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Test
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18.07.2016

Praxis

Pitch Edit in der Praxis 

Der neue Editor von Propellerhead Reason 9 ist sinnvoll im Sequenzer untergebracht. Durch einen Doppelklick auf eine Audioregion wechselt Reason wie gewohnt in den Edit-Modus, in dem Comp Edit, Slice Edit und nun auch Pitch Edit zur Auswahl stehen. Praktisch ist, dass die Audiodatei nicht mehr umgewandelt werden muss, da Reason die Datei schon beim Import beziehungsweise nach der Aufnahme analysiert. So stehen die Aufnahmen gleich zur Bearbeitung in Pitch Edit bereit und müssen nicht mehr umgewandelt werden. Die Korrekturen werden wie auch die Audiodateien im Projekt gespeichert. Hier liegt der Editor im Vorteil, da er im Programm fest verankert ist. Demnach muss man sich nicht um versehentlich gelöschte Transfer-Dateien Gedanken machen oder nach beendeter Pitch-Correction-Arbeit zwanghaft die Bounce-in-Place-Funktion verwenden.

Gleich zu Beginn fällt leider auf, dass der Pitch-Editor nur monophone Signale korrigieren kann. Das ist ein Nachteil gegenüber Celemony Melodyne, welches seit der Einführung der DNA-Technologie den direkten Zugriff auf alle Noten innerhalb polyphoner Aufnahmen ermöglicht. So können etwa einzelne Noten von Gitarren-Chords korrigiert werden. Eine Funktion, die Leben retten kann – oder zumindest polyphone Aufnahmen.

Auf der linken Seite befindet sich eine allgemeine Tonhöhen-Bearbeitung, mit der die selektierten Noten gleich auf den absolut korrekten Wert gesetzt werden. Im Test werden gleich die korrekten Noten erkannt und die Töne auf die exakten Werte gesetzt. Allerdings vermisse ich als Melodyne-Nutzer die praktische Funktion, Timing und Tonhöhe näherungsweise in Prozent zu korrigieren, damit sie nicht gleich auf absolute Werte springen. Das sollte Propellerhead noch ergänzen. Ein dazugehöriger Reset-Button setzt die Bearbeitung wieder zurück.

Direkt darunter kann mit „Transpositior“ die Schrittweite für die Tonhöhe festgelegt werden. Standardmäßig ist hier „Jump“ ausgewählt, mit dem die Noten in Halbtonschritten bewegt werden, jedoch immer im relativen Wert, wodurch die Cent-Abweichungen der Originale erhalten bleiben. Möchte man die Noten beim Verändern der Tonhöhe gleich auf absolute Werte setzen, wechselt man zuvor ganz einfach in den Modus „Snap“. Zur präzisen Bearbeitung im Cent-Bereich dient der „Fine“-Modus. Manchmal kann die Tonwiedergabe während der Bearbeitung störend sein, weshalb sie mit dem darunter befindlichen Button „Monitor“ deaktiviert werden kann.

Insgesamt lässt sich der Editor einfach bedienen. Wer schon einmal mit einem Tonhöhen-Editor gearbeitet hat, findet sich schnell zurecht und auch als Einsteiger wird man sicherlich schnell zum Ziel kommen, da die Oberfläche überschaubar und durch entsprechende Erklärungen intuitiv bedienbar ist. Tonhöhe, Timing, Abweichung und Übergang können direkt an den Noten selbst justiert werden. Alle weiteren Parameter lassen sich in der Werkzeug-Leiste numerisch eingegeben.

Wie klingt Pitch Edit?

Schnell fällt auf, dass einfache Korrekturen brauchbare Ergebnisse liefern. Doch wie verhält sich der Klang, wenn man von den originalen Noten stark abweicht? In den folgenden Beispielen habe ich eine Vocal-Aufnahme zunächst mit Pitch Edit korrigiert, indem ich alle Töne auf absolut korrekten Wert gesetzt habe. Zum Vergleich dieselbe Vorgehensweise mit Celemony Melodyne 4 – alle Töne auf exakten Wert.

Sowohl Pitch Edit als auch Melodyne klingen bei der Tonhöhenkorrektur authentisch. Das ist allerdings bis hierhin auch kein großes Kunststück, schließlich wurden die Töne nur um wenige Cent korrigiert, daher nehmen wir nun extremere Einstellungen vor. Wie klingt es, wenn die Aufnahme vier Halbtöne nach oben transponiert wird?

