Test
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08.11.2021

Tama Peter Erskine 14“ x 4,5“ Jazz Snare Test

Signature Snaredrum

Für Jazz und alles andere...

Er war Teil der legendären Jazzrockband Weather Report, hat mit dem Who-is-who der internationalen Jazzszene gespielt und auf hunderten Produktionen als Schlagzeuger mitgewirkt. Die Rede ist von Peter Erskine, der immer noch zu den meistbeschäftigten Drummern zählt. Sein Sound ist sehr aufgeräumt und warm, speziell die präzisen Snaredrumsounds sprechen für sich. Es ist also kaum verwunderlich, dass sein Instrumentarium diese Eigenschaften widerspiegelt.

Während seiner Zeit bei Yamaha wurden ihm allein drei eigene Snares designt, allesamt mit geringer Kesseltiefe für crispe, schnelle Teppichansprache. Nach seinem Wechsel von DW zu Tama kam eine weitere Signature Snare heraus, diesmal ein 10“ x 6“ Eschenholzmodell in Fassbauweise. Ein echter Verkaufsschlager wurde die bisher nicht, wozu der hohe Preis von knappen tausend Euro ebenso beitragen dürfte wie der geringe Durchmesser. Ganz anders unser heutiger Testkandidat, die zweite Tama Peter Erskine Signature Snaredrum. Sie misst 14“ x 4,5“, besitzt einen Kessel aus Fichte und Ahornholz und hört auf den ebenso schlichten wie sinnigen Namen Jazz Snare. 

Die Bezeichnung hält den Meister indes jedoch nicht davon ab, im zugehörigen Werbevideo von „the ultimate Snaredrum“ zu sprechen, schließlich – so wird auf der Tama-Website ergänzt – sei doch auch Fenders legendärer Jazz Bass mitnichten nur auf Jazzalben zu hören. Ob es die Jazz Snare zu ähnlicher Verbreitung bringt, darf bezweifelt werden, der Tenor ist jedoch gesetzt: Das Teil soll von Drummern aller Stile gekauft werden. Eine sorgfältige Kombination edler Konstruktionsdetails hat man dem Instrument angedeihen lassen, das Ergebnis soll ebenso musikalisch wie vielseitig ausfallen. Ob das gelungen ist, erfahrt ihr auf den folgenden Zeilen. 

Details & Praxis

Der Kessel besitzt nur einen Verstärkungsring 

Natürlich ist die optische Erscheinung immer Geschmacksache, die Peter Erskine Jazz Snare verströmt jedoch schon beim Auspacken eine unaufdringliche Eleganz, die vielen gefallen dürfte. Ein Grund dafür ist der Holzkessel, welcher in einem goldbraunen, hochglanzlackierten Farbton erstrahlt, der die Maserung des Holzes durchscheinen lässt. Dreht man die Trommel um, fällt einem gleich die erste Besonderheit ins Auge, nämlich der Verstärkungsring. Nur einer? Richtig, die Snaredrum besitzt nur auf der Schlagfellseite einen, zur besseren Resonanzentfaltung haben die Entwickler auf der Resonanzseite darauf verzichtet. Bei der Holzkomposition kommen vier Lagen Fichte auf der Außen- und zwei Lagen Ahorn auf der Innenseite zum Einsatz, was eine Stärke von sechs Millimetern ergibt.

Der Verstärkungsring besteht aus derselben Kombination und ist ebenfalls sechs Millimeter dick. Bei der Gratung kommt eine normale 45-Grad-Abschrägung mit breitem, verrundetem Gegenschnitt zum Einsatz. Ein nettes Detail ist die Holzeinfassung des Luftlochs, echte Peter Erskine Fans dürften sich zudem über den „Signature Palette“-Aufkleber mit Originalsignatur des Meisters freuen. Ein weiterer Sticker informiert über den Produktionsort Japan, was die Trommel gefühlt natürlich noch ein bisschen aufwertet und von den S.L.P. Modellen wegrückt.

