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Test
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30.09.2016

Tascam DR-100 MK3 Test

Mobiler Digitalrecorder

Tascams Großer

Der japanische Hersteller Tascam hat eine stattliche Auswahl an mobilen Digitalrecordern im Angebot. Beim DR-100 Mk3 handelt es sich um die mittlerweile dritte Auflage der größten und damit auch teuersten Produktvariante. Das Gerät sollte also nicht nur gut klingen, sondern auch sonst einiges auf dem Kasten haben, um seine Spitzenposition in dieser Nische von Tascams Sortiment zu rechtfertigen. Ob es sich beim DR-100 Mk3 aus der Perspektive eines Musikers um eine gute Investition handelt, klären wir im Test.

Details

Kaum Zubehör im Lieferumfang

Ich erinnere mich an den Test des ebenfalls von Tascam hergestellten DR-44WL und seinen beeindruckenden Lieferumfang, der nahezu alles einschließt, was man sich wünschen kann. Der DR-100 Mk3 wirkt dagegen, als hätte der Hersteller versucht, an allen Ecken und Enden zu sparen, um den Preis möglichst gering zu halten. Kein Netzteil, kein Windschutz, kein hübsches Täschchen zur Aufbewahrung, keine Gewindeadapter für Mikrofonstative oder den Blitzschuh einer Kamera – nicht einmal ein USB-Kabel oder eine zum Betrieb unerlässliche SD-Card sind enthalten (SDXC-Cards bis 128 GB unterstützt). Alles, was sich neben dem Recorder und einer mehrsprachig gedruckten Bedienungsanleitung im Karton findet, ist ein kurzes Adapterkabel von 3,5er Klinke auf Cinch, das zur Verwendung des Digitaleingangs nötig ist. Bleibt abzuwarten, ob in nächster Zeit auch für den DR-100 Mk3 noch ein Bag-Bundle mit Tasche, Tragegurt, Netzteil und SD-Card auftaucht, wie es momentan nur in Kombination mit dem DR-100 Mk2 (also dem Vorgänger unseres Testkandidaten) erhältlich ist.

Gute Verarbeitung, viele Bedienelemente und doppelte Stromversorgung

Mit Maßen von 15,6 x 8,0 x 3,5 cm gehört der DR-100 Mk3 zu den größeren Vertretern seiner Zunft. Trotzdem lassen sich die wichtigen Funktionen noch problemlos mit der selben Hand steuern, in der man den Recorder hält. Das Gehäuse ist größtenteils aus Aluminium und nur an den Flanken aus Kunststoff gefertigt, wirkt mit einem Gewicht von 375 g gut austariert und macht auch mit den sauber verarbeiteten Bedienelementen einen absolut hochwertigen Eindruck.

Schon auf den ersten Blick sieht man, dass die Anzahl der Bedienelemente beim DR-100 Mk3 im Vergleich zu den meisten anderen Handheld-Recordern relativ hoch ausfällt. Das ist durchaus erfreulich, denn es bedeutet, dass zum Schalten vieler Funktionen kein umständliches Navigieren durch Menüs und Untermenüs nötig ist. Neben den Transportfunktionen und dem großen Navigationsrad mit den zugehörigen Tastern lassen sich auf der Vorderseite ein Limiter und eine Pad-Schaltung zum Vordämpfen des Eingangssignals um 15 dB aktivieren. Mit einem Auswahl-Schalter für das Input-Level kann man sich zudem entscheiden, ob die Pegelveränderungen, die man am Eingangsregler vornimmt, die Stereosumme oder nur den linken oder rechten Kanal des anliegenden Signals betreffen.

Besagter Eingangsregler teilt sich die rechte Seite des Recorders mit dem obligatorischen Slot für eine SD-Card und einem Fach für zwei AA-Batterien. Es sind allerdings keine Batterien nötig, um den DR-100 Mk3 zu betreiben, denn in seinem Inneren schlummert bereits ein kräftiger Lithium-Ionen-Akku. Wer eine längere Klangfang-Tour vor sich hat, wird die Möglichkeit einer zusätzlichen Stromversorgung und der folglich erhöhten Betriebsdauer aber sicher zu schätzen wissen. 

Ein vollständig geladener Akku hält den DR-100 Mk3 für etwa zwölf Stunden bei Bewusstsein, die zusätzlichen Batterien packen (je nach Qualität) noch einmal drei bis sieben Stunden drauf. Bei Verwendung der Phantomspeisung halbiert sich die Betriebsdauer in etwa. Im Menü lässt sich die bevorzugte Energiequelle wählen und tatsächlich setzt der DR-100 Mk3 eine Aufnahme ungestört fort, wenn beispielsweise die Batterien leer sind und der Akku herhalten muss. Dicker Pluspunkt!

