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13.11.2015

Studiostandards: Drum-Mikrofone

Die beliebtesten Mikros für die Schlagzeug-Abnahme

Einige Firmennamen und Produktkürzel fallen immer wieder, wenn es um Mikrofone geht. Und tatsächlich: Es gibt einige Mikros, die man getrost als Studiostandards bezeichnen kann.

Das liegt entweder an ihrer Verbreitung oder ihrer Exklusivität. Die wichtigsten Mikrofone haben wir nach Einsatzgebiet aufgelistet – und auch direkt ein paar Alternativen parat, denn wie so oft sind Klassiker ein nicht ganz preiswerter Spaß.

Bassdrum

Das AKG D112 II ist eindeutig das bekannteste und verbreitetste Mikro für die Bassdrum. Wohl kaum ein Mikrofon polarisiert so dermaßen wie das "Osterei" aus Wien. Das gilt nicht nur optisch, sondern auch klanglich. Der Bass-Boost und der unterstützende Kick-Anteil schieben die Bassdrum klanglich meist in die richtige Richtung. Als preiswerte Alternativen zum € 259,- teuren AKG D112 II bieten sich Perception Live P2 (€ 129,-) aus gleichem Hause an, das Beyerdynamic TG D50d (€ 175,-) oder, für totale Sparfüchse, das the t.bone BD 300 (€ 49,-), welches zumindest optisch dem Shure Beta 52A (€ 179,-) nahesteht.

Ebenfalls aus gutem Grund häufig zu sehen sind das leicht patschige Sennheiser MD 421 (€ 399,-), welches hervorragend klingt, aber einen bisweilen etwas unangenehmen Halter besitzt, das Electro-Voice RE 20 (€ 459,-), welches so gut wie keine Bassanhebung im Nahfeld liefert und das Beyerdynamic M88 TG (€ 298,-), das entgegen seinem schmalen Äußeren ein wirklich wuchtiges, aber trockenes Tiefbassfundament liefert. Angemessene Alternativen zu den leider recht kostspieligen genannten Mikrofonen: keine. Echt nicht. Sorry.

Manchmal wird eine Grenzfläche im Inneren der Bassdrum eingesetzt, hier ist es oft das Shure Beta 91A (€ 299,-). Sennheisers E 901 ist etwa 20 Euro preiswerter, das Superlux E304 gibt es sogar für 59 Euro.

Snare

Das Shure SM57, der schlanke Bruder des Gesangsmikros SM58, ist ein verlässliches Mikrofon zur Abnahme der Snaredrum. Allerdings lässt sich auch das SM58 hervorragend verwenden. Beiden Mikros ist gemein, dass sie hohe Schalldrücke verzerrungsfrei übertragen, robust, vom Klang her bekannt und beliebt sind – und gar nicht mal so teuer! So sind beide für etwas über hundert Euro zu haben. Insofern sollte man nicht lange überlegen, zumal beide auch an Lautsprechern und vielen weiteren Signalquellen hervorragend performen. Nicht wirklich preiswerter, aber dennoch sinnvolle Alternativen sind das i-5 von Audix (€ 99,-) und das ebenfalls hervorragende Beyerdynamic TG I50D (€ 129,-). Das Blue enCORE 100i (€ 71,-) und das Audio-Technica MB 2k (€ 49,-) liefern noch gute Leistung zum kleineren Preis.

Etwas weniger auffällig durch kleinere Bauform und den Wegfall von herumstehenden Stativen sind Clip-Mikrofone, die am Spannreifen angebracht werden können. Audio-Technicas ATM350 und DPAs d:vote 4099 Drum sind geniale Mikrofone, schmälern den Geldbeutel aber um stolze 299,- oder sogar 489,- Euro. Beyerdynamics TG D58C und Sennheisers e604 (beide € 129,-) sind da deutlich preiswerter, das Ovid CC-100 von the t.bone markiert mit knapp 50 Euro den untersten Punkt des preislich Machbaren.

Toms

Prinzipiell lassen sich die genannten Snare-Mikrofone auch gut als Tom-Mikros verwenden, beliebt sind SM57 und MD 421. Oftmals werden aber für größere Tom-Durchmesser gerne das Electro-Voice RE 20 oder das Shure SM7B verwendet. Das SM7B ist zwar wirklich sehr teuer (über 400 Euro!), bietet aber auch viele Möglichkeiten und ist nicht zuletzt als dynamisches Vocal-Mikro eines der beliebtesten.

Ein ebenfalls hervorragendes Tom-Mikrofon ist das Sennheiser e906, welches für € 179,- pro Stück den Besitzer wechselt. Preiswerter kann man es haben, wenn man den Hersteller nicht wechselt, aber zwei Zahlen vertauscht: Das e609 nämlich kostet nur € 129,-.

