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24.10.2017

Telefunken TDP-2 und TDA-2 Test

Zweikanalige DI-Boxen

Quadratisch, praktisch, gut!

Beim Namen Telefunken leuchten die Augen des geschichtsbewussten Toningenieurs auf! Steht der Hersteller mit dem zackigen Sendewellenlogo doch - neben Firmen wie Neumann, Grundig oder Lawo - für legendäre, analoge Audiotechnik "made in Germany". Leider ist genau letzteres Attribut Geschichte, die Ära des deutschen Herstellers Telefunken endete endgültig Mitte der Neunziger. Inzwischen haben aber verschiedene Firmen die Lizenz erworben und verkaufen unter dem traditionsreichen Namen Telefunken ihre Produkte - es gibt zum Beispiel einen Hersteller von Telefunken-Fernsehgeräten in der Türkei.

Den Bereich der Audio- und Studiotechnik sicherte sich im Jahr 2000 der Amerikaner Toni Fishman den Namen und als "Telefunken USA" machte die Firma danach mit den Nachbauten des ELA-M-251-Mikrofons auf sich aufmerksam. 2009 wurde der Name in "Telefunken Elektroakustik" geändert, was mit dem weltweiten Vertrieb von Audiotechnik einherging.

Kerngeschäft sind immer noch hochpreisige Mikrofone, aber Telefunken erweitert beständig sein Portfolio - und jetzt kommen DI-Boxen dazu. Und zwar die passive TDP und die aktive TDA, beide jeweils als Mono- oder Stereoversion verfügbar. Zum Test standen mir die beiden zweikanaligen Versionen TDP-2 und TDA-2 zur Verfügung

Details

Mit einer Direct-Injection-Box kann man schlecht angeben, man kann nicht mit dicken Drehknöpfen protzen oder mit leuchtenden Röhren punkten. Da ist nicht viel dran und nicht viel drin, die Technik seit Jahrzehnten erprobt und ausgereift. Heute wie damals hat eine DI-Box Klinkeneingänge auf der einen, XLR-Ausgänge auf der anderen Seite und dazu ein paar Kippschalter (für Pad und Ground Lift) und das war's - die Telefunken-DIs sind da keine Ausnahme. Aber Telefunken hat es geschafft, die Technik in ein edles Design zu verpacken, das hebt die beiden Testkandidaten zumindest mal optisch von den eher pragmatisch konstruierten Kollegen der Konkurrenz ab. Zumindest ist das mein erster Gedanke als ich die DI-Boxen auspacke. Das schwarze drei Millimeter dicke Alugehäuse ist quadratisch mit einer Kantenlänge von zehn und einer Höhe von fünf Zentimetern. Auf der Oberseite prangt das berühmte viereckige Telefunken-Logo mit den gezackten Sendewellen.

Passiv = Silber, Aktiv = Bronze

Äußerlich unterscheiden sich die passive und aktive Variante nur in der Farbgebung - die passive ist silber-, die aktive ist bronzefarben - und einem kleinen Detail: Die aktive Variante besitzt eine blaue Status-LED, die bei aktivierter Phantomspeisung mit großer Leuchtkraft die Betriebsbereitschaft anzeigt (wäre die DI mein Eigentum, würde ich als erstes den Vorwiderstand der LED tauschen, ich will die Box ja nicht als Taschenlampe nutzen). Auf den Unterseiten befinden sich Aufkleber mit handschriftlich angebrachten Seriennummern und dem stolzen Satz "Build in USA". Laut Telefunken Elektroakustik wird jede DI-Box im amerikanischen Werk in Handarbeit zusammengebaut.

Als nette Dreingabe wird ein samtener Aufbewahrungsbeutel mitgeliefert, ebenfalls bestickt mit dem Telefunken-Logo. Außerdem ein Aufkleber, zwei Gummistreifen, die man als Gerätefüße an der Unterseite anbringen kann, und eine Bedienungsanleitung.

