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31.07.2017

Snaredrum Spannreifen-Vergleichstest

Holz, Messing, Stahl - Sechs Hoop-Typen im Direktvergleich

Reifenprüfung!

Wer sich ein bisschen mit Snaredrums beschäftigt, weiß, dass Faktoren wie die Kesselgröße, das Kesselmaterial und die Gratungsform einen erheblichen Einfluss auf das Klanggeschehen haben können. Mit unterschiedlichen Fellen lässt sich der Sound in verschiedene Richtungen lenken, auch der Austausch eines – möglicherweise schlecht verarbeiteten – Snare-Teppichs kann zu erstaunlichen Verbesserungen führen. Hier ist allerdings noch lange nicht Schluss mit den Experimenten, denn spätestens dann, wenn Rimshots und Rimclicks ein fester Bestandteil eures Repertoires sind, kommen die Spannreifen der Snaredrum ins Spiel. 

Als Standard dürften dreifach geflanschte Modelle aus Stahl gelten, diese Teile findet man an den meisten Trommeln. Dicht darauf folgen die sogenannten Druckguss-Modelle, welche manche Hersteller an ihre hochpreisigeren Snaredrums und Toms montieren. Dies sind aber nicht die einzigen Typen, die ich verglichen habe, zusätzlich mussten sich Holzreifen, Messingreifen, sowie jeweils zwei handgearbeitete, einfach geflanschte Modelle von Adrian Kirchler und Angel Drums an der Vergleichs-Snare beweisen. Und jetzt viel Spaß und gute Erkenntnisse.

Details

Um alle sechs Modelle möglichst aussagekräftig miteinander vergleichen zu können, habe ich eine ältere, aber hochwertige Tama Artwood Snaredrum mit Ahorn Schichtholzkessel und einseitig justierbarer Throw Off-Abhebung verwendet. Mit Remo Ambassador coated oben und Hazy Ambassador Fell auf der Resonanzseite habe ich eine Standardbefellung gewählt, die gut stimmbar ist und gleichzeitig Raum für Obertöne lässt. Die sind wichtig, um den Charakter der Reifen einschätzen zu können. Dämpfung kommt folgerichtig keine zum Einsatz. Falls ihr einen eher kurzen, gedämpften Ton eurer Snare bevorzugt, solltet ihr im Hinterkopf behalten, dass die tonalen Unterschiede zwischen den einzelnen Reifentypen möglicherweise geringer ausfallen. Zu allen getesteten Reifen gibt es weiter unten Soundfiles sowohl im Solo- als auch im Set-Modus, und ein Video habe ich euch ebenfalls zusammen geschnitten. 

Dreifach geflanschte (Triple Flange), 2,3 Millimeter starke Stahlreifen: ausgewogen im Sound 

Wir beginnen mit dem Referenzmodell, welches gleichzeitig eine der günstigsten Spannreifenversionen darstellt. Maschinell aus dreifach gebördeltem Stahl hergestellt, ist dieses Modell auf der Mehrzahl aller Trommeln montiert. Die meisten Schlagzeuger geben dieser Variante aufgrund des Sounds und der leichten Handhabbarkeit den Vorzug vor allen anderen Typen. Warum das so ist, wird im Test schnell klar. Die Teile sind leicht und lassen sich einfach stimmen. Klanglich geben sie sich sehr vielseitig: Rimshots klingen breit, aber nicht übermäßig scharf, Rimclicks sind mittellaut. Wer es hier fokussierter mag, sollte Gussreifen ausprobieren. So klingen die Triple Flanged Hoops: 

Druckgussreifen (Die Cast Hoops): knallig, kompakt, härteres Spielgefühl

Wenn auf einer modernen Trommel keine dreifach geflanschten Ringe montiert sind, kommen in 99 Prozent der Fälle Gussreifen zum Einsatz. Diese sind meistens aus Zinkguss hergestellt und daher nahtlos. Sie heben sich durch verschiedene Faktoren von den Triple Flanged Hoops ab. Zunächst sind sie deutlich starrer, wodurch sich die Stimmschraubenstellungen gegenseitig stärker beeinflussen. Anders ausgedrückt: Zieht man eine Schraube an, hängt die nebenliegende schnell „in der Luft“, da der Gussreifen die Spannungsunterschiede aufgrund seiner Steifigkeit nicht ausgleichen kann. Dies erfordert kleinere Drehbewegungen beim Stimmen und ein stärkeres Augenmerk auf das Verhältnis aller Schrauben zueinander. Meistens erzeugen Gussreifen einen klareren und durchdringenderen Eigenklang, und auch das höhere Gewicht macht sich bemerkbar: Rimshots werden knalliger, der Kesselton verkürzt sich. Manche Kombinationen erzeugen auch einen etwas „singenderen“, metallischeren Ton der Snare. Rimclicks wirken „holziger“ und fokussierter als bei den Triple Flanges. Das Spielgefühl ist eindeutig härter und unnachgiebiger. Ich habe euch die Gussreifen natürlich auch aufgenommen.

