Hersteller_Softube Software
Test
10
16.06.2009

Praxis
Weihnachten für die etwas Lesefaulen unter euch: Ab jetzt gib es ordentlich etwas zu lauschen. Es lohnt sich, versprochen! Nach der kinderleichten Installation und Freischaltung per iLok haben zwei Freunde und ich in Berlin einen kleinen Song zusammengesteckt:

Der Mix, den ihr hier hört, ist ausschließlich mit dem Softube FET komprimiert worden, die Einheit im Master stand im Bypass-Modus.

Da der originale Mono-Kompressor äußerst gerne für die Verdichtung (und auch Färbung) von Gesangsstimmen benutzt wird, ist dies auch für mich die erste Anlaufstation. So klingt die unbearbeitete Stimme:

Das folgende File weist mit ca. 3:1 eine moderate Ratio auf und ist bewusst "langsam" eingestellt. Hier zeigt sich schon der Vorteil des erweiterten Funktionsumfangs, denn beim Original lassen sich Verhältnisse zwischen 1:1 und 4:1 erst gar nicht auswählen. Die Kompression erfolgt unauffällig, technisch und mit verhaltener Färung, wie man es vom Original gewohnt ist. Seinen klanglichen Stempel drückt der FET dem Signal erst bei stärkerer Arbeit auf. Bei fast gleichen Zeitparametern, einem Kompressionsverhältnis von fast 8:1 und einem erhöhten Input (also quasi "geringerem" Threshold) hört man die Verwandtschaft des digitalen mit dem real existierenden Kompressor. Das leichte Zerren, die ausgeprägte Verdickung und die auffälligen Regelvorgänge sind sofort jedem vertraut, der einmal mit dem Klassiker von Universal Audio (bzw. Urei) gearbeitet hat. Wem der etwas "plattgedrückte" Sound nicht behagt, der freut sich, dass ihn der Dry/Wet-Regler angrinst. Kurz daran gedreht und – schwups – klingt das Signal trotz hoher Dynamikeingrenzung offen und natürlich.

Bei der Solo-Gitarre zeigt sich, welchen Spaß es machen kann, den All-Buttons-Mode anzuwenden. Bei derartigem tonalen Material fällt die einsetzende Verzerrung besonders auf. Dem Gitarren-Signal tut es gut, allerdings fällt in den Spielpausen der enorme Kompressionshub auf – das hat allerdings nichts mit dem FET zu tun, sondern gilt für jeden Kompressor.

Auch dem E-Bass steht der FET-Sound gut zu Gesicht:

Er macht ihn ordentlich FET(t). Die vorhin angesprochene Sidechain-Verkettung mit Bassdrum und Bass bringt das Bass-Signal zum Einknicken bei jedem Bassdrum-Schlag.

Einzelne Drum-Signale mit 1176-Dynamics zu komprimieren, war eine lange Zeit der Elite der Audioproduktion vorbehalten: Schließlich ist es ein teures Vergnügen, sich die Sideracks mit teurem Outboard vollzustopfen. Dass es für einzelne Signale lohnenswert sein kann, sollte spätestens bei diesen Beispielen klar sein.

Allerdings ist natürlich eine 1176-Kompression nicht immer für alles passend. Der Bassdrum würde in diesem Mix ein LA-2A aus gleichem Hause etwas mehr "Bauchigkeit" verleihen.

Auf Overheads angewendet, freut man sich über die Möglichkeit, das Plug-In auch im Stereo-Betrieb anwenden zu können (Surround geht leider nicht!). Dies gilt in gleichem Maße für den Drum-Bus, dafür scheint das Plug-In wie geschaffen zu sein. Im nachfolgenden File ist das Gewicht der Bassdrum durch einen Low-Cut etwas "entschärft". Im All-Buttons-Modus dreht der FET dann so richtig auf und zeigt, was er kann. Dieses heftige Pumpen ist es, das Produzenten und Toningenieure so lieben und das viele Konsumenten von Produktionen kennen. Auch auf das Dirt-Mike angewendet macht diese Kompressionsform Sinn.

Im Mastering findet man diesen Kompressionstyp recht selten. Einmal, weil die Einstellmöglichkeiten doch recht gering sind, jedoch auch, weil die typische "Vermatschung" der Höhen nicht jede Summe verträgt.

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