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11.01.2019

Playback auf der Bühne - es muss nicht immer mit Laptop sein

Tipps für die Live-Performance

Alternativen für jedes Budget

Auch wenn sich alle Welt heutzutage mit einem Laptop auf die Bühne stellt - es gibt Musikerinnen und Musiker, die finden es total unsexy, ihre Playbacks auf einem Bildschirm abzuspielen. Zum einen findet nicht jede oder jeder Gefallen an der optischen Erscheinung und Präsenz eines Computers auf der Bühne, zum anderen kann die Steuerung, bei der man quasi gezwungen ist, auf einen Screen zu schauen, vor allem als Ablenkung vom Wesentlichen empfunden werden. Die Aufmerksamkeit, die dem Laptop gewidmet wird, muss schließlich erstmal vom Publikum abgezogen werden.

Was für einen DJ ganz normal ist, kann einen Liveact schnell mal aus dem Flow bringen. Dann gibt es Musikprojekte, die klingen zwar mit den zahlreichen Produktionsmöglichkeiten im Studio sensationell, aber live haben sie Schwierigkeiten, diesen Sound zu reproduzieren. Es bietet sich daher an, das alles, was nicht von den Musikerinnen und Musikern live gespielt werden kann, zusätzlich vom Band kommt. "Backingtracks", Audio-Aufnahmen aus verschiedenen Tonspuren, auch "Halb-Playback" genannt, die es ermöglichen, Gesangs-und / oder Instrumentalspuren live hinzu zufügen, sind eine gute Lösung. In beiden Fällen stellt sich jedoch nun die Frage: Welches Equipment gibt es, wenn ihr auf den Computer verzichten wollt?

Was ist die einfachste und günstigste Variante?

Audiodatei per Track

Das erste, was euch vermutlich in den Sinn kommt und was auf jeden Fall auch die einfachste und kostengünstigste Variante ist, wäre eine Audiodatei pro Track zu erzeugen, die ihr dann parallel von einem Player eurer Wahl (MP3 Player, Smartphone, iPad etc.) zum jeweiligen Song abspielt. Bedenken solltet ihr hierbei, dass von euch von der Bühne dann nur noch zwei Signale (Live und Playback) ausgehen oder, wenn ihr einen Klick integriert und mit einem Splitter- bzw. Y-Kabel arbeitet, sogar nur noch eine Spur bei der Tontechnik ankommt. Das wiederum bedeutet, dass es von außen kaum Möglichkeiten gibt in den Gesamtklang eurer Performance einzugreifen. Je nachdem welche Musik ihr macht, ist das ja vielleicht auch okay so. Ansonsten solltet ihr euch auf jeden Fall nach einer besseren Alternative umschauen.

Gibt es sowas wie einen Klassiker, um Audio-Playbacks abzuspielen?

Multitrack Recorder

Na klar, und das nicht erst seit gestern. Digital Tape Recording heißt das Zauberwort. Multitrack Recorder wie der legendäre DA-88, ein digitaler 8-Spur Recorder aus dem Jahre 1993 von Tascam, sind seit jeher im Einsatz, und nach wie vor bieten Harddiskrekorder und Player Musikerinnen und Musikern weltweit eine gute und absturzsichere Alternative zum Computer. Diese älteren, ziemlich robusten Geräte wie z. B. auch den DA-38 findet ihr auf sämtlichen Online-Auktionsplattformen für geringes Geld und damit bekommt ihr für gewöhnlich 8 Spuren plus MIDI-Kopplungsmöglichkeiten. Aber auch die neuen Modelle lassen sich nicht lumpen, im Gegenteil:

The "Band in the Box"

Ein handliches, leicht bedienbares Gerät und inzwischen auch preislich erschwinglich ist z. B. der Cymatic Audio Live Player LP-16, ein 16-Track Audio/MIDI-Player mit integriertem USB-Audiointerface. Für gerade mal knapp 250 Euro (statt wie bisher um die 400 Euro) bekommt ihr eine Art "Band in the Box" in Form eines Audio-/ MIDI-Players, mit dem ihr bis zu sechzehn unterschiedliche Tracks oder Spuren auf gleichviele Outputs verteilen könnt. Das heißt, dass ihr eure Live-Performance kinderleicht durch zusätzliche, separat abmischbare Spuren erweitern könnt.

Abspielen lassen sich sowohl Standard-MIDI- und Multitrackfiles sowie WAV-Dateien. Für die ideale Vorbereitung eures Live-Sets, könnt ihr den Cymatic sowohl mit eurem PC oder Mac als auch mit eurem iPad verbinden. Das Multitrack Playback könnt ihr direkt vom USB-Speichermedium abspielen und falls ihr eure Hände anderswo benötigt, lässt sich über einen 6,3-mm-Klinkeneingang ein Fußschalter zum Starten anbringen.

Was bietet sich sonst noch als taugliche Audio-Playback-Variante an?

Boss RC 3 Loop Station

Eine weitere preiswerte Variante ist das Arbeiten mit der Boss RC 3 Loop Station. Die bekommt ihr für knappe 140 Euro und mal abgesehen davon, dass natürlich auch das Live Looping Spaß macht, habt ihr zudem noch eine integrierte Rhythmusmaschine - der Sound ist natürlich Geschmacksfrage und ihr könnt das kleine feuerrote Pedal auch dazu nutzen, um eure Playbacks abzuspielen. Das Bespielen mit den externen WAV-Dateien ist anfänglich etwas fummelig, aber sobald ihr mit den Vorgaben der Ordnerstrukturen vertraut seid, ist auch das Bestücken der RC-3 mit WAV-Files von eurem Computer aus ganz easy.

Eignen sich Wearables zum Abspielen von Playbacks?

Mimu Gloves und 3D Drum Dress

Okay, hier ist zwar ein Laptop integriert, aber der muss nicht sichtbar sein und ihr müsst diesen auch nicht sehen. Waerables sind meiner Meinung nach ein gutes Beispiel dafür, wie mit modernster Computertechnologie die Nutzung des Rechners dann doch wieder ganz schön sexy sein kann. Mimu Gloves, die gefeierten MIDI-Handschuhe von Imogen Heap sind euch sicher auch schon mal unter-gekommen:

Bald soll das Modell in Serie gehen und falls ihr euch gern selbst einen solchen MIDI-Controller bauen wollt, nur zu! Inzwischen gibt es sogar schon DIY-Bausätze für Kinder. Sehr spektakulär ist auch das 3D Drum Dress der Schlagzeugerin Lizzy Scharnofske, die auf einem kabellosen Kleid mit integrierten MIDI-Pads und Triggern Drum Sounds, Bässe und Melodien spielt, aber auch Sprachsamples erzeugen kann. In Zukunft wird es sicher noch viel mehr Fusionen aus den Bereichen Mode, Technologien und Musik geben. Dann wird es vermutlich auch irgendwann erschwinglich sein, sich mit Wearables auszustatten und sich damit auf der Bühne zu begleiten. Bis dahin und falls ihr nicht selbst eure eigene MIDI-Kleidung entwerft und baut, bleibt das jedoch noch Zukunftsmusik:

Bei vielen Musikprojekten macht es einfach total Sinn, mit Audio-Playbacks statt einer Backing Band auf die Bühne zu gehen. "And The Golden Choir" tritt z. B. mit einem Plattenspieler auf und spielt seine Playbacks als Dubplate ab. Wenn ihr auf den Einsatz eines Computers verzichten möchtet, gibt es auf jeden Fall eine Menge Alternativen und neben den hier erwähnten Beispielen sind eurer Fantasie keine Grenzen gesetzt ...

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