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Test
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02.03.2017

Sound Radix Radical Bundle 2 Test

Plugin-Bundle

Außergewöhnliches Effekt-Quartett

Sound Radix ist ein kleiner Hersteller mit großen Ideen. Seit der Firmengründung im Jahr 2010 wurden nur vier Plug-ins auf den Markt gebracht: Auto Align, der Surfer EQ, das Phasentool Pi und der Drum Leveler. Die vier Plug-ins haben es in sich und nutzen auf ihre eigene Art und Weise die Möglichkeiten digitaler Signalbearbeitung, um neue Wege zu beschreiten und frische Perspektiven für das Abmischen von Musik zu eröffnen – und im Radical Bundle 2 sind sie alle enthalten.

Alles neumodischer Schnickschnack? Wenn aufgenommene Musik schon in den 1960er Jahren gut klang, warum dann unnatürliche Computerspielchen damit treiben? Derlei Fragen ließen sich sicher ausgiebig diskutieren. Im Test wollen wir uns auf die harten Fakten konzentrieren und sehen, an welchen Stellen das außergewöhnliche Effekt-Quartett von Sound Radix hilfreich sein kann.

Details

Erster Überblick: „Normal“ ist nicht genug

Grundsätzlich geht es bei Sound Radix weniger darum, einen bereits guten Grundklang zu veredeln oder ihm einen gewissen charakterlichen Stempel aufzudrücken – zu diesem Zweck bieten sich vor allem Emulationen von Vintage-Hardware an, wie man sie bei vielen anderen Herstellern findet. Die vier Effekte aus dem Radical Bundle 2 sind dagegen weitgehend als nüchterne Werkzeuge zu verstehen, die sich auf das grundlegende Optimieren des aufgenommenen Ausgangsmaterials konzentrieren und dabei einen ausgeprägten Hang zu tontechnischer Verschrobenheit zeigen.

Jedes Plug-in hat ein Alleinstellungsmerkmal, das es recht deutlich von der Masse abhebt. Der Drum Leveler ist ein komplexes Dynamik-Tool, das auf Beat-Detection basiert und die Möglichkeit bietet, einzelne Bestandteile einer Schlagzeugspur gezielt in ihrer Dynamik anzugleichen. Die ungewöhnliche Eigenschaft des Surfer EQ ist dagegen, dass er sich mit seinen Zielfrequenzen dynamisch an die Tonhöhenbewegungen monophoner Spuren anpassen kann. Auto Align gleicht automatisch Laufzeitunterschiede aus, die beim Multitrack-Recording durch unterschiedliche Mikrofonpositionen entstehen, und sorgt damit für eine möglichst ideale Phasenlage zwischen den einzelnen Spuren. Und auch bei Pi geht es um die Phase: Der Effekt versteht sich als ein digitaler Summierer, der sich vornimmt, Auslöschungen zu minimieren, die im komplexen Zusammenspiel einer gesamten Mischung entstehen.

Lookahead-Funktion erzeugt Latenz

Für so komplexe Vorgänge ist im Fall aller vier Plug-ins eine Lookahead-Funktion nötig, wie man sie beispielweise von linearphasigen EQs kennt. Um das Signal zu analysieren, müsste der Rechner im Prinzip für einige Millisekunden in die Zukunft blicken, und da er das nun einmal nicht kann, wird ein Buffer zwischengeschaltet, der dem System eine durchaus erwähnenswerte zusätzliche Latenz verpasst. Als echten Minuspunkt empfinde ich das nicht, denn komplexe Berechnungen brauchen nun einmal Zeit. So lange man mit dem Tracking beschäftigt ist und Echtzeit-Monitoring durch den Rechner gefragt ist, sollte man die Plug-ins von Sound Radix aber auf jeden Fall deaktiviert lassen. In der späteren Phase des Mischens ist die kleine Verzögerung kaum zu bemerken.

Die Plug-ins des Radical Bundle 2 sind in den Formaten AAX, RTAS, AU und VST (auch VST3) verfügbar und laufen sowohl unter Mac OS als auch unter Windows. In Hinblick auf den Kopierschutz findet bei Sound Radix offenbar gerade ein Umbruch statt. Drum Leveler und Surfer EQ arbeiten zum Testzeitpunkt (Februar 2017) mit dem verbreiteten iLok-System. Es wird allerdings nur ein entsprechendes Benutzerkonto und kein Hardware-Dongle benötigt, um die Software auf bis zu drei Systemen gleichzeitig zu nutzen.

Die Autorisierung von Auto Align und Pi läuft momentan noch über ein Online-Verfahren, das während der Installation abgeschlossen wird. Eine Offline-Installation ist nicht vorgesehen. Kunden, die eine dahingehende Support-Anfrage stellen, werden aber mit entsprechenden Installern versorgt. Wer die Software antesten will, kann die Plug-ins für den Zeitraum von zwei Wochen uneingeschränkt nutzen.

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