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Test
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22.03.2017

Universal Audio UAD2 Software Version 9.1 Test

Mehr Kompatibilität und neue Plug-ins

bx subsynth, SSL 4000 E Channel Strip Collection, Moog Multimode Filter Collection und Fuchs Overdrive Supreme 50 Amplifier

Universal Audios neue UAD Software Version 9.1, welche zum Download bereit steht, beinhaltet neben der inzwischen gewohnten Einführung neuer Plug-ins und Detailverbesserungen eine erweiterte Kompatibilität, die sowohl Mac- als auch PC-User erfreuen dürfte, sowie die lang ersehnte Unterstützung von der Bedienung mit der Console 1 von Softube. Noch steht uns jedoch kein Testgerät zur Verfügung, deswegen werden im folgenden Testbericht zunächst vier der fünf neuen UAD2-Plug-ins bzw. „Collections“ unter die Lupe genommen:

  • UAD SSL 4000 E Channel Strip Collection
  • Moog Multimode Filter Collection
  • OTO BISCUIT 8-bit Effects
  • bx_subsynth Subharmonic Synthesizer

Die ebenfalls neue Amp-Simulation Fuchs Overdrive Supreme 50 Amplifier habe ich als Tastenakrobat erst einmal außen vor gelassen. In einem späteren Testbericht wird sich ein Kollege mit dem Plug-in beschäftigen.

Details + Praxis

Moog Multimode Filter Collection

In dieser sogenannten Kollektion wird das bereits etwas in die Jahre gekommene Plug-in Moog Multimode Filter inklusive der ressourcensparenden SE-Version um das Moog Multimode Filter XL ergänzt. Die Features wurden bei Letzterem deutlich aufgewertet, was schon beim Vergleich der absolut selbsterklärenden GUIs auffällt.

Die auffälligste Neuerung ist jedoch der vierspurige Sequencer, in dem vier Filterparameter in bis zu 16 Steps verändert werden können, um musikalische und rhythmische Muster zu erzeugen. Absolut inspirierend!

Der Sound des Moog Multimode Filter XL ist absolut überzeugend und von subtil bis plakativ klangverändernd vielseitig einsetzbar. Im Folgenden hören wir den Einsatz des Sequencers auf einem Mix verschiedener Pad Sounds:

Als weiteres Beispiel der Klangformung habe ich einen Drummix per Input Drive leicht „angecruncht“ und über Resonanz mehr Präsenz in den Höhen verliehen:

Wie verhält sich das Moog Multimode Filter XL auf Vocals?

Im folgenden Audiobeispiel sorgt der Filter für einen modulationsähnlichen Effekt auf einem E-Piano:

Zum Abschluss durchläuft Weißes Rauschen bei maximaler Resonanz (Ausnahme: Notch) einen automatisierten Filter Sweep inklusive LFO-Modulation am Ende der Audiobeispiele. In allen Audiofiles ist der Input Drive leicht erhöht und eine dezente Erhöhung des Space Parameters sorgt für einen subtilen Stereoeffekt.

Was gefällt?

Must have! Der Sound des Moog Multimode Filter XL ist über jeden Zweifel erhaben und absolut vielseitig einsetzbar!

Was gefällt nicht?

Die Lesbarkeit der eingestellten Werte ist alles andere als optimal, man beachte den Drive Regler der folgenden Abbildung:

UAD SSL 4000 E Channel Strip Collection

Diese „Kollektion“ beinhaltet das rundum erneuerte Plug-in SSL E Channel Strip mit diversen Aufwertungen gegenüber dem Vorgänger-Plug-in, das nun den Zusatz „Legacy“ in seinem Namen trägt. Der neue Channel Strip kann nun ebenfalls als Unison Plug-in zur Aufnahme eingesetzt werden. Weiterhin handelt es sich nun um eine umfassende Emulation der Hardware inklusive Input mit zuschaltbarem Jensen Übertrager (bei angewähltem Mic Input). Außerdem beinhaltet es klangverändernde Einflüsse des VCA Faders, der im Legacy Plug-in nicht vorhanden ist.

