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Test
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15.08.2015

Universal Audio Apollo Twin Duo & Marshall Plexi Super Lead 1959 Plug-In Test

Audio Interface & Plug-In

Plug-In and play

Das Apollo Twin von Universal Audio verspricht uns Gitarristen Aufnahmen mit authentischen Plug-Ins, niedriger Latenz und einem Spielgefühl wie beim Original-Röhrenamp. Das sind handfeste Aussagen, aber wie wir gelernt haben, müssen die Sprüche von Marketingspezialisten nicht unbedingt immer mit der Realität kompatibel sein. Das Apollo Twin Duo hat mein Kollege Nick Mavridis bereits im Recording-Einsatz getestet, weshalb ihr dort auch viele Details über das Audio Interface findet. Heute soll es primär um die Anwendung für Gitarristen gehen, denn Universal Audio bietet mittlerweile eine ganze Reihe von Plug-Ins speziell für das Gitarrenrecording an. Beim Apollo Twin sind als Grundausstattung für den Gitarrensound die Amp-Rooms von Softube und eine Software-Version des Rat-Distortion an Bord, im UAD-Store werden aber zusätzlich einige interessante Nachbildungen legendärer Amps angeboten.

Allen voran der "Heilige Gral des Rock", der Marshall SLP1959, besser bekannt als "Marshall-Plexi", der ebenfalls vom schwedischen Software-Hersteller Softube für die UAD-Plattform entwickelt wurde. Satte 199 Dollar soll man dafür hinblättern. Ob das Plug-In diesen Preis wert ist, werdet ihr im folgenden Test erfahren.

Details

Apollo Twin

Die Details zum Apollo Twin findet ihr in Nicks Test, deshalb hier nur kurz die Eckdaten: Das Apollo Twin ist ein Audio-Interface in Desktop Format mit Thunderbolt-Anschluss für den Mac. Das Betriebssystem sollte mindestens Mac OS X 10.8.5 (Mountain Lion) sein und es werden 4 GB Speicherplatz benötigt. Die Anschlüsse sind sinnvoll verteilt, Hi-Z Input für die Gitarre und Headphone Out haben auf der Vorderseite ihren Platz eingenommen, während der Rest rückseitig angebracht ist. Die Stromzufuhr des Audio-Interfaces läuft über ein eigenes Netzteil, denn unser Testkandidat hat zwei eigene Sharc DSP Prozessoren, die mit Energie versorgt werden müssen. An dieser Stelle wird es für uns Gitarristen interessant. Während "normale" Audio-Interfaces nur für die Wandlung des Signals zuständig sind und man als Gitarrist die Plug-Ins aus dem Computer ansteuern muss, haben wir beim Apollo Twin den Vorteil, dass sich dort der Interface-eigene Prozessor um sie kümmert. Das bedeutet, dass das Spielgefühl dem bei einem digitalen Effektgerät entspricht. Kein Vergleich also zu Low Latency Aufnahmen über Rechner-interne Plug-Ins, z.B. bei Logic mit einem hochwertigen Interface. Ich habe beim Test A/B-Vergleiche mit meinem Marshall Plexi gemacht, der im Regieraum steht und die mikrofonierte Box im Aufnahmeraum. Wenn ich nun den Original-Amp und das Plug-In über meine Abhörboxen im Regieraum beim Spielen anhöre, hatte ich nicht das Gefühl, dass das Plexi Plug-In träger war. Wie es mit der Reaktion und der dynamischen Ansprache aussieht, werden wir nun genauer untersuchen.

Marshall Plexi Super Lead 1959

Das Plug-In kommt aus der schwedischen Softwareschmiede Softube und wurde in enger Zusammenarbeit mit Marshall kreiert. Zu diesem Zweck stellte Marshall den Entwicklern einen SLP1959 aus dem hauseigenen Museum zur Verfügung, ein Modell aus dem Jahre 1967, das bei Marshall als Referenz für den typischen Plexi-Sound dient. Als Toningenieur war Tony Platt im Einsatz, er kennt sich mit Marshall-Sounds hervorragend aus - immerhin war er unter anderem für die Aufnahmen von AC/DCs Highway To Hell und Back In Black zuständig und entsprechend detailverliebt wurde auch gearbeitet. So hat man beispielsweise neben der normalen Klangregelung auch die Soundunterschiede beim "Patchen" der Eingangskanäle eingefangen. Die Box (1960 BHW) wurde für die Modeling-Session mit unterschiedlichen Mikrofonen abgenommen, davon jeweils zwei direkt am Lautsprecher und eines im Raum. Das Ganze steht in drei Gruppen zur Verfügung:

Gruppe Mic 1 Mic 2 Raum-Mic
Valve Neumann U67 Neumann U67 AKG C12
Fet Josephson E52 Neumann U87 Coles 4083
Dynamic Shure SM57 Sennheiser E 609 Neumann U87

Die Mikrofone können einzeln in der Lautstärke gemischt werden, zusätzlich gibt es einen Master-EQ mit Bässen und Höhen. 

Es bieten sich also auch auf der Ebene der Mikrofonierung viele Möglichkeiten, den Klang zu formen, was auch sehr gut funktioniert und realistisch klingt. Man sollte allerdings mit dem Raum-Mikro etwas sparsam sein, wenn es in Kombination mit den anderen eingesetzt wird, denn da tritt unter Umständen die eine oder andere Phasenproblematik auf. Das würde ich aber nicht als als echtes Manko sehen, denn manche Tontechniker benutzen solche Sounds bewusst, um die Gitarre etwas schlanker zu gestalten. Es kommt halt immer auf die Dosis an. Was mir tatsächlich nicht so gut gefallen hat, war der Eifer des Grafik-Designers, unbedingt einen Vintage-Look darstellen zu müssen, der sich zum Beispiel in einem sehr unleserlichen Mitten-Regler ausdrückt. Aber das ist eher eine Nebensächlichkeit.

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