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Test
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14.04.2015

Reloop RMX 60 Digital Test

4+1 DJ-Mixer mit FX-DSP

Non-spektakulär - aber dafür grundsolide

Die im schönen Münster ansässige Company Reloop bringt mit dem RMX 60 Digital einen vollwertigen 4+1 Clubmixer mit Effekten auf den Markt, der womöglich so einige DJs und auch Club-Besitzer oder Veranstalter gleichermaßen interessieren könnte. Nicht allein der günstige Preis von € 499 klingt verlockend, sondern auch das Club-Format „4+1“ in Kombination mit den Schnittstellen, die bei professionellen DJ-Anwendungen benötigt werden. Zudem buhlt der Hersteller mit einem als Zubehör erhältlichen InnoFader, bipolaren Filtern in jedem Kanal, professionellem Metering und zwei Equalizer-Modi um die Gunst des Kunden.

Reloop fischt somit in einem prominenten und heiß begehrten Becken: Beispielsweise hat Pioneer in diesem Marksegment vor neun Monaten noch den DJM 750 K platziert, der mit einer integrierten USB-Vierkanal-Soundkarte aufwarten kann, dafür aber rund 1000 Euro kostet. Allen & Heath hat hier den Xone:42 im Rennen, der mit einem sehr guten Sound besticht und für rund 700 Euro zu haben ist. Unterhalb der 500-Euro-Klasse wäre da im Grunde nur noch Behringer zu nennen, die mit dem DJX 750 noch einen fünf Jahre alten Mixer anbieten, der aber mit einer UVP von 253 Euro fast schon unverschämt günstig geworden ist. Schauen wir mal, wo wir den Reloop RMX 60 Digital am Ende unseres Testparcours einzuordnen haben...  

Details

Aus der fast schon schlichten Kartonage fördere ich den RMX 60 Digital, ein Kaltgerätekabel, ein viersprachiges Manual – darunter auch eine gut geschriebene deutsche Anleitung - und einen Reloop-Aufkleber zu Tage. Der 12-Zoll-Mixer ist 10,7 Zentimeter hoch und 38,7 Zentimeter tief und verfehlt die Leichtgewichtsklasse mit 6,8 Kilogramm Gewicht nur knapp. Zu dieser stattlichen Einwaage trägt vermutlich das sehr robust wirkende Vollmetallgehäuse in erheblichem Maße bei. Dessen Finish würde ich als schlicht, aber durchaus edel, gewiss aber nicht als spektakulär bezeichnen wollen. Dem Chassis hat man eine mehrschichtige seidenmatte schwarze Lackierung spendiert, was mir persönlich gut gefällt und über die Zeit in den meisten Fällen die praktikabelste Lösung ist. Denn im Vergleich zu manchem Hochglanz-Look, wird man beim RMX 60 gewiss deutlich weniger häufig den Putzlappen schwingen müssen, da eine seidenmatte Lackierung nicht so anfällig für fett- oder schweißbehaftete DJ-Fitten ist.

Der erste Eindruck, den so ziemlich alle Bedienelemente bei mir hinterlassen, ist, sagen wir mal: „formidabel“. Alle Controller wecken beim Trockenlauf grundsätzliches Vertrauen. Die Buttons haben eindeutige Druckpunkte, die Regler drehen akkurat und sauber, alle Switches schalten eindeutig und machen auf mich den Eindruck, dass sie dies auch in 6-8 Jahren noch bewerkstelligen könnten. Die Linefader bringen mir nicht zuviel und nicht zu wenig Widerstand entgegen, wohingegen der Crossfader noch ein wenig bremst anstatt zu flutschen. Da muss man wohl mal sehen, was die Zeit bringt. Besagter Flachbahnregler lässt sich auf Wunsch durch das Lösen von nur zwei Schrauben zügig austauschen. Der von Reloop angebotene „RMX InnoFader By Audio Innovate“ ist für 79 Euronen zu haben und – das möchte ich jetzt schon vorwegnehmen – DJs der scratchenden Zunft könnten die Investition eventuell einplanen, wenn der RMX 60 beim Mixer-Kauf in die engere Wahl kommt. Schlecht ist der werksseitige Fader aber nicht, das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Das Layout...