Weitere Änderungen sind die Clip LED hinter der EQ Sektion sowie die äußerst praktikable Möglichkeit, die Filter-Sektion vor die Dynamics zu schalten, was selbst bei der Hardware nicht möglich ist. Und die ist ja schon für eine hohe Flexibilität des Signalflusses bekannt.

Und wie hört sich der SSL E Channel an? Im folgenden Audiobeispiel habe ich versucht, den Impact und die Präsenz eines Drum Stems durch den Einsatz von EQ, Kompressor und Expander „geschmackvoll“ (und nicht übertrieben) zu erhöhen:

Hier hört ihr den SSL Channel Strip auf einem Gesangs-Take:

Der Einsatz der fantastisch klingenden Filter in ihrer extremsten Einstellung ist in dem folgenden Audiobeispiel ebenfalls auf den Vocals zu hören:

Zum Abschluss wird es etwas subtiler. In den nachfolgenden Audiobeispielen hört man den bereits bekannten Drum Stem einmal mit und einmal ohne emulierten Übertrager ohne weitere klangliche Eingriffe des Channel Strips. Die Aktivierung erfolgt über den XFMR-Button bei aktiviertem Mic-Input.

Einen Blindtest habe ich noch nicht durchgeführt, aber ich habe das Gefühl, dass die Emulation des Übertragers hier für eine etwas gefälligere Abbildung hoher Frequenzen und Transienten sorgt. Was denkt ihr? 

Was gefällt?

Beim SSL E Channel Strip handelt es sich um eine authentisch emulierte und fantastisch klingende Allzweck-Waffe. Die hohe Flexibilität im Signalfluss und die Wahl zwischen den beiden EQ-Charakteristiken „black“ = präzise und „brown“ = musikalisch hat für jeden Audiokanal die richtige Antwort parat!

Was gefällt nicht?

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OTO BISCUIT 8-bit Effects

Die UAD-Emulation dieses, tendenziell in der Clubszene beheimateten, französischen Klassikers der Neuzeit ist schon eine Zäsur, da man bei UAD-Plug-ins zuerst an „analog“ und „alt“ bzw. „vintage“ denkt. Gegen etwas frischen Wind beim UAD-Frühjahrs-Update ist aber absolut nichts einzuwenden! Der 2010 erschienene OTO BISCUIT ist ein sehr uniquer Hardware-Effekt zur kreativen und gezielten „Degradierung“ von Audiomaterial durch 8-Bit Wandlung, Bit Crushing, Reduktion der Sample Rate sowie einem analogen Multimode Filter (12dB/oct).  Hintergründe zum Hardware-Vorbild erfahrt ihr https://www.bonedo.de/artikel/einzelansicht/oto-biscuit.html im ausführlichen OTO-Biscuit Testbericht meines Kollegen DJ Rick Ski.

Die Bedienelemente und deren Beschriftung sind nicht unbedingt selbsterklärend. Hier einige Übersetzungsbeispiele:

  • naked = trockenes Signal (dry)
  • dressed = bearbeitetes Signal (wet)
  • Clock = Sample Rate
  • Filter grün = Low Pass
  • Filter gelb = Band Pass
  • Filter rot = High Pass

Die Betätigung des „Brain“-Buttons aktiviert einen der vier weiteren Effekte (Wave Shaper, Pitch Shift, Delay, Step Filter), dessen Parameter im Gegensatz zum Hardwaregerät komfortabel im unteren Teil des Plug-in-Fensters eingestellt werden können – ein Vorteil gegenüber der Hardware! Doch es gibt auch einen konzeptionellen Nachteil: Der Reiz des BISCUIT lebt in hohem Maße von der unmittelbaren Performance an seinen Reglern. Hier kann man sich beim Plug-in mit dem Mapping eines MIDI Controllers behelfen. In der folgenden Abbildung sehen wir ein Mapping, das ich in Logic erstellt habe, um den BISCUIT mit meinem AKAI LPD8 https://www.bonedo.de/artikel/einzelansicht/akai-mini-controller-lpd8lpk25-drumpad-mpd18.html  MIDI Controller zu steuern:

Wie hört sich der mysteriöse OTO BISCUIT denn nun an? Im ersten Audiobeispiel durchläuft der komplette Mix den Effekt (wet/dry ungefähr 50/50).