Klinkenein- und XLR-Ausgänge

Auf einer Seite befinden sich die obligatorischen Klinkeneingänge und der dazugehörige Thru-Ausgang. Der ist natürlich durchgeschleift, es ist also egal, ob das Kabel in der Input-Buchse oder im Thru-Ausgang steckt. Liefert das Instrument zu viel Pegel, kann man über einen kleinen Schiebeschalter neben den Buchsen die Eingangsempfindlichkeit um 15 dB reduzieren.

Auf der Ausgangsseite sieht es ähnlich aufgeräumt aus: Zwei XLR-Male-Buchsen von Amphenol werden flankiert von dem für DI-Boxen obligatorischen Ground-Lift-Schalter. Nur bei der aktiven Variante kommt noch die eben erwähnte blaue LED dazu.

Welche Aufgabe erledigt eine DI-Box?

Eine DI-Box erfüllt im Prinzip drei Aufgaben: Erstens macht sie aus einem unsymmetrischen Signal ein symmetrisches. Zweitens erledigt sie eine Impedanzanpassung von hochohmigen Quellen auf die niederohmigen Eingänge an unserem Audioequipment. Und drittens reduziert sie den Eingangspegel auf ein Maß, mit dem ein Mikrofonvorverstärker arbeiten kann. Nur so kann man das Signal über weite Strecken verlust- und störungsfrei übertragen.

All das erledigt eine DI-Box entweder mit einem Transformator auf passive oder mit einer Transistorschaltung auf aktive Weise. Die Pegelreduzierung ist heute eigentlich nicht mehr nötig: Moderne Mischpulte verarbeiten jedwede Art von Signalpegel ohne Probleme. Die Impedanzanpassung auf passivem Wege über einen Transformator bringt allerdings zwangsläufig einen Pegelverlust mit sich. Eine aktive DI-Box ist hingegen im Prinzip nichts anderes als ein spezialisierter Vorverstärker.

Aufgeschraubt und reingeschaut

Beim Aufschrauben störe ich mich erstmal an den vernickelten Kreuzschlitzschrauben in billiger Baumarktanmutung. OK, jetzt werde ich pingelig, aber irgendwie passt das nicht ins edle Verarbeitungsbild der US-Boliden. Sind die Schrauben gelöst kann man das Innenleben aus seiner Aluhülle ziehen. Sofort fallen die Transformatoren ins Auge - die aktive DI-Box hat nämlich ebenfalls zwei Trafos auf der Platine verbaut, was auf den ersten Blick verwundern mag. Aber das sie auf der Seite der XLR-Ausgänge verbaut sind, dürfte es sich um Ausgangstrafos handeln, die für galvanische Trennung sorgen und Sound machen.

Hier machen Transformatoren von OEP/Carnhill den Sound

Die Transformatoren stammen aus dem Hause OEP/Carnhill und werden speziell für Telefunken Elektroakustik gewickelt. Carnhill-Trafos stecken zum Beispiel in den berühmten Mischpulten von Neve: keine schlechte Referenz, wenn es um das Thema Sound geht.

OEP/Carnhill-Transformatoren haben den Ruf Trafos "mit Sound" zu sein, die dem Signal ihren Klangstempel aufdrücken. Auf der anderen Seite stehen Transformatoren aus dem Hause Jensen oder Lundahl, die für ihre Klangtreue und Transparenz bekannt sind.

Die beiden Transformatoren der passiven DI-Box fallen deutlich größer aus als die der aktiven Variante. Je mehr Material beim Trafo verbaut ist, desto pegelfester wird der Trafo und desto besser werden seine Werte bezüglich Verzerrungen in den Bassfrequenzen bei lauten Signalen.

Die Verarbeitung ist erwartungsgemäß tadellos. Alles ist sauber verlötet und die verwendeten Bauteile sind hochwertig. Für die passive TDP-2 wird sogar mit der Verwendung von Wima-Kondensatoren geworben. Die Produkte des deutschen Herstellers Wima genießen in den USA den Ruf besonders gute Audio-Kondensatoren zu sein.

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