...würde ich als klassisch bezeichnen wollen. Die Zentrale bilden vier Hauptkanäle, die jeweils mit einem zweistufigen Eingangswahlschalter, einem Gain-Regler, einem Dreiband-EQ, einem bipolaren Filter und einem Linefader (mit 55 Millimetern Regelweg) ausstaffiert sind. Am linken Rand haben die Mikrofon- und darunter die Kopfhörersektion Platz genommen. Das rechte Viertel der Bedienoberfläche hingegen ist der Master/Monitor-Sektion sowie der Effektabteilung vorbehalten. Oben - aber wirklich ganz oben - thront der Master-Regler in Form eines Potentiometers mit einer etwas „phatter“ geratenen Potikappe, sodass der Regelweg für den sensibelsten Bus an Bord ein wenig größer ist als bei den anderen, was ich wirklich sehr begrüße.

Unterhalb schließt das Peak-Meter (stereo) an, das mit zwölf LEDs pro Seite (sechs grüne, zwei gelbe und zwei rote) genügend Auflösung bieten sollte, um verlässliche Informationen über die Pegelverhältnisse des Masterbusses abzuliefern. Neben jener Anzeige ist das Display für die beiden Beatcounter und die FX-Sektion sauber und akkurat in die Pultoberfläche eingelassen worden. Es zeigt neben dem Routing auf Counter 1 die ermittelten Werte der beiden Zählwerke an sowie den manipulierbaren Zeitwert des aktuell ausgewählten Effekts.

Neben dem Display entdecke ich den doch recht sparsam ausgestatteten Monitor mit dem Booth-Regler. Die Suche nach weiteren Monitorfunktionen ist nicht ganz vergebens, da sich der Bus mono schalten lässt, aber das war´s dann auch. In der rechten unteren Ecke sitzen noch die Bedienelemente für die Effekte in Form von vier Dreh-Controllern. Einer davon namens „Time Tweaker“ verfügt über eine Push-Funktion, mit der ich das Tempo auch „eintappen“ darf.

Channel-Section

Insgesamt verarbeitet und verwaltet die „Münsterländische Diskozentrale“ sechs Signale mit Line-Pegel und zwei Phono-Signale. Channels 2 und 3 verfügen über je einen Phono- und Line-Eingang. Channels 1 und 4 hingegen verarbeiten ausschließlich hochpegelige Signale und ermöglichen so den Anschluss von CD-Playern oder Ausgängen eines USB-Interfaces (Stichwort DVS).

Weder auf der Homepage noch in der Bedienungsanleitung finde ich Informationen darüber, wo die Grenzfrequenzen der EQs exakt liegen. Wer mit dieser Ungewissheit gut leben kann und sich trotzdem für einen RMX 60 entscheidet, bekommt einen EQ-Curve-Schalter an die Hand, der sämtliche Dreiband-EQs global in zwei verschiedene Betriebsmodi versetzet. Zur Wahl stehen entweder der Kill/Isolator- oder der Classic-Mode. In der Betriebsart „Kill“ ist die Absenkung der drei Bänder derart hoch, dass bei Linksanschlag der Potis wirklich gar nichts mehr zu hören ist. Die klassische Betriebsart meint eigentlich die EQs des in die Jahre gekommenen DJM 500 von Pioneer mit -26 dB maximaler Absenkung und maximal 12 dB Boost in jedwedem Frequenzband. Hier ist das Signal bei voller Absenkung immer noch zu hören, dafür lassen sich aber deutlich gefühlvollere frequenzselektive „Fades“ realisieren. Die im Verhältnis zum Isolator-Modus längeren Regelwege verleihen dem DJ mehr Gefühl beim Schrauben und sind somit musikalischer, wobei der Kill-Modus natürlich auch was hat, weil eben manchmal das Brachiale einfach sein muss!

Lord Fader

Sowohl für die Linefader als auch für den Crossfader stellt der RMX 60 die Option bereit, die Wiedergabe externer CD-Player, die das Faderstart-Protokoll unterstützten, „anzutriggern“. Alle vier Kanäle verfügen rückseitig über Ausgänge in Form von Miniklinkenbuchsen, mit deren Hilfe die Trigger-Impulse aus dem Pult geführt werden. Die hierfür verantwortlichen Faderstart-Taster, einer für den Crossfader, der andere für alle Linefader zusammen, haben sich direkt unterhalb des LCDs eingefunden. Eine Reihe tiefer wurden zwei stufenlose leicht versenkte, mittengerasterte Regler für die Fader-Kurve platziert. Der rechte justiert die Blendcharakteristik des Crossfaders stufenlos zwischen weich und hart. Das Poti für die Linefader hingegen, das global für alle vier Kanäle gilt, ermöglicht bei Linksdrehung eine Öffnung des Faders auf den letzten Millimetern Regelweg und in umgekehrter Richtung direkt auf den ersten Millimetern. Alle Kanäle schließen unten mit einem dreistufigen Fader-Assign-Schalter ab, mit denen der Deejay das jeweilige Channel-Signal auf die Stereosumme oder auf die linke oder rechte Seite des Crossfaders routet.

