Test
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26.05.2010

Praxis

Speicherkarte/ Songverwaltung
Die im Lieferumfang enthaltene Karte hat eine Speicherkapazität von 2 GB. Übertragen werden die Ordner und Songs per USB.
In meinen Fall (MacBook mit Mac OX, Betriebssystem Version 10.5.8.) wurde die Karte sofort erkannt. Musikfiles und Ordner lassen sich so problemlos auf den Datenträger übertragen. Grundsätzlich ist Nextbeat mit allen erhältlichen Compact-Flash Karten in verschiedensten Speichergrößen kompatibel. Diese müssen allerdings im Dateisystem FAT/FAT32 formatiert sein. Die maximale Anzahl der Songs auf einer Karte beträgt 9999 und die der Ordner 1000. Während die Arbeit mit den kompatiblen Audioformaten WAV, AIFF, Mp3 (kein VBR) und AAC-LC ohne Probleme funktioniert, kann ein nicht kompatibles File viel Ärger verursachen. In meinem Fall war dies ein MP3-File mit variabler Bitrate. Dieses sorgte dafür, dass Nextbeat nicht bootete!

Die Zeit, die das Gerät zum Laden eines neuen Songs in einen der beiden Player benötigt, ist mit runden zehn Sekunden eindeutig viel zu lang - im hektischen DJ-Alltag eine Ewigkeit! Leider arbeitet der Nextbeat nur auf Basis der im Computer erstellten Ordner. Es können weder Playlisten erstellt noch importiert werden. Öffnet man einen Ordner, zeigt das Display lediglich Titel und Interpret. Das eigentliche Navigieren durch die Ordner geht zwar leicht von der Hand, doch lässt sich die Reihenfolge der angezeigten Songs nicht verändern. Der BPM-Wert eines Song wird erst in der Anzeige des Decks sichtbar. So hat man leider keine Chance, seine Order sinnvoll zu sortieren, weil es keine Möglichkeit gibt, Songs oder Ordner in Nextbeat zu editieren.

Display
Das farbige LCD-Display hat eine Größe von 70 mm x 55 mm (Breite x Höhe). Es ist hell und aus den verschiedensten Betrachtungswinkeln gut ablesbar. Sowohl die Helligkeit wie auch der Kontrast sind in den Preferences in vier Stufen einstellbar.

Mixing
Der Nextbeat kann sowohl als vollständige DJ-Station inklusive Mixer oder mittels seiner Einzelausgänge als reiner Dual-Zuspieler genutzt werden.

Nachdem man einen Song in einen der beiden Player geladen hat, wird er über „Play“ gestartet. Vorher muss allerdings der entsprechende Player gewählt werden, und zwar immer nur einer der beiden. Die Tasten des Players A sind rot beleuchtet. Im Display und bei den zugehörigen Drehreglern (Trim und EQ) des entsprechenden Kanals wurde Orange als Farbe zur Kennzeichnung gewählt. Die Elemente von Deck B werden grün dargestellt.

Drückt man die Play-Taste von Deck A, symbolisiert ein im Uhrzeigersinn rotierender roter LED-Kranz im Turntable-Sensor die Abspielrichtung des Songs. Wählt man den Player B an, so ist die Farbe der rotierenden LEDs grün.

Das Mixing mit dem Nextbeat läuft folgendermaßen ab: Während im Player A ein Song läuft, wird auf Deck B ein weiterer geladen. Nextbeat setzt den Cue-Punkt automatisch an den Beginn des Titels, ähnlich wie bei CD-Playern. Drückt man während des Abspielens Cue, so stoppt die Wiedergabe und das Deck kehrt zurück zum Cue-Punkt. Möchte man diesen verschieben, navigiert man im Stop-Modus mit dem Turntable-Sensor zur gewünschten Stelle und drückt dann erneut Cue. Leider gibt es nur den einen Cue-Punkt pro Song, dessen Position sich außerdem nicht langfristig abspeichern lässt. Kein Vergleich zu den zahlreichen Möglichkeiten, die hier Programme wie Scratch Live oder Traktor Scratch bieten. Das Tempo des Songs kann entweder durch Drücken der Player-Select-Taste manuell oder mit der Auto BPM-Funktion vom Gerät automatisch ermittelt werden. Dies funktioniert allerdings nur bei Songs mit „geraden“ Rhythmen wirklich zuverlässig. Dennoch arbeitet diese Funktion einigermaßen zufriedenstellend.

