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Test
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27.05.2014

Rupert Neve Designs Shelford 5052 Test

Preamp- und EQ-Modul

Best of Neve

Rupert Neve Designs Shelford 5052 zum Test bei bonedo – In der Grundfunktionalität kommt der RND 5052 als klassischer Input-Channel mit Mic Pre und EQ daher, welcher sich standalone in einer wunderschönen Holz-Lunchbox oder auch als Modul innerhalb einer RND-Konsole einsetzen lässt. 

Während die 1066/1073/1084-Familie aus heutiger Sicht eher über ein Straightforward-Layout verfügt, bietet der 5052 eine (Routing-)Flexibilität, die alles andere als vintage ist. Dass das Rad sich weitergedreht hat, spürt man hier auf Anhieb. Alleine der Preamp ist weitaus üppiger ausgestattet als die Vintage-Teile. 

Details

Preamp

Ein Gain-Switch bietet 66 dB in 6-dB-Schritten, dazu erlaubt das Trim-Poti die Feineinstellung von ±6 dB. Einerseits lässt sich der Gesang somit während der Aufnahme auch manuell „fahren“, andererseits kommen wir so auf eine satte Gesamtverstärkung von 72 dB. Ebenfalls in den Preamp integriert ist ein stufenlos durchstimmbares Trittschallfilter, das sich per Schalter aktivieren und dann zwischen 20 und 250 Hz einstellen lässt. Mit einer Flankensteilheit von 12 dB/Oktave wurde hier ein guter Kompromiss zwischen Effektivität und neutralem Sound gefunden. Phasendrehung und Phantomspeisung verstehen sich bei solch einem Preamp von selbst – toll sind jedoch die hintergrundbeleuchteten Taster, welche unmissverständlich Auskunft über den Betriebszustand geben.

Routing-Kniff

Mit dem To-EQ-Schalter wird das Signal dann auf Wunsch weiter zur EQ-Sektion geschickt. Dies ist ein Routing-Feature von nicht zu unterschätzender Ausgefuchstheit, denn das Modul verfügt insgesamt über nicht weniger als fünf Audio-Anschlüsse: Mic In, Line In, Mic Out, EQ In sowie Main Out. Das bedeutet, dass man den 5052 ganz konventionell als kombinierten Pre/EQ einsetzen kann, aber eben auch der separate Zugriff auf beide Komponenten möglich ist. Somit kann man z.B. den Signalweg kurz halten, indem man beim Mix den Preamp komplett umgeht und eine Spur nur durch den EQ schleift.

EQ: „Best Of Neve“

Der EQ selbst ist nun die Funktionsgruppe, die bei der Namens- und Farbgebung dieses Shelford-Moduls im Zentrum stand. Dieser 3-Band-EQ ist gewissermaßen eine Greatest-Hits-Compilation aus verschiedenen Rupert-Neve-Klassikern. So orientiert sich das Bassband an demjenigen des Vintage-1064, wird hier aber mit mehr Funktionen dargeboten. ±15 dB Gain sind an den Eckfrequenzen 35, 60, 100 sowie 220 Hz verfügbar, und das sowohl mit Peaking- als auch mit Shelving-Kurven. Das Mittenband hingegen wurde dem 1073 entliehen. Das bedeutet, dass es als Spulenfilter arbeitet, und zwar an sechs Eckfrequenzen zwischen 200 Hz und 6 kHz. Grundsätzlich mit einer „Proportional-Q“-Charakteristik abgestimmt, lässt sich die Filtergüte auch per Schalter schmaler gestalten – ein Feature, welches der 1073 nicht anbot, wohl aber sein luxuriöserer Nachfolger 1084. Schließlich verfügt die Kassette noch über ein Höhenband, das zwar ebenfalls auf dem 1073-Konzept basiert, aber hier etwas modernisiert wurde und mit 8 und 16 kHz auch zwei Eckfrequenzen zur Auswahl bietet.

Der gesamte EQ kann mit einem leider etwas unglücklich positionierten Schalter aus dem Signalweg genommen werden. Dieser liegt etwas unlogisch zwischen dem Bass- und dem Mittenband, wo er gerne auf den ersten Blick übersehen wird. Die Hintergrundbeleuchtung hilft auf jeden Fall, die Folgen dieser Positionierung etwas abzumildern. Man muss sich einfach merken, wo er liegt, und dann passt das auch. 

RND-typisch: Silk

Schließlich bietet auch der 5052 die Silk-Schaltung, welche RND in fast alle seiner aktuellen Prozessoren integriert. Diese ist gewissermaßen der Schlüssel zum „Vintage-Sound“, denn hier lässt sich die Gegenkopplung am Ausgangsübertrager reduzieren, was dessen klangfärbende Eigenschaften stärker herausstellt. Auch hier finden wir die Silk-Modi „Red“ und „Blue“, welche den Fokus auf etwas unterschiedliche Frequenzbereiche legen (Tiefmitten oder höhere Mitten/Höhen) sowie das Texture-Poti, mit dem sich die Intensität des Effektes feintunen lässt.

Wertig innen und außen

Konstruktiv gibt sich RND auch beim 5052 keine Blöße. Das Modul kommt in offener Bauform daher und erscheint ebenso robust wie die anderen Geräte des Herstellers. Mit den Alu-Potikappen und dem Vintage-Grau sieht die Kassette ganz einafch gut aus, die Betriebszustände lassen sich Dank der kontrastreichen Beschriftung und der beleuchteten Schalter hervorragend ablesen. Apropos: Den Preamp-Pegel zeigt eine LED-Kette mit acht Segmenten an. Und auch im Gehäuseinneren reagiert Qualität. Die SMD-Bauteile bilden einen ziemlichen Kontrast zu den voluminösen Audio-Übertragern – hier gibt’s also Merkmale aus zwei Welten, moderne Fertigung sowie Vintage-Komponenten. Seine ±24V-Versrogungsspannung bezieht das Modul von einem üppig dimensionierten externen Netzteil, das bis zu fünf Kassetten speisen kann.

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