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Test
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03.12.2015

Roland Boutique JU-06 Test

Virtuell-analoger Synthesizer

Vintage Sound der Achtziger im Handtaschenformat

Der Roland JU-06 steht innerhalb der Boutique Serie für den Sound des Juno-106, der damit sein Comeback als Mini-Synthesizer feiert. Wie auch der JP-08 und der JX-03 ist der Roland JU-06 kein analoger Synthesizer, sondern emuliert den Sound des Klassikers auf virtuell-analogem Wege mit der ACB-Technik („Advanced Circuit Behavior“). Rolands Verfahren zur Emulation auf Bauteilebene ist unter anderem auch für den Klang der TR-8, des TB-3 und der Plug-Out Synthesizer für das SYSTEM-1 verantwortlich und konnte viel Lob einheimsen. Ob der JU-06 die Erwartungen erfüllt und ob sich ein Kauf des Winzlings lohnt, zeigt euch dieser Test.

Der Juno-106 prägte den Sound der Achtziger und wurde zum Kultobjekt. Sein Sound und der seiner älteren Brüder Juno-6 und Juno-60 ist immer noch unverwechselbar, sodass die drei Junos zu den beliebtesten Vintage-Synthesizern zählen. Um von der großen Nachfrage nach den mittlerweile raren Instrumenten zu profitieren und eine kostengünstige Alternative zu bieten, bringt Roland 31 Jahre später eine Emulation im Miniaturformat zum Preis von derzeit rund 315 Euro auf den Markt. Wir haben den JU-06 getestet und mit seinem Vorbild verglichen.

Details

Gehäuse

Der JU-06 ist geradezu winzig, die angepriesene Buchgröße ist keine Fehlinformation! Eine Klaviatur sucht man vergeblich, aber Roland bietet zum Preis von rund 100 Euro optional ein anschlagdynamisches Mini-Keyboard mit 25 Tasten an, das sich nach Art einer Docking-Station mit dem Synthesizer verkoppeln lässt. Über den auf der linken Seite befindlichen Pitch-Ribbon-Controller können dennoch Klänge ausgelöst werden, was ein schnelles Antesten der Sounds ohne angeschlossenes Keyboard ermöglicht. Das Gehäuse ist aus Kunststoff gefertigt, das Bedienfeld besteht aus Metall. Auf die wenigen grün-orange-beigen Farbakzente, die Roland dem Alten spendiert hatte, müssen wir beim JU-06 verzichten. Hier dominiert das Rot.

Bedienfeld und Klangerzeugung

Im Vergleich zum Juno-106 wurde die Bedienoberfläche natürlich stark geschrumpft und besteht aus 17 sehr kleinen Schiebereglern und 24 in Blau beleuchteten Tastern. Der Faderweg beträgt bloß 20 Millimeter. Das ist nicht sehr viel für einen Sounddesigner, der oft auf feine Parameteränderungen angewiesen ist. Zudem liegen die Bedienelemente naturgemäß sehr eng beieinander.

Die Anordnung folgt dem Original und beginnt links mit dem LFO mit Reglern für Frequenz und Einsatzverzögerung. Danach folgt die DCO-Sektion mit den Fußlagen 4', 8' und 16', einem Fader für die Pitch-Modulation per LFO, einem Fader und einem Umschalter für die manuelle oder LFO-gesteuerte Pulsbreitenmodulation, zwei Knöpfen für die gleichzeitig abrufbaren Schwingungsformen Rechteck und Sägezahn sowie ein Regler für den Rechteck-Suboszillator. Der letzte Fader steuert den Pegel des Rauschgenerators. Nun folgen die beiden Filter mit dem stufenlosen Frequenzregler des Hochpassfilters und der Tiefpass-Einheit mit Frequenz und Resonanz, einem Schalter für die Hüllkurven-Invertierung und den drei Modulationsreglern für Envelope, LFO und Keyboard. Darauf folgt der VCA mit einem Level-Regler und einem Schalter zur Auswahl von Hüllkurve oder Gate. Die vier Fader der einzigen ADSR-Hüllkurve bilden den Abschluss. In zweiter Reihe befinden sich Buttons für die Presetwahl, die zwei Chorus-Effekte und eine Manual-Taste. Die rote LED-Anzeige ist gut lesbar und zeigt die Preset-Nummer an. Sobald ein Preset editiert wurde, wird das durch einen Punkt im Display angezeigt. 

Einige zusätzliche Optionen sind nur über Drücken und Halten mehrerer Tasten zu erreichen. Die meisten dieser „versteckten“ Einstellungsmöglichkeiten sind nicht auf der Oberfläche vermerkt, sodass man ohne die mitgelieferte Falt-Anleitung keine Chance hat, den Synthesizer mit allen Feinheiten zu programmieren. 

Insgesamt speichert der Zwerg 64 Presets in acht Bänken zu je acht Patches. Ein Backup eigener Sounds erfolgt über die USB-Verbindung zum Computer, der den Synthesizer als externes Laufwerk für einen Datenaustausch erkennt. Das ist definitiv praktischer als das Tape-Interface der Vintage-Junos!

Leider ist der JU-06 nur vierstimmig polyphon, während das Vorbild sechsstimmig war. Warum eigentlich? Man müsste doch eigentlich meinen, dass mit heutiger Technik eher mehr drin gewesen wäre. Vielleicht will Roland den Benutzern die Chain-Funktion schmackhaft machen, mit der zwei JU-06 über MIDI kaskadiert werden können, um die Stimmenanzahl (und den Kaufpreis!) zu verdoppeln.

Aber es ist auch etwas neu hinzugekommen: Der JU-06 enthält einen 16-Step-Sequencer, der über gleichzeitiges Drücken der „Chorus 2“ und Manual-Taster aktiviert wird. Die 16 Preset-Taster werden im Sequencer-Betrieb zu Step-Buttons. Schade ist allerdings, dass Roland auf einen polyphonen Sequencer verzichtet hat – nach jetzigem Stand der Dinge kann pro Step nur eine Note gespielt werden.

Anschlüsse

Auf der Rückseite des Desktop-Moduls findet man neben dem Power-Schalter einen Micro-USB-Anschluss für die Stromversorgung (ein Anschluss für ein Netzteil existiert nicht) und die Kommunikation mit einem Rechner. Neben MIDI kann der JU-06 auch Audio über USB übertragen und empfangen, sodass man nicht nur das Ausgangssignal direkt in der DAW aufnehmen, sondern den Synthesizer bei Bedarf auch zur Ausgabe des DAW-Outputs verwenden kann. Der Lautstärkeregler neben dem Output regelt den gesamten Mix aus DAW-Audio und Synthesizer. Hinzu kommen 3,5 mm Klinkenausgänge für Line Out und Kopfhörer, ein 3,5 mm Klinken-Stereoeingang und MIDI In/Out. Gegen Diebstahl gibt es eine Bohrung für ein Kensington Lock.

Für den mobilen Einsatz sind auf der Unterseite ein 0,5 Watt Lautsprecher und ein Batteriefach für vier AA Batterien oder aufladbare Akkus eingelassen. Die Batterielaufzeit wird mit etwa sechs Stunden angegeben. Die Ausgabe des Sounds über den Lautsprecher wird beim Einstecken eines Kabels in die Ausgangsbuchse abgeschaltet.

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