Mit diesem Ergebnis hätte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Im Vergleich ist das Ergebnis mit Pitch Edit wesentlich sauberer und dadurch authentischer. Melodyne fügt dem Signal bei einer Abweichung von vier Halbtönen Artefakte hinzu, die den Sound verwaschener erscheinen lassen. Zugegeben, bei beiden Editoren hört man natürlich, dass es nicht tatsächlich so gesungen wurde. 

Wie gut schlägt sich Pitch Edit bei verschobenen Formanten von Vocals? 

Auch beim Formant-Shifting führt Pitch Edit zu einem sauberen Ergebnis, wobei der Unterschied  nicht so deutlich ist wie bei der Tonhöhenverschiebung. Im Gegensatz zu Melodyne tritt mit Pitch Edit beim Herunterverschieben der Formanten ein Pegelverlust von etwa 6 dB ein, der sich zwar direkt im Editor wieder aufholen lässt, aber eigentlich so nicht sein sollte – gar nicht mal so gut. 

Entscheiden wir uns für das nächste Extrem und entfernen das Vibrato der Stimme, um den im Volksmund bekannten „Cher-“ oder „Autotune-Effekt“ zu erzielen. Die Tonhöhe der Noten auf exakten Wert und Vibrato auf null. Überraschend ist, dass Pitch Edit bei dieser Extrem-Einstellung die Konsonanten bewahren kann, die verglichen mit Melodyne dann doch stark verändert werden. Bei der Nutzung von Melodyne sollte man Konsonanten immer getrennt bearbeiten oder sogar ganz belassen –darauf weisen selbst die Tutorials auf der Website von Celemony hin. Interessant ist trotzdem, dass Pitch Edit die Konsonanten weitestgehend in Ruhe lässt. Die Reduzierung des Vibratos dagegen erscheint in Melodyne ein wenig „glatter“.

Pitch Edit kann Teile des Vibratos beibehalten, um das bearbeitete Signal natürlicher wirken zu lassen. Stellt man „Erhalten“ auf etwa 50% und belässt den Vibrato auf null, ist der Vibrato zwar stark reduziert, erscheint im Gesamten jedoch humaner.

Für wen lohnt sich Pitch Edit?

Insgesamt ist Pitch Edit solide ausgestattet und bringt eine hervorragend gute Klangqualität an den Tag. In diesem Beispiel hatte der neue Editor oftmals die Nase vorn, doch wie gut das Ergebnis wird, hängt natürlich immer vom Ausgangsmaterial ab. Um monophone Aufnahmen wie Vocals oder mono gespielte Solo-Instrumente gezielt zu editieren, reicht Pitch Edit also vollkommen aus.

Wer allerdings häufig in Akkorde eingreifen möchte, kommt um Melodynes DNA-Technologie nicht herum, denn diese Möglichkeit bietet Pitch Edit nicht. Möchte man in Reason hingegen nur Formanten verschieben oder den „Autotune-Effekt“ anwenden, ist man mit dem guten alten Neptune immer noch bestens beraten und kann sich das Update sparen.

Player in der Praxis

Die Player können in jede MIDI-Spur insertiert werden und MIDI-Noten wahlweise nur live erzeugen oder mit „Direct Record“ beim Recording auch gleich in den Sequenzer aufnehmen. So liegen die erzeugten Noten der Akkorde gleich in der Pianorolle vor und lassen sich wie gewohnt weiterverarbeiten und exportieren – sehr praktisch! Picken wir uns mal ein paar der neuen Reason 9 Sounds heraus und schauen uns in einem Video einmal an, was man mit den Playern daraus machen kann. Dabei werde ich so wenig wie möglich selbst einspielen und schauen, wie viel Kompositionsarbeit mir die Player abnehmen können. Schließlich verspricht Propellerhead im Werbespot, dass sich mit nur einem Finger komplette Akkord-Figuren spielen lassen. Los geht’s!

Alle drei Player bereichern auf sich alleine gestellt Reason ungemein. Wie im Video zu sehen, ist es jedoch die Kombination und auch Anordnung im Signalfluss, die das Maximum herausholt und die Player sehr flexibel einsetzbar macht. DAWs wie Logic und Cubase, aber auch andere Produktions- und Kompositionssoftware, etwa Native Instruments Maschine oder Komplete Kontrol, verfügen schon länger über Spielhilfen für Skalen und Akkorde. „Scales and Chords“ ist im Vergleich durch umfangreiche Skalen, Umkehrungen, Oktavierungen und Paralleltonarten wirklich bestens ausgestattet, um aufwendige Arrangements zu zaubern.

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