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Test
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09.12.2013

Universal Audio Fairchild Tube Limiter Plug-In Collection Test

UAD-Plug-In

Die Giganten

Die Fairchild Tube Limiter Plug-In Collection für die UAD-Systeme von Universal Audio bei bonedo im Test – Der ehrwürdige Fairchild Limiter gehört zu den Urgesteinen des Outboardwahnsinns. Dementsprechend war es passend, dass dessen Plug-In-Emulation zur ersten Generation der UAD-Plug-Ins zählte. Doch auch das ist wieder eine Weile her. Zeit also für einen dritten Frühling!

Nachdem Universal Audio kürzlich bereits den 1176, den LA-2A und den Pultec in die DSP-Jetztzeit geholt hat indem es deren Code aus der Prozessorkarten-Steinzeit ins Heute transferierte, überrascht es kaum, dass nun das gleiche mit dem Fairchild passiert. Auch dieser Prozessor zählte lange zu den beliebtesten UAD-Plug-Ins, war aber zuletzt etwas ins Hintertreffen geraten, weil sein gut 10 Jahre alter DSP-Code aktuellen Standards dann doch nicht mehr so ganz genügen konnte.

Als zentraler Bestandteil des UAD-7.4.-Updates, das nebenbei noch weitere Apollo-Updates sowie ein Plug-In des Maag-EQs mitbringt, schließt der Fairchild nun aber zur aktuellen Garde der UAD-Plug-Ins auf. Werfen wir aber zunächst noch einmal einen Blick ganz weit zurück: Der Legende nach entwickelte der baltischstämmige Ingenieur Rein Narma den Ur-Fairchild auf Les Pauls Küchentisch. Ob das wirklich wahr ist, lassen wir mal dahingestellt, aber so oder so kannten sich die beiden Analog-Gurus. Aus diesem Umfeld stammen einige der wichtigsten Studio-Erfindungen, von denen unser Business teilweise heute noch zehrt. Mit nicht weniger als 20 Röhren und 14 Übertragern ausgestattet ist der Vari-Mu-Limiter ein typisches Kind der 50er-Jahre, in denen man, was die Form und das Layout der Schaltungen betrifft, mit aus heutiger Sicht archaischen Mitteln arbeitete. Rein klanglich gesehen hat man damals aber Standards gesetzt, die heute noch gültig sind – wäre das nicht so, dann wären sämtliche Ur-Fairchilds längst eingeschmolzen und zu Frachtcontainern verarbeitet worden und ich würde diesen Text jetzt nicht schreiben.

Der zweikanalige Fairchild 670 und sein Mono-Bruder 660 waren zunächst eher nach schöden, technischen Gesichtspunkten konstruiert worden, man hatte weniger den kreativen Schönklang im Blick als rein technische Gegebenheiten. Es galt, Schneidstichel beim Vinylschnitt oder aber auch Senderöhren beim Rundfunk zu schützen, und zwar vor Pegelspitzen, welche die kostbare und sensible Technik möglichweise durch Überhitzung zerstört hätten. Wenn man so will, reden wir hier über die Anfangstage des „Loudness Wars“. Aus diesem Grund bietet der 670 übrigens auch den „Lateral/Vertikal“ genannten M/S-Modus, denn dieser bezieht sich auf die Seiten- und die Tiefenschrift beim Vinylschnitt. Nicht nur, dass der Schneidstichel nicht überhitzen sollte, er durfte auch nicht in die Nachbarrille hineinfräsen und damit den Schnitt unbrauchbar machen.

Details

Der Fairchild ist für seine ursprüngliche Aufgabe heute nicht mehr so gut geeignet…

Die vorangegangene Märchenstunde ist nicht unerheblich, denn es ist wichtig zu wissen, warum der Fairchild so konstruiert wurde, damit man ihn auch heute vorteilhaft einsetzen kann. Es wurde damals ein unfassbar hoher Hardwareaufwand getrieben um ein Gerät herzustellen, das bestimmten Anforderungen genügten, die sich aber im Laufe der Jahrzehnte gewandelt haben – der Fairchild ist aus heutiger Sicht für die Aufgaben die er damals erfüllte gar nicht mal so gut geeignet. Für einige Dinge gibt es heute wesentlich bessere Tools. Das liegt gar nicht mal unbedingt daran, dass der Fairchild nicht gut gealtert wäre, sondern der Grund ist eher, das sich die Welt um ihn herum doch sehr geändet hat. So wird in der Musikproduktion heute mit erheblich mehr Bass gearbeitet als damals, und das, ebenso wie ein anderer Klanggeschmack, ändert den Einsatz von Kompression doch erheblich.

