Software
Test
10
07.12.2017

Praxis

Vielseitige und charaktervolle Sounds 

Die Sounds der Rock Foundry SDX zeigen für eine Library, die sich ein dickes „ROCK“ auf die Fahnen schreibt, eine erstaunlich hohe Bandbreite. Zwischen einem trockenen und warmen Vintage-Sound und einem offenen modernen Klang finden sich einige sehr interessante Variationen, die zum Teil angenehm untypisch für das Genre klingen und zum Experimentieren einladen. Abgesehen davon wurden nicht alle Trommeln über ein einheitliches Setting aufgenommen. So wirken beispielsweise manche Snares hell und „gehyped“, manche andere geben sich von vornherein etwas zurückhaltender. Die Library wirkt dadurch recht vielseitig.

So wie sich das für echte Rockmusik gehört, wurden alle Instrumente mit „normalen“ Drumsticks eingespielt – auf Hotrods oder Besen wurde also verzichtet. Vor allem im Bereich der Hihats wurde dabei Wert auf Details gelegt. Die stolzen 21 Spielweisen können für Variation und Lebendigkeit im Groove sorgen, und es ist fast ein wenig schade, dass dieses Potenzial von den mitgelieferten Midi-Files kaum genutzt wird. Hier kann man aber natürlich noch selbst Hand anlegen – zum Beispiel über den Grid-Editor des Superior Drummer 3.

Grundklang der Kits im Einzelnen

Beim ersten Drumset handelt es sich um ein Gretsch USA Custom, das mit vier tief gestimmten und wuchtigen Toms kommt. Interessanterweise wird es im Kit-Preset nicht mit der zugehörigen Bassdrum von Gretsch, sondern mit einer 26 Zoll großen und ein wenig nach John Bonham klingenden Kick von Ludwig kombiniert. Zusätzlich wurde das Set in einer Variante ohne Snare-Teppich aufgenommen.

Mit dem Yamaha Absolute Hybrid Maple hält Toontrack bildlich gesprochen die Pommesgabel hoch, denn der Sound geht eindeutig in Richtung Heavy Rock und Metal. Das Kit ist ebenfalls mit vier Toms ausgestattet, die im direkten Vergleich zum Gretsch etwas knackiger ausfallen. Die schmatzende Kick und die mit dem Kit-Preset geladene Snare von Tama erinnern recht deutlich an Metallica.

Gerade in Hinblick auf Toms zeigt die Rock Foundry SDX eine allgemeine Vorliebe für tendenziell größer dimensionierte Trommeln. Das Ayotte Maple Kit stellt hier eine Ausnahme dar und hat auch ein paar kleinere Varianten im Gepäck. Für das 10-Zoll-Modell im ersten Tom-Slot gibt es sogar eine noch kleinere 8-Zoll-Alternative, wodurch das Set auf insgesamt fünf Toms kommt. Der Grundklang ist warm und voluminös, bleibt dabei aber modern.

Die drei weiteren Kits stammen alle von dem Hersteller Ludwig, kommen mit jeweils zwei Toms und unterscheiden sich im Menü des Superior Drummer zunächst nur durch die zusätzlich angegebenen Herstellungsjahre. Beim Klang sind die Unterschiede dagegen sehr deutlich. Das älteste der Kits stammt aus dem Jahr 1967 und klingt gemessen daran überraschend modern. Es handelt sich hier um den neutralsten Vertreter der Library. Die Variante von 1971 kommt dagegen mit dem trockenen und warmen Sound, den man typischerweise mit den 70er-Jahren in Verbindung bringt. Im direkten Vergleich wirkt das Ludwig von 1977 beinahe wie das Gegenteil dieses vorherigen Kits, denn es ist weit höher gestimmt und klingt so offen, dass man es durchaus mit wuchtigem Bigband-Jazz in Verbindung bringen könnte. Genauso wie das Gretsch-Kit wurde dieses jüngste der drei Ludwigs in einer Variante mit gelöstem Snare-Teppich aufgenommen.

Weiterhin gibt es in der Rock Foundry SDX wie gewohnt eine Auswahl an zusätzlichen Trommeln und Becken. Die Library kommt insgesamt auf neun Kicks, elf Snares, jeweils sechs Hihats und Rides und 16 Crash- und Effekt-Becken. Abgesehen davon gibt es einen Slot für eine Side-Snare, die allerdings nur mit gelöstem Snare-Teppich verfügbar ist.

Allgemein fiel mir auf, dass die Trommeln nicht nur im Grad der Bearbeitung, sondern zum Teil auch in ihrer Lautstärke ein wenig voneinander abweichen. Wenn man einzelne Sounds austauscht, dann ist in manchen Fällen also ein Angleichen des Pegels nötig. Ein kleiner Kritikpunkt, mit dem sich wohl die meisten Anwender arrangieren können.

Viele exotische Mixer-Kanäle und gute Presets

Das interne Mischpult des Superior Drummer bietet bei der Verwendung der Rock Foundry SDX 23 Kanäle. Im Bereich der Close-Mics zeigt sich, dass einerseits auf eine Trennung von Kick-In und Kick-Out verzichtet wurde, andererseits aber ein Stützmikrofon für das Ride-Becken vorhanden ist. Wirklich interessant wird es dagegen bei den Raum- und Effekt-Kanälen, denn hier gibt es eine ganze Reihe an Besonderheiten. 

Neben den üblichen Verdächtigen unter den Raumkanälen, also einigen Mono- und Stereo-Mikrofonierungen in unterschiedlichen Entfernungen, findet sich beispielsweise ein Kanal namens „Amb-Piano“, für den ein Mikrofonpaar im Bereich um einen Flügel herum aufgestellt wurde. Außerdem gibt es mehrere vorkomprimierte Kanäle, die bei den Aufnahmen durch einen LA-2A und den Talkback-Kompressor des Studio-Mischpults gejagt wurden. Und auch ein künstliches Reverb mit relativ ungewöhnlichen Einstellungen von Meister Bob Rock persönlich ist an Bord. Alleine mit diesen Mitteln kann man schon sehr viel anfangen, ohne dabei zusätzliche Effekte zu bemühen.

Besonders erfreulich ist, dass die Library mit 30 Presets kommt, die Zusammenstellungen von Drumsets mit zum Teil komplexen und durchaus lehrreichen Mixer-Einstellungen kombiniert. Sechs davon stammen von Bob Rock selbst, die weiteren wurden von Toontrack erstellt. An dieser Stelle wird die volle klangliche Bandbreite der Rock Foundry SDX klar.

Zugabe: Das Mono-Kit 

Das Mono-Kit ist als eine Zugabe zur Rock Foundry SDX zu verstehen, die wirklich sehr aus dem Rahmen fällt. Es handelt sich um ein kleines Vintage-Drumset von Premier, das mit zwei Toms kommt und in Hinblick auf Becken nur ein Paar Hihats und ein Ride bietet.

Da es viel einfacher als die restlichen Drums mikrofoniert wurde und entsprechend wenige Kanäle im Mixer bietet, erscheint es im Menü des Superior Drummer als eine separate SDX. Meiner Meinung nach eignet es sich vor allem zum Erstellen von zusätzlichen LoFi-Drumparts, aber wer es mit dem Retro-Sound wirklich ernst meint, der kann mit dem Kit vielleicht auch eine ganze Produktion unterlegen.

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