Es gibt nun zwei verschiedene Arten, den Track beim Angleichen des Tempos kurzzeitig zu beschleunigen oder abzubremsen. Dazu kann man entweder den Turntable- oder den Pitch-Sensor nutzen. Die beiden Pitch-Sensoren haben einen Regelbereich von +/- 10 %, wobei sich der Pitch durch Berühren des Sensors in 0,5 % Schritten ändert. Außerdem ist durch ein schnelles Tippen der beiden Fine-Pitch-Tasten eine Änderung in 0,05%-Schritten möglich. Ein reguläres Drücken der Fine-Pitch-Tasten bewirkt einen temporären Pitch-Bend des Songs von +/- 1,5 %. Das funktioniert zufriedenstellend, wobei hier ein höherer Wert wünschenswert wäre. Allgemein ist die Arbeit mit dem Pitch-Regler etwas gewöhnungsbedürftig. Trifft man mit dem Finger nicht genau auf den Punkt, ändert sich dessen Wert trotz Bewegung nicht. Der aktuelle Wert wird zwar mit zwei Nachkommastellen auf dem Display angezeigt, per LED-Anzeige allerdings viel zu grob, was eine schnelle Einschätzung des aktuellen Pitchwertes erschwert.

Eine weitere Option, einen Song gezielt abzubremsen oder zu beschleunigen, bietet der Turntable-Sensor. Berührt man ihn mit nur einem Finger, kann man durch eine Bewegung im Uhrzeigersinn beschleunigen oder durch die entgegengesetzte Bewegung abbremsen. Mit zwei Fingern wird das Audiofile gescratcht. Beim Berühren des Sensors mit drei Fingern stoppt die Wiedergabe. Die Empfindlichkeit des Pads lässt sich in den Preferences in neun Stufen fein einstellen und so den eigenen Bedürfnissen anpassen. Natürlich ist diese neue Arbeitsweise gewöhnungsbedürftig, doch nach einer Weile arbeitet es sich erstaunlich gut mit der neuen Technik. Technisch ist der Sensor auf jeden Fall ausgereift, hier greift Wacom auf seine große Erfahrung in diesem Gebiet zurück.

Zur Steuerung der Pegel stehen genau wie bei einem Mischpult zwei Volume-Regler und ein Crossfader zur Verfügung, nur dass die Regler durch Touchsensoren repräsentiert werden, die kreisförmig um den Turntable-Sensor platziert sind. Durch Berühren mit dem Finger lässt sich hier der Pegel manipulieren. Grundsätzlich gibt es zwei Modi, in denen diese Volume-Sensoren arbeiten. Da wäre zunächst der Normal-Modus, in dem man den Touchsensor an der aktuellen Position „greifen“ muss, um dessen Pegel verändern zu können. Im Absolut-Modus hingegen springt der Pegel sofort zu der Position des Sensors, der gerade berührt wird. Leider sind beide Arbeitsweisen nicht optimal. Im Normal-Modus muss man oft mehrmals nachgreifen, bis man den aktuellen Pegel erwischt hat. Das ist ziemlich unpraktisch. Außerdem beträgt der Abstand zwischen maximalem und minimalem Pegelstand und der Begrenzung der Sensoren gerade einmal 1,5 mm. Auch diese Tatsache macht das Arbeiten im Normal-Modus nicht leichter. Verwendet man nun aber den Absolute-Modus, kann man Pegel schnell und zuverlässig verändern. Gleichzeitig aber steigt auch das Risiko unbeabsichtigter Pegelsprünge.

Die Kurve des Crossfaders ist in den Preferences in zwei Stufen (harte oder weiche Überblendung) einstellbar. Trotzdem ist dieser nur bedingt für schnelle, transformerartige Unterbrechungen des Signals geeignet, da alle „Fader“ hier leider mit einer leichten Latenz arbeiten. Für DJs, deren Schwerpunkt nicht im Scratching liegt, ist das aber absolut vertretbar.  

EQ-Sektion

Die EQ-Sektion verfügt über drei Drehregler für den Bass-, den Mitten- und den Höhenbereich. Diese sind sehr gut aufeinander abgestimmt und arbeiten gefühlt latenzfrei. Dreht man einen der Regler vollständig nach links, so ist dieser Frequenzbereich komplett ausgeblendet. Daumen hoch!

Loop-Funktion

Sehr durchdacht finde ich die Loop-Sektion. Zwar gibt es keine Autoloop-Funktion, dennoch sorgen die vorhandenen Bedienelemente für ein schnelles und zuverlässiges Arbeiten. Mit der Loop-In-Taste wird der Startpunkt der Loops und mit der Loop-out-Taste der Endpunkt bestimmt. Mit den beiden Endlos-Drehreglern In-Adjust und Out-Adjust können diese nun nachjustiert werden. Die vier Funktionstasten verkürzen die Schleife um die Hälfte. Out-Adjust kann die Loop zusätzlich auf ein Minimum reduzieren und somit besondere Soundeffekte erzielen. Drückt man Loop-Out einmal, so wird die Loop deaktiviert und der Song läuft normal weiter. Wird diese Taste noch ein weiteres Mal betätigt, fällt der Player wieder in den Loop-Modus zurück. Die Loop-Sektion ist wirklich gelungen und macht enormen Spaß!

