Hersteller_Reloop
Test
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21.02.2014

Praxis

Wie wird sich der Herausforderer RP8000 wohl in den Kategorien Klang und Performance schlagen? Als Gegner und somit Titelverteidiger schicke ich den Technics SL-1210 M5G in den Ring und bewerte beide unter den gleichen Bedingungen und Parametern. Auch wenn mittlerweile unter DJs das Auflegen mit herkömmlichem Vinyl etwas Staub angesetzt hat, teste ich ebenfalls unter den typischen Anforderungen die analogen Tugenden hinsichtlich Signalwiedergabe und Spurtreue. Dafür wähle ich ein elliptisches und sphärisches Cartridge, die ich jeweils abwechselnd am Tonarm des RP8000 und Technics SL-1210 M5G montiere. Für die Beurteilung des Klangbildes mit herkömmlichem Vinyl, sprich analog, entscheide ich mich für ein Ortofon Nightclub MK2 Concorde, seines Zeichens elliptisch geschliffen. Daher sollte die Wiedergabe des Signals besonders transparent und natürlich erfolgen. Für den Performance-Test hingegen favorisiere ich das Ortofon Qbert Condorde, ein sphärisches System, optimiert auf Scratching.

Vor dem Test muss noch der einzeln verpackte Plattenteller vorsichtig auf die Plattentellerachse gesetzt und das Nightclub MK2 am SME-Verschluss montiert werden. Abschließend den Tonarm entsprechend den Vorgaben des Tonabnehmerherstellers justieren: Für beide Systeme empfiehlt Ortofon ein Auflagegewicht von drei Gramm. Dieses Gewicht sollte es auch sein, denn ein größeres könnte bei der Signalwiedergabe zu Verzerrungen und erhöhtem Verschleiß führen. Zunächst das Auflagegewicht auf den Tonarm drehen, bis sich der Tonarm in einer Balance befindet. Dabei fällt auf, dass bei einem Anti-Skatingwert von Null der Tonarm in Höhe des Plattentelleraußenrands ganz leicht nach außen driftet. Ob sich dies auf die Spurtreue im Playback und Cueing auswirkt, wird sich zeigen. Für meinen Test jedenfalls justiere ich das Antiskating auf 1,5, denn der eingestellte Anti-Skating-Wert sollte maximal die Hälfte des verwendeten Auflagegewichts betragen und nicht überschreiten, um zusätzliches Skipping zu vermeiden. Außerdem drehe ich den Tonarmkranz auf Null, damit während der Wiedergabe der Tonarm gegenüber dem Plattenteller waagerecht liegt und somit die auf den Rillenflanken sitzende Nadel nicht verkantet.

Schaltet man den RP8000 ein, bestätigt das weiß leuchtende Stroboskop, das mit seiner Frequenz von 50 Hz flackert und auf die Stroboskopspiegel des Plattentellers angepasst ist, seinen Ready-Status. Auch die zwölf Pads durchlaufen farblich eine La-Ola, um deren Bereitschaft zu signalisieren. Ohne angeschlossenen Laptop reagieren die Pads zunächst auf keine weiteren Aktivitäten. Starte ich den Teller, spüre ich eine sehr angenehme weiche Dämpfung der Start-Stop-Taste. Wie schnell und mit welcher Kraft der Plattenteller dabei anzieht, hängt nicht nur von der eingestellten Brake ab, vielmehr vom gewählten Drehmoment, stufenlos zwischen 1600 bis 4500 g/cm einstellbar. Beide Rädchen sitzen oberhalb vom Pitch-Control. Im Vergleich zum Technics S-1210 M5G, der es laut seiner Parameter auf maximal 1500 g/cm bringt, zieht dieser gefühlt stärker als der Reloop RP8000 mit seiner minimal eingestellten Zugkraft an. Denn um den Plattenteller mit purem Fingerdruck auf dem Plattentellerrand anzuhalten, fordert der Japaner mich mehr heraus. Hingegen bei 4500 g/cm und einer äußerst harten Brake zeigt der RP8000 seine gewaltige Überlegenheit. Der Plattenteller dreht sich wahlweise  33, 45 und sogar 78 Mal pro Minute. Allerdings wird die zuletzt genannte Abspielgeschwindigkeit selten vom Vinyl abverlangt und ist daher eher als Spielerei anzusehen.

