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28.12.2019

So klingen die bekanntesten Westerngitarren-Typen

Verschiedene Westerngitarren-Korpusformen und ihre Sounds

Die richtige Westerngitarre für jeden Einsatz

Die Westerngitarre ist ein wahrer Dauerbrenner unter allen Gitarrentypen und deshalb auch in jeder Stilrichtung anzutreffen, sei es im Singer-Songwriter-Bereich, in Folk, Country, Pop, und natürlich in nahezu allen obligatorischen Pflicht-Chart-Balladen jeder Heavy-Metal-Band. Die lange Tradition dieses Gitarrentyps bringt es allerdings mit sich, dass sich unter dem Oberbegriff Westerngitarre viele unterschiedliche Größen und Bauformen versammeln, die im Laufe der Jahrzehnte entstanden und zu Standards wurden.
Häufig wird der Begriff Akustikgitarre mit Westerngitarre gleichgesetzt, was allerdings nicht ganz korrekt ist, denn auch die Konzertgitarre mit ihren Nylonsaiten ist eine Akustikgitarre. Der englische Begriff "Steelstring" trifft hier eher den Nagel auf den Kopf, denn eines eint alle Westerngitarren-Typen: Sie sind mit Metallsaiten bestückt, und zumindest die Diskantsaiten bestehen in der Regel aus Stahl. Was die unterschiedlichen Bauformen und Korpusgrößen angeht, so haben nicht selten sogar Gitarristen Probleme, sich in den Eigenheiten der diversen Modelle zurechtzufinden. Kein Wunder, dass es deshalb unter Umständen schwerfällt zu entscheiden, welche Gitarre für den eigenen, ganz persönlichen Einsatzbereich die richtige ist. Deshalb möchten wir etwas Licht ins Dunkel bringen und euch die verschiedenen Typen der Westerngitarre etwas näherbringen.

1. Concert (O)/Parlour Modell

Concert- bzw. Parlour-Modelle sind mit einer Breite von ca. 34,4 cm und eine Länge von ca. 48,5 cm deutlich kleiner und handlicher als eine "normale" Westerngitarre und erinnern eher an die kleinere klassische Gitarre. Sie entstanden im 19. Jahrhundert mit den ersten Modellen von Martin und kamen vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts, insbesondere in den Zwanziger- und Dreißigerjahren, sehr in Mode und wurden primär im Blues gerne gehört.
Concert-Modelle klingen aufgeräumt in den Bässen, sind leiser und in der Ansprache sehr schnell. Der definierte, saubere und etwas bassärmere Klang ist gerade bei Studiomusikern sehr begehrt, da hier die geringere Lautstärke, die diese Größe mit sich bringt, nicht ausschlaggebend ist, und die Präsenz im Mix fast von alleine entsteht.

2. Grand Concert (OO)

Da wir von einer Zeit reden, in der es noch keine PAs gab und Musiker von der Bühne aus ganze Konzertsäle beschallen mussten, entstand irgendwann die Notwendigkeit, mit dem Instrument mehr Lautstärke liefern zu müssen. Die Konsequenz war im Jahr 1871 die 00-Größe mit einer Breite von 36 cm und einer Länge von 49,8 cm. Die "Double O" ist hinsichtlich ihrer Dimension eine gute Kompromissgröße, da sie etwas mehr "Bauch" und Lautstärke bietet, wodurch sie voluminöser klingt als Parlour-Modelle. Auch wirkt sie nicht zu aufdringlich in den Bässen und ist nicht sehr anfällig für Feedback. Elektro‐Akustikgitarren werden häufig auf Basis der OO-Größe gefertigt.

3. Auditorium (OOO)

Die (Grand) Auditorium oder "Triple O" ist nur einen Hauch größer und präsentiert sich mit einer Korpusbreite von ca. 38 cm und Länge von 52 cm. Diese Modelle bieten einen guten Kompromiss aus Lautstärke, Volumen und bequemer Bespielbarkeit. Da auch hier die Bässe nicht ganz so voluminös wie bei der Dreadnought sind, wirkt der Ton sehr definiert und durchsetzungsstark, wodurch sich das Modell sowohl für Fingerstyle als auch für Melodiespiel bzw. Soli eignet. Durch Eric Claptons "Unplugged"-Album erfuhr die Triple-O eine Renaissance und ist bis heute ein sehr beliebtes Modell.