Betrachtet man den DR-100 Mk3 von links, so findet man neben dem Ein-/Ausschalter einen Micro-USB-Port (USB 2.0), der gleichzeitig zum Datenaustausch mit einem Rechner und zum Laden des internen Akkus vorgesehen ist. Direkt daneben sitzen ein Line-Out und ein Kopfhörer-Anschluss im 3,5er Klinken-Format und ein Lautstärkeregler für den Kopfhörer bzw. den kleinen internen Lautsprecher. Letzterer kann bei Bedarf über den Schalter ganz rechts aktiviert werden. Eine Hold-Funktion kann hier ebenfalls gesteuert werden. Sitzt der zugehörige Schalter auf „Level“, dann betrifft er nur den Eingangsregler und verhindert das versehentliche Verändern des Eingangspegels. In der Stellung „All“ werden alle Bedienelemente des DR-100 Mk3 vorübergehend deaktiviert und man ist während wichtigen Aufnahmen auf der sicheren Seite.

Zwei Mikrofon-Paare, viele Eingänge, aber kein Multitrack-Recording

Das zentrale Lauschorgan des DR-100 Mk3 besteht aus zwei Kondensatormikrofonen mit der Richtcharakteristik Niere, die ganz traditionell am Kopfende des Recorders angebracht, flexibel gelagert und durch Metallbügel vor äußeren Gewalteinwirkungen geschützt sind. Wegen der Bauform der Mikrofonkörbe, die von einem feinen Drahtgeflecht und am oberen Ende von einer durchlöcherten Metallplatte geschützt werden, wirkt es auf den ersten Blick so, als wären die Schallwandler parallel zur Längsachse des Gehäuses ausgerichtet. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich aber, dass die Kapseln in den Körben um jeweils 45 Grad nach außen ausgerichtet sind. 

Wesentlich unscheinbarer sind die zusätzlichen Omni-Mikrofone, die ebenfalls am Kopfende des Gehäuses untergebracht sind und links und rechts vom kleinen Lautsprecher sitzen. Der Gedanke, zwei Omni-Kapseln mit einem Abstand von nur 3,5 cm aufzustellen, würde im Studio sicherlich dazu führen, dass sich der eine oder andere verwundert am Kopf kratzt, denn ein so geringer Abstand hat auch geringe Laufzeitunterschiede zur Folge. Im Fall von Omni-Kapseln, die gleichmäßig in alle Richtungen hören, dürfte das für ein recht schmales Stereo-Bild sorgen, das beinahe an Mono-Aufnahmen erinnert. Aber auch hier warten wir am besten auf die Praxis.

Weiterhin sind am Kopfende des Recorders zwei Eingangsbuchsen im Miniklinken-Format untergebracht. Eine davon ist für den Anschluss eines externen Elektret-Kondensatormikrofons vorgesehen, das bei Bedarf mit Plug-In-Power versorgt werden kann. Bei der anderen handelt es sich um einen digitalen S/PDIF-Eingang, für den das bereits angesprochene Adapterkabel auf Cinch beiliegt. Das Vorhandensein eines S/PDIF-Eingangs ist für mobile Digitalrecorder übrigens äußerst ungewöhnlich. In den eher seltenen und speziellen Fällen, in denen eine direkte Aufnahme eines Digitalsignals gefragt ist, kann der DR-100 Mk3 damit durchaus glänzen.

Dass der DR-100 Mk3 genauso wie auch seine Vorgänger zwei Eingänge zum Anschluss externer Mikrofone bietet und diese mit der nötigen Phantomspeisung (48 V oder, wenn ausreichend, 24 V) versorgen kann, wird für viele Anwender aus Musikerkreisen ein wesentlicher Punkt sein. Ein Unterschied zum DR-100 Mk2 ist, dass hier keine reinen XLR-Buchsen sondern Klinke/XLR-Combobuchsen verbaut wurden. Damit lassen sich die Anschlüsse also auch zur Anbindung von Line-Quellen wie zum Beispiel dem Ausgang eines Mischpults nutzen. 

Ein mindestens ebenso wesentlicher Punkt wäre allerdings, dass ein mobiler Digitalrecorder mit so vielen Eingängen die Möglichkeit bietet, Multitrack-Aufnahmen zu erstellen – und dem ist beim DR-100 Mk3 leider nicht so. Die klassische Anwendung, in der die internen Mikrofone als Raummikros bei einem Konzert genutzt werden und gleichzeitig ein separater Mitschnitt vom Pult mit aufgezeichnet wird, ist folglich nicht möglich. Auch das Recording einer vorgemischten Stereo-Spur aus mehreren Eingängen fällt weg. Warum wurden solche Funktionen nicht in der großen Ausbaustufe implementiert, wenn der günstigere DR-44WL doch all das kann? Ich weiß es nicht. Nicht einmal die beiden internen Mikrofone können gemeinsam verwendet werden. Zumindest in Musikerkreisen wird dieser Mangel an Flexibilität ein KO-Kriterium darstellen.

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