Ob mit oder ohne (über eine separate Taste zuschaltbaren) Quartz-Lock, der Plattenteller läuft bei Null-Prozent sehr stabil, dokumentiert von der gleichmäßigen, ruhigen, nicht schwankenden Position der Stroboskopspiegel. Schließlich profitiert der RP8000 wie sein Nebenbuhler von sehr geringen Gleichlaufschwankungen um die 0,01 Prozent. Bei der Null-Position des Schiebereglers rastet dieser nicht ein, sondern lediglich eine zusätzlich leuchtende LED und das erwähnte Display bestätigen das nicht gepitchte Tempo. Mit Verschieben des Pitch-Faders zeigt das Display jede Geschwindigkeitsänderung bis auf das Hundertstel Prozent und in 0,02er Schritten an. Synchron wandern auch die Stroposkopspiegel am Plattenteller.

Ich traue zwar meinen Augen, dennoch lege ich in unserem Test aber mehr Wert auf das, was meine Ohren mir vermitteln. Schließlich reitet man auch audiophil auf den unendlichen Wellen der analogen Signalverarbeitung, zumindest in den eigenen vier Wänden. Wie schon erwähnt, für die Bewertung einer möglichst transparenten Wiedergabe auf beiden Turntables montiere ich jeweils ein fabrikneues Ortofon Nightclub MK2. Am Mixer gelten auf beiden Kanälen die gleichen Gain- und linearen EQ-Einstellungen. Unter einem Kopfhörer, Sennheiser HD25, vergleiche ich beide Signale im ständigen Wechsel mit geschlossenen Augen. Das Signal des RP8000 schicke ich zunächst an den Phono-Eingang des Mixers, wie auch das des Technics. Vom Pegel liegen RP8000 und SL-1210 M5G auf gleichem Level. Die Signal-Transparenz hingegen lässt einen Sieger erkennen: der SL-1210 MK2 gibt das Signal in den Höhen einen Ticken brillanter wieder. Dennoch: im Vergleich mit einem Gerät, dass seiner Zeit auch als HiFi-Referenzgerät gehandelt wurde und dem die Fachpresse entsprechend viele „Ohren“ (ver-)lieh, muss sich der RP8000 nicht verstecken und bietet eine Performance, die sich hören lassen kann. Wird dagegen keine Schallplatte abgetastet, nehme ich mit voll aufgedrehtem Gain und Kopfhörerlevel abgesehen von einem gleichstarken Grundrauschen beider Turntables ein leichtes Brummen auf dem Kanal des Reloop wahr. Wechsel ich hingegen auf den Line-Eingang des Mixers und schalte entsprechend den Signalausgang am RP8000 auf Line um, reduziert sich nicht nur das Brummen, sondern auch das Grundrauschen drastisch. Allerdings verliert das Ausgangssignal auch damit etwas an Power. Ist der RP8000 nicht in Betrieb, fährt er das Line-Signal nach ein paar Sekunden sogar auf einen Stand-By-Modus, um sämtliche störenden Geräusche zu eliminieren.  

Darüber hört aber ein auflegender DJ eh hinweg. Denn die Performance eines Plattenspielers, insbesondere seine Spurtreue beim Cueing und Scratching, bleibt das wichtigste Indiz, das seine professionelle Clubtauglichkeit bescheinigt. Für einen objektiven Test lege ich auf beiden Tellern dieselbe Platte auf, montiere abwechselnd dasselbe System, um meinen Test nicht mit unterschiedlichen Betriebsstunden (und dem damit einhergehenden eingespielten Zustand des Systems) zu verfälschen. Selbst die gecuete Stelle auf der Rille ist identisch. Bilanz: Beide Schallplattenspieler halten die Spur auch bei schnelleren, scratchartigen Moves sehr genau und geben entsprechend das Signal ohne nennenswerte Verzerrungen wieder. Auch das beim Justieren des Tonarms beobachtete, leichte Driften lässt keine Auswirkungen auf die Performance erkennen. Daher ein Unentschieden in dieser Runde.