 

Hier wird ausschließlich der Synthesizer Stems vom Effekt bearbeitet:

Im folgenden Hörbeispiel werden vorwiegend kurze Delayzeiten automatisiert, was teilweise zu interessanten tonalen Effekten führt:

Was gefällt?

Der OTO BISCUIT 8-bit Effect füllt eine „digitale Lücke“ im Sortiment bisheriger UAD-Plug-ins aus und sorgt für den nötigen Biss und Lo-Fi Akzente zeitgenössischer Produktionen. Das Stereo Delay (Hardware nur mono) und die Möglichkeit der gleichzeitigen Bearbeitung von Pitch Shift und Clock sind Vorteile gegenüber der Hardwarevariante. 

Was gefällt nicht?

Entsprechend der Hardware ist die Bedienung wenig selbsterklärend. Eine zumindest optionale Benennung der Filtertypen hätte für Anwender, die nicht täglich mit dem BISCUIT arbeiten, nicht geschadet.

bx_subsynth Subharmonic Synthesizer

bx steht für die deutsche Plug-in-Schmiede Brainworx, die schon für so manches hochwertige Plug-in auf der UAD-Plattform gesorgt hat. In diesem Fall handelt es sich um einen Subharmonic Synthesizer, der laut Manual vom Hardwaregerät dbx 120XP inspiriert ist, diesen aber in seinem Funktionsumfang übertrifft.

Die generelle Funktionsweise ist das Detektieren tiefer Töne in den drei Frequenzbereichen 52-72 Hz, 72-112 Hz und 112-160 Hz, wodurch eine Oktave tiefer liegende Untertöne in den korrespondierenden Bändern 24-36 Hz, 36-56 Hz und 56-80 Hz synthetisch erzeugt werden. Zusätzlich lassen sich bei Bedarf verschiedene Klangformungen und Sättigungseffekte erzeugen. Die folgenden Audiobeispiele sind wahrscheinlich etwas plakativer als man es in einer realen Produktion machen würde, demonstrieren aber sehr gut die Arbeitsweise und Fähigkeiten des Subharmonic Synthesizers.

Es fällt auf, dass der „Impact“ auf den Bassbereich viel musikalischer, transparenter und dennoch effektiver ist, als beispielsweise die Anhebung per EQ. Eine negative Beeinflussung benachbarter Frequenzbereiche findet nicht statt. Allerdings fällt ebenfalls auf, dass ein homogen klingendes Resultat auch weitgehend homogen arrangiertes/gespieltes Bassmaterial voraussetzt, um eine gleichmäßige Erkennung zu gewährleisten.

Was gefällt?

Der bx subsynth sorgt für eine transparente und effektive Anhebung des Bassbereichs und ist somit eine Alternative/Ergänzung zum EQ mit hohem praktischen Nutzen.

Was gefällt nicht?

Die Lesbarkeit und Haptik (Trim Regler) sind nicht überall optimal.

Fuchs Overdrive Supreme 50 Amplifier

Der Vollständigkeit halber seht ihr - auch ohne expliziten Praxistest - noch zwei Screenshots des Plug-ins, von welchem nicht Aldi Nord und auch nicht Aldi Süd, sondern kein geringerer als Al Di Meola behauptet: „The Fuchs ODS Plug-In is the best sounding amp emulation I‘ve ever heard“.

