Hersteller_Thomann Gitarre
Test
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01.03.2019

Thomann Classica Fusion 8-String Test

Achtsaitige Nylonsaitengitarre

Darf’s ein bisschen mehr sein?

Erfreulich, dass es mit der Thomann Classica Fusion 8-String ein ernst zu nehmendes Instrument mit acht Saiten in der unteren Preisklasse gibt. Denn wer eine achtsaitige Gitarre mit Nylonsaiten sucht, der wird sie vor allem bei einzelnen Gitarrenbauern finden. Und das geht ins Geld. Mit achtsaitigen Gitarren verbindet der "normale" Gitarrist die Shredder aus der Hart'n'Härter-Fraktion.

Dabei sind die eigentlichen Vorreiter der Basserweiterung bereits in der Barockzeit zu finden - das ist um die 400 Jahre her! Googelt mal nach "Theorbe" ...
Später hat sich der spanische Klassikgitarrist Narciso Yepes mit vielsaitigen Gitarren beschäftigt und sich schon Mitte des letzten Jahrhunderts ein zehnsaitiges Instrument bauen lassen. Für teures Geld, versteht sich.
Erfreulich also, dass es bei Thomann mit der Classica Fusion 8-String eine Nylonsaiten-Gitarre mit acht Saiten gibt, die mit deutlich unter 400 Euro wirklich erschwinglich ist. Das erstaunliche daran ist zudem, dass diese Gitarre nicht aus Fernost kommt, sondern in Europa hergestellt wird. Wo genau, darüber schweigt sich das Datenblatt jedoch aus.

Details

So günstig die Thomann Classica Fusion 8-String im ersten Moment scheinen mag - zumindest für eine achtsaitige Gitarre -, besitzt sie doch eine Decke aus massiver Engelmann-Fichte. Hier fällt auf, dass die Jahresringe sehr weit auseinander liegen, was bei der Selektion von Tonholz üblicherweise vermieden wird. Unter herkömmlichen Gesichtspunkten wäre diese Decke also mit Vorsicht zu genießen, aber wenn sie ihren Job macht, kann uns die Optik erst mal egal sein. Außerdem sieht diese weite Maserung gar nicht mal schlecht aus.

Versteift ist die Decke mit einem normalen Fan-Bracing, also der typischen Fächerbeleistung einer Nylonsaitengitarre. Allerdings sind die einzelnen Leisten etwas kräftiger ausgeführt als üblich - logisch, denn es zerren ja auch zwei Saiten mehr an der Decke.

Boden und Zargen bestehen aus gesperrtem Sapele. Ein Blick ins Innere verrät die kosteneffiziente Fertigung: Die Bodenleisten sind mit einem Laser ausgeschnitten und nicht weiter nachbearbeitet. Sie werden anscheinend auch bei anderen Modellen eingesetzt, denn auf der Unterseite der Balken findet sich eine Aussparung für einen Fugenbelag – den es bei der Fusion 8-String jedoch nicht gibt. Bei aller Effizienz: Die Verarbeitung ist ordentlich, Leimreste sind kaum zu erkennen, und die Bauteile passen sauber ineinander.

Der Hals besteht aus Akazienholz und setzt klassiktypisch am 12. Bund an. Auch das Griffbrett wie auch der Steg sind aus Akazie, wobei hier eine dunkle oder dunkel behandelte Version benutzt wurde. Das sieht praktisch genauso aus wie Palisander und erfordert keine Umgewöhnung von der konservativen Gitarristenwelt. Von diesem Griffbrett ist ziemlich viel vorhanden, denn die acht Saiten benötigen ordentlich Platz. Mehr als 7 Zentimeter Breite ist eine echte Herausforderung auch für große Hände.

Kopfplatten von Gitarren mit überbreitem Griffbrett laufen üblicherweise nach oben schmaler zu, so auch hier. Der Grund liegt in der Saitenführung, da der Winkel für die mittleren Saiten sonst zu groß werden würde, was die Belastung und damit die Bruchgefahr erhöht. Zum Stimmen werden Einzelmechaniken benutzt, acht Stück an der Zahl, die jedoch keinen übermäßig vertrauenerweckenden Eindruck machen. Aber sie funktionieren tadellos, zumindest im Moment.

Die Stimmung der Saiten entspricht der einer normalen Gitarre plus zweier zusätzlichen Basssaiten. Für diese Saiten gibt es keine standardisierte Stimmung, aber die ausgewiesenen Klassiker stimmen sie üblicherweise jeweils einen Ganzton tiefer, also auf D und auf C. Damit erhält man drei Basssaiten im Ganztonabstand nämlich C, D, und E. Dafür sind die ab Werk aufgezogenen Saiten auch ausgelegt.

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