Gitarre Software
Test
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02.11.2015

Praxis

So, jetzt geht es los. Wir starten einen kleinen Trainingsrundgang und überprüfen vor allem die Hörgenauigkeit unseres neuen Gitarrenlehrers. Beim Öffnen der App kann auf der ersten Seite zwischen Chord Trainer und Chord Finder ausgewählt werden. Wir gehen zuerst einmal zum Chord Trainer und gelangen von dort auf die Auswahlseite für die verschiedenen Übungen.

Unter der Rubrik "Beginner Exercises II:The most Common Chords" finden wir 24 unterschiedliche Akkordübungen, die auch Leersaiten einschließen. Ich wähle Nummer 24, Hotel California, und es öffnet sich die Übersichtsseite mit den Griffdiagrammen aller benötigten Akkorde. Drückt man nun auf den Play-Button, startet die Übung. Uberchord zeigt den ersten Akkord an, ein Am, und der muss nun gespielt werden. Stimmen Griff und Sound, erreicht man den nächsten Level und der zweite Akkord wird angezeigt. Falls etwas nicht stimmt, zeigt es die App tatsächlich genau an. Ich habe eine Akustikgitarre eingesetzt, und die App deckte jeden Fehler gnadenlos auf. Mit einer Direktverbindung (z.B. iRig) funktioniert es noch genauer, aber die Performance mit dem eingebauten Mikrofon ist schon erstaunlich gut. Klar, eventuelle Hintergrundgeräusche sollten nicht allzu laut sein.

Rechts neben dem Akkorddiagramm gibt es noch einen mit "Chord Mastery" betitelten Balken, der anzeigt, wie sicher der Akkord bereits gegriffen wird. Die Programmierer haben diese Statistikfunktion so eingestellt, dass man 100% erreicht, wenn ein bestimmter Akkord ca. 150 mal richtig gegriffen wurde. Das erlaubt eine ziemlich gute Kontrolle über das, was man schon gut beherrscht oder oft geübt hat, und an welche Griffe nochmal Hand angelegt werden sollte. Wie bei einer Sport-App werden alle Aktionen im Hintergrund aufgezeichnet und über die Diagrammfunktion lässt sich der aktuelle Status abrufen. Die Eltern anschummeln ("... ich habe jeden Tag eine Stunde geübt!") war gestern!

Man ist allerdings nicht nur auf die vorgefertigten Übungen limitiert. Mit dem Song/Exercises Editor ist es möglich, eigene Übungen oder Songs zu erstellen. Diese können auch an andere Uberchord-User weitergeleitet werden.

Jetzt geht es an den Chord Finder. Viele Autodidakten spielen nach Gehör und greifen sehr interessante und in der Regel richtige Akkorde, sind aber nicht in der Lage, diese detailliert an andere weiterzugeben. Die Ansagen "E-Moll mit kleinem Finger" gehören der Vergangenheit an, denn der Chord Finder analysiert das Gespielte und man kann dem studierten Keyboarder mit stolzgeschwellter Brust mitteilen, dass der Refrain mit einem Em(add9) beginnt. Das Ganze funktioniert absolut schnell und schmerzfrei. Man drückt im Chord Finder auf den Mikrofon-Button, spielt den Akkord und die App zeigt das Symbol inklusive Griffbild an. Beeindruckend! Es gibt mitunter kleine Verständigungsschwierigkeiten auf den tiefen Saiten, aber die Trefferquote ist tatsächlich sehr hoch. Allein deshalb lohnt sich das kostenlose Herunterladen dieser App. Aber das ist noch nicht alles: Wenn der Akkord erkannt wurde und man nun auf das Pfeil-Symbol drückt, erscheint eine Auflistung der gegriffenen Töne, das Griffbild und weitere Vorschläge von Umkehrungen des entsprechenden Akkordes. So kommt man auch dann nicht ins Schwitzen, wenn der studierte Keyboarder bitteschön die x-te Umkehrung mit der Sexte im Diskant wünscht, damit man seinem Zehnfingerakkord nicht in die Quere kommt.

Sollte es aber so sein, dass unser geschätzter Tastenkollege meint, ein Cm(maj79) beispielsweise wäre jetzt genau der richtige Akkord, dann ist die Chord Search Funktion unser Meister. Hier wird die Akkordbezeichnung eingegeben und die Uberchord-App präsentiert jede Menge Vorschläge.

Bisher haben wir uns nur im Standard-Tuning bewegt, aber unser digitaler Gitarrenlehrer hat auch andere Stimmungen im Angebot, allerdings werden dafür unter Umständen zusätzliche Kosten fällig. Standard und Open D sind noch kostenlos, die restlichen Tunings (zum Zeitpunkt des Tests 17 Stück) können für 99 Cent per In-App-Kauf erworben werden. Hier findet man die gängigsten Open Tunings, darunter Drop D, Open G, Open E, aber auch etwas speziellere wie Open G Minor oder Open E Major 7. Eine feine Sache, denn wenn man mit unterschiedlichen Tunings arbeitet, wird es mit den Akkordbenennungen und der Suche mitunter kniffelig. Hier sind 99 Cent für ein Open Tuning auf jeden Fall eine absolut sinnvolle Investition.

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