Test
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12.01.2021

Mixvibes Remixlive 6 iOS Test

DJ und Groove Toolbox App

Kreativwerkzeug zur Ergänzung von DJ-Sets

Mit der iOS App Remixlive bietet der französische Software-Hersteller Mixvibes ein kreatives Werkzeug an, das Sample-basiert arbeitet und sowohl standalone als auch in Kombination mit einem digitalen DJ-Setup nutzbar ist. Die App kann auf einem iPhone oder iPad ausgeführt werden, wobei ich mich aus ergonomischen Gründen für die Tablet-Variante entschieden habe, da man mit dem größeren Bildschirm im Live-Kontext einfacher arbeiten kann.

Zum Testen lässt sich Remixlive kostenlos aus dem Apple App Store herunterladen. Sie bietet die Grundfunktionen und acht Sample Packs.

Wer alle Funktionen der App nutzen möchte, zahlt 9,99 Euro pro Monat oder 49,99 Euro pro Jahr und erhält zahlreiche kreative Erweiterungen wie Pattern Recording und Transpose und zusätzliche Effekte wie Flanger und Reverb. Was sich mit der App anstellen lässt und wie man sie in ein DJ-Set integrieren kann, habe ich mir angeschaut. Was sich mit der App (weitere DJ-Apps im Testmarathon) anstellen lässt und wie man sie in ein DJ-Set integrieren kann, habe ich mir angeschaut. Der ursprüngliche Test basierte auf Remixlive 4 und enthält speziell gekennzeichnete Ergänzungen der Versionen 5 und 6.

Details

Die App Remixlive für iOS bietet diverse Arbeitsbereiche, um Samples als Drum-Pattern oder musikalische Phrasen kombinieren zu können. Zum einen gibt es das Loop-Grid, das bereits seit der ersten Veröffentlichung der App existiert und vornehmlich, aber nicht ausschließlich zur Aktivierung von Loop-Samples nutzbar ist.

Das Loop-Grid besteht aus sechs Zeilen und acht Spalten und bietet somit Platz für 48 Samples. Im Loop-Grid lässt sich ein musikalisches Grundgerüst aus verschiedenen Komponenten zusammenstellen, die fertigen Sample-Packs bieten hier folgendes Audiomaterial:  

  • Kickdrums
  • Snares
  • Hi-Hats
  • Bässe
  • Chords
  • Synth-Lines
  • Vocals FX

Die Samples starten durch einfaches Antippen mit dem Finger oder durch Streichbewegungen. Voreingestellt ist, dass immer nur ein Sample pro Spalte wiedergegeben wird, damit sich inhaltlich keine Überschneidungen ergeben und man beispielsweise nicht versehentlich zwei Bass- oder Hi-Hat-Lines parallel aktiviert. Diese Einstellung lässt sich bei Bedarf aber deaktivieren, was je nach verwendetem Sample-Content sinnvoll ist.

Ergänzend zum Loop-Grid gibt es das Drum-Grid, das die gleiche Größe hat und bis zu 48 One-Shot-Samples beherbergen kann. Die Samples des Drum-Grids lassen sich per Fingerdrumming als perkussive, aber auch musikalische Ergänzungen nutzen. Die Aktivierung erfolgt auch hier durch das Antippen der Pads auf dem Bildschirm, leider werden keine externen Controller unterstützt, wodurch das lautstärkedynamische Triggern entfällt.

Mixer

Der Aktivierungstaster für den Mixer befindet sich auf der rechten Seite der App. Wird dieser gedrückt, erscheint der Mixer unterhalb des aktuell gewählten Grids und bietet für jeden Kanalzug einen Dreiband-EQ und ein Dualmode-Filter sowie einen Lautstärke-Fader inklusive Mute- und Solo-Taster.  

Wahlweise lassen sich die EQs/Filter und Fader in separaten Fenstern oder einem gemeinsamen einblenden. Zu beachten gilt, dass ein Kanalzug des Mixers die farblich codierten Spalten des Loop-Grids beeinflusst und die Samples der Drum-Grids in der gleichen Farbe. Die Farben für die Spalten lassen sich frei wählen und die Samples des Drum-Grids können individuell koloriert werden.

