Hersteller_Roland Keyboards VA_DesktopSynth
Test
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03.12.2015

Praxis

Ausgepackt auf meinem Studiotisch sieht der Roland JU-06 noch viel kleiner aus, als ich es erwartet hatte. Das optional erhältliche Mini-Keyboard Roland K25-m verwandelt den Expander in einen vollwertigen standalone Synthesizer. Der Anschluss an die kleine Kunststofftastatur mit Seitenteilen aus Metall erweist sich als nicht kompliziert. Ein Flachbandkabel muss auf der Unterseite des Synthesizers entlang einer Führung eingesteckt werden und ein kleiner Stift, der über einen Hebel ausgefahren wird, rastet im Seitenteil des Keyboards ein. Und das war es auch schon. Über einen variablen Ständer wird der Synthesizer im Keyboard-Einsatz angewinkelt. Sehr gut!

Die Soundausgabe über den integrierten Lautsprecher ist leider eher piepsig und nicht annähernd so warm und fett, wie wir das von den alten Roland Synthesizern her kennen. Aber das hat wohl auch niemand erwartet und es ist ja auch nicht Sinn und Zweck, das komplette Klangspektrum über einen kleinen 0,5 Watt Lautsprecher abzubilden. Unterwegs kann dieser dabei helfen, überhaupt an Sounds oder Melodienlinien zu arbeiten. 

Zur Integration in mein Studio musste ich mir zunächst ein Micro-USB-Kabel suchen, um den JU-06 an den Strom bzw. an mein Macbook Pro anschließen zu können. Das Kabel wird nicht mitgeliefert, aber Roland hat sich für den bei Handy-Ladegeräten weit verbreiteten Steckertyp MicroB entschieden. Zur Verbindung mit einem Mischpult wird zusätzlich ein Kabel mit einem Stereo-Miniklinkenstecker benötigt, das das Signal zu zwei Monoklinken splittet.

Nach dem Anschalten des JU-06 wird das Initialisierungs-Preset geladen. Nach dem Ausschalten eines Juno-106 bleiben erstellte, aber nicht gespeicherte Sounds nicht im Puffer, müssen also erneut programmiert werden. Anders und absolut zeitgemäß bei der aktuellen Version.

Weiter geht’s: Nach dem Start von Ableton Live und dem Blick in die MIDI-Einstellungen stelle ich fest, dass der JU-06 noch nicht erkannt wurde. Auch für MIDI ist es also zwingend notwendig, den auf der Roland Website erhältlichen Boutique Treiber zu installieren und den Rechner neu zu starten. Danach läuft alles wie gewohnt und ich kann den Mini-Juno als externes Instrument ansteuern. In der DAW stelle ich nun den Audio-Treiber auf „Boutique“, mit je zwei Ins und Outs. Auch das funktioniert einwandfrei. Der Output des Synths liegt zur Aufnahme in der DAW an und bei Bedarf kann die Audio-Wiedergabe der DAW über die Ausgangsbuchse des JU-06 erfolgen. Auch wenn ich den Master-Kanal von Live weit ins Rote regele, kommt es zu keinen Verzerrungen. Headroom ist also ausreichend vorhanden. 

Sound

Die Presets des kleinen Synthesizers kommen mir sehr bekannt vor und es klingt tatsächlich erstaunlich stark nach Juno-106. Hier eine kleine Auswahl:

Natürlich muss sich der JU-06 dem Vergleich mit seinem großen Vorgänger Juno-106 stellen. Zusätzlich habe ich den beliebten Software Synthesizer TAL U-NO-LX herangezogen, der allerdings deutlich günstiger ist und zudem auf einem Juno-60 basiert.

Bei genauerem Hinhören merkt man dann doch schnell einen Unterschied und stellt fest, dass dem JU-06 im direkten Vergleich das letzte Bisschen analoger Charme fehlt. Das Original klingt immer noch etwas offener und lebendiger.

Die markante Chorus-Einheit des Juno-106 erzeugt ein schon penetrantes, durch das Panorama von links nach rechts wanderndes Rauschen, das durch die damals vorhandenen Bauteile nicht anders realisierbar war. Die digitale Technik dagegen kennt ein solches Rauschen nicht, es muss also simuliert werden. Und das ist für mein Empfinden der größte und markanteste Klangunterschied. Klar, der Chorus am JU-06 klingt an sich sehr gut, breit und fett, aber im Vergleich nicht annähernd so weich, warm und seidig wie das Original.

Im Bassbereich empfinde ich beim JU-06 etwas mehr Druck als beim Vorbild:

Der LFO des JU-06 schwingt in der höchsten Einstellung viel schneller als der des Juno-106, was die Möglichkeiten des Sounddesigns erheblich erweitert. Das stufenlose Hochpassfilter (beim Vorbild gab es nur vier gerasterte Einstellpunkte) stellt für mich dagegen keine interessante Neuerung dar. Die Roland-typischen Tiefpassfilter klingen bei beiden Synthesizern sehr gut.

Als Geschenk hat Roland dem JU-06 einen zusätzlichen Effekt implementiert, den man beim Original vergeblich sucht. Mit dem Delay kann man dem Sound Breite und Weite verleihen.

Sequencer und MIDI

Beim Start der DAW wird automatisch der MIDI Slave Mode aktiviert. Der interne 16-Step-Sequencer läuft somit akkurat im Timing der DAW und folgt der Geschwindigkeit des Songs. Die Programmierung des internen Sequencers ist sehr minimal gehalten. Note On, Note Off und Legato (auch über mehrere Steps durch Drücken und Halten eines End- beziehungsweise Startpunktes und ein weiteres Klicken des zweiten Steps), Gate Time, das war's. Wie bereits erwähnt, ist der Sequencer leider nicht polyphon, man kann also keine Akkorde sequenzieren. Die 16 abspeicherbaren Patterns shuffeln in acht Schritten Roland-like und können in der Länge zwischen 1-16 Steps justiert werden. Das Spielen mit dem Sequencer macht viel Spaß und erweitert das Spektrum stark. 

Leider fehlt mir während des Jammens die Aufzeichnung der Reglerstellungen zu den jeweiligen Steps. Schade! Noch schwerer wiegt allerdings, dass die Regler des JU-06 generell keine Controllerdaten senden und empfangen, der Sound lässt sich also nicht über MIDI beeinflussen. Und das kann sogar mein in die Jahre gekommener Juno-106, für den sogar ein kostenloses Max4Live Plug-in zum Steuern der Regler geschrieben wurde!

Sonstiges

Die beiden Ribbon Controller sind sehr direkt und im Einsatz sehr gut. Das Spielen von Noten über den Pitch Controller ist aber gewöhnungsbedürftig und eher als Notlösung anzusehen. Die Fader lassen sich trotz der Größe akzeptabel bedienen, feine Einstellungen sind aber eher schwieriger zu bewältigen.

Das Abspeichern der Presets auf einem Computer funktionierte tadellos. USB-Kabel einstecken, Bank-2-Taster gedrückt halten und Gerät einschalten. Auf dem Rechner erscheint der JU-06 als Laufwerk und man kann die Presets als Backup-Datei auf der Festplatte abspeichern. Der umgekehrte Weg funktioniert genauso. Sehr praktisch!

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