Test
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08.04.2015

Praxis

Wie eingangs schon gesagt: Windows-Treiber waren zum Zeitpunkt des Tests noch nicht verfügbar. Da Rane nun aber wahrlich keine „Wald-und-Wiesen-Firma“ sind und bislang noch für jeden ihrer Mischer Windows-Treiber geliefert haben, ist das aber nur eine Frage der Zeit. Am Mac brauche ich dank Core Audio keine Treiber, um den Mischer mit Audiomaterial zu füttern.

Möchte ich jedoch in die Interna des Pults vordringen, wird die Installation unumgänglich. Auf den Seiten „General" und „Deck Inputs I-IV" hält das „Rane Control Panel" eine Vielzahl von Stellschrauben bereit, um das Pult auf das persönliche Setup zu trimmen. Hier findet sich Triviales, wie etwa das Umschalten des Main-Out von stereo auf mono oder die Wahl des MIDI-Kanals, aber auch Wichtigeres, wie etwa eine Klangregelung für den Kopfhörerausgang und das Aktivieren des MIDI-Port-Modus zum Senden von MIDI-Daten. Ein Fenster weiter kann ich dann für jeden der vier Eingangskanäle die Phono-Empfindlichkeit zwischen 5 und 10 mV (in 0,5 mV-Stufen) festlegen und entscheiden, ob das Signal vor oder nach der Klangregelung an den Audiowandler weiter geleitet werden soll. Außerdem lassen sich hier die Grenzfrequenzen des Dreiband-EQs zwischen 300/3000 Hz und 150/6000 Hz umschalten – wow.

Um die Fähigkeiten als Soundkarte zu erproben, starte ich zuerst einen Testlauf mit Ableton Live. Nachdem Mac OS den Mischer ohne Anstalten erkannt hat und die rückseitige, sehr helle USB-LED signalisiert, dass das Kabel korrekt verbunden ist, öffne ich die Voreinstellungen von Ableton. Der MP2015 erscheint hier erwartungsgemäß als Core Audio Gerät mit 14 Eingängen und 10 Ausgängen. Die Latenz lässt sich mit der minimalen Puffergröße von 32 Samples auf flinke 6,5 Millisekunden drücken.

Nächste Anlaufstelle ist dann Traktor – vornehmlich, um mich zu vergewissern, dass die versprochene Controller-Funktionalität gegeben ist. Spätestens hier braucht man dann auch das Control Panel, um „Port MIDI Enable“ zu aktivieren. In Traktor zeigt sich der MP2015 dann erwartungsgemäß als Audiogerät und als MIDI-Controller. Ein schneller Überflug über rudimentäre MIDI-Learn-Kommandos (Kanallautstärke, EQ, Gain, Filter) ist jedenfalls erfolgreich.

Phono Preamps

Kommen wir nun zu den Phono-Preamps Phono-Preamps: Die liefern ein blitzsauberes und wunderbar dynamisches Signal beim Eingangsverstärker ab. Im Vorteil sind hier sogar Besitzer eines alten Turntables, der über keinen integrierten Vorverstärker verfügt, sondern noch auf externe RIAA-Entzerrung und Verstärkung angewiesen ist. Apropos Eingangsverstärker: Aufgrund der 32 Bit Signalverarbeitung und der resultierenden 192 dB Dynamikumfang gelang es mir zu keinem Zeitpunkt, egal ob mutwillig oder fahrlässig, den MP2015 pegeltechnisch zu überfahren. Verzerrung ausgeschlossen.

Der darauf folgende Dreiband-EQ macht ebenfalls einen hervorragenden Job: Im Cut sorgt er bestimmungsgemäß für eine vollständige Auslöschung der gewählten Frequenzen, im Gain bewirken die eher sanften 6 dB eine gezielte Akzentuierung und die Möglichkeit, unstimmiges Material beim Mixen anzugleichen. Im Gegensatz zum Filter sind die Potis im EQ-Bereich in der 12-Uhr-Stellung leicht gerastert. Erstaunlich: Die Grenzfrequenzen der EQs darf ich über das Control-Panel sogar im laufenden Betrieb ändern. Welcher Einstellung man nun den Vorzug geben sollte, ist natürlich Geschmackssache. Die 150/6000-Option deckt natürlich einen weiteres Spektrum in den Mitten ab, wohingegen die 300/3000-Einstellung mehr Raum im Bass und in den Höhen lässt. Ich persönlich empfand letztere ein bisschen zupackender und moderner, erstgenannte eher etwas edler und dezenter.