Holzreifen: weniger Eigenton, etwas schwerer zu stimmen

Wer mal was ganz anderes auf seinen Trommeln ausprobieren möchte, kann seine Snare mit Holzreifen ausstatten. Im Test haben wir Modelle von Gibraltar, die im „Yamaha Style“ gefertigt sind, also kräftig und in Schichtbauweise. Was schön organisch aussieht, klingt auch so, und warum das so ist, wird schon klar, wenn man die Reifen mal unmontiert anschlägt: Statt lautem „Pliiiing“, wie bei den Metallreifen, ertönt ein kurzes, leises „Tock“. Somit sind diese Typen klanglich neutraler, sie übertragen weniger Schwingung zurück in den Trommel. Deswegen gestaltet sich das Stimmen auch etwas schwieriger, denn die gut einzuordnenden Obertöne der Metallreifen sind hier eher unterrepräsentiert. Bevor ihr solche Modell kauft, solltet ihr euch kurz überlegen, wie ihr spielt und was die guten Stücke eigentlich für euch tun sollen. Wer beispielsweise mit 2B-Stöcken gnadenlose Rimshots in die Trommel hämmert, sollte sich der Tatsache bewusst sein, dass die Haltbarkeit der – nicht ganz günstigen – Ringe dadurch begrenzt wird. Im Test wird klar, warum Holzreifen die Wahl von Trommlern sind, die es eben eher holzig und organisch mögen. Zunächst ist der Unterschied zu den Metallversionen gar nicht so groß wie angenommen, insgesamt klingt die Trommel aber in allen Spieldisziplinen leicht „entschärft“ und runder. Das Spielgefühl würde ich als softer bezeichnen.

Messingreifen, dreifach geflanscht: klanglich etwas weicher als die Stahlversion

Bei modernen Snaredrums werdet ihr aus massivem Messing gefertigte Spannreifen ausschließlich im höherpreisigen Bereich finden, Mitte des letzten Jahrhunderts wurden allerdings noch viele Standard-Schlagzeuge mit verchromten oder vernickelten Messingreifen bestückt. Von der Handhabung her gleichen sie den Stahlversionen, klanglich unterscheiden sie sich allerdings nicht unerheblich, wie ich finde. Messing ist weicher und resoniert tiefer als Stahl, und so ist es kein Wunder, dass insbesondere Rimshots etwas breiter und wärmer klingen. Mir persönlich gefallen sie einen Tick besser als die Kollegen aus Stahl, allerdings sind sie deutlich teurer als diese und teilweise schwer zu finden. Wer solche Teile aus den USA importiert, kann mit Gesamtkosten ab 200 Euro aufwärts rechnen. 

AK Drums 4mm SB (Solid Brass) Hoops: tonal ausgewogen, leicht modulierendes Sustain

Kommen wir nun zum ersten echten Exoten unserer Testreihe, dem von Adrian Kirchler in Südtirol in Handarbeit herstellten SB Hoop. Mit einem Paarpreis von 244 Euro plus Mehrwertsteuer spielen sie preislich in der High End Liga und können allgemein als Vintage-inspiriert bezeichnet werden. Und so ist es auch kein Wunder, dass sich die aus vernickeltem Messing hergestellten Reifen konstruktiv und optisch an alten Marching Snares orientieren. Im Grunde handelt es sich um gerade Ringe mit hartgelöteten Ösen für die Spannschrauben. In der Praxis zeigen sie sich etwas eigen, denn diese Ösen liegen relativ nah am Ring, was dazu führt, dass der Schraubenkopf beim Herein- und Herausdrehen am Ring entlang schrammt. Als edel würde ich den Sound beschreiben, offen, aber nicht scharf. Der Ring erzeugt einen klaren Ton, der im Sustain leicht moduliert. Wem der Klang von Single Flange Reifen zusagt, bekommt hier eine luxuriöse Alternative zu schlichteren Stahlmodellen. Auf Wunsch graviert euch Adrian Kirchler die Reifen übrigens auch. 

