Test
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23.07.2010

Praxis

Der mitgeliefert Inhalt der Treiber-CD lässt sich völlig problemlos installieren. Das Installationsprogramm erkennt den Rechnertyp (Mac oder PC) und bietet alles Notwendige sofort an. Minimale Systemvorraussetzung ist beim Mac das Betriebssystem 10.5.x (Leopard) auf einem Intelprozessor und beim PC Windows XP , Vista oder neuere Betriebssysteme. Ältere Betriebssysteme oder Prozessoren werden beim Betrieb dieses Fireface nicht mehr unterstützt. Eine verständlich geschriebene deutsche oder englische Bedienungsanleitung in gedruckter Form, kann bei Problemen sofort helfen. So werden auch Tipps für z.B. eine unsymmetrische Verkabelung des Fireface in dem Handbuch erklärt. Sie liefert aber auch schnelle Hilfe bei einem eventuell notwendigen Flash Update.

Installiert werden der USB-Treiber, ein Totalmixer, der maximal drei Firefaces bedienen und somit fernsteuern kann, und ein zusätzliches Kontrollfeld für die Eingänge 1 bis 4 sowie eine Toolbox. In der Toolbox befinden sich so schöne und praktische Dinge wie z.B. ein Analyser oder eine mehrkanalige Aussteuerungsanzeige. Der eigentliche USB-Treiber ist ungefähr 250 KB groß.

Nach dem Einschalten des Gerätes sind acht farbige LEDs als Anzeige für den Betriebszustand des Fireface UC zuständig.  Sie signalisieren, ob analoge oder digitale Signale an den Eingängen vorhanden sind und ob das Gerät über eine externe oder interne Wordclock versorgt wird.  Bei irgendwelchen Setup-Problemen erhält man hier sofort eine Antwort, wo ein Problem liegen könnte. Man sollte aber vor dem Anschluss die Abhörmonitore noch gemutet lassen, damit nicht ein nerviger Einschaltknacks vom Wandler die Speaker beschädigt. Die Sequenzerprogramme Logic und Cubase erkennen sofort den Audioweg über USB und verbinden das RME als Audiointerface. Wenn man das mitgelieferte DSP-Mixerfeld Totalmixer zum ersten Mal aufruft, öffnet sich ein Preset, bei dem alle Eingangs- und Ausgangssignale geöffnet und somit hörbar sind. Mit diesem Mixer lassen sich, wenn gewünscht, alle Ein- und Ausgänge frei auf die 18 physikalisch vorhanden Ausgänge routen. Also kein langes Fummeln und kein nerviges Probieren. Bis zu neun vollkommen unabhängige Stereo-Submixe per Totalmix ergeben außergewöhnliche Monitor-Fähigkeiten. Darüber hinaus berechnet die Hardware RMS und Peak Level-Meter für alle Audiokanäle, bei kaum messbarer CPU-Belastung des angeschlossenen Rechners.

Über den schön griffigen Stellknopf (Push-Encoder) auf der Frontseite des Gerätes werden die gewünschten Pegel für die Ein- und Ausgänge eingestellt. In 1dB-Schritten lassen sich 55 dB Verstärkung regeln. Bei minimaler Verstärkung sind die Eingänge 1 und 2 normale Line-Inputs.
Ein kleines Kontrollfeld, das Fireface USB Setting heißt, schaltet eine eventuell notwendige Phantomspeisung für die Micpreamps in diesen beiden Kanälen hinzu. Auf dem gleichen Kontrollfeld werden auch die Wordclock, das digitale Ein- und Ausgangsformat sowie die Eingänge 3 und 4 als Instrumenteneingang eingestellt. Bei der Auswahl als Instrumenteneingang ist die Eingangsimpedanz sehr hochomig und kann so als gut klingender Instrumenteneingang genutzt werden. Das Verschalten einer externen DI-Box für das direkte Einspielen mit einem E-Bass oder einer E-Gitarre ist also nicht notwendig, wie wir in einigen Hörtest feststellten.

Auch die gewünschte Samplerate ist im Fireface  USB Kontrollfeld in neun Stufen von 32 bis 192 kHz regelbar und lässt sich sogar im Betriebsfall in Realtime knackfrei umschalten.

