Recording
Test
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22.01.2021

Praxis

Tolle Verarbeitung, flinke Bedienung


Trotz seines überschaubaren Inneren stemmt der Rupert Neve Designs Master Buss Converter beachtliche 4 kg auf die Waage. Seine Verarbeitung ist erhaben und edel, keine Frage! Alles dreht sich schön präzise und drückt sich gut.

Die fein aufgelösten LED-Level- und -GR-Meter visualisieren genau und leuchten dezent, eine Anordnung nebeneinander, wie bei Burl oder HEDD, hätte ich aber bevorzugt. In den neuen dunklen Farben sieht außerdem alles besser als bei den alten Porticos aus, wie ich finde.

Klang

Und klingt es denn nun? Geil! Der Rupert Neve Designs Master Buss Converter klingt einfach schön, so wie er ist und auch ohne aktivierte Zusatzfunktionen.

Zum Vergleich hören wir meinen durchaus betagten Crane Song HEDD 192 A/D (also ohne Quantum) – und das sind deutliche Unterschiede, selbst bei einem simplen Beat. Um das Ganze praxistauglicher zu gestalten, habe ich einen analogen Mix aus zwölf Spuren und ein paar Sends auf meiner Matrix gebaut und summiert in einem ersten Durchlauf in den Neve MBC und in einem weiteren in den HEDD geschickt.

Mit der dicken Kick und Snare sowie dem knochigen Bass und den kleinen Details ist das Ganze schon auch ein wenig zum Stresstest geworden. Schwierig wird es, wenn man sich dann entscheiden soll, was besser ist. Aber es gibt eine klare Tendenz. Der Rupert Neve MBC behält im Vergleich mehr Details, klingt natürlicher. Er spielt musikalisch und unaufgeregt, aber man muss schon auch ein Weile hinhören. Die Elektro-Snare beispielsweise wirkt deutlich lebendiger. Der HEDD hingegen klingt fast komprimiert, irgendwie brachialer, lauter und drückt mehr – was an sich ja nicht schlecht ist – aber er ist eben auch verwaschener in seinen Details. Arbeitet man bewusst im Clipping, kann der Crane wiederum mehr aufdrehen.

Trafo und Silk

Der Trafo bringt erwartungsgemäß eine Schippe Thickness in den Tiefen und gleichzeitig mehr Kontrolle. Der Boost und Roll-Off in den Höhen ist ebenfalls schön, die Snare spuckt weniger kratzig und Sämigkeit gibt es oben drauf. Angezerrt wie bei einem 1073 darf man sich das keineswegs vorstellen. Der Effekt ist auf der Kick deutlich hörbar, drängt sich aber auch nicht auf. 

Blue Silk voll aufgedreht lässt den Bass noch mal ordentlich rollen. Red Silk ist bei halber Kraft aber auch ganz geil und macht die Snare knackiger. Für einen zukünftigen Mix würde ich wahrscheinlich von Anfang eines der beiden Silks aktivieren und dezent hinein mixen.

Limits

Ähnliches gilt für den Limiter des Rupert Neve Designs MBC. Dezent eingesetzt überzeugt er besonders und kann somit grundsätzlich immer aktiviert bleiben. Auch ist es schön im Hardwarezugriff eine Kiste zu haben, mit der man unkompliziert „krank laut“ machen kann.

Im Vergleich zum Weiss Maximizer MM-1 von Softube zwar kein echter Vergleich, weil er einfach mehr Details bei noch lauteren Mixen erhält, aber der hier kann bei Bedarf laut. Ich würde ihn aber eher mehr beim klassischen Tracking einsetzten als dem Stem-Mastering. Die Acoustic Gitarre beispielsweise profitiert enorm, das Medium Release macht sie knackiger, der Slow Release agiert als Leveler. 

Flexibler Sound

Im folgenden Video kann man unterschiedliche Charakteristiken aus dem Wechselspiel Threshold/Release gut hören, wobei der Limiter viele Sweetspots offenbart. Zum Schluss drehe ich auch mal überambitioniert rein, wobei es beachtlich ist, dass der Crane Song HEDD, der hier ausschließlich für das Monitoring zur Verwendung kommt, keinerlei Peaks erkennt.

Randnotizen

Im Video hab ich hin und wieder mal Taster nicht so gedrückt bekommen, wie ich das vorhatte. Ich hab zwar keine besonders großen Finger, trotzdem dürften die Taster für mich größer sein. Und dann wäre da noch folgende Stolperstelle am Gerät: der Link. 

Normalerweise gehe ich davon aus, dass nach aktiviertem Link an einem Dual-Mono-Gerät mit einer der beiden Seiten beide gleichzeitig gesteuert werden können. Doch dem ist hier nicht ganz so. Das Handbuch sagt: „Der Kanal, der das Eingangssignal am aktivsten begrenzt, steuert den anderen Kanal.“ Äh, ja, schön – und was bedeutet das für meine Regler?

Für mich stellt es sich folgendermaßen dar, wenn man einseitig bedienen möchte: Ich stelle eine Seite auf Null, um anschließend beide mit der anderen Seite gemeinsam bedienen zu können. Und um alles auf Null zu drehen muss man nun „nur“ alle Regler im Uhrzeigersinn voll aufdrehen – außer des Gains, denn das wiederum muss man gegen den Uhrzeigersinn zudrehen. Alles klar?

Es hat schon eine Weile gedauert und ich musste es mir selber zusammenreimen. Das Handbuch ist recht mager. Um es an dieser Stelle also noch einmal kurz „idiotensicher“ zu machen: So wie oben muss die Slave-Seite eingestellt sein, damit man Master-Kontrolle mit der anderen Seite hat. 

to link or not to link

Oder man verzichtet gleich auf Stereo-Link und stellt beide Seiten gleich ein, was in vielen Fällen sogar besser ist, da das Stereobild kohärenter bleibt, wenn der Trigger nur von einer Seite kommt. Der feinen und präzisen Rasterung der Neve-Potis vertraue ich dahingehend auch einen Recall an.

Burl oder Neve

Zum Schluss noch ein kleiner Vergleich mit dem ebenfalls beliebten Burl Audio B2 Bomber ADC, der auch Class A ist und Übertrager hat. Ich habe einmal mit mehr Dampf und einmal etwas dezenter (-4dB) aufgenommen, wobei ich am Ende alle vier digital auf gleiche Lautstärker gehoben habe.

Mir gefällt der -4dB Neve am besten, da er am natürlichsten und detailreichsten spielt, sowie untenrum ordentlich Pfund hat. Sein 0dB Pendant ist hingegen knackiger und lauter, aber auch gepresster, ergo war der Trafo wohl zu heiß. Der "heiße Burl" ist ein alternativer Favorit, da er schön im Drive ist, mehr ballert, aber auch etwas zu komprimiert wirkt. Wer die Wahl hat, hat die Qual …

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