Overheads

Overhead-Mikrofonierungen werden meist mit Kleinmembran-Kondensatormikrofonen in Nierencharakteristik durchgeführt, wenngleich auch Druckempfänger-Kugeln, Großmembraner und Bändchen infrage kommen. Beliebt sind AKGs C451 B, die es als Stereopaar für deutlich weniger als 1000 Euro zu kaufen gibt. Mit der Vordämpfung kann es ruhig pegelmäßig gut abgehen, ohne dass es zu Verzerrungen kommt, die Hochpassfilter verhindern, dass zu viele tieffrequete Signalanteile der Trommeln aufgenommen werden. Ohne Filter und Vordämpfung, ebenfalls fein genug auflösend, aber etwas weniger brillant und scharf kommen die Neumann KM 184 ins Spiel, die seit dem Vorgänger KM 84 das Vertrauen vieler Tontechniker genießen - und auch an der Akustikgitarre eine gute Figur machen. Preispunkt: knapp unter 1000 Euro im Stereoset. Das ist viel Geld, als preiswerte Alternative haben sich die russischen Oktava MK-012 etabliert, die einen etwas gutmütigeren, wärmeren Charakter besitzen als die beiden erstgenannten Mikros. Für € 299,- erhält man ein Set mit Nierenkapseln, das bei Bedarf um Kugeln und Supernieren erweitert werden kann. Ähnlich beliebt und genauso verbreitet sind die NT-5 des australischen Herstellers Rode, die insgesamt ein wenig mittiger aufgestellt sind. Kostenpunkt: € 359,- im Pärchen. Höhenreicher sind Audio-Technicas AT2031 (€ 119,- pro Stück). SE Electronics' SE4 sind mittlerweile ebenfalls recht preisgünstig zu haben, nämlich für unter 200 Euro pro Mikrofon. Ist der Gürtel wirklich eng geschnallt, kann es auch ein MXL 603S sein (im Set für unter 200 Euro zu haben) oder Behringers B-5, das man als Pärchen für weit unter 200 Euro sein Eigen nennen darf.

Hi-Hat

An der Hi-Hat funktioniert fast jeder Mikrofontyp gut, so lange er ausreichend Schalldruck verträgt. Selbst Bändchenmikrofone wie das Beyerdynamic M160 (€ 499,-) mit seiner Hypernierencharakteristik kommen dafür in Betracht. Die weiteren genannten dynamischen Mikrofone eignen sich ebenfalls, besonders häufig sieht man jedoch das EV RE 20 oder das Sennheiser MD 441. Das 441 ist zweifelsohne ein geniales Mikrofon für viele Anwendungen, doch ist es mit bald 1000 Euro (UVP) eines der teuersten Tauchspulenmikrofone überhaupt.

Häufiger werden Kleinmembran-Kondensatormikrofone verwendet, darunter die genannten von Neumann und AKG, aber auch Oktava, Audio-Technica oder – sehr beliebt – das SM81 von Shure. Das lange Stäbchen ist sehr pegelfest und kann bei Bedarf mit einer zusätzlichen Vordämpfung per Ring-Schalter und einem zweistufigen Hochpassfilter betrieben werden. Für unter 400 Euro kann man sich als rechtmäßiger Besitzer eines solchen Hi-Hat-Mikros bezeichnen. Manche Hi-Hat verzeiht klanglich eine Menge, somit kann man sogar mit schlanken 29 Euro zu einem brauchbaren Ergebnis kommen: Dafür erhält man das HI-10 von Superlux.

FAZIT

Für Schlagzeugmikrofone kann man viel Geld ausgeben – und ja, es geht noch teurer. Ihr habt hier die klassischen Mikrofone für die jeweiligen Anwendungen gesehen. Allerdings ist natürlich vielleicht eure Lieblingsplatte mit einem komplett anderen Mikrofon oder sogar Mikrofontyp aufgenommen worden, denn letztlich entscheiden Instrument, Spielweise, Stilistik, Raum, Preamp und nicht zuletzt der Mikrofonfundus eines Studios, was denn nun tatsächlich eingesetzt wird, zudem gibt es große regionale Unterschiede. Es muss natürlich nicht immer der Mainstream sein, auch mit ungewöhnlichen Lösungen oder Mikrofonen weniger verbreiteter Hersteller kommt man zu bisweilen hervorragenden Ergebnissen. Es lohnt sich in jedem Fall, viele Mikros auszuprobieren und mit der Positionierung zu variieren!

Wenn ihr euch weiter schlau machen und probehören wollt: Die verbreitetsten klassische Tauchspulen-Mikrofone haben wir übrigens in einem gesonderten Test zusammengefasst, den ihr hier finden könnt. Kleinmembran-Kondensatormikrofone haben wir im weltweit umfangreichsten Vergleichstest für euch – samt Videos und Audio-Vergleichsseiten. Auch Bändchenmikros und komplette Drum-Mikrofonkoffer haben wir im Test – denn das ist die oftmals günstigere Alternative zum Einzelkauf.

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