Sampling
Ein Audiofile, das in einen der beiden Player geladen wurde, kann mittels Sample-Rec in einer der vier Sample-Bänke abgelegt werden. Wechselt man nun in den Sample-Play-Modus und wählt die entsprechende Bank aus, ist das Sample in vier gleichen Teilen auf dem Turntable-Sensor verteilt. Die Startpunkte kann man nun mit In-Adjust anpassen. Während auf einem Player beispielsweise ein Song läuft, kann man mit dem anderen Deck Sprachsamples live einspielen. Die Samples werden mit einer minimalen Latenz abgespielt, an die man sich durchaus gewöhnen kann - ein sehr rudimentärer Sampler und natürlich kein Vergleich beispielsweise zu den Möglichkeiten eines Akai-Samplers. Aber es ist ein Tool, das man sehr kreativ nutzen kann und das einfach Spaß macht.

Phrase-Recording

Phrase-Recording ist eine Funktion, bei der man die gespielte Abfolge von Vocal-Samples live mitschneiden und loopen kann. Während auf einem der Decks ein Drumloop spielt, befindet sich der Player B im Sample Play-Modus. Nun kann man durch zweifaches Drücken der Phrase-Record-Taste die Länge der aufgenommenen Phrase bestimmen. Die danach per Turntable-Sensor eingespielten Samples werden sofort aufgezeichnet und geloopt. Der Phrase-Recorder arbeitet dabei nicht etwa wie ein MIDI-Sequenzer, sondern wie ein Audio-Recorder, der immer neue Spuren erzeugt. Dies bedeutet, dass auch sämtliche Veränderungen des Pegels, Pitch und Effekte mit aufgezeichnet werden. Einzelne, eventuell falsch eingespielte Sounds können daher nicht nachträglich entfernt werden. Trotzdem ist der Phrase-Recorder ein gelungenes Tool, das die Performance sehr bereichert.

Effekte

Die Effekt-Sektion ist in der portablen Einheit untergebracht. Insgesamt stehen sechs verschiedene Effekt-Presets zur Verfügung. Darunter fallen Lowpassfilter (LPF), Highpassfilter (HPF), Flanger (FLG), Phaser (PHS), Delay (DLY) und Reverb (REV).

Zunächst aber muss der Kanal angewählt werden, der mit dem gewünschten Effekt versehen werden soll. Dazu gibt es den Effekte-Kanalwahlschalter, der sich ebenfalls in der Fernbedienung befindet. Zur Auswahl stehen Kanal A, B oder Master. Durch Drücken der Effektwahl-Tasten wird der entsprechende Effekt aktiviert. Mit den vier Time-Buttons wählt man verschieden lange Auto-Intervalle zur Veränderung diverser Effekt-Attribute. Die Längen dieser Intervalle liegen zwischen ¼ und 4 Takten. Mit dem Control-Regler stellt man das Verhältnis zwischen Originalsignal und Effektanteil oder, im Fall eines Delays, dessen Feedback ein. Durch Herunterdrücken dieses Potis lässt sich der Turntable-Sensor als zusätzlicher Controller diverser Effekt-Parameter nutzen. Insgesamt betrachtet ist die Effekt-Sektion wirklich gelungen und erlaubt ein einfaches und intuitives Arbeiten. Das macht Laune!

Vinyl-Emulation

Leider kommen wir nun nicht unbedingt zur Paradedisziplin des Wacom-Boliden. Während man sich an die grundsätzliche Handhabung des Turntable-Sensors schnell gewöhnt, klingen Scratches auf dem Nextbeat leider ziemlich unnatürlich und digital. Bei der Vor- und Rückwärtsbewegung entstehen hörbare Artefakte. Dies liegt sicherlich eher an der Soft- als an der verwendeten Hardware. Der Sensor erfasst jeden noch so geringen Druck der Finger, selbst wenn diese sich nicht auf dem Touch-Sensor bewegen. Außerdem ist der Durchmesser des Turntable-Sensors für Scratch-Techniken einfach zu klein. Trotz allem hat diese neue Technik im DJ-Bereich meiner Meinung nach ein großes Potential. Hier wird es sicherlich mit den nächsten Firmware-Updates Verbesserungen hinsichtlich des Klangs geben.