Angel Drums Stainless Steel Hoops: fokussierter als ein klassischer Single Flange Spannreifen 

Auch bei den aus Ungarn stammenden Angel Hoops handelt es sich eine Variation des Single Flange-Konzeptes. Hier fällt der Ring minimal enger aus als bei den AK SB Spannreifen, dadurch scheuern handelsübliche Stimmschrauben auch nicht an den Außenflanken der Ringe. Ein weiterer Unterschied ist das Material, aus dem sie gefertigt sind: Statt Messing kommt hier drei Millimeter starker Stahl zum Einsatz. Zum Preis einer anständigen Mittelklasse-Snaredrum (170 statt 250 Dollar zum Zeitpunkt des Tests) gibt es hier eine etwas rustikalere Verarbeitung als bei den makellos gemachten AK Hoops, klanglich wird aber ordentlich was geboten. Der Kesselton meiner Tama Artwood Snare klingt voll und holzig, Rimshots wirken etwas fokussierter und fühlen sich auch minimal härter an als bei den AK Modellen. Fans einfach geflanschter Reifen, die es klanglich und auch von der Bauart her etwas robuster mögen, dürften hier die Vollbedienung erhalten. 

Fazit

Trotz unterschiedlicher Geschmäcker dürfte eines fest stehen: Mit den normalen, dreifach geflanschten Reifen macht ihr in keiner musikalischen Situation etwas falsch. Auch ihre leichte Stimmbarkeit spricht für diese Variante. Als Gewinner gehen sie trotzdem nicht aus diesem Vergleichstest hervor, denn erstens werden hier ganz unterschiedliche Konstruktionen verglichen, und zweitens ist es stark abhängig von den persönlichen Vorlieben, welche der sechs Reifen-Arten man bevorzugt. Ein paar Dinge solltet ihr daher überlegen, bevor ihr vielleicht viel Geld für schicke, aber letztlich womöglich unpassende Edelreifen ausgebt. Checkt zunächst, was euch wichtig ist. Braucht ihr maximale Power und Haltbarkeit im rauen Tour-Einsatz, scheiden feingliedrige Single Flange Modelle vermutlich aus. Das gleiche gilt für Holzreifen, welche bei zu heftiger Bearbeitung irgendwann splittern werden. Dazu kommt, dass sich die klanglichen Vorteile solcher Modelle in lauter Musik schneller verlieren als in moderateren Settings. Umgekehrt können Spezialmodelle euren Snares ungeahnte Potenziale entlocken, wenn ihr auf der Suche nach neuen (oder alten) Sounds seid. Auch das Spielgefühl der verschiedenen Reifen unterscheidet sich teilweise deutlich. Insgesamt lohnt es sich jedenfalls, zu experimentieren, denn Optionen machen Spaß und helfen euch, in vielen musikalischen Situationen einen passenden Snaresound parat zu haben.

Die Modelle im Überblick:

  • Stahl, dreifach geflanscht (Triple Flanged Hoops)
  • Hersteller: unterschiedliche Hersteller, meistens in Fernost produziert
  • Modellbezeichnung: je nach Hersteller unterschiedliche Bezeichnungen (Power Hoops, Mighty Hoops etc)
  • Material: 2,3 oder 1,6 Millimeter starker Stahl, verchromt, meistens mit Naht
  • Preis: je nach Ausführung zwischen zehn und 30 Euro pro Ring
  • Druckgussreifen (Die Cast Hoops)
  • Hersteller: unterschiedliche Hersteller, meistens in Fernost produziert
  • Modellbezeichnung: bei den meisten Herstellern werden sie als Die Cast Hoops bezeichnet
  • Material: Druckguss aus verschiedenen Legierungen
  • Preis: je nach Hersteller zwischen 35 und 90 Euro pro Ring
  • Holzreifen (Wood Hoops)
  • Hersteller: unterschiedliche Hersteller, Serienmodelle meistens von Gibraltar (wie Testmodelle)
  • Modellbezeichnung: Wood Hoops, Holzspannreifen
  • Material: meistens Ahorn in Schichtbauweise (wie Testmodelle), es gibt aber auch abweichende Konstruktionen
  • Preis: Testmodelle liegen bei 69 Euro pro Stück, bei Custom-Firmen können Holzreifen aber auch deutlich teurer werden.
  • Messingreifen, dreifach geflanscht (Triple Flanged Brass Hoops)
  • Hersteller: unterschiedliche Hersteller
  • Modellbezeichnung: Messingspannreifen, Brass Hoops
  • Material: Messing, je nach Typ, vergoldet, lackiert oder vernickelt
  • Preis: je nach Hersteller ab etwa 60 Euro pro Stück
  • AK Drums 4mm SB Hoops
  • Hersteller: AK Drums, Adrian Kirchler
  • Modellbezeichnung: SB Solid Brass Hoops, 4 Millimeter stark
  • Material: Messing, vernickelt
  • Preis: Paarpreis 244 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer
  • Angel Hoops
  • Hersteller: Angel Drums, Ungarn
  • Modellbezeichnung: Angel Hoops, Stainless Steel
  • Material: 3 Millimeter starker Stahl, poliert
  • Preis: 250 Dollar (Paarpreis)

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