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Test
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16.04.2018

Toontrack UK Pop EZX und UK Pop Grooves Test

Erweiterung für EZdrummer 2

Warm und trocken!

Mit der UK Pop EZX bietet Toontrack eine Erweiterung für den EZdrummer 2, die sich an der Ästhetik aktueller britischer Pop-Produktionen orientiert und dabei das Erbe vergangener Jahrzehnte durchscheinen lässt. Während die Beschreibung „warm und trocken“ für das britische Wetter nicht unbedingt typisch wäre, trifft sie für den Klang der Library den Nagel auf den Kopf. Im Angebot stehen vier tendenziell tief gestimmte und zum Teil stark bedämpfte Drumsets, die in einem mittelgroßen und warm klingenden Raum aufgenommen wurden.

Gemessen am Datenvolumen von knapp 5 GB handelt es sich bei der UK Pop EZX um die bisher umfangreichste Erweiterung für den EZdrummer 2 (Stand: April 2018), und genauso wie alle anderen aktuellen EZX-Pakete (EZX = EZdrummer eXpansion) lässt sie sich auch auf der Plattform des großen Superior Drummer 3 verwenden. Zeitgleich mit der Library wurde ein zugehöriges MIDI-Pack mit dem Titel UK Pop Grooves veröffentlicht, das in diesem Review zum Erzeugen der Audio-Beispiele verwendet wird. Facts zu den Hintergründen und zum Klang gibt es auf den folgenden Seiten.

Details

Away to the UK!

Zur Produktion der UK Pop EZX verschlug es das Toontrack-Team nach London. Die zur Aufnahme der Samples gebuchten RAK Studios liegen im Herzen der britischen Hauptstadt und nur etwa 750 Meter Luftlinie von den Abbey Road Studios entfernt. Gegründet wurden sie 1976, und seitdem waren es längst nicht nur Paul McCartney, The Who, Yes oder auch Radiohead, die dort ihr Tässchen Tee tranken – und nebenbei natürlich Aufnahmen machten. Die Drums standen in Studio 1, einem ca. 100 Quadratmeter großen Raum, der akustisch sehr kontrolliert wirkt. Im Vergleich zu vielen anderen Drum-Libraries von Toontrack, die in sehr viel größer dimensionierten Räumen aufgenommen wurden, geht es also verhältnismäßig intim zur Sache. Technisches Herzstück des zugehörigen Control-Rooms ist ein 48-Kanal API-Pult aus den 1970er-jahren.

Als Produzent verdingte sich Mark Taylor, der unter anderem mit Rod Stewart, Ronan Keating und James Morrison arbeitete. Tatsächlich handelt es sich bei ihm um denjenigen, der gegen Ende der 90er einen extrem eingestellten Autotune-Effekt auf die Stimme der Sängerin Cher legte und damit den berüchtigten Cher-Effekt begründete. Die Drum-Samples der UK Pop EZX wurden genauso wie die MIDI-Files der UK Pop Grooves von Session-Drummer Ash Soan eingespielt, der ebenfalls mit Ronan Keating und James Morrison arbeitete, aber auch bei Adele oder Robbie Williams und zudem bei der britischen Version der TV-Show „The Voice“ für Groove sorgte. Der gute Mann ist auf stolzen 52 Alben zu hören, die es in die Top 20 geschafft haben. Insgesamt hat Toontrack hier also ein weiteres Mal ein geschichtsträchtiges Studio und ein fulminantes Team gebucht. Etwas anderes war ja auch nicht zu erwarten!

Vier kompakte Drumsets mit vielen Extras

Alle vier Drumsets der Library kommen in der Konfiguration des klassischen Four-Piece-Kits: Eine Kick, eine Snare, ein Rack-Tom und ein Floor-Tom. Im Gegensatz zu Libraries, die ihren Schwerpunkt auf härteren Rock oder Metal legen und oft bis zu fünf Toms und manchmal sogar zwei Bassdrums im Gepäck haben, handelt es sich hier also um relativ kompakte Setups, wie sie längst nicht nur im Brit-Pop gängig sind. Die für eine EZX-Library sehr stolze Anzahl von insgesamt elf Snaredrums sorgt dabei für viele Kombinationsmöglichkeiten. Im Bereich der Becken finden sich insgesamt vier Hihats, drei Ride-Becken und sechs Crash- bzw. Effekt-Becken vom Hersteller Zildjian.

Der Grundklang der Library geht sehr eindeutig in die Richtung knackiger und trockener Vintage-Drums und bleibt dabei erfreulich natürlich. Beim Default-Kit handelt es sich um ein tief gestimmtes und bedämpftes Gretsch Round Badge, das aus dem persönlichen Besitz von Drummer Ash Soan stammt und unter anderem bei Aufnahmen für James Morrison, Ronan Keating und Cher verwendet wurde. Eine ähnlich trockene aber etwas höher gestimmte Alternative dazu ist ein Ludwig Hollywood Kit, wie es beispielsweise auch von Ringo Starr auf den späteren Beatles-Alben gespielt wurde. Neben der normalen Variante mit Drumsticks wurde dieses Set auch mit Mallets und einem weichen Filz-Beater an der Bassdrum aufgenommen.

Das dritte Kit – ein Gretsch USA Custom – präsentiert sich offener und bietet mehr Sustain und gleichzeitig ausgeprägtere Obertöne als die anderen Drumsets. Auch wenn es den allgemein trockenen Grundklang nicht verlässt, handelt es sich um das modernste Kit der Library. Das Gretsch Broadkaster klingt dagegen wiederum sehr eindeutig nach Drums aus der Vintage-Ära, wobei die Trommeln in diesem Fall etwas kleiner bemessen sind als bei den weiteren Kits. Vor allem in der zusätzlichen extrastark mit Handtüchern bedämpften Variante versprüht das Instrument einen knochentrockenen britischen Charme.

Ein sehr schönes Zusatz-Feature der Library ist, dass neben den Drums auch Stomps und Claps aufgenommen wurden, die sich als Dopplungen von Kick und Snare hervorragend unter einen Groove mischen lassen. In der Sammlung der UK Pop Grooves gibt es dafür spezielle Patterns, und hier handelt es sich definitiv um mehr als nur ein nettes Gimmick!

Alle bisherigen Audio-Beispiele wurden mit dem Preset „Original Mix“ erzeugt, das sich in allen aktuellen EZX-Libraries findet und den Klang der Trommeln in ihrer naturbelassenen Form repräsentiert, ohne dass dabei weitere Effekte zum Einsatz kämen. Was dagegen passiert, wenn man eines der weiteren sieben Presets öffnet, steht auf der nächsten Seite!

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