Beim ersten Betrachten des Totalmixers zeigen sich 54 Regler in drei Reihen untereinander auf dem Bildschirm und schaffen eventuell etwas Verwirrung beim ersten Betrachten. Es ist aber eigentlich alles sehr einfach und logisch aufbereitet: Die oberste Reihe vertritt den physikalischen Eingang des Systems, die mittlere stellt virtuelle Ausgänge für ein Monitoring zur Verfügung und die untere Reihe regelt die tatsächlich vorhandenen Audioausgänge des benutzten Harddisk-Systems. Jeder dieser Mischpultwege besitzt einen Fader, ein RMS Level-Meter und eine namentliche Anzeige des Signals, die per rechter Maustaste verändert werden kann. Man sieht also sofort, an welchem Punkt im System Signale anliegen und wo sie hingeschaltet sind. Die Eingangs- und Monitorwege besitzen noch zusätzlich einen Panoramaregler, einen Routing-, Mute- und Solo-Schalter sowie eine kleine digitale numerische Anzeige des Pegels. Per gedrückter Control-Taste und Mausklick auf den Fader lässt sich sehr schnell ein nominaler Wert von 0 dB für jeden Faderweg einstellen. Dieser Wert wird auch über eine grüne numerische Anzeige dargestellt. Bei der Betätigung des Panoramareglers wird in der gleichen Anzeige die Pan-Stellung dezimal angezeigt. Sie springt erneut zurück bei einer neuen Faderbewegung. Zu einer besseren Übersicht dieses Softwaremixers kann man aber auch die einzelnen Faderreihen nach der Einstellarbeit über einen Viewbuttom wegblenden.


In der ganz rechten Hälfte des Mixers befindet sich eine virtuelle Kreuzschiene. Es gibt Bedienelemente zur Speicherung und für das Aufrufen von Presets, die Anwahl und die Steuerung von mehreren RME-Interfaces sowie eine Dim- und Mono-Funktion für Abhörlautsprecher. Ausgewählte Mute- oder Solotasten können per Master auf diesem virtuellen Summenmodul zurückgesetzt werden.  Auch die Quelle für die Kopfhörer kann hier bestimmt werden. Eine eventuell notwendige Talkbackverbindung für den Studiobetrieb ist ebenfalls über diese geniale Totalmixer-Software realisierbar. Kanal und Pegel für diesen Weg sowie die Abschwächung des Monitorkopfhörerpegels sind einstellbar. Eigentlich sind alle Funktionen eines Studiomischpultes hier per Software nachgebildet.  
Durch Konstruktion des neuen Baby Face von RME, in dem der gleiche FBGA Chip wie im Fireface UC sitzt, wurde der Totalmixer noch einmal extrem überarbeitet und erhielt zusätzlich  viele neue Funktionen. Die neue Software  trägt, wie schon erwähnt, den Namen TotalMix FX.  Es gibt parametrische 3-Band Equalizer für Ein- und Ausgänge mit optischer Anzeige, ein Lowcut-Filter mit einer wählbaren Steilheit von 6 / 12 / 24 dB pro Oktave, vier Mutegruppen, vier Sologruppen und vier Fadergruppen und eine sehr praktische UNDO-Funktion, um zur letzten oder vorletzten Einstellung zurückzukehren. Die Eingangskanäle auf dem Bildschirm können nicht nur Mono- sondern auch Stereo-Wege sein, die alle über eine Basisbreitenregelung verfügen. All diese neuen Funktionen arbeiten auch bei der maximal einstellbaren Samplerate von 192 kHz! Auch Effekte wie Hall oder Echo sind im Programm bei der neuen Softwarevariante aufrufbar. Nach dem Einstellen der Pegel lässt sich der Mixer optisch umschalten, und in der Darstellung auf dem Bildschirm tauchen dann nur noch die VU-Meter auf. Das hilft enorm bei der Übersicht auf dem Bildschirm. Die Beta-Version der neuen Totalmixer-Software lässt sich über die Download-Page von RME in eingeschränkter Funktion von jedermann runterladen und ausprobieren.

Wenn die ADAT Schnittstellen mit acht weiteren digitalen Eingangssignalen versorgt werden, dann ist auch hier der Totalmixer zuständig. Dabei ist es unabhängig, ob man als Peripherie einen Wandler oder eine Signalquelle eines anderen Herstellers nutzt. Die Kanäle 9 bis 16 warten auf ihre Arbeit. Auch die digitalen Eingänge 17 und 18 sind auf dem Mixer sofort aktiv und auch schon beschriftet.