Der Signalweg ist einfach aufgebaut, der Sidechain nicht

Aber erst einmal zurück zum 660/670: Dessen Signalweg ist, typisch für die Zeit, sehr einfach aufgebaut. Eine einzige Push/Pull-Röhrenstufe liegt im Signalweg, danach wird der Klang bereits auf die Ausgangsübertrager geschickt. Der größe Schaltungsaufwand betrifft also die Aufbereitung des Sidechain-Signals. Interessant ist aber, dass in jedem Regelelement vier 6368-Doppeltrioden arbeiten, die parallel verschaltet werden. In jedem Zweig der Gegentaktstufe sitzen also vier Triodenelemente. Nach „außen“ wirkt das wie eine einzige Triode, die aber besonders niederohmig arbeitet, was verschiedene Vorteile hat, wie etwa einen großen Kompressionshub bei wenig Nebengeräuschen, oder aber den Betrieb mit sehr schnellen Zeitkonstanten.

Flotte Attack-Time

Mit Attackwerte zwischen 20 und 80 Mikrosekunden arbeitet der Fairchild nämlich rasend schnell (das ist 1176-Territorium!) und das ist auch wichtig, wenn potenziell schädliche Pegelspitzen sicher abgefangen werden sollen. Seine sehr schnellen Attackzeiten kombiniert der Fairchild mit eher moderaten Release-Werten: Der schnellste liegt bei etwa 300 Millisekunden. Diese aus heutiger Sicht eher untypische Grundabstimmung setzt die wesentlichen Akzente: Das Gerät verbindet zuverlässiges Peak-Limiting mit einigermaßen „natürlich“ klingenden Rückstellzeiten – ideal für den Einsatz als möglichst unauffällig arbeitender Pegel-Begrenzer. Insgesamt sechs Zeitkonstanten-Presets lassen sich abrufen, Bedienelemente für Threshold und Gain (sowie beim 670 für die Aktivierung des Lat/Vert-Modus) machen das Bild komplett.

Abbey Road holte Fairchilds nach Europa

Schon bald setzte sich der Fairchild auf breiter Front durch. Der Hersteller bewarb das Gerät in Anzeigen als „weltweit akzeptierten Standard für die Pegelkontrolle“ und hatte damit sogar Recht. Gemessen an der damaligen Anzahl von Studios kann man bei einer knapp vierstelligen Zahl von 670-Einheiten durchaus von einer großen Verbreitung sprechen. Schließlich wurde auch die kreative Musikproduktion auf den Röhrenlimiter aufmerksam. Eine große Rolle spielte hier die britische EMI mit ihrem später „Abbey Road“ genannten Studio-Haupsitz. Dessen Ingenieure waren frustriert von der Leistungsfähigkeit der heimischen Studiotechnik, und so wurden in den späten 50ern Bandmaschinen aus Deutschland importiert, der deutsche Ingenieur Peter Burkowitz konstruierte die erste REDD-Konsole, und eine EMI-Delegation im kaliforischen Schwesterstudio Capitol war von deren Fairchilds so begeistert, dass Capitol im Abbey-Road-Auftrag ein gutes Dutzend der Dynamik-Boliden bestellte. Als diese in den frühen 60ern in England eintrafen, kamen sie gerade rechtzeitig, um Musikgeschichte zu schreiben: Seit „A Hard Day’s Night“ wurden praktisch alle Beatles-Vocals mit dem Fairchild 660 bearbeitet, was ganz sicher gehörig zum Legendenstatus der fast zentnerschweren Ungetüme beigetragen.

 

Gerade beim Einsatz als Vocal-Limiter sind die schnellen Attackwerte sehr vorteilhaft, da sie spitze Konsonanten zuverlässig in Schach halten. Einer der größten Musikproduktionsfehler ist die Vocal-Kompression mit zu langen Attackzeiten, welche häufig den Einsatz von De-Essern und anderen Rettungsmitteln erst notwendig machen. Klar sind zahlreiche andere Faktoren mindestens ebenso stark für den Vocalsound der Beatles verantwortlich, aber die Fairchilds spielen doch eine gravierende Rolle, zumal zwei dieser Geräte stets auch beim Mix von der Vierspurbandmaschine auf die finale Mono- oder Stereosumme zum Einsatz kamen.

Plug-Ins kommen mit „Sonderausstattung“

Die wie immer liebevoll umgesetzten UAD-Plug-Ins faszinieren mit ihrer Oberfläche, die tatsächlich Vintage-Aura versprüht. Modelliert nach „goldenen“ Exemplaren aus dem Fundus von Allen Sides’ Ocean Way Studios, bieten die UAD-Plug-Ins alle Funktionen der Originale – und dazu noch einiges mehr. Neben den Original-Controls bieten die Prozessoren ein „Utility“-Panel, über das Sidechain-Filter, der Link-Modus der beiden Kanäle sowie der Wet/Dry-Mix eingestellt werden können. Auch zusätzliche Output-Potis können das Gain-Staging unterstützen. Laut Universal Audio wurden diesmal die Line-Stufen mit all ihren Feinheiten mit emuliert, und bei den zu erwartenden Sättigungseffekten kann das Output-Poti einen wichtigen Baustein darstellen.

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