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Test
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05.07.2021

Sonic Potions x Erica Synths LXR-02 Test Preview

Digitale Drum Machine

Neu: Jetzt auch zusammengebaut!

Sonic Potions ist Julian Schmidt und der ist zu 100% Synth-DIY Enthusiast und Entwickler. Sein LXR Synth ist seit rund acht Jahren als Bausatz erhältlich und in guter Tradition „hackable“. Erica Synths fanden seine Sache wohl auch gut, haben sie ja bereits vor Jahren schon Gehäuse für den LXR Baukasten angeboten – aber sei es noch so simple, „selber löten“ ist nicht jedermanns Sache.

Und „zack“ war der LXR-02 geboren: Im Prinzip das Gleiche, nur eben jetzt fertig zusammengebaut, im schicken und hochwertigen Erica Design mit richtigen Fadern und natürlich Garantie!

Details

Declaration of ignorance

Vorab: Ich kenne den alten LXR nicht und habe erst in der Retroperspektive überhaupt von seiner Existenz erfahren, grundsätzlich scheint es sich aber um das gleiche Prinzip zu handeln, wenn auch im Detail verbessert.

Die dedizierten Fader und das geänderte, deutlich straightere Layout scheinen offensichtliche Merkmale zu sein. Details werden wir soweit möglich erörtern, dennoch: Spekulation liegen mir nicht, sind nicht zielführend und deswegen erfolgt diese Review des Erica Synths LXR-02 nun „as it is (now)“.

Digitales DIY-Heart

Der „Sonic Potions x Erica Synths LXR-02“ ist eine kompakte und hochwertig verarbeitet Drummachine, genauer ein digitaler Drum-Synthesizer mit sechs Instrumenten und sieben Sequenzer-Spuren wegen des typischen Closed/Open-HH Doppels. 

Die ersten drei Instrumente bzw. Stimmen – Drum 1 bis Drum 3 – sind identisch, sodass man in Summe auf drei verschiedene und ziemlich komplexe Drum-Synthese-Algorithmen kommt, neben Snare, Clap/Cymbal und den Hats, da letztere beiden ebenfalls fast identisch sind. Jedes Instrument hat einen eigenen Volume-Fader, Fader Nr.7 übernimmt die Summen-Regelung.

Der LXR-2 arbeitet in 16 Bit- sowie 44,1 kHz- Qualitäten und basiert auf einer ARM Cortex M7 CPU, die zwei Cirrus Logic CS4344 D/A-Wandler ansteuert. Somit gibt es vier zuweisbare unsymmetrische Mono-Einzelausgänge auf großer 6,3 mm Klinke. Hinzukommen ein Kopfhörerausgang auf Mini-Klinke, der MIDI I/O auf DIN-Buchsen sowie ein USB-MIDI TYP-B Anschluss. 

Einen Clock I/O sowie Reset-In gibt es ebenfalls auf Mini-Klinke, der Datenverkehr läuft via Micro-SD Karte, die inklusive SD-Card Adapter mitgeliefert wird. Das passende 12 Volt/1A Netzteil mit unterschiedlichen Steckertypen runden den Lieferumfang ab.

Cleveres Bedienkonzept

Das Konzept ist straigh-forward und mit einer Machinedrum bzw. Nord-Drum durchaus vergleichbar. Die LXR-02 verfügt über ein Display sowie vier darunter angeordnete Soft-Encoder, welche mit den beiden Zeilen des Displays korrespondieren. Abgekürzt findet man in der oberen Zeile immer den Parameter-Namen und darunter dessen Wert, der in fast allen Fällen von 0-127 reicht. Es wird klar, dass Ding ist vollständig MIDI-bedienbar.

Der Sequenzer kennt bis zu 64-Steps lange Pattern, Shuffle und einen Song-Mode sowie Project-Verwaltung. Ferner muss immer explizit gespeichert werden. Reload steht als Kurzbefehl bereit, um nach drastischen Verfremdungen schnell zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Parameteränderungen können außerdem pro Step vorgenommen und Live-Write-mäßig geschrieben werden, wofür aber nur maximal zwei pro Step bzw. zwei Automation-Tracks zur Verfügung stehen.

