollte. Brian Wampler ist es dabei gelungen, die klanglichen Nuancen des Originals abzubilden, aber dem Pedal eine große zusätzliche Flexibilität einzuverleiben.
Die mir nun vorliegende duale Ausführung geht sogar noch einen Schritt weiter und liefert zwei Kanäle, die sich auch klanglich voneinander abheben. So wurde einer mit dem klassischen Blues-Breaker-Sound und der andere mit einem moderneren Boutique-Sound ausgestattet, der sich am original Pantheon bzw. Analog Man „King of Tone“ orientiert. Doch damit nicht genug, denn Wampler bietet beim Testkandidaten eine Fülle an diversen Sound- sowie Routing-Kombinationen und hat darüber hinaus eine MIDI-Kanalumschaltung hinzugefügt. Dann wollen wir uns mal in die heiligen Hallen des Pedal-Olymp wagen und dem Wampler-Neuling lauschen.

Details

Gehäuse/Optik

Der Wampler Dual Pantheon Deluxe kommt in einem Doppelpedalgehäuse aus Metall mit den Maßen 117 x 96 x 60 mm. Wie bei der einkanaligen Version zeigt sich das Chassis in einem dunklen Blauton, auf dem die Grafik einer griechischen Götterfigur zu sehen ist. Im oberen Pedaldrittel versammeln sich die Bedienelemente, neun weiße Kunststoffpotis und ein Kippschalter.
Dahinter sind zwei Fußschalter zum Anwerfen der beiden Kanäle angebracht sowie zwei LEDs, die den Aktivierungszustand von Kanal 1 mit Orange und von Kanal 2 mit Gelb markieren. An den beiden Außenseiten findet man für jeden Kanal jeweils ein Voicing- und ein Gainlevel-Minischalter, rechts zusätzlich ein MIDI In- und Output in Form von Miniklinkenbuchsen.

Alle weiteren Anschlüsse wurden auf die Stirnseite verfrachtet und präsentieren sich als vier separate In- und Outputs für Kanal 1 und 2 im 6,3 mm Klinkenformat. Auch befindet sich hier der Eingang für das optional erhältliche Netzteil, das den Pantheon mit Spannungen zwischen 9 V und 18 V säugen darf und dabei 32,3 mA bei 9 V und 34,5 mA im 18-V-Betrieb bereitstellen sollte.
Der Boden ist mit sechs Kreuzschrauben befestigt und führt zum Pedalinnenleben und dem Batteriefach. Zum Lieferumfang zählen ein Manual und ein Sticker.

Bedienung

Der Pantheon Deluxe ist als zweikanaliges Overdrive-Pedal im Blues-Breaker-Stil ausgelegt, wobei man hier nicht einfach nur zwei identische Pantheons in einem Gehäuse verbaut hat, sondern eine klare Unterscheidung beider Kanäle vornimmt. Kanal 1 liefert eher den klassischen Blues-Breaker-Sound, während Kanal 2 dem original Pantheon nachempfunden ist und laut Hersteller große Ähnlichkeit mit dem Analog Man "King of Tone" besitzt. Der hat zwar eine ähnliche Schaltung wie der Blues Breaker, ist aber etwas moderner gestaltet.
Für jeden der beiden Kanäle stehen nun jeweils ein Gain- und ein Volume-Regler zum Einstellen der Zerre und der Gesamtlautstärke zur Verfügung, dazu ein zweibandiger Baxendall EQ, der Bass und Treble verarztet. Dieser EQ arbeitet aktiv und erlaubt sowohl das Anheben als auch das Absenken der Bänder, wobei die 12-Uhr-Stellung Unity Gain entspricht. Beide Kanäle teilen sich einen Presence-Regler, der am höher angesiedelten Top-End ansetzt.
Zusätzlich zu den Potis wurden, wie beim einfachen Pantheon, unabhängige Voicing- und Gain-Dreifachschalter an den entsprechenden Kanalseiten angebracht, die das Pedal zusätzlich flexibilisieren. Beim Gainswitch erhält man in der oberen Stellung Maximalgain, in der Mitte Mediumgain und unten den niedrigsten Gainwert. Der Voicing-Schalter bestimmt das Clipping. Oben ist Hardclipping, in der Mitte Hard- und Softclipping, was dem Sound des legendären Analog Man "King of Tone" am nächsten kommt, und unten Softclipping.

Switching und Routingoptionen

Eine große Besonderheit ist sicherlich das extrem flexible Routing des Pedals, das sich in seiner Ausführung ganz ähnlich gestaltet wie bei der Wampler Gearbox, die bereits Gegenstand eines Tests war.
Jeder Kanal verfügt über einen getrennten Ein- und Ausgang sowie über einen Kippschalter, der es erlaubt festzulegen, ob der Signalfluss von Kanal 1 zu 2 oder umgekehrt von 2 zu 1 läuft. Input 1 bleibt jedoch als Master-Eingang unabhängig von der Effektreihenfolge bestehen.
Die daraus resultieren Schaltungsoptionen sehen dann wie folgt aus: Möchte man den Kanal 1 vor Kanal 2 platzieren, muss man den Schalter auf die linke 1->2 Position stellen, die Gitarre in Input 1 platzieren und Output 2 mit dem Amp verbinden. Hätte man es gerne genau umgekehrt, muss man im Input 1 bleiben, den Schalter jedoch auf die untere Position 2->1 stellen, was den Signalfluss intern umleitet.
Auch erlaubt der Dual Pantheon, zwischen beiden Seiten ein externes Pedal oder eine ganze Pedalkette einzufügen, sodass der Out des einen und der In des anderen Kanals quasi wie Send oder Return fungieren.
Die Kanäle können allerdings auch unabhängig voneinander benutzt werden, was das Pedal für den Einsatz mit einem Looper/Switcher qualifiziert, der dann die Kanalwahl vornimmt. Hierzu müssen einfach diese In- und Outs des jeweiligen Kanals an verschiedene Loops im Switcher vergeben werden. Diese getrennte Kanalaufteilung ermöglicht aber beispielsweise auch, den Pantheon in Stereo an zwei separaten Gitarrenamps zu betreiben.
Die MIDI In- und Out-Buchsen erweisen sich vor allem für User von komplexeren Pedalboardsystemen interessant, die hier über externe Switchingsysteme oder MIDI-fähige Multieffekte die Kanäle jedes Schaltkreises ein- und ausschalten können.

Wie alle Wampler-Pedale kommt auch der Pantheon Deluxe mit einem True-Bypass.

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