Wenn die Kanalanzahl eines Fireface nicht ausrecht, dann ist es auch möglich, zwei weitere Interfaces mit einzubinden und in allen Funktionen uneingeschränkt über den Totalmixer zu bedienen. Bei einem Stromausfall oder bei der Trennung des USB-Kabels schließt das Programm Totalmix und behält aber beim Neustart die zuletzt gewählten Einstellungen bei. Das kleine Paket DIGICheck darf natürlich nicht unerwähnt bleiben. Super Audiotools, die aber nur mit RME-Hardware zusammen arbeiten. Bei diesen Werkzeugen sind alle Einstellungen selbstsichernd und bei einem Neuaufruf des Tools werden alle Parameter wieder in der letzten Einstellung aufgerufen.

Bei Cubase und Logic gab es überhaupt keine Probleme bei der Anbindung der RME Fireface UC an den Computer. Nach der einfachen Installation der Treiber kommunizierten beide Programme sofort mit der Hardware. Man sollte aber vielleicht das Interface vor dem Aufrufen des Programms eingeschaltet haben und mit dem Computer verbinden, damit die notwendigen Audiotreiber sofort aktiv sind.

Sofort nach dem Rechnerstart bieten Cubase und Logic 18 anwählbare Ein- und Ausgänge im Programm an, auch wenn die ADAT-Schnittstelle mit dem Input 9 – 16 und die digitalen Eingänge 17/18 noch nicht beschaltet sind. Ein super Feature. Das RME-Interface hat ja seinen eigenen Prozessor und belastet die Performance des benutzen Rechners eigentlich kaum.

Beginnen wir zunächst mit einem Test der Mikofoneingänge 1 und 2. Über das kleine RME USB-Kontrollfeld werden die notwendigen Parameter für die Eingänge 1 – 4 konfiguriert und diese eingestellten Parameter sind selbstsichernd. Eine aktivierte Phantomspeisung, eine Änderung der Eingangsimpedanz als Instrumenteneingang oder der Pegel der Eingänge werden z.B. bei einem Stromausfall oder einem Absturz des Computers sofort wieder hergestellt.

Ein wirkliches klangliches Highlight sind die Mikrofonvorstufen im Fireface.
Ein guter Konzertflügel mit zwei sehr guten Kondensatormikrofonen wurde glasklar abgebildet und aufgezeichnet. Klangliche Tiefe und Farbe waren immer sehr deutlich im Klangbild auszumachen und verzückten unseren Pianisten. Anschließend folgende Sprach- und Gesangsaufnahmen lieferten ebenfalls höchst zufrieden stellende Hörergebnisse. Der Charakter der unterschiedlichen Stimmen wurde immer sehr neutral abgebildet und Tests mit einem leichten Überfahren des Mikrofonvorverstärkers richteten keinen klanglichen „Schaden“ an. Bei einer Vollaussteuerung des Eingangskanals bis + 4dB bleibt immer noch ein Headroom von erstaunlichen 9dB. Einzelversuche mit einer rotzigen Bratgitarre und diversen Akustik-Bässen ließen nur einen Schluss zu: Der RME-Wandler klingt einfach super und ist ein wertvolles Handwerkszeug im Recordingsektor.

Wenn wir über den Eingang 3 oder 4 im Instrumenten-Modus (extrem hochohmige Eingangsimpedanz) einen Bass oder eine Gitarre direkt in das Interface einspielten, war auch dieses klangliche Erlebnis sehr überzeugend. Das Hörerlebnis konnte sich durchaus mit sehr guten und teuren aktiven DI-Boxen auf dem Markt messen. Ob Ovation 12-String oder ein schöner alter Fenderbass, alles „tönte“ einfach super. Natürlich ist in so einer Kette auch ein sehr gut klingendes Instrument mit einem ebenso guten Musiker unbedingt notwendig. Da wurden wir aber gut bedient!

Auch keine Probleme machte das integrierte MIDI-Interface in den Testläufen. Es lief neben der aufwendigen Wandlungsarbeit des Fireface stets problemlos „so nebenbei“. Beim MAC wurde es bei Programmstart automatisch erkannt und aktiviert und beim PC war nur eine kleine Auswahlarbeit notwendig.

