Software Hersteller_Presonus
Test
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24.12.2017

Praxis

Performance Boost

Presonus Studio One 3.5 lief im Testzeitraum auf verschiedenen Macs und mit unterschiedlichen Interfaces. Darunter waren solche im Einsteiger-Level (Centrance MicPort, Focusrite Saffire), der Mittelklasse (MotU 896mkIII) sowie der Luxusklasse (Lavry AD11/DA11 und Merging Technologies HAPI). Ob USB-, FireWire oder Ethernet-Interface, sie alle zeigten eine Performance-Verbesserung – wenngleich natürlich die besten Ergebnisse in Verbindung mit dem aktuellsten Thunderbolt-Interface Presonus Quantum zu erwarten sind.  

 

Die Funktion „Low Latency“ muss erst aktiviert werden und wird mit einem kleinen „Z“ unterhalb des Output-Faders angezeigt, wo es sich umschalten lässt: Leuchtet es grün, ist der softwareseitige Low-Latency-Modus für das Monitoring aktiv, ein blaues Leuchten indiziert hardwarebasiertes Monitoring – etwa mit vorgenanntem Presonus-Interface. Für Instrumente muss der Modus unter „Preferences →  Audio → Enable low latency mode for instruments“ aktiviert werden, was wie etwa bei Apple Logic eine massive Beschleunigung der Ausgabe zur Folge hat (und dadurch oftmals überhaupt erst so etwas wie Spielbarkeit ermöglicht). Einspielen mit Effekten ist nun ebenfalls möglich. Und das ist ein Segen!

Neu gewonnene Freiheit – Arranger-Track und Scratch Pad

Das Scratch-Pad als „Test-Arrangement“ ist zwar kein weltbewegendes Tool, stellt aber doch eine klare Vereinfachung bei der Arbeit dar. Wie oft habe ich ein zweites Arrangement hinter dem eigentlichen Track begonnen, um etwas auszuprobieren, oder sogar eine neue Version gespeichert (und damit die Gefahr erhöht, den Überblick zu verlieren).  Der Arranger funktioniert natürlich ebenfalls gut, doch sollte jedem klar sein, dass er nur sehr grob und einfach arbeitet. Auftakte, Überlappungen, Odd Meters, Tempoänderungen – das kann schnell „lustig“ werden. Dafür ist er schnell und intuitiv zu bedienen: Ein Bereich wird markiert, dann „Arranger Selection“ per Rechtsklick auswählen, Namen vergeben – fertig. Wenn ich überlege, was ich dereinst mit Meta Events im Logic hantiert habe. Aber auch klar: An den König Ableton Live kommt so schnell niemand ran. Das will Studio One aber auch gar nicht. Eine weitere schöne Neuerung ist, dass nun endlich Mixeraktionen in die Undo-Liste aufgenommen werden. 

Multi-Instruments: einfach aufeinanderziehen, dazu Effekte – schön simpel

Sound-Layering, Keysplits und dergleichen könnten einfacher, schneller und verständlicher kaum sein. Kombinationen mit Studio One zu erstellen ist so leicht wie ein Käsebrot zu machen: Aus dem Browserfenster nimmt man sich ein weiteres Instrument, zieht es auf eine bestehende Instrument-Spur und bekommt „Combine“ angeboten. Daraufhin lassen sich Keyzones/Splits, MIDI- und Audio-Effekte einrichten, um ein komplexes Gesamtinstrument zu erschaffen. Wer mag, kann dann noch Makro-Regler für die Steuerung erstellen – auch das geht schön simpel von der Hand, kann bei Bedarf aber deutlich in die Tiefe gehen, etwa mit dem Verändern der Reaktionskurve für Regelwege.

Schlaue Instrumente, gute Plugs

 

 

Der Mai Tai ist wie zu erwarten eine Wucht und wird bei so manchem User sicherlich im Composing-Preset landen. Die Audiowelt scheint etwas gelernt zu haben: In der Preset-Liste finden sich nur wenige „Shop Demonstration“-Presets, die wie in Show-Off-Manier manchem Klangerzeuger alles aus dem Instrument herauskitzeln, was machbar ist. Diese oft spektakulären Kirmes-Sounds sind im Regelfall in kaum einem Mix unterzubringen. Ein Preset wie „Schwarzmarkt“ aus dem Mai Tai hingegen ist ein nicht zu platter Alltags-Sound, der überall eingesetzt werden kann und in allen Lagen gut funktioniert – eine gute Grundlage zur individuellen Weiterentwicklung. Und das ist nur eines von sehr vielen Presets. Hier wurde gut mitgedacht! 

Das gilt auch für den einfachen, aber zielführenden Fat Channel 3.5. sowie für den Presence XT, der mit weitreichendem File-Support punkten kann. Sicher sind die EQs und Dynamikbearbeitungen mit Plug-ins der namhaften Hersteller einen Tick besser, aber Bauchschmerzen muss man selbst dann nicht haben, wenn man den Fat Channel XL auf Vocals anwendet. Besonders fein: Presonus‘ Plug-ins sind allesamt sehr ressourcenschonend.

Malheur

Das System lief im Test stabil, von einem einzelnen Malheur möchte ich dennoch berichten. Ich hatte ein kleines, feines Recording-Setup mit in einem Studio im Wendland und dort live Basic Tracks aufgenommen. Nach den ersten Aufnahmen gab es plötzlich einen „Zug“ – die Takes wurden von Mal zu Mal besser. Statt die einzelnen Aufnahmen jeweils anzuhören, haben wir mehrere Takes des Songs hintereinander gespielt. In dem Glauben mindestens zwei klasse Aufnahmen im Kasten zu haben, habe ich dann schnell Space („Stop“) und Apfel-S („Save“) gedrückt. Ergebnis: Komplettabsturz des Programmes. Und leider waren auch keine Files auf der Platte zu finden, nicht einmal temporäre. So etwas kann, sollte aber möglichst nicht passieren. Immerhin kann sich jemand im Datennirvana jetzt ein tierisch groovendes Stück anhören. Aber ein Trost für das Diesseits ist das wahrlich nicht.

Insgesamt sehr zufrieden

Insgesamt aber bin ich absolut zufrieden mit Presonus Studio One in der neuesten Version. Es gibt wenig, wofür man das Handbuch zu Rate ziehen muss, wenn man schon andere DAWs kennt. Es werden nicht auf Teufel komm raus neue Marketing-Begriffe eingeführt, die dem User das Finden bekannter Funktionen im Programm (und somit auch im Handbuch!) erschweren. Auch für Einsteiger ist Studio One trotz gewachsener Funktionsfülle ein sehr geeignetes Produktionstool – wenn man nicht auf eine Surround-Integration angewiesen ist, wie sie andere Systeme liefern. Presonus macht insgesamt aber so einiges richtig mit seiner DAW!

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