So in Form gebracht, wandert das Signal in die Filterschaltung, die wahlweise im High- oder Lowpass- oder Dualmode-Betrieb arbeitet. Es deckt dabei das komplette Spektrum von 20 Hz – 20 kHz ab, sodass ich bis zur kompletten Signalauslöschung kurbeln kann und das mit frei einstellbarer Resonanz. Egal in welcher Einstellung, das Filter klingt erstklassig. Mein persönlicher Favorit ist ganz klar der Dualmode, bietet er in beide Richtungen (HP/LP) doch genug Regelweg, um die Filterfahrt ausreichend feinfühlig zu gestalten und gleichzeitig die Flexibilität, nahtlos vom einen in den anderen Modus zu wechseln. Beim reinen High- und Lowpass-Betrieb ist ein bisschen Routine gefragt, denn die Regelbewegung folgt logisch dem Frequenzspektrum. Sprich: Im Fall des Highpass bewirkt ein Linksanschlag des Potis gar nichts, dreht man es im Uhrzeigersinn (die Bässe weg) wird das Signal langsam ausgedünnt, bis es beim Rechtsanschlag ganz verschwindet (beim Lowpass genau umgekehrt)

Diese Einstellung birgt natürlich die Gefahr, dass der DJ, nachdem er einen Track komplett weggefiltert hat, die Poti-Stellung vergisst und beim nächsten, achtlosen Aktivieren des Filter-On-Tasters die Musik kurzerhand unterbricht. Nicht nur deshalb, sondern auch weil er direkt zwei Filtermodelle (HP/LP) in einem umsetzt, mochte ich den Dualmode grundsätzlich lieber. Ferner, weil dann die Reglerbewegung aus der 12-Uhr-Stellung heraus erfolgt (12 Uhr = keine Filterung, nach links = Lowpass, nach rechts = Highpass). Am Rande möchte ich lobend erwähnen, dass sämtliche Taster-Schaltvorgänge absolut ohne hörbare Knackser erfolgen.

Einen tadellosen Klang und eine immense Verstärkungsleistung findet sich auch beim Mikrofoneingang, der zusätzlich mit einer einfachen High/Low Frequenzgewichtung ausgestattet ist. Etwas überrascht war ich allerdings vom Duck-Taster, der wider Erwarten keine Sidechain-Kompressionsschleife aktiviert, sondern lediglich eine temporäre Lautstärkeabsenkung, solange ich den Knopf gedrückt halte. Noch ein bisschen enttäuschender ist allerdings der Umstand zu werten, dass sich das Mikrofonsignal nicht separat an den Rechner senden lässt. Das hätte das Einsatzspektrum des MP2015 im Studio nämlich noch mächtig erweitert. Aber vielleicht ist hier ja sogar softwareseitig noch was machbar … Firmware-Update, Rane?!

Um das Publikum beim Ausprobieren von Tracks und Filtereinstellungen nicht zu irritieren, sind natürlich alle Kanäle inklusive Sub-Kanal vorhörbar. Ein hintergrundbeleuchteter Taster gibt über den Status Auskunft. Der Kopfhörerverstärker verfügt über gigantische Lautstärkereserven und liefert selbst hochohmigeren Vertretern mehr als genug Strom auf die Membran. Wahlweise agiert er dann im regulären Cue- oder im Split-Cue-Modus.

Schlussendlich landet die Mischung beim Dreiband-Isolator mit seinen regelbaren Grenzfrequenzen. Ob man diesen jetzt für dramatische Cuts oder für die homöopathische Austarierung der Raumakustik und Anlage nutzt, ist natürlich Geschmackssache. Beides ist jedenfalls möglich, denn der Regelbereich der einzelnen Bänder, vom vollen Cut bis zu voluminösen Gain, lässt einen weiten Spielraum zu.

Für mich persönlich am erstaunlichsten war allerdings, wie sehr ich mich in meiner anfänglichen Einschätzung geirrt hatte, dass ich mit dem Rotary nun einen etwas behäbigen, auf lange, sanfte Übergänge angelegten Stil fahren würde. Das Gegenteil ist der Fall: Da von den Potis und den dahinterliegenden Funktionen (EQ, Filter, Volume) ein extremer „Spiel-mit-mir“ Reiz ausgeht, fand ich mich unversehens in wildesten Filter-Sessions mit mindestens drei laufenden Tracks wieder. Zweiter Punkt: Ich dachte im Vorfeld, dass ich bevorzugt mit einem Rechtsanschlag der Potis arbeiten und den Gain so wählen würde, dass ich die Kanal-Rotarys voll aufreißen kann. Mitnichten. Tatsächlich ging ich unbewusst zu einem Mix-Stil über, bei dem die Volume-Potis überwiegend auf 15 Uhr standen. Dies entspricht Position 8 auf der 10er-Skalierung und lässt „Luft“ nach oben.  

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