Mikrofonsektion

Der RMX 60 Digital verfügt über eine umfangreiche Mikrofonsektion, die sich meiner Ansicht nach durchaus sehen lassen kann. Der dedizierte Kanal nimmt darüber hinaus auch ein Stereo-Line-Signal über ein Cinch-Paar auf. Über jenen Aux-In lässt sich beispielsweise ein iPod oder ähnliches anschließen. Zwei weitere physikalische Eingänge ermöglichen den simultanen Anschluss und Betrieb zweier dynamischer Mikrofone. Oben links auf dem Bedienpanel hat eine Kombibuchse mit XLR- und Klinkeneingängen Platz gefunden. Der zweite Eingang, eine symmetrische 6,3-Millimeter-Klinkenbuchse, wurde auf der Vorderseite plaziert. Ob die Mikrofone oder der Aux-In auf der Summe landen, entscheidet der Source-Wahlschalter. Ein Zweiband-Equalizer ermöglicht eine rudimentäre Entzerrung des Signals und eine zuschaltbare Talkover-Funktion dämpft das Mastersignal gegenüber den Mikrofonen ab. Das Maß der Absenkung kann aber nicht eingestellt werden. Die Mikrofoneingänge müssen beim Einpegeln mit separaten roten Peak-LEDs vorliebnehmen, denn der zusätzliche „+1-Kanal“ muss auf die komfortablen LED-Meter verzichten.

Headphone Section

Der Kopfhörermonitor stellt die mittlerweile schon üblichen Standards und ein wenig mehr bereit. Hierzu zählen zwei 6,3-Millimeter-Klinkenausgänge, die hinsichtlich ihrer Lautstärke gemeinschaftlich über den Regler „Cue Level“ eingestellt werden. Eine Buchse befindet sich am Fuß der Kopfhörersektion, die andere findet sich auf der linken Seite des Frontpanels ein. Neben einem Cuemix-Poti, welches stufenlos vom Cue-Bus zur Mastersumme überblendet, bietet der Monitor eine Split-Funktion, die den Cue-Bus und den Master auf die linke und rechte Seite der Headphones separiert. Als Add-On haben die Entwickler von Reloop dieser Sektion noch einen „Cue EQ“ spendiert, der gegen den Uhrzeigersinn gedreht die Höhen absenkt und in die andere Richtung die Bässe minimiert.

Backpanel

Kommen wir nun zu den Funktionen, die bislang noch keine Erwähnung gefunden haben und werfen hierfür einen flüchtigen Blick auf die Rückseite. Hierzu zählen unter anderem die Ausgänge des DJ-Mischers, die im Grunde alles bieten, was bei professionellen DJ-Anwendungen unter anderem auch im Club-Betrieb benötigt wird. Die Summe wird einerseits symmetrisch via XLR und andererseits unsymmetrisch über ein Cinch-Paar aus dem Pult geführt. Der Booth-Ausgang hingegen wird über ein Paar 6,3-Millimeter-Klinkenausgänge abgegriffen. Neben Booth und Master ist hier noch ein Recording-Output im Cinch-Format anzutreffen, der die Summe für potenzielle Aufnahmegeräte unabhängig vom Master-Poti bereitstellt.

Am linken Rand des Backpanels sitzen noch der Netzschalter und die Kaltgerätebuchse für das interne Schaltnetzteil. Zukünftige Firmware-Updates erfolgen über den USB-Port, der mit einem PC Verbindung aufnimmt, der das Update auf den Mixer spielt.

Vermissen könnte der Bedroom-DJ einen unsymmetrischen Ausgang für den Monitor, da man so daheim gezwungen ist, den Master an die Heimanlage anzuschließen, was aber natürlich auch in Ordnung geht. Darüber hinaus könnte man auch einen Aux-Send/Return gebrauchen, der aber gewiss nicht zum Standard-Rüstzeug in dieser Preisklasse gehört.

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