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Test
10
03.07.2019

Tracktion Waveform 10 Test

Update für die Budget-DAW

62 Plugins, ein besserer Workflow und mehr!

Waveform 10 kommt mit sage und schreibe 62 (!) neuen Plugins daher. Dazu ist an vielen Stellen im Workflow geschraubt und verbessert worden. Ein Schnellzugriff-Fenster namens Acions UI, neue Edit- und Mix-Gruppen, Autotune Access und einige Auswahl- und Bearbeitungswerkzeuge sind dazugekommen. Wir haben diese und viele andere Neuerungen getestet.  Verbessert wurden auch der Multi-Sampler, die Plugin-Validierung und das Auto-Save-Verhalten.

Vor gut einem Jahr testeten wir Version 9 und waren beeindruckt von der Fülle von Funktionen und Möglichkeiten für einen so günstigen Preis. Tracktion treibt die Entwicklung seiner DAW in hohem Tempo voran und hat ein gutes Jahr später bereits die nächste Version veröffentlicht. Waveform 10 bringt zwar mit dem riesigen Plugin-Paket von Airwindows, Autotune Access und Melodyne Essential einige neue Zusatzpakete mit, der Fokus liegt bei diesem Upgrade vor allem aber auf der Verbesserung des Workflows.

Details

Wie kann man sich gegen übermächtige Konkurrenz abheben? Wie findet man bei der Menge an Features, die jede DAWs von anderen abhebt, den Mittelweg zwischen Feature-Overload und einfallslosem Kopieren? Diese Frage muss sich jeder DAW-Hersteller stellen, sind es doch mittlerweile fast 20 DAWs, die sich auf dem Markt der elektronischen Musikproduktion tummeln. 

Tracktion wird nicht übermütig, schaut nach links und rechts, analysiert, was im Vergleich zu den Großen noch fehlt, feilt an den Details und stellt sich mit einem Kampfpreis mit großen Ausrufezeichen auf. Zwar fehlen in der Basis-Version die 16 Effekte aus der DAW Essentials Collection (also Dinge wie ein EQ oder Kompressor) und der Sampler und Softsynth BioTek2, aber mit den richtigen Freeware-Plugins ließe sich das alles auch ohne Not kompensieren.

Waveform 10 – What’s new?

Am Workflow einer DAW zu schrauben ist oft ein Drahtseilakt. Für das eine Feature wird sie besonders geliebt (Session View – Live, Playlisten – ProTools, Racks – Reason), für das Fehlen einer anderen verdammt (Comping – Live, Windows-kompatibel – Logic). 

Ein kleiner DAW-Hersteller wie Tracktion mit vergleichsweise geringem Marktanteil und noch im Aufbau begriffener Community ist da freier. Munter wird nachgeschoben, verändert und hinzugefügt, was man sich selbst überlegt oder bei der Konkurrenz abschaut. Die Liste der Neuerungen in Version 10 ist beachtlich:

  • Actions UI: Schnellzugriff deluxe. Nicht nur kann man in diesem neuen Arbeitsbereich oft genutzte Menübefehle und Werkzeuge ablegen, diesen kann man dann auch eigene Shortcuts zuweisen. 
  • Edit und Mix Gruppen: Spuren lassen sich gruppieren und damit ähnlich wie in Pro Tools synchron bearbeiten, muten oder pannen.
  • Clip-Auswahl: Mehrere Clips auf verschiedenen Spuren lassen sich jetzt auswählen, verschieben und verändern. 
  • Clip-Bearbeitung: Ein einzelner Clip lässt sich nun in einem separaten Fenster bearbeiten, mit dem ganzen Arrangement im Hauptfenster im Hintergrund.
  • Multi-Sampler: Mehr Stimmen (64), Drum Replacement, Voice Stealing und mehr Möglichkeiten beim Sample Capture (Audio systemweit direkt in den Sampler aufnehmen).
  • 62 neue Plugins (Artisan Collection): Basierend auf den vielfältigen Plugins der Firma Airwindows; mehr analogen Klangcharakter verspricht der Hersteller.
  • Groove Doctor: Wer das Audio-Quantisierungs-Tool Beat Detective aus Pro Tools kennt, wird sich mit dem Groove Doctor schnell anfreunden. Auch die Groove-Patterns von echten Drumloops lassen sich extrahieren und auf MIDI-Beats anwenden.
  • Neuer Synth: Subtractive. Ein subtrakiver Softsynth.
  • Autotune und Melodyne: Schon in der Basisversion für 119 Dollar sind die Basic-Versionen der zwei wichtigsten Vocal-Tuning-Plugins überhaupt enthalten: Autotune Access und Melodyne Essential. 
  • Stabilität: Ein neues Piugin-Validierungstool verspricht genauere Analyse von Plugins für Hersteller und Nutzer. Gerade, wenn man veraltete Plugins nutzt, sind Abstürze nicht selten. Dieses Tool hilft bei der Fehlersuche. Dazu kommt eine als „Constant Save“ bezeichnete Auto-Save-Funktion.

