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Test
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31.05.2019

Vox VX50 GTV Test

E-Gitarrencombo

Nutube Modelling-Spezialist

Zum heutigen Test steht der Vox VX50 GTV Combo der britischen Traditionsmarke in den Startlöchern, ein preiswerter Combo-Verstärker mit einem 8" Speaker, der seinen Sound aus einer neuartigen Nutube-Röhre generiert und zudem mit acht Effekten ausgestattet wurde.

Mit seinen 50-Watt-Ausgangsleistung, insgesamt 10 Amp-Simulationen und einem sogenannten Line-Modell für den Anschluss anderer Instrumente ist er zumindest auf dem Papier für die unterschiedlichsten Einsatzgebiete und Geschmäcker gewappnet.

Details

Das auffälligste Merkmal neben der gelungenen Optik ist sicherlich das ausgesprochen geringe Gewicht des Combos. Denn er bringt bei Abmessungen von 354 x 208 x 313 mm (B x T x H) gerade einmal 4,1 kg auf die Waage und ist damit ein echtes Leichtgewicht.
Das liegt unter anderem am versiegelten ABS-Gehäuse im Bassreflex-Design, das für einen vollen Klang sorgen und dabei unerwünschte Nebengeräusche und Vibrationen vermeiden soll.

Im Inneren des Fliegengewichts arbeitet eine Nutube 6P1 Röhre. Dabei handelt es sich um eine von Korg und der Noritake Itron Corporation entwickelte Elektronenröhre, welche die Technologie von Vakuum-Fluoreszenz-Anzeigen nutzt, wie man sie beispielsweise von Mikrowellengeräten oder Videorecordern her kennt. Die Nutube ist grundsätzlich genau so aufgebaut wie konventionelle Röhren und soll auch in unserem Fall für eine typische Verzerrung, Kompression und Ansprache sorgen, wovon ich mich bereits im Rahmen anderer Tests überzeugen konnte. Auch diese neuartige Technologie sorgt für eine drastische Gewichtsreduktion, da die für einen herkömmlichen Röhrenbetrieb verwendeten Bauteile schlicht wegfallen. Verstärkt wird das Ganze von einer Class-D Endstufe auf maximal 50 Watt, die über einen 8" Lautsprecher an die Außenwelt ausgegeben werden, wobei das Gehäuse einen Bassreflex-Aufbau besitzt, der für ein erweitertes klangliches Fundament sorgen soll.

Aufbau und Technik

Schauen wir uns die Bedienfläche des Combos einmal etwas genauer an.

Auf der linken Seite befindet sich die Eingangsbuchse, direkt darüber ein mit PROGRAM beschrifteter Abschnitt. Hier kann man Presets abspeichern und abrufen. Optional bietet Vox auch einen Zweifach-Fußschalter unter dem Namen VFS2 an, mit denen sich zwei Presets abrufen lassen. Wem das nicht reicht, sollte zum VFS5 greifen, der bis zu acht Presets verwaltet.

Der VX50GTV lässt sich in zwei Modi betreiben:

1) Preset-Programm-Modus:
Zum Abrufen eines Presets wird der AMP-Wahlschalter gedreht, wenn die PRESET-Diode unter PROGRAM leuchtet. Es wird unabhängig von der Reglerstellungen ein Preset aufgerufen, das einen für das gewählte Verstärkermodell typischen Sound bereithält.
Mit Verstärker- und Effekteinstellungen kann man ebenfalls einen eigenen Sound erstellen und unter A oder B speichern. Ein gespeicherter Sound wird durch Drücken des PROGRAM-Tasters aufgerufen. Die Lautstärke hängt, unabhängig vom gewählten Sound, von der POWER LEVEL-Reglerstellung ab.

2) Manual-Modus:
In diesem Modus verhält sich der VX50GTV wie ein konventioneller Gitarrenverstärker, wobei sich die Stellungen aller Regler und Wahlschalter unmittelbar auf den Klang auswirken.

Ebenfalls im PROGRAM-Abschnitt befindet sich ein Tuner, der mit dem TAP-Taster, der sich mittig auf der Oberseite befindet, aktiviert wird.

Im folgenden Abschnitt möchte ich auf die Verstärkermodelle eingehen, die mit dem Amp-Wahlschalter aufgerufen werden. Die Beschriftung gibt schon recht eindeutig preis, welcher Amp als Vorbild gedient hat.

1. DELUXE CL
Emulation eines zweikanaligen 22W Blackface aus den 1960ern. Beruht auf dem "Vibrato"-Kanal.

2. BOUTIQUE CL
Modell des Clean-Kanals eines hochkarätigen Boutique-Verstärkers, der "Overdrive Special" genannt wurde.

3. BOUTIQUE OD
Modell des Overdrive-Kanals des "Overdrive Specials".

4. VOX AC30
Emulation des Normal-Kanal eines AC30 mit Celestion AlNiCo "Blue" Lautsprechern.

5. VOX AC30TB
Dieses Modell beruht auf einem AC30 mit "Top Boost"-Schaltung, die ab 1964 serienmäßig eingebaut wurde.

6. BRIT 1959
Beruht auf dem "High Treble"-Kanal eines handverlöteten Verstärkertops, der in den frühen 1960ern in England gebaut wurde.