4. Orchestra‐Modelle

OM-Modelle sind im Prinzip Triple-Os mit einem längeren und breiteren Hals, wobei die Korpus-Dimensionen identisch sind. Die OM wartet mit einer Mensur von 645 mm auf und misst am Sattel ca. 44,5 mm, im Gegensatz zu den 42,9 mm der OOO.
Die längere Mensur und die Halsbreite haben sowohl auf die Bespielbarkeit als auch auf den Sound einen deutlichen Einfluss. Deshalb klingt eine OM im Vergleich zu einer OOO tendenziell etwas lauter, höhenbetonter und offener.

5. Dreadnought Gitarren

Der Name "Dreadnought" ist dem eines großen und modernen Schlachtschiffes der Royal Navy entlehnt, das 1906 seinen Dienst antrat. Und das war 1916, als die Gitarre entwickelt wurde, eine ziemlich treffende Analogie, da dieses Modell mit seinem relativ großen Korpus auch klanglich eine eindrucksvolle Erscheinung bot. Typische Klangeigenschaften der Dreadnought sind der durchsetzungsstarke Sound, druckvolle und punchy Bässe sowie Transparenz und Klarheit. Der klassische Einsatzbereich findet sich in Musikrichtungen wie Bluegrass, Blues und Folk, wobei sie vor allem im Flatpicking und Strumming (geschlagen gespielte Akkorde) punkten kann.
Allen Präferenzen zum Trotz ist die Dreadnought ein wirklich universal einsetzbarer Allrounder, denn sie liefert ein breites Klangspektrum. Möchte man es live oder im Studiobetrieb etwas schlanker in den Bässen haben, lassen sich diese auch cutten. Aufgrund ihrer großen Bauform eignet sich diese Gitarrenform eher weniger für Kinder oder kleinere Personen.

6. Jumbogitarren

Die Jumbo präsentiert die größte Korpusform unter den Steelstring-Modellen, die hinsichtlich ihrer Dimensionen der einer Gibson L5 Archtop-Gitarre entspricht, bei einer maximalen Breite von 43,2 cm und eine Länge von 53 cm. Der Name "Jumbo" geht dabei auf die Firma Gibson zurück, die das Modell 1939 aus der Taufe hob. Diese Größe liefert einiges an Lautstärke, durchsetzungsfähige Bässe und viel Punch. Auch wenn Fingerpickings auf diesem Modell möglich sind, wird es eher von Singer-Songwritern für Strummings eingesetzt.
Modelle wie die Super Jumbo 200, SJ‐200 oder einfach J‐200 Modelle findet man bei Künstlern wie Elvis Presley, Bob Dylan, Emmylou Harris, Rick Nelson, Sheryl Crow u.v.a.

7. 12‐saitige Westerngitarren

Eine besondere Variante unter den Steelstrings ist die 12-saitige Westerngitarre. Hier werden mit einem Finger zwei Saiten gleichzeitig gegriffen, die jedoch sehr nahe beieinander liegen. Die vier tiefsten Saiten (E, A, D, G) werden mit Oktavsaiten gedoppelt und die beiden höchsten (B, E) unisono mit der gleichen Stärke. Möchte man einen kleinen, schwebenden Choruseffekt erhalten, sollte eine der beiden B-Saiten und eine der beiden dünnen E-Saiten leicht verstimmt werden.
Obwohl zwölfsaitige Gitarren auch mit Fingerpicking eingesetzt werden können, wie es zum Beispiel Larry Coryell praktiziert, sind sie in der Praxis am häufigsten mit Akkordstrumming zu hören.

8. Die Soundbeispiele:

Um einen wirklichen fairen Vergleich der Eigenarten aller Modelle aufzuzeigen, müsste man alle Modelle von einem identischen Hersteller mit identischem Holz und der exakt gleichen Mikrofonpositionierung gegenüberstellen.
Dies stand mir für den Artikel bedauerlicherweise nicht zur Verfügung, aber dennoch glaube ich, dass man grundlegende Charakterzüge der jeweiligen Modelle deutlich erkennen kann. Als Mikrofon kommt ein Neumann KM184 zum Einsatz, mit ca. 25 cm Abstand auf den 12. Bund gerichtet. Im Mix findet sich ein ganz dezent eingestellter Kompressor sowie ein EQ, der lediglich wummernde Tiefmitten minimal absenkt, sowie ein Hauch Reverb.

Zum Einsatz kommt eine Premier Concertina, eine Oregon Concert aus Myrte und eine American Dreadnought der Firma Breedlove sowie eine Stanford Small Jumbo und eine Daion 12-String.

Picking:

Strumming:

Single Note Soloing:

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