Möglicherweise erfolgt in Kürze ein separater Testbericht über diese offenbar sehr gelungene Amp-Emulation.

Fazit

Mit dem 9.1er Update hat Universal Audio wieder einmal reizvolle Plug-ins geliefert, die eine potentielle Gefahr für die Kreditkarten von UAD-Usern darstellen. Persönlich hat es mir der SSL E Channel Strip besonders angetan, da er aufgrund seiner hohen Flexibilität und seinem absolut überzeugenden Klang alles bietet, was eine Audiospur zur professionellen Klangformung benötigt. Insgesamt betrachtet handelt es sich um ein sehr gelungenes Update, welches sowohl die Klangpalette als auch die Setup-Möglichkeiten für Mac- und PC-User erweitert.

  • PRO
  • überzeugende Klangqualität
  • inspirierende neue Plug-ins
  • erweiterte Setup-Möglichkeiten für PC- und Mac-User
  • vollständige Kompatibilität mit macOS Sierra
  • CONTRA
  • teilweise schlechte Lesbarkeit von Parametereinstellungen (insbesondere bei Moog Multimode Filter XL)
  • FEATURES Moog Multimode Filter Collection
  • drei Plug-ins (XL/Legacy/Legacy SE)
  • Envelope
  • 2 LFOs mit 7 Wellenformen (XL)
  • 1 LFO mit 6 Wellenformen (Legacy)
  • 20 Hz – 20 kHz (XL) / 12Hz - 12 kHz (Legacy)
  • Low Pass, Band Pass, High Pass, Notch (nur XL)
  • Slope 1/2/3/4-Pole (XL), 2/4-Pole (Legacy)
  • Sequencer (XL)
  • FEATURES SSL 4000 E Channel Strip Collection
  • zwei Plug-ins (SSL E Channel Strip, SSL E Channel Strip Legacy)
  • Mic Preamp Modelling / Unison (nicht Legacy)
  • Jensen Transformer Modelling (nicht Legacy)
  • VCA Fader Modelling (nicht Legacy)
  • flexibler Signalfluss
  • „black“- und „brown“-Knob EQ
  • VCA Compressor
  • Gate/Expander
  • Filter: High Pass 6dB/oct (Brown Knob), 18dB/oct (Black Knob), Low Pass 12dB/oct
  • FEATURES OTO BISCUIT 8-bit Effects
  • Bitcrushing (Bit 1-8 separat schaltbar auf on/invert/mute)
  • Sample Rates 250 Hz bis 30 kHz
  • Stereo Multimode Filter
  • Waveshaper
  • Delay
  • Pitch Shifter (-2 bis + 1 Oktaven)
  • FEATURES bx subsynth
  • 3-Band Subharmonic Synthese
  • wahlweise Analyse des Mitten- oder Stereosignals
  • Sättigungseffekt mit Filter
  • M/S Processing
  • FEATURES Fuchs Overdrive Supreme 50 Amplifier
  • Emulation von 82 high-end Aufnahmeketten
  • latenzfreies Tracking mit Apollo Interfaces
  • FX Racks (Vintage Delay, Noise Gate, Filter)
  • Preise
  • Update kostenlos
  • bx subsynth: 149,- € im UAD Online Store
  • OTO BISCUIT 8-bit Effects: 249,- € im UAD Online Store
  • Fuchs Overdrive Supreme 50 Amplifier: 149,- € im UAD Online Store
  • Moog Multimode Filter Collection: 249,- € im UAD Online Store (Upgrade 99,- €)
  • SSL 4000 E Channel Strip Collection: 299,- € im UAD Online Store
  • Upgradepreise SSL: EUR 149,- für Besitzer UAD 4K Channel Strip (altes Teil ohne SSL Lizenzierung), EUR 99,- für Besitzer des UAD SSL Channel Strip (der jetzt den Zusatz „Legacy“ trägt)

Auspackbilder findest du hier ->

Universal Audio Apollo Twin MKII Quad

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