Effekte

Remixlive bietet in der Grundausstattung einen global agierenden Beat-Repeater, der das gesamte Pattern in einer wählbaren Quantisierung loopt und sich für punktuelle Highlights eignet. Zudem stehen ein Delay- und ein Filtereffekt parat, die sich auf alle Samples oder nur auf eine bestimme, farblich codierte Gruppe, anwenden lassen (siehe Mixer). Die Steuerung erfolgt durch ein virtuelles Touchpad mit Parameter-Lock. Per In-App-Kauf können die Effekte Flanger, Reverb, Ping Pong Delay und Woosh ergänzt werden. 

Sample Editing

Remixlive 4 für iOS bietet zur Anpassung und Bearbeitung der Samples zahlreiche Funktionen an. Diese unterscheiden sich, je nachdem in welches der beiden Grids die Samples geladen wurden. Für Samples im Loop-Grid stehen die Wiedergabeoptionen Loop, One Shot oder Gate zur Auswahl. Zudem kann die relative Lautstärke sowie die Anordnung im Stereopanorama gewählt werden und eine tonale Anpassung in -/+12 Halbtonschritten erfolgen.

Weitere Parameter zur Individualisierung sind eine von der allgemeinen Einstellung abweichende Start-Quantisierung und eine Wiederholfrequenz für geloopte Inhalte sowie die Rückwärtswiedergabe. Samples können ein- und ausgeblendet und frei oder passend zum Beatraster am Anfang oder Ende gekürzt werden. Auch die Sample-Geschwindigkeit lässt sich verändern, hier steht eine optionale Timestretching-Funktion zur Verfügung.

Für Samples im Drum-Grid gibt es die Wiedergabemodi Retrigger, One Shot und Gate. Zudem ist die Lautstärke und die Positionierung im Panorama anpassbar und die Tonhöhe kann bestimmt werden. Eine individuelle Start-Quantisierung für Samples im Drum-Grid gibt es nicht, diese lässt sich nur für das gesamte Grid selektieren. Die Samples können rückwärts wiedergegeben und eine Wiederholfrequenz gewählt werden.

Werden Samples in einer „Link“-Group zusammengefasst, starten diese gleichzeitig. Hiermit kann man beispielsweise mehrere tonale Samples parallel und passgenau zu Gehör bringen. Für perkussive Samples gibt es zudem die Zuweisungsmöglichkeit in sogenannte „Choke“-Groups, die eine gleichzeitige Wiedergabe unterbinden. Hier können sich offene und geschlossene Hi-Hats oder andere Sounds ähnlich wie bei einer Drum-Maschine gegenseitig ausschließen.

Die weiteren Bearbeitungsfunktionen gleichen denen der Samples im Loop-Grid. Somit können Samples des Drum-Grids ebenfalls gekürzt werden und falls diese eine Tempoangabe besitzen, lässt sich auch ihre Geschwindigkeit verändern.

Settings

Remixlive bietet verschiedene Konfigurationsmöglichkeiten, die im Settings-Fenster beherbergt sind. Sie erlauben die Aktivierung eines praktischen Limiters und der Master Clock (Pattern-Länge). Ferner hat man die Möglichkeit, das Tempo beim Wechsel eines Sample Packs konstant zu halten. Des Weiteren kann die Bedienart der virtuellen Bedienelemente gewählt werden – mir persönlich hat die Auswahl „horizontal“ besser gefallen als „circular“, da ich so die Werte treffsicherer modifizieren konnte.

Ein Schalter aktiviert den HQ-Recording-Modus (wenn dieser kostenpflichtig freigeschaltet wurde), sodass unkomprimierte AIFF-Dateien erzeugt werden. Um Aufnahmen zu vereinfachen, lässt sich ein Metronom selektieren und dessen Lautstärke justieren. Wer weniger Animationen bei der App-Bedienung haben möchte, kann dieses ebenfalls deaktivieren, genauso wie die Drag&Drop-Funktion für das Laden von Inhalten, um Fehlbedienungen im Live-Kontext zu unterbinden. 