Jedes Instrument bzw. Voice verfügt über eine Vielzahl an Parameter, auch wenn immer nur vier gleichzeitig im Display-Fokus und damit auf den vier gummieren Encodern liegen. Ein weiterer Push-Encoder namens DATA hilft bei den Details, seine Auswahl wird ebenfalls im Display dargestellt, und zwar durch Verwendung von Großbuchstaben bei den Abkürzungen.

Man kann mit ihm dieselben vier Parameter steuern oder manchmal auch mehr, weil er beim Umschalten bzw. Blättern hilft, was als Dreieck links oder rechts im Display ankündigt wird. Drückt man ihn, wählt man den entsprechenden Parameter aus und kann ihn nun auch weitergehend ausgeschrieben lesen sowie sehr genau einstellen, da der DATA Encoder leicht gerastert ist.

Alles in allem fühlt sich das sehr gut an und geht flink von der Hand.

Viele Parameter, wenig Menü-Getauche

Je nach Instrument stehen folgende Unterseiten zur Verfügung die wie folgt lauten und mit dedizierten Tastern ausgestattet sind: OSC, AEG, MOD, FM, CLICK, FILTER, LFO und MIX. 

Soweit selbsterklärend, wobei folgender Hinweis erlaubt sei, das AEG für Attack und Envelope steht. Es kommt also kein klassischer ADSR-Envelope zum Einsatz, sondern ein angepasster Attack, Decay und Slope (Kurve) sowie teilweise auch Repeat. Das macht bei Drum-Sounds mehr Sinn, wobei die Drums 1 - 3 durchaus für Bass-Sounds oder Ähnliches taugen, zumal sie via Coarse genau im Tune einzustellen sind.

Der OSCilator kennt sechs Typen: Dreieck, Säge, Rechteck, Sinus, Noise und PWM; bei der Snare sogar extra zumischbare Noise. Alle Wellenformen sind „analog-klassisch“ mit Wavetables realisiert. In Verbindung mit dem umfangreichen Multistate-FILTER klingt das Ganze ziemlich druckvoll und nur bei Bedarf kalt. Es bietet eine 12dB Flanke sowie zwei Lowpass-Arten, je einen Highpass, Bandpass, Notch, Peak-Filter und auch noch einen skalierten Bandpass.

CLICK lädt außerdem Wav-Samples, die als zusätzliche Attack-Verstärkung bzw. Transienten dienen, wie und ob man eigene Samples laden kann und wo dabei die Grenze liegt, erschließt sich mir nicht. Der überschaubare FM-Parametersatz unterscheidet sich je nach Drum, die Snare kennt keinen. Allein mit ihm sind interessante Effekte möglich, einen DX7 sollte man hier aber nicht erwarten.

FILTER und MIX tun, was man erwartet, kennen jeweils aber auch noch einen Drive. Mix bietet außerdem Sample-RateReduction und die Modulations-Sektion hält nochmal eine kräftige, variable Distortion bereit – und zwar in den Geschmacksrichtungen Tube, Wavefold,  ardclip und mehr

Performance orientiert

Gesagtes gilt für den VOICE-Mode. Im benachbarten PERFormance-Mode gibt es eine globale Samplerate-Reduction sowie den Morph-Parameter, mit welchen man ziemlich elegant zwischen zwei Presets überblenden kann.

Ferner fungieren die Instrument-Select Taster nun als dedizierte Mutes und die ersten sieben Step-Taster lassen das händische Triggern der Sounds zu. Dazu kann eine Repeat bzw. Roll-Funktion aktiviert werden, die bei gehaltenem Trigger von One zu 1/1, 1/2, 1/4, 1/8 bis zu 1/16 rolliert. Triolen gibt es leider nicht.  

Alles ziemlich clever das Ganze und wirklich gut durchdacht – die Gefahr sich in Untermenüs zu verheddern ist vergleichsweise gering. Hinzu kommt noch eine FX-Page welche via Shift mit globalem Delay, Compressor, Ringmodulation und nochmals Drive aufwartet. Es kann zwar immer nur ein Effekt davon genutzt werden, aber diese sind mit bis zu acht Parametern recht umfangreich gestaltet, die Zuweisung erfolgt über den FX-Bus.

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