Workshop_Folge Workshop_Thema
Workshop
10
09.08.2019

Production Tutorial Boom Bap Beats #1 – Drums und Beat


Beat Production Workshop Old School Hip Hop

Das Wichtigste im Hip-Hop sind und bleiben die Drums. Egal, ob es sich um Trap, Cloud Rap oder eben Boom Bap handelt, die Drums müssen knallen, sonst treiben sie den Beat nicht voran. Wer glaubt, für gute Drum-Samples viel Geld ausgeben zu müssen, irrt. Auch für waschechte Boom-Bap-Drums gibt es natürlich Freeware-Lösung!

Details

Fette Drums für lau!

Prinzipiell kommt wahrscheinlich jede DAW mit einem Drum-Sampler und dazugehörigen Drum-Samples. Oft sind die für Hip-Hop aber zu harmlos oder einfach zu clean. Aber nicht verzagen, denn wozu gibt es schließlich Freeware-Drum-Plugins. StudioLinked bieten mit ihrem Drum Pro die Lösung für solche Fälle, nämlich massenhaft gut klingende Lo-fi-Drum-Samples, absolut umsonst.

Drums programmieren

Wir wählen das SP-1200-Kit und suchen uns die passenden Sounds. Die beiden Kick-Sounds klingen bereits einzeln recht gut, aber zusammen ergänzen sie sich perfekt: Sound 1 liefert den Charakter, Sound 2 den Punch. Die erste Snare des Kits passt astrein zu unserem Beat und so können wir jetzt unseren Basic-Drum-Groove einspielen. Ich stelle das Tempo auf 89 bpm, das ist nah am klassischen Oldschool-Hip-Hop-Tempo von 90 bpm, und nehme einen ebenso klassischen Groove auf.

Kick- und Snare-Pattern

Anstatt jetzt die Quantisierungsfunktion zu nutzen, was total langweilig klingen würde, gehen wir einen anderen Weg. Wir verschieben die einzelnen Drum-Hits per Hand – die Kicks ein bisschen nach rechts, die Snares ein bisschen nach links, mal mehr, mal weniger. So entsteht ein interessanter Groove, den Jacob Collier passend mit einem rollenden Ei umschreibt, und der in unzähligen Beats, Songs und Musikstilen Anwendung findet. Auf unsere Drums angewendet klingt das dann so:

Um Kick und Snare getrennt voneinander bearbeiten zu können, öffnen wir eine weitere Instanz von Drum Pro, wählen wieder das SP-1200-Kit und kopieren das MIDI-Event auf diese Spur. Nun muten wir im oberen Event die Snare-Hits und im unteren Event die Kicks. So wird auf jeder Spur nur ein Instrument abgespielt und wir können beide später individuell bearbeiten.

Als nächstes kommen die Hi-Hats. Auch die werden im Boom Bap eher einfach gesetzt, wir brauchen also keine komplexen Snare-Rolls wie im Trap. Dazu öffnen wir eine dritte Instanz von Drum Pro, wieder mit dem SP-1200-Kit und wieder wählen wir den ersten der beiden Sounds dieser Kategorie aus, nämlich den Hi-Hat 1. Ich spiele durchgängige Hi-Hats ein, dieses Mal wählen wir aber eine andere Bearbeitungstechnik. Nach der Aufnahme quantisiere ich zuerst alle Hi-Hats, sodass sie völlig gerade sind, anschließend verschiebe ich dann aber alle ein ordentliches Stück nach rechts. So sind sie gleichzeitig quantisiert und verschoben, und tragen wieder zum Groove der Drums bei.

Am Drum-Sound feilen

Mehr Drums brauchen wir erst einmal nicht. Deshalb kümmern wir uns jetzt um den Klang der Drums. Zuerst setze ich bei der Kick einen Low-Cut ab 37 Hz, denn diesen Frequenzbereich brauchen wir absolut nicht. Ich nutze dafür den EQ von Studio One, aber du kannst natürlich jeden anderen EQ nutzen.

Als nächstes braucht die Kick mehr Punch. Dafür nutze ich ein Plugin von Native Instruments, das in Komplete Start enthalten ist, es heißt Supercharger. Das Bundle ist absolut kostenlos und enthält neben Effekt-Plug-ins auch Reaktormodule, Kontakt-Libraries und selbst Machine-Kits. Hol dir dieses Paket hier.

Nach dem Laden des Plugins auf die Kickspur als Insert-Effekt wähle ich das Preset Dirty Kick, aktiviere den Punch, setze den Wet-/Dry-Regler auf 67% und den Output auf + 8,4 dB. Dann klingt die Kick so:

Nun zur Snare: An sich klingt sie gut, aber auch irgendwie zu brav. Deshalb machen wir sie mit einem Freeware-Transienten-Designer knackiger und kürzer. Wie du siehst, habe ich die beiden Parameter Attack und Sustain fast voll ausgeschöpft, dadurch knallt die Snare viel besser.

Allerdings finde ich sie noch immer nicht kräftig genug, deshalb greife ich noch zu einem weiteren Freeware-Tool, das du dir unbedingt besorgen solltest. Es handelt sich dabei um FuzzPlus 3 von Audio Damage. Diese Fuzz-Pedal-Emulation ist wirklich fantastisch und erweckt unsere Snare zum Leben und das bereits mit den Default-Einstellungen! Das Knacken am Ende des Samples wird später komplett im Beat untergehen. Zum Schluss verpasse ich der Snare noch etwas Hall. Ich nehme dafür wieder das Stock-Plug-in von Studio One, aber du kannst natürlich auf eine Alternative zurückgreifen.

Die fertigen Drums

An der Hi-Hat-Spur selbst müssen wir keine Modifikationen vornehmen. Bleibt nur, alle Spuren zu balancieren und mit etwas Bus-Kompression noch kompakter zu machen. Und so klingen unsere Drums dann also.

Verwandte Artikel

User Kommentare