Acht Tube Lugs und Spannreifen mit Innenflansch

Auch bei der Hardware hat sich Tama für seinen Top-Endorser nicht lumpen lassen und das ganze Programm edler Zutaten aus dem Teileregal spendiert. Optisch tun sich besonders die acht knubbeligen Tube Lugs hervor, die es – in verlängerter Form – beispielsweise auch bei der Star Reserve Maple und anderen Snaredrums der Tama Star Reihe zu bestaunen gibt. Der dadurch entstehende Retrolook wird durch die sogenannten Sound Arc Hoops noch unterstützt, die mit ihrem Innenflansch eine Reminiszenz an alte Slingerland Spannreifen darstellen. Bei der Abhebung kommt Tama's „Linear Drive“-Version zum Einsatz, eine beidseitig einstellbare Konstruktion mit abnehmbarem Butt End, die Tama an nahezu allen Oberklasse-Snares verbaut. 

Eine feine Rasterung soll hier das selbsttätige Verstellen der Teppichspannung unterbinden. Wo wir gerade beim Teppich sind: Auch bei diesem Detail wird nicht gespart, „Super Sensitive Hi-Carbon Steel Wire“ nennt Tama die neu entwickelten Schnarrsaiten, die der Jazz Snare zu besonders akkurater Ansprache verhelfen sollen. Da Peter Erskine Remo-Endorser ist, kommen die Felle von Remo USA, oben ist ein weißes Ambassador montiert, unten ein Ambassador Snare Side. Die gesamte Trommel ist exzellent verarbeitet. 

Lebendige Sounds und große klangliche Bandbreite

Auf dem Snarestativ gefällt mir die Peter Erskine Jazz Snare auf Anhieb sehr gut. Die Ansprache in allen Lagen ist hervorragend crisp, der Kesselton steuert genau die richtige Prise holziger Tonalität bei und die Hardware ist schon an anderen Tama Oberklasse-Snaredrums sehr positiv aufgefallen. Angenehm kräftig und klar wissen sich auch Rimshots und Rimclicks Gehör zu verschaffen, ohne schneidend oder metallisch zu klingen. Insgesamt kommt die Trommel sehr leichtfüßig, schnell und ausgewogen daher.

Hohe Stimmungen

Hätte ich die Peter Erskine Snaredrum blind gespielt, hätte ich auf Aluminium als Kesselmaterial getippt. Speziell in den hohen Registern sorgt das Fichtenholz für einen ähnlich klingenden Oberton, der einerseits deutlich hervortritt, trotzdem jedoch sehr angenehm in den Gesamtklang integriert wirkt. Funkig-knusprige Sounds schüttelt das Instrument mühelos aus dem Kessel, sowohl die Ansprache als auch die Dynamik machen Spaß. Abgewürgt klingt die Snare erst, wenn man sie extrem hoch stimmt, dann macht sich die Schichtholzkonstruktion bemerkbar.  

Mittlere und tiefe Stimmungen

Ihren dynamischen Charakter kann die Snare auch bei mittleren und tiefen Stimmungen ausspielen, ohne dass man ihr die flachere Bauweise sofort anmerkt. Sie erinnert mich mit ihrem leicht spröden, aber sehr musikalischen Charakter an eine andere Fichten-Snaredrum aus dem Tama-Sortiment, nämlich an das Fat Spruce S.L.P. Modell. Auch hier sind die Obertöne eindeutig vorhanden, überlagern aber niemals den Attack und die Ansprache der Snaredrum. Geht es stimmungstechnisch weiter in den Keller, überrascht die Trommel mit einem sehr fetten Ton, der schon mit wenig Dämpfung sehr überzeugende, „wet“ Discosounds ermöglicht. Diese Variante habe ich euch im Video aufgenommen. In allen Lagen bleibt die feine, präzise Teppichansprache hervorragend integriert und ist dank der beidseitig einstellbaren Abhebung einfach justierbar.  

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