Aber was kümmert einen digital auflegenden DJ die analoge Signalverarbeitung? Vermutlich eher wenig! Denn wer sich bewusst für den RP8000 entscheidet, möchte sein wahres Talent nutzen: die Performance Mode-Sektion. Zwölf Pads, vier Mode- und acht Drum-Pads an der Zahl. Ein Trax-Knob sorgt für die Navigation durch die Library samt Load-Vorgang der ausgewählten Tracks. Das von Reloop angebotene Preset ist zunächst auf Serato Scratch Live und Serato DJ zugeschnitten. Ein weiteres für Traktor Scratch wurde auf der NAMM vorgestellt. Die Performance Mode-Sektion ermöglicht aber grundsätzlich auch die Nutzung jedweder andereren MIDI-fähigen DJ-Applikation. Und wie funktioniert das? Zunächst, Serato Scratch Live erkennt den RP8000 nicht automatisch und führt ihn daher nach Anschluss an den Laptop nicht unter dem Reiter MIDI auf. Um dies zu beheben, lade ich mir über die Reloop-Website die entsprechende Datei herunter. In den MIDI-Ordner von Serato kopiert, wird dieser anschließend gelistet. Auf „Load“ geht’s los. Umfasst mein Setup mehr als einen RP8000, so verlinke ich diese über den TT-Link-Port, um somit USB-Ports am Laptop einzusparen. Einfach den USB- des einen mit dem TT-Link-Port des anderen verbinden. Den Plattenspieler mit dem freien USB-Port schließe ich am Laptop an. Sollte nur ein RP8000 im Spiel sein, so kann ich mit der Performance Mode-Sektion auch alle weiteren drei Decks navigieren. Denn mit dem Trax/Browser und seiner kombinierten „Turn on“- and „Push“-Funktion wähle ich das gewünschte Deck aus. Drei Sekunden auf den Knob drücken, im Display wird mir das aktuelle Deck, beispielsweise Channel 1 (CH-1), angezeigt. Durch Drehen des „Trax/Browser“ wechsele ich zwischen CH-1 und CH-4. Durch Drücken des Trax-Knobs oder einer der ersten vier Drum-Pads bestätigt man abschließend das ausgewählte Deck. Die Hauptfunktion des Trax-Browsers besteht natürlich im Durchstöbern der Library. Zwischen Crates und den Tracks wechsele ich, indem der Knob gedrückt und gleichzeitig gedreht wird. Steht der als nächste aufzulegende Track fest, einfach mit dem Trax-Drehregler per Druck bestätigen und das Laden in das aktive Deck erfolgt. Die zwölf nativen Pads, die physisch robust und qualitativ sehr ansprechend wirken, sind leicht gedämpft. Vier von ihnen dienen der Auswahl eines Modus. Ob Cue-, Loop-, Sample- oder User-Mode, jedes leuchtet in seinem aktiven Zustand unterschiedlich farblich. Dies gilt auch für die acht Drum-Pads, die in weiß ihren belegten beziehungsweise aktiven Status bestätigen. Sollte dies nicht von Haus aus funktionieren, gilt es ein Bug von Serato Scratch Live durch Löschen der Auto Save-Datei im Serato-MIDI-Ordner zu umgehen. Danach erneut Serato Scratch Live starten, Plattenspieler einschalten und in dem MIDI-Reiter den RP8000 nochmals laden. Tricky, but it works!

Der Cue-Modus lässt einerseits über acht Drumpads das Speichern, Antriggern und auch Löschen der Cue-Points zu, letzteres mit gleichzeitig gedrücktem Cue-Mode-Pad. Im Loop-Modus aktiviere ich die auf die acht Pads vorgemappten Autoloops mit einer Länge von einem Viertelbeat bis zu acht Takten. Auch bis zu 16 Sample-Slots des SP6 können vom RP8000 abgerufen werden. Mit den letzten beiden Pads wähle ich zwischen den Bänken A und B. Obwohl im User-Mode auf den Loop-Roll-Effekt von Serato Scratch Live zugegriffen wird, ist dieser für die freie Konfiguration vorgesehen. Eine Belegung mit Effekten bietet sich meines Erachtens ebenfalls an. Zudem besteht die Möglichkeit, zwei Modi gleichzeitig zu aktivieren. Drückt man beispielsweise die Performance-Mode-Tasten für Cue und Loop, so triggern die ersten vier Pads die Cues, die verbleibenden die ersten vier Loop-Längen der Auto-Loops. Äquivalent steuere ich die Samples zusammen mit den Loops oder Cues über die acht Drumpads. Generell kann ich mir alle Mode- und Drumpads nach meinen Vorstellungen über den MIDI-Modus mappen, auch unabhängig von Scratch-Live.

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