Bass
Test
7
09.10.2016

Praxis

Bei Jazzbässen mit einem Korpus aus Esche lässt sich durchaus eine Tendenz zum Übergewicht beobachten, besonders die Fender-Originale aus den 70ern sind teilweise bleischwer. Mein Miller V7 ist zwar auch kein Federgewicht, mit einem mittelschweren Korpus aus Sumpfesche bringt er aber gut beherrschbare 4,2kg auf die Waage und liegt damit in einem vernünftigen Rahmen für einen viersaitigen Jazzbass, wie ich finde. Zudem ist die Balance des Instruments wirklich hervorragend. Er hängt in einer ergonomisch richtigen Position am Körper und lässt sich auch im Sitzen ohne Behinderung spielen - keine Spur von Kopflastigkeit, an der fenderartige Instrumente bekanntlich häufiger leiden. Ebenfalls ein wichtiger Punkt beim Thema Komfort und Bespielbarkeit ist die Bundierung und die Werkseinstellung. Gerade bei günstigen Instrumenten wird hier oft geschlampt, die Bünde sind schlecht abgerichtet und erlauben keine angenehme Saitenlage ohne Scheppern; oder der Sattel ist zu hoch und die tiefen Lagen dadurch schwer spielbar. Sire fährt in dieser Disziplin die volle Punktzahl ein, die Bundierung ist tadellos und der Knochensattel so tief gefeilt wie nur irgendwie möglich, ohne ein Scheppern bei den Leersaiten zu verursachen. Ich konnte die Saitenlage sogar noch eine Spur flacher schrauben und den Hals etwas gerader ziehen. Die Einstellschraube sitzt übrigens am Halsende und ist leicht zugänglich, das Pickguard hat dort eine Aussparung, damit man ungehindert operieren kann. So eingestellt spielt sich der Marcus Miller V7 in allen Lagen wie Butter, sämtliche Spieltechniken sind leicht umsetzbar und der Ton ist übers ganze Griffbrett nebengeräuschfrei.

Beeindruckend, aber wie sieht es mit dem Sound aus? Damit wir uns ein Urteil über die Tonabnehmer und den Marcus Miller Heritage Preamp bilden können, gibt es jetzt einige Soundsamples. Zu Anfang bietet sich ein Passiv-Aktiv-Vergleich an. Das heißt, ihr hört im ersten Beispiel den Bass mit ausgeschaltetem Preamp, im darauf folgenden mit eingeschaltetem Preamp in neutraler EQ-Einstellung, damit wir hören können, wie der Preamp den Klang beeinflusst.

Im passiven Modus klingt der Marcus Miller V7 durchaus wie ein typischer Jazzbass aus den 70ern. Die Tonabnehmer liefern allerdings ein sehr breites Klangbild mit einer Betonung im Tiefbass und im Höhenbereich, die Mitten geraten dabei etwas in den Hintergrund, sorgen aber dennoch für ausreichend Definition und Punch. Ich finde, dass die hauseigenen Sire-Tonabnehmer den Klang ziemlich detailgetreu abbilden, die glasigen Höhen sind gut zu hören und das fette Fundament kommt kompakt und knackig - ein amtlicher, leicht in die moderne Superjazz-Richtung aufpolierter Jazzbass-Ton.

Wen man den Preamp einschaltet, ändert sich der Sound zwar nicht grundlegend, es geht aber etwas Dynamik verloren und die Höhen klingen eine Spur gedämpfter. Eine leichte Kompression ist durchaus auch bei sehr teuren Preamps nicht ungewöhnlich und ich finde, dass der Klang mit dem Sire-Preamp erstaunlich natürlich und neutral wiedergegeben wird. Es sind auch keinerlei Nebengeräusche oder Rauschen zu hören, für einen Bass in dieser Preisklasse ist das Ergebnis beachtlich.

Als Nächstes befassen wir uns mit dem Equalizer des Sire V7 und knöpfen uns das variable Mittenband vor. Die Frequenz des Mittenreglers kann, wie oben bereits erwähnt, in einem Bereich zwischen 200Hz und 1kHz angewählt werden. Im folgenden Audiobeispiel hört ihr nacheinander einen Boost bei 200Hz, einen Boost in Mittelstellung bei ca 600Hz und schließlich bei 1kHz. Der Mittenregler war dabei in allen Beispielen zu ca. 75% aufgedreht.

Alle drei Beispiele klingen klasse! Der Tiefmitten-Boost pumpt den Sound untenrum ordentlich auf ohne zu dröhnen, der Bass klingt fett, rund und warm. Beim Boost im mittleren und im Bereich der Hochmitten wird der Ton aggressiver und fokussierter, nervt aber nicht mit hupenden oder harschen Frequenzen.

Neben diesen drei Einstellungen gibt es natürlich noch zahlreiche Möglichkeiten, den Mittenbereich zu formen, der variable EQ ist wirklich ein mächtiges Klangwerkzeug und die Klangqualität überzeugt mich auf ganzer Linie.

Im nächsten Clip hören wir den Bass mit einem Bassboost von ca 30%, die Mitten habe ich zusätzlich bei 1kHz etwas mehr als zur Hälfte aufgedreht. Einen Bassregler mit einer derart tiefen Centerfrequenz von 20Hz habe ich bei einem Onboard-Preamp noch nie gesehen, die meisten bewegen sich um die 40Hz. Aber beim V7 funktioniert es, der Sound im Clip ist schön tief und fett, gerät aber trotz der ordentlichen Bassanhebung nicht aus der Spur, kein Dröhnen und kein Matschen. Ein weiteres Indiz für die sorgfältige Abstimmung des Preamps.

Jazzbass-Spieler blenden gerne auf den hinteren Tonabnehmer, wenn virtuosere Musik angesagt ist oder der Klang einfach prägnanter sein muss. Für folgendes Beispiel habe ich komplett auf den Bridge-Pickup geblendet, die Tonblende eine Spur zugedreht und die Tiefmitten bei 200Hz angehoben, um den Sound etwas runder zu bekommen. Ein klasse Sound, Jaco-mäßig durchsetzungsstark, kehlig und trotzdem tragfähig.

Anschließend könnt ihr noch die gleiche Einstellung als Solostimme in einem Playback hören.

Was darf bei dem Test eines Basses, auf dem der Name "Marcus Miller" groß und breit auf der Kopfplatte steht, auf gar keinen Fall fehlen? Richtig, der Slapsound. Also bemühe ich meine rudimentären Slap-Fähigkeiten und spiele meine Standard-Licks ein. Ihr hört beide Tonabnehmer mit einer kräftigen Anhebung der Bässe und Höhen mittels Preamp. Der V7 klingt unverkennbar nach Marcus Miller, mein Spiel leider nicht, aber das ist ein anderes Thema. Ich habe den Equalizer im Beispiel relativ vorsichtig angewendet, wenn man etwas beherzter an den Bass- und Höhenreglern dreht und die Hochmitten noch etwas dazunimmt, kann man einen erstklassigen Miller-Slapsound mit donnernden Bässen und einer glasklaren Definition aus dem V7 holen. Der Sire-Preamp deckt wirklich ein sehr breites Frequenzspektrum ab, ist superflexibel und liefert jede Menge praxisorientierter Klänge.

Zum Abschluss hört ihr den Sire Marcus Miller V7 noch in einem Playback mit beiden Tonabnehmer inklusive dezentem Bass- und Mittenboost bei 600 Hz.

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