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21.06.2016

Rupert Neve Designs RND RNHP Test

Kopfhörer-Verstärker

Präzise, präziser, präzist

Von Rupert Neves aktueller Firma RND gibt es ein neues Gerät im mittlerweile beachtlichen Portfolio. EQs, Preams, Kompressoren gibt es mittlerweile in Hülle und Fülle und verschiedenen Kombinationen sowie in unterschiedlichsten Formaten. Saturator, Mixing-/Masteringsysteme bis hinauf zu riesigen, modularen analogen Mischpulten findet man ebenfalls.

Nachdem zuletzt eine kleine, hochwertige DI-Box das Licht der Tontechnik-Welt erblickt hat, ist nun ein Kopfhörer-Verstärker erhältlich, der auf den Namen RNHP hört – was ohne viel Raterei für Rupert Neve Headphone stehen wird.

Details

Anforderungsprofil im Tonstudio anders als bei Hi-Fi

Ein Gerät mit einem der schillerndsten Namen der Technik unserer Branche, das macht immer hellhörig. Das tut auch der Preis, denn 677 Euro sind nicht wirklich billig. In dieser Preisregion findet man unter anderem sehr hochwertige Amps von High-End-Herstellern aus dem Hi-Fi-Bereich, ich denke da an Naim und Rega, die wirklich gute Verstärker herstellen. Allerdings genügen diese in einem wichtigen Punkt nicht dem Anforderungsprofil an einen Tonstudiobetrieb und an ambitionierte Homerecorder, denn ihnen fehlt so gut wie immer die Möglichkeit, mit symmetrischen Signalen mit +4dB-Pegel versorgt werden zu können, zudem gibt es oft keine großen Klinkenbuchsen, diese sind ja stabiler. Und wirklich häufig sind ausgewiesene Top-Notch-Amps im Tontechnikbereich auch nicht: Von Beyerdynamic gibt es den A2, von Violectric den HP V281 und einige andere, mit einigen Zusatzfunktionen hat sich SPL mit seinem Phonitor einen Namen gemacht, weitere bekannte Hersteller sind Lehmann, Little Labs und Lake People.

Typische RND-Designsprache

RNDs Amp gibt sich schnörkellos, wie schon die DI-Box zuvor. Im simplen Metallgehäuse mit überstehender Krempe untergebracht und mit im gedeckten Crèmeweiß gehaltener Frontplatte und mit dem lackroten Potiknopf folgt es strikt der Designsprache des Unternehmens (die Shelford-Serie mit ihrem Taupe-Blau einmal ausgenommen). Mit dem Pegelregler und der 6,3mm-Kopfhörerbuchse hätte ein Headphoneamp schon die Minimalausstattung, doch auf der Frontplatte gibt es noch die Druckschalter A, B und C, von denen der jeweils ausgewählte grün leuchtet. Das hat folgende Bewandtnis: Auf der Rückseite gibt es drei verschiedene Eingangsformate, namentlich XLR oder TRS symmetrisch per Combobuchse, Cinch (RCA) und sogar Miniklinke.

Steckernetzteil

Als Netzteil kommt ein externes Steckernetzteil mit 24 Volt Gleichspannung auf der Sekundärseite zum Einsatz, welches den RNHP mit 6 Watt versorgen kann. Es lässt sich an großzügig dimensionierten Kondensatoren im Inneren des Amps erahnen, dass die Spannung weiter geglättet wird. Dass die Beschaffenheit der Stromversorgung durchaus Auswirkungen auf die Klangqualität von Verstärkern hat, ist bekannt – angesprochene Hersteller wie Naim liefern dafür separate, unterschiedliche Einheiten, manche Hersteller setzen auch bei nichtmobilen Systemen bewusst auf Batteriebetrieb.

 

Beste Werte für XLR und TRS – natürlich

Schließt man einen 16-ohmigen Kopfhörer an den 0,08-Ohm-Output an, leistet der Headphone-Amp 230 Milliwatt (RMS), bei 150 Ohm Impedanz sind es noch 175 mW. Den Frequenzgang gibt Rupert Neve Designs mit 10 Hz bis 120 kHz an, mit einer Abweichung von nur +/- 0,2 dB. Nachvollziehbar ist, dass für den XLR-/TRS-Eingang die besten Werte gelten, das Rauschen liegt dort bei -101,9 dBV (RCA: -100,9; Miniklinke: -88,9), der maximale Eingangspegel eines 1kHz-Signals ist mit +22,8 dBu (RCA: +14,7; Miniklinke: +3,3) angegeben. RND nutzen für die Schaltung, die übrigens nicht komplett neu entwickelt, sondern dem Centerpiece entnommen wurde, eine bunte Mischung aus Thrugh-the-Hole-Bauteilen und SMD. Bei Schaltern und dem Regler scheint man nicht zu sparen, letzterer ist ein hochwertiger ALPS. Zwar sind die Befestigungen an Front- und Rückseite ordentlich und wo es das Format hergibt auch gekontert, im Sinne der langjährigen Zuverlässigkeit bei häufiger Nutzung hätte ich es jedoch lieber gehabt, wenn es keine direkten Verbindungen zur Platine geben würde. Die Lötstellen können sich im Laufe der Zeit lösen, der geringe Mehraufwand für eine lose Verkabelung wäre bei diesem Preis drin gewesen – und der Platz im Gehäuse vorhanden. 

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