Test
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02.09.2020

Praxis

Erstes Novum: der RANE Seventy-Two hat neue Fader spendiert bekommen und zwar die kontaktlosen, langlebigen MAG Four Fader mit der patentierten magnetischen Positionserfassungstechnologie und zusätzlichem HAL-Sensor für erhöhte Genauigkeit. Diese werden sowohl für Linefader als auch für den Crossfader eingesetzt und kommen auch beim kleinen Bruder RANE Seventy zum Einsatz. Der Crossfader verfügt dabei über eine externe Spannungsanpassung via griffiger, gerändelter Tension-Schraube. Damit lässt sich der haptische Widerstand von sehr leichtgängig bis ziemlich widerspenstig einstellen. Hier sollte jeder auf seinen Geschmack kommen können. Contour und Reverse-Anpassung hatte ja bereits das Vorgängermodell, der Cut-In lässt sich wie gehabt digital einstellen – sehr gut.  Die Spannung lässt sich zudem am Fader nach zuvorigem Ausbau justieren. 

Mein persönlicher Eindruck: Die Fader arbeiten sehr präzise und die digitalen wie analogen Konfigurationsmöglichkeiten lassen keine Wünsche offen. In Ermangelung einer direkten Vergleichsmöglichkeit zum MAG Three erlaube ich mir an dieser Stelle, meinen Bonedo.de Kollegen Dirk Duske zu zitieren, der den Direktvergleich so beschreibt:

„Bereits die MAG Three des Seventy-Two begeisterten die Turnablisten und Cut-Nerds. Jedoch um ihren Gleitwiderstand einzustellen, ist die Faceplate abzuschrauben. Zu Hause, kein Problem, aber beim Gig unmöglich. Denn mitunter muss man beim Gig vor allem den Crossfader der Situation anpassen. Scheppert der Bass zu sehr, sodass sich der extrem leichtgängige Crossfader durch Vibrationen von allein öffnet, sollte er etwas schwerer eingestellt werden. An dem neuen Seventy ein Kinderspiel! Die an der Frontseite angebrachte Tension-Schraube einfach nach links/rechts für einen leichteren/schwereren Gleitwiderstand drehen. Aber auch haptisch fühlen sich die Fader noch besser an und gleiten noch geschmeidiger. Bei der vorherigen Generation musste ich bisher gelegentlich die Fader-Bahn reinigen und mit Waffenöl schmieren. Bei den neuen MAG Four ist das völlig überflüssig. Auch sind sie nicht mehr so gewichtig, was ich allerdings neutral bewerte. Denn diese gefühlte Masse der MAG Three Fader bringt bei den Cuts ordentlich Schwung in die Kiste.“

Parametersteuerung

Die Parameter-Tasten können nun über die Mixer-Preferences direkt für Silent-Cues, Instant-Doubles oder zur Synchronisierung eingesetzt werden, weiterhin sind „normal“ und „custom“ als Vorgabe möglich, was abweichende Programmierung zulässt, ohne dass man gleich die ganze Page des Performance-Layers neu mappen müsste. Sinnvoll. 

DVS-Aux-Input

Richtig gelesen, der AUX-In kann nun ebenfalls als DVS-Eingang genutzt werden. Somit bekommen Anwender flexiblere Möglichkeiten für gemischte Setups. Diese Einstellung wird im Mixer in den Preferences vorgenommen und kann on-the-fly geändert werden. Auf den Fotos zu sehen: Das iPad liefert Timecode-Signal für den Aux-Input und Serato DVS.

VirtualDJ Kompatibilität

Der Gedanke im ersten Moment: Wie jetzt, Mobile-DJs Darling goes 72 MK2? Das soll VirtualDJ aber in keiner Form schmälern, ganz im Gegenteil. Es zeigt wieder einmal, wie engagiert man beim Hersteller Atomix ist, wie sehr sich die Software in den letzten Jahren verbessert hat und dass DVS kein ungeliebtes Stiefkind innerhalb VDJs ist. Nicht zu unterschätzen ist man seitens Rane so auch breiter aufgestellt.

Was die Integration selbst angeht, wurde analog zu Serato und den Beschriftungen am Pult gearbeitet, die Inbetriebnahme erfolgt Plug & Play und man kann zudem innerhalb von Virtual DJ wählen, ob man mit dem neuen Stem-Feature der Software (siehe Workshop) arbeiten möchte.

Bis auf die Effekte, den optionalen Pad-Modi, (noch) fehlenden Instant-Doubles sowie dem flexiblen EQ-Layout deckt sich der Workflow weitgehend ansonsten mit Serato DJ, die VDJ-Lizenz müsste jedoch separat und kostenpflichtig erworben werden. 

Was noch?

Soweit die Neuerungen und ich muss nach ein paar Stunden Praxistest attestieren, dass einem der Seventy Two MK2 Mit seinen Audio-, Filter- und Klangbearbeitungseigenschaften, dem möglichen Zuspieler-Reigen, den USB-Ports und zusätzlichen Controller-Elementen sowie gut reagierenden Pads und Hebeln, gibt einem der Seventy-Two das Beste aus zwei Welten an die Hand gibt.

Der 4,3 Zoll Touchscreen ist dabei in meinen Augen eine willkommene Unterstützung, denn er dient zur Musikauswahl, er zeigt Wellenformen und Effektparameter an, hier lassen sich diverse Einstellungen für das Pult vornehmen und obendrein lässt sich hiermit die Effektsteuerung inklusive X/Y-Feld realisieren. Das Display selbst reagiert ordentlich auf Benutzereingaben, die Waveforms lassen sich via Pinch zoomen und Needledrop in der Gesamtansicht ist auch möglich, die fließende Wellenformdarstellung könnte noch etwas geschmeidiger sein. Aber okay, das ist wohl jammern auf hohem Niveau.

Keine Frage, durch die Verkettung von Touchscreen-Eingaben und Control-Encodern, Drehreglern und Knobs habt ihr etliche „Eingriffsmöglichkeiten“ auf kleinstem Raum in Aussicht, jedoch ist die Steuerung verketteter FX oder einzelner Parameter mit lediglich einem Encoder, Touchscreen und Taste für mich persönlich etwas umständlich. Mir hätten einzelne Push-Encoder eher zugesagt, doch das lässt sich zugegebenermaßen auf diesem engen Raum wohl nicht realisieren. So haben RANE rausgeholt, was geht, das muss man lobend attestieren.

Konfektionieren

Das Pult lässt sich zudem in Teilen über die diversen Einstellmöglichkeiten in den Preferences „maßschneidern“, von der Filterresonanz über den Kopfhörerklang, Footswitch-Funktion, EQ-Crossovers, Panning, Phono-Sensibilität, DVS-Input, FX-Auswahl und Beat-Ranges bis hin zur Pad-Empfindlichkeit. Ein ausgezeichneter Mixer mit hervorragendem Sound, solider Performance und hinreichend Stellschrauben, um Turntablisten, DVS- und Vinyl-User diverser Spielrichtungen zufriedenzustellen. Wer mag, kann seinen „alten“ Rane Seventy Two MK1 übrigens mit MAG Four Fadern nachrüsten (Stückpreis: 119 € UVP) und ein Firmware-Update wird es auch geben.

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