Wer nicht alle Mischarbeiten mit der Hand bzw. der Maus erledigen will, kann sich auch von irgendeiner handelsüblichen MIDI-Remote helfen lassen. Das RME-Interface versteht z.B. das Mackie Remotecontrol Protokoll, und so lässt sich der Totalmix auch komplett fernsteuern. Ausprobiert wurde diese Möglichkeit mit der Mackie Control Universal Pro Hardware und der kostengünstigen Behringer BCF2000 Remote, die aus 100 mm Motorfadern und vielen Drehpotis, die alle zugeordnet werden können, besteht. Auf diesem Wege ist es sehr einfach, schnell einen oder mehrere Monitormixe für die Aufnahmearbeit zu erstellen. Man hat Zugriff über „richtige“ Fader, und das ermöglicht immer ein sehr genaues Einstellen des gewünschten Mixes. Zuerst sollte man sich aber erst einmal die Oberfläche des Totalmixers begreifbar machen, damit die notwendige Einstellarbeit fehlerfrei erfolgt. Zur besseren Orientierung lassen sich die Kanäle auch über die Tastatur mit maximal fünf Buchstaben und Zahlen beschriften. Wenn man per gedrückter Strg- oder Command-Taste auf das Textfeld der einzelnen Wege klickt, ändert sich die Farbe des Feldes und zeigt einen Aktivierungszustand. Wählt man so verschiedene Fader nacheinander aus, bilden sie so eine Art Subgruppe und können alle mit nur einem Regler bedient werden. Dabei verlaufen die Faderbewegungen der einzelnen Steller nicht linear, sondern logarithmisch. Als sehr praktisch erwies sich der Gebrauch und das direkte Zuordnen der Talkbackwege für die Kommunikation bei der Recordingarbeit. Dabei funktionierte auch der DIM-Schalter für die Monitorlautstärke. Beim Betätigen des Schalters wird auch die Monitoranzeige des VU Meters ebenfalls mit gedimmt. Eigentlich hat RME eine komplette Summenkreuzschiene per Software in die Mischoberfläche integriert. Das erspart externe Einheiten, wie kleine Mischpulte, Platz und eine oft nervige externe Zusatzverkabelung. Etwas fummelig war aber ein weiterer Test auf einem 13,2 Zoll Laptop. Der eigentlich geniale Totalmixer war doch in seiner Darstellung etwas klein geraten. Seine Darstellungsgröße ist festgelegt und man braucht etwas Zeit, um mit der Maus die verschieden Parameter zu modifizieren. Da schafft aber die neue Variante, der Totalmix FX Mixer Abhilfe. Er ist erheblich übersichtlicher gestaltet. Ein weiterer Test mit einem extern eingebundenen Hallgerät, gesteuert über den Totalmixer und das Interface lief ebenfalls völlig problemlos. Man kann also auch lieb gewonnene Hardware in sein Recordingset mit einbinden. Nur mit einem Recordingprogramm wie Cubase, Nuendo oder Logic ist so etwas nicht so einfach zu realisieren. Unbedingt zu loben sind die Mess- und Analysetools aus dem DIGICheck Paket. Sie waren eine große Hilfe bei der Aufnahmearbeit. Im Moment lassen sich die Messgeräte aber nur auf die 18 Eingänge legen. In der Software erkennt man jedoch an einem bereits vorhandenen Klappmenü für die Eingangsauswahl, dass sie wohl irgendwann per Update auch auf die realen Ausgänge der Interfaces schaltbar sein werden. Wir benutzten den Analyser und das Korrelationsmessgerät, für das man normalerweise in externer Hardwareform im Studio einen vielfachen Preis des Interfaces bezahlen muss. Der Analyser lässt sich auch noch als 10, 15, 20 oder 30 Bandanzeige umschalten. Die Anstiegs- und Abfallzeiten sind frei bestimmbar. Er hat eine gut ablesbare Anzeige und zusätzlich die Möglichkeit der stufenlosen Größenveränderung auf dem Bildschirm. Das jeweils zuletzt benutzte Werkzeug aus dem DIGICheck Paket wird nach einem Neustart des Computers in der zuletzt benutzten Konfiguration wieder geöffnet. Es ist von RME vorgesehen, dass immer nur eine Applikation aus dem Paket auf dem Rechner läuft. Wenn man aber mal die DIGICeck Software einfach dupliziert, dann funktionieren bei einem schnellen Rechner tatsächlich auch zwei Applikationen aus diesem Toolpaket gleichzeitig. Wir haben also mal das Toolpaket dupliziert. Bei unserer Arbeit liefen dann ein mehrkanaliges Levelmeter und ein Analyser tatsächlich gleichzeitig.

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