Und Action! – Die Action UI

Sobald der Browser geöffnet ist, findet man den Menüreiter "Actions", wo früher "Properties" waren. Dieser reagiert kontextabhängig. Je nachdem, was ihr gerade angewählt habt, tauchen dort andere Schnellzugriffe auf. Diese lassen sich für alle Kontexte auch weiter anpassen und mit eigenen Keyboard-Shortcuts verbinden. 

Die aus anderen DAWs bekannte Möglichkeit Spuren zu gruppieren ist jetzt auch bei Waveform mit an Bord. Nachdem die gewünschten Spuren zusammengefasst wurden, lässt sich über den „Groups“-Reiter genauer bestimmen, ob sie eine reine Mix-Gruppe sind, also alle Lautstärke-Fader aneinandergekoppelt sind oder dazu noch eine Edit-Gruppe. Vor allem bei Schlagzeugaufnahmen braucht man bei der phasengenauen Bearbeitung vieler Spuren gleichzeitig diese Funktion. Dazu kann man noch Dinge wie das Panning, die Spurfarbe oder die Veränderung der Größe der gewählten Spuren mit in die Gruppe packen.

Mehr Plugins, mehr Instrumente

Tracktion hat sich mit Airwindows, der Einmannfirma von Chris Johnson, zusammengetan und 62 (!) seiner sehr beliebten Effekte für Waveform lizensiert. Optisch sind diese durch die Bank sehr schlicht gehalten, bringen aber teilweise sehr warmen, analogen Klangcharakter mit. Allein neun verschiedene Verzerrungseffekte und zwölf Kompressoren sind in der Artisan Collection enthalten. Auch fünfzehn der weithin so beliebten Emulationen von analogem Studio-Equipment wie „ToTape 5“ oder „Channel 5“ helfen dabei, analoge Wärme zu verbreiten.

Der in Version 9 dazugekommene Multi-Sampler wurde mit weiteren Funktionen bestückt. Die Beat-Replace-Funktion erlaubt es, ähnlich wie die Slicing- und Convert-to-MIDI-Funktionen in Ableton Live, einen Drumloop zu slicen und in einen Sampler zu laden, wo man dann einzelne Sounds austauschen und so den ursprünglichen Beat mit anderen Samples spielen kann. Auch die schon bekannte Aufnahmefunktion wurde verbessert: Man kann nicht nur das Audiosignal seines Systems direkt aufnehmen, sondern auch von einzelnen Spuren oder dem gesamten Projekt innerhalb von Waveform.

Neben dem oben erwähnten Plugin-Paket ist ein auch ein neuer Softsynth mit an Bord: Subtrative. Das 4-Oszillator-Biest bringt viele Sounds mit, die an analoge Synthesizer und die üblichen Modulationsmöglichkeiten angelehnt sind. Weitere Verbesserungen: Die in Version 9 vorgestellten Modifiers wurden ebenso erweitert, wie die Racks, in denen sich verschiedene Effekte kombinieren lassen.

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