7. BRIT 800
Das Modell eines 1983 erschienenen einkanaligen britischen 100W-Tops mit Master-Volume-Regler.

8. BRIT VM
Beruht auf einem englischen 100W-Top, das 2007 erschien und vier Kanäle besitzt.

9. SL-OD
Dieses Modell beruht auf dem "Overdrive"-Kanal eines 1991 vorgestellten 100W-Vollröhrentops, das auch im Schlangenhaut-Look erstanden werden konnte.

10. DOUBLE REC
Beruht auf dem "Modern High-Gain"-Kanal eines Verstärkers aus amerikanischer Fertigung.

11. LINE
Hier erzeugt die Nutube des VX50 GTV reichhaltige Obertöne und einen klaren, komprimierten Klang. Dieses Modell soll sich sich besonders zur Verstärkung halbakustischer E-Gitarren oder Keyboards eignen.

Der Combo Verstärker bietet auch eine Auswahl an Effekten, auf die ich jetzt näher eingehen möchte.

Der MODULATION-Regler wählt insgesamt aus vier Effekten und bestimmt auch derenGeschwindigkeit. Ist dieser Regler ganz nach links gedreht, sind die Modulations-Effekte deaktiviert.

1. CHORUS
Modell eines herkömmlichen analogen Chorus-Effekts mit einem satten und räumlichen Klang

2. FLANGER
Modell eines analogen Flanger-Effekts mit einem charakteristisch anschwellenden Klang ähnlich dem eines Düsenjets.

3. ORG PHASE
Beliebter 4-Stufen-Phaser in einem orangefarbenen Gehäuse.

4. TWIN TREM
Modell eines Tremolo-Effekts, der den Klang periodisch intensiviert und in US-Combo-Amps vorzufinden ist.

Der DELAY/REVERB-Regler bestimmt die Delay- oder Halleffekte und gleichzeitig auch deren Stärke bzw. den Anteil des ausgewählten Effekts. Ganz nach links gedreht sind die Effekte deaktiviert.

1. A.DELAY
Modell eines analogen Delay-Effekts mit Eimerkettenschaltung.

2. TAPE ECHO
Modell eines legendären analogen Bandechos. Dieses Echo wurde ursprünglich mit einer Endlosbandschleife erzeugt und die Verzögerungszeit durch Ändern der Bandlaufgeschwindigkeit geregelt.

3. SPRING
Dieser Effekt simuliert einen Federhall, wie man ihn von zahlreichen Gitarren-Amps kennt.

4. HALL
Modell des Halls eines Konzertsaals mit zahlreichen Reflexionen.

Der bereits erwähnte TAP Taster dient zum Bestimmen des Tempos der Effekte, wobei eine LED durch Blinken auch eine optische Kontrolle gibt. Ein Gain-Regler darf ebenso wenig fehlen wie zwei weitere für Treble- und Bass, die Gesamtlautstärke des Combos wird mit dem Volume-Poti bestimmt. Unterhalb des Volume-Reglers befindet sich ein mit POWER LEVEL beschriftetes Poti, das den Ausgangspegel des Leistungsverstärkers festlegt.

Fehlen nur noch Aux In-und Kopfhöreranschluss, beides 3,5mm Stereo-Klinkenbuchsen. Die Aux-In-Buchse kann mit dem analogen Ausgang eines Audiogeräts gefüttert werden, dessen Signal dann über den Verstärker ausgegeben wird. Eine tolle Option, wenn man beispielsweise zu einem Stück jammen möchte. Das Ausgangssignal aus der Kopfhörerbuchse kann auch direkt an einen Mixer oder an ein Aufnahmegerät geleitet werden. Der Ausgangspegel dieser Buchse wird mit dem POWER LEVEL-Regler eingestellt.

Die Rückseite des Verstärkers zeigt sich übersichtlich und außer der Eingangsbuchse des mitgelieferten Netzteils ist hier nur die für die optional erhältlichen Fußschalter und eine USB Typ B-Buchse zu finden.

Zusätzlich kann der VX50 GTV an einen PC oder Mac oder an ein Android/ iOS-Gerät angeschlossen werden und dient dann als USB-Audio-Schnittstelle. Mit der auf der Herstellerwebsite zum Download bereitstehenden Tone-Room-Software lassen sich Programme bearbeiten und Verstärker und Effekte individuell anpassen. Das Installieren der Software auf meinem Mac Book unter OS X Mojave und einem iPhone ging problemlos vonstatten.

Das erste Bild zeigt die Bedienung auf einem Mac , das zweite auf einem iPhone.

Die am Rechner oder Smartphone vorgenommenen Änderungen der Einstellungen werden sofort an den Verstärker gesendet. Somit wird das Einstellen des Verstärkers erheblich vereinfacht.

Soweit unser Rundgang um den in Vietnam gefertigten Verstärker, an dem ich keinerlei Verarbeitungsmängel entdecken konnte.

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