Hersteller_UniversalAudio Gitarre Software
Test
10
15.08.2015

Praxis

Wir beginnen direkt mit der knallharten Erbsenzählerei, denn den Sound eines Marshall Plexi hat mit 99-prozentiger Sicherheit jeder schon einmal gehört, und ich muss zugeben, dass der virtuelle Kollege tatsächlich sehr gut geraten ist. Was aber den Gitarristen neben dem Sound interessiert, ist natürlich auch die Ansprache, das Reaktionsverhalten und das daraus resultierende inspirierende Spielgefühl. Dazu gibt es den direkten A/B-Vergleich mit meinem Marshall SLP1959, der auf eine 4x12 Box mit alten Greenbacks geschickt und von einem Neumann TLM103 abgenommen wird. Ein direkter Soundvergleich ist nahezu unmöglich, weil zu viele Faktoren in die Klanggestaltung einfließen. Verschiebt man beispielsweise das Mikrofon einen Zentimeter nach links, klingt es schon komplett anders. Außerdem habe ich (leider) auch nicht den Original-Amp aus dem Museum zur Verfügung und auch nicht die unterschiedlichen Mikrofone. Was mich aber interessiert, ist das Reaktionsverhalten, und da liegt der Fokus in den nächsten Beispielen. Für die habe ich meine Lieblingsverkabelung benutzt. Die Gitarre ist im Input 1 und das Patchkabel steckt im Input 1 (Low) und Input 2 (High). Dadurch werden beide Kanäle mit höherem Pegel angefahren. Plexi und Apollo Twin werden gleichzeitig über einen Lehle-Switcher angesteuert und parallel aufgenommen. Ich habe bei beiden "Amps" so gut es ging ein ähnliches Sound- und Gain-Setting eingestellt, damit man einigermaßen objektiv vergleichen kann. Anschließend wurde auf der SG eine Runde mit den Fingern gespielt, zuerst ganz sanft, im zweiten Durchgang etwas härter.

Jetzt geht es weiter mit hartem Anschlag, an den Einstellungen wurde nichts verändert.

Da kann man wirklich nicht meckern. Die dynamische Ansprache funktioniert ausgesprochen gut und ich habe auch das Gefühl, der Amp gehorcht mir. Klar, wenn ich vor einem wuchtigen Plexi mit 4x12 Box stehe, ist das Ganze natürlich wesentlich direkter. Hört man aber beide Signale über die Regieraumboxen in Rock´n´Roll Studio-Lautstärke, dann sind die Unterschiede sehr gering. Das Spielgefühl ist auf jeden Fall ausgezeichnet. Die nächste Disziplin ist das Reaktionsverhalten auf Lautstärkeveränderungen des Volume-Potis an der Gitarre. Mit ihm kann man einen gut zerrenden Plexi wunderbar zu Cleansounds nötigen, abhängig selbstverständlich von der Ausgangsleistung der Pickups. Ihr hört als nächstes einen simplen E-Powerchord, bei dem ich nach jedem Anschlag den Lautstärkeregler um eine Einheit zurückgenommen habe (10-9-8-7-6).

Auch hier gibt es nichts zu beanstanden, der Hi-Z Eingang am Apollo Twin ist gut abgestimmt auf das ankommende Gitarrensignal. Der virtuelle Plexi macht beim Entzerren seinen Job sehr gut. Ich habe den regelbaren Input Gain am Apollo Twin dabei komplett zurückgedreht.

Jetzt wird die Gitarre gewechselt und die Strat mit Singlecoils ist am Start. Auch hier reagiert der virtuelle Marshall so, wie man das gewohnt ist. Der Unterschied zwischen den beiden Instrumenten und den unterschiedlichen Pickups wird klar wiedergegeben, das Plug-In ist absolut kein Plattmacher.

Zum Abschluss hört ihr noch einmal den virtuellen Amp und auch den echten Marshall gemeinsam im Bandkontext. Auch hier kann ich sagen, dass man mit dem Signal gut arbeiten kann und es auf keinen Fall gegen den echten Amp schwächelt. Ihr hört den richtigen Amp auf der rechten Seite, das Plug-In ist auf der linken Seite im Panorama. Später kommt noch die Lead-Gitarre hinzu, ebenfalls über das Plug-In, allerdings habe ich dabei zum Anfeuern noch den virtuellen Tube Screamer aus dem Hause Universal Audio vorgeschaltet.

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