Remixlive verfügt zudem über Einstellungsoptionen für den Wiedergabemodus. Hier kann gewählt werden, ob mehrere Samples einer Spalte gleichzeitig spielbar sein sollen, wie sich der One Shot Modus verhalten soll (normal – die Wiedergabe stoppt durch ein zweites Antippen des Pads oder retrigger – durch ein zweites Antippen wird das Sample von vorne wiedergegeben) und welche Einstart-Quantisierungen für die beiden Grids gelten sollen. Als letzter Auswahlpunkt lässt sich die automatische Synchronisationsmöglichkeit Ableton Link ein- und ausschalten.

Updates in Version 5 und 6: Step-Sequenzer und Song-Mode

Mit dem Update auf Version 5 hat Mixvibes dem Kreativtool einen Step-Sequenzer spendiert und dessen Features mit Version 6 weiter ausgebaut. Der Step-Sequenzer ist als neuer Arbeitsbereich in der Kopfzeile zu finden und bietet die gewohnte 6 x 8 Matrix mit Zellen, die simultan aktivierbar sind, sich bei vertikaler Anordnung aber auch gegenseitig ablösen können. Die Zellen beinhalten Pattern mit bis zu 32 Beats und lassen sich im Loop-, One-Shot- oder Gate-Modus wiedergeben.

Durch das Setzen von Notenpositionen auf einem Gitter können Beats oder Phrasen generiert werden, aber auch durch Einspielungen. Als Sounds stehen die Samples aus dem Drum-Grid zur Verfügung und daher erfolgen in diesem Bereich auch die Aufnahmen. Neben dem Triggern von perkussiven Sounds können Bässe oder Leads mit einer Bildschirmklaviatur tonal gespielt und per Overdub als Sequenz festgehalten werden.

Damit das ganze passgenau gelingt, steht ein Metronom mit wählbaren Sounds und anpassbarer Lautstärke als akustische Hilfestellung parat. Zur Verfeinerung der Sequenzen gibt es die Parameter Velocity, Offset, Duration, Roll und Pitch.

Das Drum-Grid wurde modifiziert und bietet Symbole, die den Inhalt einer Zelle optisch widerspiegeln sollen, statt Beschriftungen. So präsentiert sich das Drum-Grid als eine Sammlung aus stilisierten Bassdrums, Snares, Hihats, aber auch Synthies, Mikros (Vocals) und Sirenen. Hierdurch soll ein treffsicheres Arbeiten im Live-Kontext aber auch bei Einspielung möglich sein. Wer möchte, aktiviert in Einstellungsmenü die Option „Display drums name“, wodurch die Namen zusätzlich zu den Symbolen sichtbar werden.

Mit dem neusten Update auf Version 6 verfügt Remixlive zudem über einen Songmodus, der das ursprüngliche „Live-Konzept“ aufweicht. Der Songmodus bietet eine Arrangeransicht mit 16 Spuren, die vertikal angeordnet sind, wie im einem klassischen Sequenzerprogramm (Cubase, Logic etc.).

Die Spuren lassen sich mit den Samples aus dem Loop-Grid und Sequenzen aus dem Step-Sequenzer bestücken, wobei die entsprechende Zuordnung vorgegeben und auch die Reihenfolge der Spuren nicht veränderbar ist. Das Füllen der Spuren mit Inhalten erfolgt per Drag-and-Drop oder durch das Spielen der Loops und Step-Sequenzer Phrasen. Die erzeugten Elemente in den Spuren des Arrangers lassen sich verlängern, kürzen, kopieren, einfügen, aber auch beschneiden und löschen.

Die von mir in Remixlive 4 vermisste MIDI-Controller-Unterstützung scheint auch so langsam Einzug zu finden, allerdings erst einmal beschränkt auf das Launchpad II von Novation.

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