Es geht auch besser…
Einfache Mix-Vorgänge wie das synchrone Starten von Songs, Überblendungen, etc. gehen mit dem Nextbeat leicht von der Hand. Allerdings empfinde ich ein paar Dinge wirklich als störend. So gibt es zum Beispiel keine Möglichkeit, schnell zu Positionen innerhalb eines Songs zu gelangen. Laut Bedienungsanleitung soll man durch schnelle, kreisförmige Bewegungen des Fingers auf dem Turntable-Sensor vor- und zurückspulen können. Die Geschwindigkeit der Bewegungen bleibt aber, völlig unabhängig von der Geschwindigkeit des Fingers auf dem Turntable-Sensor, auf die dreifache Abspielgeschwindigkeit begrenzt. So ist man, wenn man zur vierten Minute eines Songs „vorspulen“ möchte, völlig aufgeschmissen. Hier haben die Entwickler leider geschlafen, denn das gehört zum Standard-DJ-Rüstzeug. Auch die Option, verschiedene Cue-Punkte innerhalb eines Songs langfristig abzuspeichern, besteht nicht. Im Display wird die Wellenform des Songs zweifach dargestellt. Einmal in seiner Gesamtlänge und einmal in bewegter Form. Diese Darstellung ist sehr gut, allerdings wird nur die Wellenform des gerade angewählten Players angezeigt. So bleibt eine optische Kontrolle der Synchronität beider Tracks, wie man das von diversen Applikationen her kennt, leider außen vor. Das wäre aber, bezogen auf die Größe des Displays, ohne Weiteres möglich gewesen. Außerdem ist mir das Betriebsystem des Nextbeat noch viel zu anfällig. So kann das System abstürzen, wenn man die „In-Adjust“-Regler im Sampling-Menü zu schnell bewegt. Dann geht leider gar nichts mehr und die Tanzfläche steht still …  

Remote
Die portable Einheit arbeitet auf einer Funkfrequenz von 2,4 GHz und hat laut Hersteller eine Reichweite von zehn Metern. Unter günstigen Vorraussetzungen kann sie aber auch bis zu 20 m betragen. Liegen auf der Funkstrecke aber Mauern oder sonstige Hindernisse, verkürzt das die Reichweite immens. Dank ihrer ergonomisch gelungenen Form liegt die portable Einheit gut in der Hand und kann im Bedarfsfall (Sampling-Modus, etc.) auch gut mit beiden Händen gesteuert werden. Doch wer jetzt glaubt, er würde sich mit dem Nextbeat aller Kabel befreien können, der hat sich leider getäuscht. Denn die portable Einheit verfügt weder über ein Display zur Track-Auswahl noch über einen Kopfhöreranschluss. Trotzdem ist das Ganze ein wirklich cooles Konzept, da das Gerät innerhalb seiner Reichweite auch latenzfrei und zuverlässig funktioniert. Wie cool ist es denn bitte schön, sich beispielsweise unter die tanzende Menge mischen zu können, während man gerade den aktuell laufenden Song mit Effekten bearbeitet?

Klang
Die Klangqualität der Wiedergabe ist als durchschnittlich zu bewerten. Im Studio klang der Nextbeat für meine Ohren eigentlich ganz ordentlich. Da aber nur der 1:1 Vergleich wirklich aussagekräftig ist, habe ich ihn in einem Club getestet. Und da schneidet er etwas schlechter ab als ein Scratch Live System von Serato. Mein DJ-Kollege spielte MP3-Files in der gleichen Qualität über die gleiche PA ab und war klanglich klar im Vorteil. Obwohl der Nextbeat sich trotz allem auf einem professionellen Level bewegt, fehlt es ihm einfach etwas an Brillanz und Druck.

Ganz anders die EQ-Sektion des Nextbeat. Diese arbeitet wirklich vorbildlich. Alle drei Frequenzbereiche sind gut aufeinander abgestimmt und die Kill-Funktion zur kompletten Absenkung der Frequenzbereiche macht ihrem Namen alle Ehre. Eine Mastertempo-Funktion hält bei einer Veränderung des Tempos den Track in der originalen Tonhöhe. Klanglich ausgereift ist diese Funktion allerdings nicht, da es bei komplexem Tonmaterial bereits bei 1 % Tempoänderung zu deutlich hörbaren Artefakten kommt.

Am Klang der Effekte des Gerätes gibt es nichts zu beanstanden. Diese klingen durchgehend hochwertig und deren Parameter sind leicht und intuitiv manipulierbar. Daumen hoch! Gegenüber den regulären Audiofiles gibt es auch bei der Sampling-Sektion keine Einbußen. Die Samples werden mit der gleichen Qualität wiedergegeben wie die abgespielten Songs. Der Kopfhörerausgang hat zwar einen druckvollen und sauberen Klang, könnte für meinen Geschmack aber noch einige Leistungsreserven mehr vertragen.

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